Das Wappen der Familie 

Wappenwandel eines niederländischen Geschlechtes in Deutschland und in Böhmen
Eine heraldische Reportage über das Wappen der van Alken-d'Alquen von Roman Freiherr v. Procházka

Wappenwandel? — Ist doch gerade das gleiche Familienwappen ein Sinnbild der gemeinsamen Abstammung! Wie ist denn dann eine verschiedene Entwicklung der Heroldsfiguren und Beizeichen eines Wappens desselben Geschlechtes im Laufe von Jahrhunderten zu erklären, umsomehr, wenn die Änderungen nicht stets den Regeln der zünftigen Heraldik entsprechen?

Im Nachstehenden sollen zu diesem Thema Forschungsergebnisse aus den letzten Jahrzehnten betreffend die aus den Niederlanden stammenden van (der) Alken, d'Alken, Dalcken, Dalquen d'Alquen kurz dargestellt werden.

Urkundlich erscheint am 2. Juni 1295 in einer Urkunde des Grafen Arnold v.Looz vor dem Kapitel zu St. Lambert in Lüttich der dort dreimal als „Chevalier" des Grafen genannte Ritter Lowis de Alken als Zeuge. Die Grafen v.Looz regierten, nachdem bereits 1203 Ludwig Graf v.Looz die Grafschaft dem Hochstifte Lüttich zu Lehen gegeben hatte, damals in der von ihm erheirateten Grafschaft Nyel (Nielle), die zwischen der Freien Reichsstadt Sankt Truden (Sint-Trond - Sint Truiden) und Tongeren lag. Im Wappen der Grafschaft Nyel tritt nun als Heroldsfigur im goldenen Schild ein rechtsgekehrter, sogenannter „leopardierter", d.h. mit dem Kopfe dem Beschauer zugewandter roter, blau bewehrter und bezungter Löwe auf, der seit dem 13.Jhdt als Vasallitätsabzeichen in den Familienwappen etlicher aus dem Gebiete der genannten Grafschaft, in welchem ja auch Alken lag, stammender Geschlechter entweder im rechten Obereck (wie z.B. bei Colchon, s.unten), oder im Schildhaupt (wie bei den van Alken) aufscheint; nur so ist die allen Regeln der Heroldskunst widersprechende Tatsache zu erklären, daß die bei den aus Alken nach Sankt Truden übersiedelten Vorfahren der van Alken sich eben eine solche unheraldische Zusammensetzung von zwei goldenen Feldern übereinander, dem eigentlichen alten Geschlechtswappen nämlich, den drei Vögeln in Gold und dem herrschaftlichen Gnadenwappen, dem roten Löwen ebenfalls in Gold, entwickelt hat.

Zur Abgrenzung dieser beiden Wappen in einem einzigen Schilde wurden nun entweder ein waagrechter Faden bzw. eine aufgelegte Leiste, oder aber in der niederländischen Heraldik häufig vorkommende typische Beizeichen, rote liegende rechteckige Schindeln („billettes couchees") um den roten Löwen im Schildhaupt herum benützt, wodurch dasselbe gegenüber dem einfarbig goldmetallenen untern Teil des Schildes ein rein visuell unterschiedlich aussehendes Feld erhielt.

Die drei Vögel des Familienwappens waren vorerst der gotischen Dreiecksform des Schildfußes angepaßt; sie erscheinen daher oben zwei und darunter der dritte (2,1,): unter rotem Schildhaupt mit blaubezungtem und -bewehrten roten Löwen drei schwarze, rotbewehrte Vögel in Silber. Desgleichen wurde der Löwe der länglichen Form des Schildhauptes angepaßt und daher „schreitend", mit über dem Rücken zurückgeschlagenen Schweif, dargestellt.

Erst seit dem 17.Jhdt beginnt dann auf dem mehr rechteckigen Schilde die „balkenweise" Anordnung der Vögel, d.h. hintereinander, auf einem auch als „Wasser" gedeuteten Sockel oder Rasen, ebenso wie zwischen dem Schildhaupt und dem Familienwappen ein plastisch hervorstehender Querbalken auftritt. Später dann, offenbar erst seit der Übersiedlung des Geschlechtes nach Deutschland während des Dreißigjährigen Krieges, dürfte aber auch, eben weil man sich der verschiedenen heraldischen Ungereimtheiten bewußt war, ein Ausweg dadurch gefunden worden sein, daß man die Farben im Schildhaupt „verwechselte", d.h. aus dem roten Löwen in Gold wurde ein goldener Löwe in Rot, wodurch auch den Regeln der Heroldskunst Genüge getan wurde.


Die ältesten van Alken-Siegel sind auf zwei Urkunden im Kgl. belgischen Reichsarchiv in Hasselt d.d. 5.5.1562 und 24.9.1571 erhalten (s.Abb.l). Sie zeigen unter einem Stechhelm mit wachsendem Löwen als Kleinod in geteiltem Schild oben einen halb aufgerichteten Löwen, unten drei (2,1,) schreitende Vögel, Umschrift ADAM VAN ALKEN, der nach 1576 als Schöffe in Sankt Truden und Lehensträger zu Koeninxheim bei Maastricht starb.
 
 

Rietstap als auch die Wappenbücher von de Raedt, Goole, Limbourg, Herckenrode u.a. bringen sechs Varianten der den roten Löwen im Schildhaupt begleitenden Schindeln, — darunter auch einmal senkrecht gestellte, — während die schwarzen Vögel durchwegs rot-bewehrt erscheinen, und auf dem Spangenhelm mit rot-gold-schwarzen Decken den aus dem Wulst wachsenden doppelschwänzigen roten Löwen.




Der nach Deutschland ausgewanderte (Johann) Leonhard Dalcken d'Alquen, vormals portugiesischer Schiffskapitän auf „großer Fahrt" in Asien, gestorben als Senator in Seligenstadt am Main 1732, führt auf seinem dort noch erhaltenen Grabstein das Wappen mit dem Löwen (ohne Schindeln) und die drei Vögel wie schon erwähnt schreitend hintereinander und auf einem Boden (Schildfuß), den Schild durch einen besonderen Balken geteilt.


Von Leonhards älterem Sohne, dem näheren Stammvater des in Deutschland dann weit verzweigten und in ein rheinisch-westfälisches Haus d'Alquen und ein hessisches Haus Dalquen zerfallenden Astes: Johann Philipp Dalquen d'Alquen (* 1687, 
1745), ist ein Siegelring erhalten, auf welchem in schwarzem Stein unter den Initialen I P D nur ein Turnierhelm über ovalem Schild eingraviert ist, in welchem ein schreitender Löwe auf abgeledigtem Boden über drei hintereinander balkenweise gestellten Vögeln (Enten?) ohne Füße dargestellt ist.


Leonhards jüngerer Sohn, Johann Heinrich Dalcken/Dalquen, * 1693 in Seligenstadt, Burggraf zu Kauth in Böhmen, wurde zum Stammvater des im Mannesstamme im Jahre 1834 erloschenen böhmischen Hauses v. Dalquen d'Alquen; von ihm gibt es noch ein kulturgeschichtlich außerordentlich interessantes Berloque-Uhranhängsel aus geschliffenem Bergkristall: unter den Initialen I H D der geteilte Schild mit dem einschwänzigen Löwen und den drei Vögeln ohne Füße, Helmkleinod der doppelschwänzige Löwe wachsend.




Von Johann Heinrichs Söhnen führte Franz Lothar v.Dalquen, K.K.Generalfeldwachtmeister, 
1810 in Czernowitz in der Bukowina, das gleiche Wappen, wie dies auf dem zeitgenössischen eisernen Petschaft ersichtlich ist.




Sein jüngerer Bruder Johann Bernard d'Alquen (* in Kauth 1727,  1801), kurmainzischer Legationssekretär in Paris und dann Burggraf zu Kauth und Stadion'scher Domänendirektor, sich dieses Wappens erstmalig mit einem von einer fünfperligen Rangkrone bedeckten Helme bediente, aus welcher der doppelschwänzige goldene Löwe hervorgeht, der im oberen roten Felde des Schildes einschwänzig erscheint, und die drei silbernen schreitenden Vögel im unteren blauen Felde auf grünem Boden.


Auffallenderweise benützten zur gleichen Zeit, - d.h. zu Ende des 18. und anfangs des 19.Jhdts, - die damaligen Repräsentanten des rheinisch-westfälischen Hauses der großherzoglich hessische Oberregierungsrat Franz Adam d'Alquen in Arnsberg (* 1763, 
1838,) und dessen Sohn Johann Peter Cornelius d'Alquen, Dr.med.,Sanitätsrat, Musiker und Komponist (* 1800,  1863), das gleiche Wappen mit den oben angegebenen veränderten Tinkturen rot und blau.


Aus der letzten Generation des böhmischen Hauses erhielt Jeannette d'Alquen v.Dalquen, * Kauth 1800, 
das. 1877 (verh. Klattau 1828 mit Karl Frhrn v. Procházka), in ihrer Aussteuer u.a. Weingläser mit ihrem eingravierten Familienwappen, das eigentlich zweimal geteilt ist: oben in Rot der goldene Löwe, in der Mitte in Blau drei hintereinander gehende silberne Vögel, und unten grün; auf dem mit einer fünfperligen Rangkrone bedeckten Turnierhelm mit rotgoldenen und blau-weißen Decken der doppelschwänzige Löwe wachsend.


Ebenfalls diese fünfperlige Rangkrone auf dem Helm führten die Brüder Robert Dalquen, kgl. preuß. Regierungsrat in Frankfurt am Main (* 1889, 
1968), und Paul, Fabrikant ebenda, aus dem hessischen Hause, beide desgleichen den Wappenschild geteilt in Rot und Blau.



Um allen diesen geschilderten Varianten ihres Familienwappens ein Ende zu bereiten, haben die beiden genealogischen Sachwalter des Gesamtgeschlechtes: der Bremer Textilgroßhändler Rolf d'Alquen und der Gymnasialdirektor Franz J. Dalquen in Gersthofen bei Augsburg ein nunmehr für beide Häuser und alle ihre Zweige in Deutschland, der Schweiz, England und Amerika einheitlich geltendes Wappen im Jahre 1968 in die „Hessische Wappenrolle" unter Nr. 276 eintragen lassen:

In einem von Gold über Gold geteilten Schild oben ein laufender roter Löwe, unten drei (2,1,) schwarze, rotbewehrte Vögel, auf dem schwarz-golden bewulsteten Turnierhelm mit gleichen Decken der rote Löwe wachsend.



28.12.1974 München, Roman Frhr.v.Prochàzcka und seine Frau Anni vor dem Bild des Bernhard Dalcken


Literaturverzeichnis
1. d'Alquen, Rolf: Unser Familienwappen, i.d. „Beiträgen zur Geschichte der Familie Dalquen d'Alquen" Nr. IX.,   Bremen, Nov. 1968, S. 92 - 127.
2  Ärmorial dit de Saint-Trond (Wappenbuch der belgischen Stadt Sint-Truiden), Handschrift aus dem17.Jhdt.-
3. S. Bormans et E. Schoolmeesters: „Cartulaire de l'eglise de Saint Lambert de Liege", Brüssel 1893, Band II.,      S. 529 ff.
4. Bulletin de l'Institut archeologique Liegeois", Band 6, Lüttich 1863, III. Teil: „Fragment genealogique et notes       pour les d'Alken et les Outenbrouck".
5.Dalquen, Franz J.: Ober den Ortsnamen Alken, usw., in Heft VII. und VIII. der „Beiträge ....(s. bei 1.), Bremen       1967.
6. Goole, Francis: Wapenboek van Sint Truiden, Tongeren 1966, S. 1.
7. Herckenrode, Leon baron de -: Collection des tombes, epitaphes et blasons de St. Trond, Gand 1845, S. 420.
8. Hessische Wappenrolle, Nr. 276, abgedruckt in „Hessische Familienkunde" Band 9, Heft 4, Dezember 1968,       S. 237 - 238.
9. Limbourg,Chev. de —: „Armoriaux Liegeois", herausgegeben v.d.Societe des bibliophiles Liegeois, Lüttich           1930, S. 4.
10. Procházka, Roman Frhr. v.: Meine zweiunddreissig Ahnen und ihre Sippenkreise, Leipzig 1928, bes. S. 449
11. Raadt, J.T. de —: Sceaux armories des Pays Bas et des pays avoisinants, Bruxelles 1889 — 1902.
12. Rietstap, J.B.: Armorial geneneral, Band I., 2. Aufl., Gouda 1884, S 27.
13.Rijksarchief te Hasselt, (Kgl. belg. Reichsarchiv in Hasselt) „Regestenlijst der Oorkonden van het Begijnhof te     Sint Truiden 1265 - 1741", Bruxelles 1962, S. 8.
14.Straven, Francois: „Inventaire analytique et chronologique des archives de la ville de Saint Trond", daselbst 1   886, Band I, S. 40 und 43.
15. Tschechische Genealogie der böhmischen Linie des Geschlechtes Dalquen, i.d. Zeitschrift „Acta genealogica   ac heraldica" („Listy genealogicke a heraldicke spolecnosti v Praze") Nr. 18, Prag, Juli 1972, S. 17 - 19.
www.dalquen.info