Das Wappen der Familie 

Ein Gnadenwappen?

Die Frage, ob der obere Schildteil unseres Wappens auf eine Verleihung zurückgeht, und es sich somit um ein sogenanntes "Gnadenwappen" handelt, konnte noch nicht geklärt werden. Auch eine Durchsicht des "Wappenbuchs von St. Trond" von Goole brachte uns hier nicht weiter. Unter 102 Löwen-Wappen erscheint achtmal in Gold ein roter Löwe, besonders interessant im Wappen der Familie Colchon, der Notare des Fürstbischofs von Lüttich. Es befindet sich verkleinert im oberen linken Viertel und ist das gleiche Wappen, das auch der Seligenstädter Abt Joh. Leonhard Colchon führte und das damit teilweise mit dem Wappen der Dalken übereinstimmt .

Wappen der Stadt Canterbury Eine bemerkenswerte Ähnlichkeit unseres Wappens mit dem der Stadt Canterbury in England entdeckte Roman von Prochäzka in einem tschechischen Wappenbuch, das sich wahrscheinlich auf "Looking at HERALDRY" von C,W. Scott. Giles bezieht.
Eine Korrespondenz zwischen R, d'A. und dem Stadtarchivar von Canterbury, Mr. William Urry, gab uns das Stadtwappen von Canterbury in die Hand, dessen Beschreibung auf der hier abgebildeten Wappenkarte zu ersehen ist. Sie sagt, daß der Schild im oberen Drittel geteilt ist und auf rotem Grund einen goldenen Löwen hat. Die unteren 2/3 zeigen auf silbernem Grund drei Dohlen 2.1 (Cornish Choughs = Cornische Dohlen, d.h. Dohlen aus der Grafschaft Cornwall), rotbewehrt.

Und hier handelt es sich einwandfrei, um  ein Gnadenwappen, als das ursprüngliche Wappen, nämlich ein vollständig silberner Schild mit den 3 Dohlen das Wappen von Thomas Becket ist, während der Löwe auf rotem Grund diesem Becket'sehen Wappen gemäß der Charta Richards II, zu Canterbury um 1380 gnadenhalber dem oberen Drittel beigefügt wurde und in dieser Form seit dam späten 14.Jahrhundert als Stadtwappen von Canterbury geführt wird. Der Löwe wurde dem königlicnen Wappen (mit 3 Löwen) entliehen.

So also könnte auch unser Wappen ursprünglich lediglich die 3 unbestimmbaren Vögel getragen und später gnadenhalber den Löwen aus dem Wappen des Lehnsherrn dazu bekommen haben.

Thomas Becket wurde 1117 geboren, seine Eltern stammten aus der Normandie. 1155 wurde er, der Freund König Heinrichs II., Kanzler des Königs und 1162 zum Erzbischof von Canterbury ernannt, Während der König sich das Gegenteil von dieser Ernennung Beckets erhoffte, stellte sich dieser aber gegen die Eingriffe der Staatsgewalt gegen die im Päpste gipfelnde hierarschiche Klerikalkirche und zog sich die Feindschaft seines Königs zu. 1170 wurde Thomas Becket auf den Stufen seines Altares in Canterbury ermordet, später vom Volk als Märtyrer verehrt und heilig gesprochen, (siehe u.a. Conr, Ferd. Meyers Novelle "Der Heilige")


 GNADENWAPPEN, n.: 'gnadenwappen sind solche wappen, welche den betreffenden inhabern als zeichen besonderer kaiserlicher ... gnade, also als auszeichnung verliehen worden sind' V. QUERFURTH wb. d. herald. terminologie 55; weil die wappenbesserungen immer eine ... änderung des wappens zur folge hatten, so begannen die kaiser ... statt wappen als gnadenzeichen zu bessern, sie zu vermehren, d. h. wappen zu verleihen, die neben dem eignen wappen geführt und mit ihm ... vereinigt wurden ... es sind dies die sog. gnadenwappen ... entweder ein beliebig neu erfundenes wappen ... oder ein schon bestehendes FEL. HAUPTMANN das wappenrecht (1896) 419; wer will sie (die figurenreichen wappen) ändern? wer ... als überladen schelten? wer den kaisern, königen, fürsten, grafen, herren ... ländern, städten ... und familien ... in Europa neue gnadenwapen nach altem griechischen geschmacke geben, dasz sie doch nicht so gothisch ... überladen aussehen ...? HERDER 3, 401 S. gnadenwappen auch das 'wappen, welches einem manne bürgerlichen standes bei seiner erhebung in den adelsstand verliehen wird' BERGHAUS 1, 582.
Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
www.dalquen.info