Geschichte
der Familie
Theodor/ Dieter/
Dietrich Dalken (ca. 1616- 1692) in Seligenstadt
Damit
gehen wir wieder zurück zu Theodor Dalken (Sohn des Thomas),
der uns im Augenblick
sowieso am meisten interessiert, aber betrachten wir zunächst
nur
das von Volk über ihn Gesagte, was wir nicht aus anderen von
uns
daran anschließend wiederzugebenden Quellen schon oder
genauer
wissen.
Da ist zunächst das auffällige und
liebenswürdige
Bemühen des Onkels von Theodor, des Abtes
Colchon, zu erkennen,
der Hochzeit seines Neffen mit der Maria Elisabeth Gelf (an anderer
Stelle auch Gelph nach dem latinisierten Gelphius) einen besonders
würdigen musikalischen Rahmen zu geben. Mag es damit
zusammenhängen, daß er seinen von ihm besonders
geschätzten
Neffen damit ehren oder die Bedeutung dieser Hochzeit besonders
unterstreichen wollte, daß nämlich der an sich ja
nicht
einheimische Dalken eine Tochter aus einer der würdigsten
Seligenstädter Patrizierfamilien zum Altar führte.
Dann wird Theodor Dalken 1651 auf dem Bursfelder Generalkapitel zur
Konfraternität zugelassen, (diese Stelle aus Volk, S. 52,
bezieht
sich auf die Konfraternität des Generalkapitels, eine viel
ehrenvollere und bedeutsamere Gebetsgemeinschaft als etwa die einer
Kleinstadt, da hier alle angeschlossenen Benediktiner-Klöster
beteiligt sind. Colchon verschaffte also seinem Neffen ein besonderes
Ansehen, da über dessen Aufnahme das Generalkapitel und deren
Vertreter entschied.) Er wird ausdrücklich als Spectabilis Dominus
bezeichnet, was ausdrücken soll, daß man den
„hochachtbaren Herrn“ zur gesellschaftlichen
Führungsschicht rechnete.
(Anmerkung: Respectabilis dominus = 1. entweder (briefl.) Anrede
„Hochzuverehrender Herr“ (vergl. unser
„Sehr geehrter
Herr“) oder 2. Titel, der standesgemäß
zusteht und
daher kennzeichnend z.B. in Urkunden auftritt: „der
hochachtbare
Herr...“. 3. Soweit nicht besondere Formen der Anrede oder
Titulierung vorgeschrieben sind, wird dominus für
Höhergestellte und Gleichgestellte gebraucht. In
bürgerlichen
Kreisen bezeichnet es den durch Leistung, Bildung oder Stellung
hervorragenden Mitbürger oder Amtsbruder.)
Seine Frau wird gleichzeitig in die gleiche Gebetsbrüderschaft
aufgenommen
Aber was hatte es mit dieser Konfraternität auf sich?
Nun, Konfraternität heißt nichts anderes als
Bruderschaft.
Es handelt sich dabei immer um eine Gebetsgemeinschaft, was vor allem
Verpflichtungen mit sich bringt, z.B. auch die, alte und kranke
Menschen zu besuchen. Da es sehr viele solcher Bruderschaften gibt
(fast jede Kirchengemeinde hat eine), ist es wahrscheinlich
unmöglich, die Besonderheiten dieser einen herauszubringen.
Ein
Verzeichnis der Konfraternitäten gibt es nicht.
Natürlich war
es auch eine Ehrung, zu einer Bruderschaft zugelassen zu werden,
besonders zu einer so prominenten wie der des Bursfelder
Generalkapitels, das zu seinen Mitgliedern die Äbte
sämtlicher angeschlossenen Benediktinerklöster
rechnete. Wir
wissen z.B., daß nach dem Tode eines Konfraters die
Seelenmessen
von der Bruderschaft gelesen werden oder, wenn die
Bruderschaft
am Platze ist, die Beerdigung besorgt wird.
Auch die Teilnahme des Theodor als Zeuge bei der Inventaraufnahme nach
dem Tode von Abt Colchon 1653 zeugt von dem engen verwandtschaftlichen
Verhältnis und von der gehobenen sozialen Stellung des
Theodor.
Die Patenschaft des Bruders von Abt Colchon, des Johann Colchon aus
Aschaffenburg, bei der Geburt von Theodors erstem Sohn, dem Johann
Leonard (Johann = der Name des Taufpaten, Leonard = der Name des
Großonkels des Täuflings) spricht wiederum
für die
Lebendigkeit dieser verwandtschaftlichen Beziehungen. Der 21. November
1651 allerdings als Geburtsdatum des Johann Leonard nach Seibert ist
wahrscheinlich ein Druckfehler, da der Täufling nach der uns
vorliegenden Abschrift der Taufurkunde am 21. September geboren wurde;
aber auch in dieser Abschrift von 1943 mag man sich verschrieben haben!
Daß Volk einmal D’Alken schreibt, wie der Abt
Hubert von
St. Trond an Abt Colchon geschrieben haben soll, kann evtl. eine
Bestätigung unserer Vermutung sein, daß Theodor
nämlich
in Seligenstadt eine Änderung seines oder seines Vaters
flämischen Namen van Alken, über die wallonische Form
d’Alken (oder D’Alken) in Dalken vornahm.
Verlassen wir damit aber Volk und wenden wir uns wegen Theodor nunmehr
Seibert, I. Band, und Seibert/Nachlaß zu.
Seibert sieht in Theodor einen wallonischen Einwanderer unter anderen.
Dagegen spricht sowohl, daß er keinen französischen
Familiennamen wie die anderen trägt, wie die Tatsache,
daß
er anscheinend als ein reicher Mann nach Seligenstadt kam und nicht als
begünstigungsbedürftiger Handwerker, wie viele der
Einwanderer nach dem Dreißigjährigen Krieg,
Außerdem ist nicht zu übersehen, daß er
nicht der
erste seiner Familie war, der die Übersiedlung nach
Seligenstadt
wagte. Die Bezeichnung „Lütticher Land“
ist
außerdem sehr dehnbar, denn der nördliche Teil des
Lütticher Landes ist flämisch, der südliche
dagegen
wallonisch: die germanisch-romanische Sprachgrenze teilt das Gebiet
wenig nördlich von Lüttich. Eher neigen wir dazu, die
Familie
van Alken/d’Alken/Dalken als eine flämische
anzusprechen,
umso mehr als wir ihren Ursprung im flämischen St. Truiden/St.
Trond annehmen.
Wir lesen bei Seibert/Buch, Seite 100, über Theodor folgendes:
„Als einer der ersten wallonischen Einwanderer, die nach dem
Dreißigjährigen Krieg ins Mainzer Land kamen,
ließ
sich der Neffe des Abtes Colchon, Theodor, oder wie er sich in
Seligenstadt nannte, Dieter Dalken in Seligenstadt nieder.“
Nun erwähnten wir schon an anderer Stelle, daß
Theodor
wahrscheinlich nicht zu den von Abt Colchon (nach 1648) nach
Seligenstadt geholten Wallonen gehörte (und dies evtl. sogar
durch
die Änderung seines Namens in Dalken dokumentieren wollte),
und
Seibert selbst scheint dies zu bestätigen, wenn er (sich
selbst
korrigierend) auf Seite 61, Band I., im Zusammenhang mit den
Bemühungen Colchons um wallonische Einwanderer nach 1648
schreibt:
„Ein Neffe des Abtes Colchon, Theodor Dalken, dessen Vater in
Lüttich Oberamtmann (summus praefectus) war, war offenbar
schon
vor Beendigung des (Dreißigjährigen) Krieges nach
Seligenstadt gekommen.“
An dieser Stelle wollen wir zum besseren Verständnis einige
Zitate
aus Seibert, I. Band, über die damaligen Zustände im
Mainzer
Kurstaat bringen.
„Die Friedensschlüsse von Münster und
Osnabrück
(1648) fanden das Mainzer Land am Main in einem trostlosen Zustand. An
Stelle einst blühender Dörfer und wohlangebauter
Fluren sah
man dort allenthalben menschenleere Ruinen und Einöden. Die
Städte waren zum Teil verfallen und verbrannt, und in
stehengebliebenen Quartieren hausten die kläglichen Reste der
halbverhungerten und gänzlich verelendeten Bürger
zusammen
mit den zu ihnen geflüchteten Dorfbewohnern, die dem Morden,
dem
Hunger und der Pest entronnen waren. Im ganzen Vizedomamt Aschaffenburg
war die Zahl der Männer von 7000 auf 700
zurückgegangen, also
auf ein Zehntel des Vorkriegsstandes. Der Kurstaat befand sich in einer
heillosen Finanzlage. Im Jahre 1648 betrug die Staatsschuld eine
Million Dukaten (etwa 12 Millionen Gulden), eine für damalige
Verhältnisse ungeheure Summe, während der Bestand der
Staatskasse nicht viel über 100 Gulden betrug. Zu dieser
Belastung
kamen noch die an Schweden zu zahlenden
Kriegsentschädigungsgelder; denn es war schon damals wie
heute,
daß der zu entschädigen hat, der den Krieg verliert,
während der Angreifer immer unschuldig ist und
entschädigt
werden muß, sofern er nur siegreich bleibt, selbst wenn er
selber
keinen Schaden hatte, sondern nur solchen anrichtete.
Der Kurstaat nahm in dieser Notlage sofort die Wiederaufbauarbeit auf,
und da es vor allem an arbeitenden Menschen fehlte, erging schon am 14.
Oktober 1648 von Aschaffenburg ein Erlaß, der allen, die sich
im
Erzstift niederlassen wollten, besondere Vergünstigungen in
Aussicht stellte, z.B. sollten sie "zwei Jahre lang von allen Frohnden,
Wachen und Abgaben frei sein".
Seibert erwähnt dann weitere Erlasse zur Förderung
der
Einwanderung und „daß sich im Kurstaat und auch in
Stadt
und Zent Seligenstadt manche von den Flüchtlingen wieder
einfanden
und fremde in einem Ausmaße einwanderten, wie es vorher noch
nachher jemals der Fall war.“ Es heißt dann weiter:
„Besonders stark war die Einwanderung aus dem Fuldischen, dem
damals zu Mainz gehörigen Eichsfelde und dem
Lütticher
Land“, und er hält die Heranziehung der Wallonen
durch Abt
Colchon für möglich, da dieser ja selber
Lütticher war
und die Verbindung mit seinem Vaterland nie ganz aufgegeben habe.
Tatsächlich sind auch zahlreiche Wallonen damals nach
Seligenstadt
gekommen, und sie sollen laut Seibert dem Theodor gefolgt sein, womit
aber S. gewiß nicht andeuten wollte, daß Theodor
sozusagen
ihr Vorreiter gewesen sei, zumal ja auch Theodor
möglicherweise
bereits vor dem Ende des Krieges nach Seligenstadt gekommen ist.
Seibert sagt im Hinblick auf diese wallonische Einwanderung u.a. noch
folgendes: „Sie waren auch nicht ausschließlich
Wollweber,
wenn schon sich nicht leugnen läßt, daß
die
kurmainzische Tuchmacherei durch sie wieder einen Aufschwung nahm.
Viele von ihnen betrieben andere Gewerbe oder waren Bauern und
Landarbeiter. Die meisten waren arm, und nur wenige, z.B. die Dalcken
und Bodensohn („Boutson“) zu Seligenstadt brachten
größere Barmittel mit.“
Wir sind sicher, daß Theodor nicht als armer Mann nach
Seligenstadt kam, er hätte sonst sicher nicht als Landfremder
1650
die Patriziertochter Gelf heiraten können und auch nicht die
umfangreichen Land- und Häuserkäufe
durchführen
können, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.
Wir hoffen im übrigen, eines Tages anhand anderer Quellen
über die Einwanderungen in diese und andere vom
Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Gebiete
den
Hintergrund aufzeichnen zu können, vor dem sich das Leben und
die
Tätigkeit des Theodor abspielt, wobei hoffentlich auch
begründete Vermutungen möglich sind, warum ein nicht
vermögender Einwanderer aus Lüttich nach Seligenstadt
geht,
und welche Möglichkeiten er sich dort ausrechnete.
"Er hatte sich um das Kloster noch verdient gemacht und ihm
sehr
wertvolle Dienste geleistet. Worin diese Dienste bestanden,
läßt sich heute nicht mehr feststellen. Vielleicht
hatte er
sich gerade um die Gewinnung wallonischer Einwanderer in seiner Heimat
bemüht", schreibt Seibert weiter, und
ähnlich
heißt es ja auch in seiner Trauurkunde 1.97 aus dem Jahre
1650.
Ob er sich tatsächlich um wallonische Einwanderer
bemüht hat,
und warum dies ausgerechnet wertvolle Verdienste um das Kloster gewesen
sein sollen, wissen wir also nicht genau.
Es mag nicht ausgeschlossen sein, daß diese Verdienste um das
Kloster darin bestanden, daß sich Theodor u.U. um seinen
während des Krieges in die Lütticher Heimat
geflüchteten
Onkel, den Abt Colchon, kümmerte, möglicherweise hat
er den
Flüchtling bei sich in Lüttich aufgenommen;
vielleicht hat er
ihn zurückbegleitet; vielleicht hat er ihm bzw. dem Kloster
Geld
geliehen, da Seligenstadt von den feindlichen Truppen
geplündert
worden war.
„Am 12.07.1650 vermählte er (Theodor) sich mit Marie
Elisabeth, einer Tochter des Ratsherrn Johann Gelf und dessen Frau
Ursula. Im Jahre 1651 trat er der Wollweberzunft bei, woraus noch nicht
ohne weiteres der Schluß gezogen werden kann, daß
er
Wollweber gewesen sei. Denn der Korporation der Wollweber als der
angesehensten Seligenstädter Zunft gehörten auch
Beamte und
sogar Geistliche an.“ (nach Seibert)
Dieser Eintritt wurde - siehe nachfolgende Aufstellung aus
Seibert/Nachlaß mit der Einzahlung von 28
Weißpfennigen
(-albus, Silbergroschen) in die Zunftkasse als Einstand für
seine
Zunftbrüder vollzogen.
Die Bemerkung von Seibert, daß er aber nicht unbedingt
Wollweber
gewesen sein muß, da dieser angesehenen Zunft auch Beamte und
sogar Geistliche angehört haben, läßt
trotzdem eine
andere Annahme zu, nämlich daß Theodor der Zunft als
Tuchhändler angehört haben mag. Wer war für
den Aufbau
eines durch den Dreißigjährigen Krieg
angeschlagenen, fast
dezimierten Handwerks wichtiger als derjenige, der die Produkte
über die verschütteten Handelswege wieder an die
zahlungskräftigen Käufer brachte, die ohne Frage
nicht in dem
wirtschaftlich völlig verwüsteten Deutschland zu
finden
waren. Diese Theorie erhält ihre Unterstützung durch
die
Tatsache, daß Theodor in den Zunftvorstand gewählt
wurde,
eine Ehre, die man wahrscheinlich nicht ohne weiteres einem dem
Handwerk der Tuchmacherei völlig fremden Mann angetragen haben
würde.
Aber auch über diesen Punkt wird uns eines Tages
möglicherweise das Seligenstädter Archiv noch genaue
Auskünfte geben können.
Aus Seibert/Nachlaß führen wir nun nachstehend die
Eintragungen über Theodor in den verschiedensten Registern
auf,
die in erster Linie seine umfangreichen Häuser- und
Landkäufe
betreffen und die den Schluß zulassen, daß Theodor
mehr als
nur wohlhabend gewesen sein wird:
1651
Dalken, Dietrich, kauft die Behausung des Georg Buchmann, des Rats,ufm
freythoff, 1000 fl (Gulden). Ebenso 30 Morgen Feld von Hans Reuss d.A.
340 fl. Weingartsäcker 8 fl (Währschaften,
Stadtarchiv
Seligenstadt, fol. 392 r
1651
Dalckhen, Herr Dietrich, gibt als neuangekommener Zunftbruder zum neuen
Grabtuch der Zunft 1 Reichstaler. (Wollweber-Zunftbuch 189 v)
1653
Dalken, Dietrich, kauft das Waltzsche Haus in der Fischergasse, das das
Kloster von Hanss Henr. Waltz ererbt hatte. 250 fl.
(Währschaften
Stadtarchiv Seligenstadt. fol. 39 v)
1656
Dalckhen, Diderich, Wollw., wohlhabend. Bede (Steuerregister)
1657
Dalcken, Herr Theodor, ist in Matthes Zimmers alt verfallen
häusslein, neben Johann Weisen gelegen, mit Verwilligung
löbl. Zunft eingetreten in 25 fl. (Zunftbuch 194 r)
13.09.1658
Dalcken, Theodor, sein Bruder Johann Franz (‚modo Leodii
existensis“ - vor kurzem aus Lüttich gekommen) (als
Taufpate
erwähnt) (Taufbuch 1 p 201 )
Anmerkung: Hierbei kann es sich um die Geburt von Theodors
Tochter Katharina handeln, die nach Seibert allerdings am 28.05.1658
getauft wurde, aber Tf, 1.200 !
1662 Dalcken,
Dietr. kauft 7 ¾ Morgen Feld 95 ½ fl.
(Währschaften fol. 406 r)
1664 Dalcken, Theod., Dominus, sein Sohn Leonard ist Pate (Tf, 1 p 225)
1668 Dalcken,
Dietrich, des Rats, wohlhabend. Bede
1673 Dalcken,
Dietrich, Baurentmeister (Contributiones 296 v)
1677 Dalcken,
Herr Dietrich, des Rats, besitzt das Scherpfenhaus. Mohrs Wittib
Häuslein, Baltes Fidlers Häusl, 1 Scheuer am
Pfarrhof, das
Boppenhäuslein, 1 Scheuerplatz bei der Röderpforten,
1
Hausplätzlein bei der Niederpforten, einen Garten, etwa 80
Morgen
Grundstücke.
1690 Dalken
Didrich (Schätzung 1690, S. 7)
1691
01.05. Dalken Dietrich (= Theodor) ist Trauzeuge bei der Hochzeit des
Peter Cummon, Witwer aus Hausen bei Seligenstadt, mit Margarete Wadle,
Tochter des Johann und der Anna Margarete aus Haimstadt bei Steinheim.
Auch die Cummon und Wadle waren Wallonen.
1692
Dalcken,
Diether: Item von der Begräbniss Herrn Dietrich Dalckens,
altem
Brauch nach, denen schrödern geben besag schein 1 fl.
(Stadtrechnungan 22v)
Über die vorstehend nur chronologisch und kommentarlos aus den
verschiedenen Registern wiedergegebenen Einzelheiten über
Theodors
Häuser- und Landkäufe ab 1651 aus Seibert/Nachlaß,
berichtet
dieser bereits in seinem Buch, S, 100 und 101 im Zusammenhang wie folgt:
„Noch 1651 kaufte er auch die Behausung des Ratsherrn Georg
Buchmann 'ufm Freythoff' für den
verhältnismäßig ungeheuren Preis von 1000
Gulden. Es
ist dies das spätere evangelische Pfarr- und Schulhaus,
jetzige
Karl Malsysche Haus. Ferner kaufte er 1651 von Hans Reuss dem
Alten 30 Morgen Feldgüter und einige
Weingartsäcker
(ehemalige Weingärten) für 348 Gulden. 1653 kaufte er
des
Waltzsche Haus in der Fischergasse, das die Abtei von Hans Heinrich
Waltz ererbt hatte, um 250 fl. Dazu übernahm er noch einen
Teil
des nicht unbeträchtlichen Besitzes des hochangesehenen
Patriziergeschlechtes der Gelf, dem seine Frau entstammte.
So war er denn schon 1656 einer der wohlhabendsten Bürger von
Seligenstadt.
Während die meisten der in Seligenstadt zugewanderten Wallonen
sich entweder schwer in die neue Umgebung einfügten oder bald
wieder abzogen, scheint er sich rasch und vollständig seinen
neuen
Mitbürgern angepaßt zu haben.
Im Jahre 1666 war er Ratsherr und bekleidete das Amt eines
Baurentmeisters. Nach dem Bedregister von 1677 besaß er
folgende
Güter: 1. das Scherpfenhaus (wohl das obengenannte
Haus am
Freihof), 2. das ‚Mohr Wittib Häuslein’,
3.
‚Baltes Fidlers Häuslein’, 4. eine Scheuer
am
Pfarrhofe, der damals am Freihof lag, 5. ‚das
Boppenhäuslein’, 6. einen Scheuerplatz an der
Röderpforte, 7. einen Hausplatz bei der Niederpforten jetzo
ein
Garten und 8. etwa 30 Morgen Feldgüter. Bei dieser
Aufstellung
muß man bedenken, daß er wie die meisten damaligen
Seligenstädter die Landwirtschaft doch wohl nur nebenbei
betrieb.
Theodor
als Kerzenmeister
Bereits im Jahre 1651, dem Jahre seines Beitritts zur Zunft, wurde
Theodor Zunftvorstand (dem der Zunftmeister unterstand), und wir sehen
ihn aus den Auszügen aus den Manualen in dieser Stellung noch
dreimal: 1656/57, 1660/61 und 1669/70.
Warum die
Zunftvorstände
Kerzenmeister hießen? Diese Bezeichnung deutete ihre
Verpflichtung an, den verstorbenen Zunftmitgliedern am Tage ihrer
Amtsübernahme (Himmelfahrt bzw. Dreifaltigkeitstag, also kurz
vor
oder nach Pfingsten) in der Kirche eine Kerze zu weihen, (Vergl. hierzu
Seibert a.a.O.S. 14)
Die
Geldgeschäfte Theodors mit der Zunft
Diese bestehen zunächst in den jährlichen
Abrechnungen nach
seiner Vorstandschaft (Nr. 3, 8, 18, 37), sodann in Krediten (Nr. 4
u.a.), die er von der Zunft übernommen hatte, weiterhin in
jährlichen Zinszahlungen (Nr. 10/11) und deren
Rückerstattungen (Nr. 44/45).
Theodor nahm dreimal Geld von der Zunft:
1654
quittiert er den Empfang von 5 Gulden (Nr. 4) eigenhändig mit
seiner Unterschrift (in flüssiger, klarer deutscher Schrift,
wobei
er seinen Familiennamen Dalken schreibt). Diesen Betrag scheint er sehr
bald wieder zurückgezahlt zu haben; der Text ist
durchstrichen.
Zinsen scheinen nicht angefallen zu sein,
1658
ist von 25 Gulden im Zusammenhang mit einem Haus (Nr. 10/11) die Rede.
Möglicherweise lastete auf dem Haus, als Theodor es 1657 oder
1658
gekauft hatte, eine Hypothek der Zunft in dieser Höhe,
wofür
er jährlich Zins bis zur Rückzahlung der Summe 1674
(Nr.
44/45) zu zahlen hatte. (Zinssatz etwa 3,5 %)
1662
werden 15 Gulden erwähnt, die er zurückerstattet hat.
Diese
Summe wurde sofort weiterverliehen. Wann er sie aufgenommen hatte, wird
nicht gesagt, auch nichts über die Zinszahlungen. Vielleicht
handelt es sich um einen einjährigen Kredit, für den
immerhin
festgestellt wurde, daß Theodor "die Obligationen
(Zinszahlungen?) eingelöst" hat.
Das
leidige Namensproblem
Die Fülle der verschiedenen Schreibweisen ist kaum zu
überbieten.
Wir lesen Dalckhen (vielleicht von Dalchelne abgeleitet), Dalcken, aber
auch Dalck, Dalckenn, und natürlich auch Dalken.
Wichtig ist
hier aber, dass, wie oben erwähnt, Theodor selbst an einer
Stelle
klar und deutlich mit Dalken unterschrieb.
In diesem Zusammenhang können wir auch die von unseren Lesern
sich
ohne Frage schon gestellte Frage beantworten, warum der in
Lüttich
als Theodor getaufte in Seligenstadt auch Dietrich (Didrich, Diederich)
genannt wurde.
Theodor und Dietrich/Dieter sind an sich nicht das gleiche.
„Theodor“ entstammt dem Griechischen und bedeutet
„Gottesgabe, Gottesgeschenk“, während
„Diet(h)er“ eine germanische Zusammensetzung aus
den
Bedeutungen für „Volk“ und
„Heer“ ist. Die
Gleichsetzung der beiden Namen aber geht auf das alte germanische
„Theoderich“ = „Dietrich“
zurück.
Betrieb
Theodor eine Gastwirtschaft?
Aus der Quelle Nr. 28 ergibt sich, daß die Genossen der
Wollweberzunft bei Theodor Wein kauften. Die Zunftbrüder
holten
sich bei ihm am Dreifaltigkeitstag 12 ½ Maß Wein,
und
außerdem haben die Stangenträger ( bei der Prozession
waren
Kerzen auf Stangen befestigt) bei Herrn Dietrich Dalken Wein und Wecken
„verzehrt“. Quelle Nr. 5 muß hiermit in
Zusammenhang
stehen: Es wurde beim Zunftessen im „Stern“ (der
übrigens später nachweislich im Besitz des Sohnes von
Theodor, nämlich des Johann Leonhard, war) die gleiche Menge
Wein
getrunken, die entweder bei Theodor geholt wurde, oder wofür
er
das Geld auslegte.
Einen anderen Hinweis auf seine Tätigkeit als Gastwirt
entnehmen
wir indirekt der Abrechnung über die Einquartierung
französischer Soldaten in Seligenstadt. Der
"Seligenstädter
Anzeiger", Jg. 1869, druckte eine Stadtrechnung zum Jahr 1673 ab. In
jenem Jahr erhielt "Dietrich Dalcken 16 Gulden und 15 Albus
für
Unkosten, so er bei französischem Quartier aufgewendet". Eine
ähnlich hohe Summe kommt nur noch beim "Wolfwirt" Adolph Meyer
vor
(16 fl. 13 Alb.). Bei den Franzosen handelt es sich um Truppen des
Generals Turenne.
Daß, wie gesagt, der „Stern“
später im Besitz
von Johann Leonard Dalken, dem Schiffskapitän, war, geht aus
seiner Erbverteilung hervor, die uns vollständig vorliegt und
über die noch die Rede sein wird, sobald wir zu dem Kapitel
über Johann Leonhard Dalken (1651-1732) kommen.
Ob aber Theodor bereits den „Stern“
besaß, geht aus den oben zitierten Quellen nicht deutlich
hervor.
„Herr“
Theodor Dalken
Erstmals 1660 (Nr. 14), dann in Quelle Nr. 17, 18, 25, 27, 28, 34, 44,
45 und 46, insgesamt dreizehnmal, wird Theodor als
„Herr“
bezeichnet. Keinem anderen der mit ihm Genannten wird dieses
gesellschaftliche Prädikat zuteil. Für diese
Hervorhebung mag
es eine Reihe von Gründen geben: seine Vermögenslage,
seine
Verwandtschaft mit Abt Colchon, mit der Familie Gelf, mit der Familie
Fleischbein, seine Leistungen in öffentlichen Ämtern
(Baurentmeister = Bürgermeister, Ratsherr, mehrfach
Zunftvorstand).
Wir können diese Tatsache nur konstatieren und sind ohne Frage
berechtigt, auch aus diesem Grund Theodor unter die wohlhabenden und
angesehenen Patrizier in Seligenstadt zu rechnen.
Am 3.7.1666 starb Theodors Frau, die Marie Elisabeth, geb. Gelf,
„von langer und beschwerlicher Krankheit
aufgerieben“, St.
1,547.
Aus der Quelle Nr. 27 geht hervor, daß 1669, also drei Jahre
nach
dem Tode von Theodors Frau für einen nicht durchschaubaren
Zweck
im Zusammenhang mit dem Begräbnis seiner Frau ein Gulden aus
der
Zunftkasse bezahlt wurde.
Theodor wurde dann lange Jahre betreut von der treuen Magd und
langjährigen Dienerin der Familie Gelf-Dalken, Marie Salome
Müllerin, die schon 1666 eine alte Person gewesen
sein
muß („cohabitat Salome senicula aliqua“),
und die dem
Theodor auch dann noch den Haushalt führte, als er nach der
Verheiratung seiner Kinder allein stand.
Diese Marie Salome Müllerin (sicher die Witwe Müller)
wird in
Seibert/Buch und Nachlaß verschiedentlich wie folgt als Magd
des
Theodor und als Patin bei verschiedenen Taufen erwähnt:
1666, 1/111 , 18 Dalcken, Theodor, seine famula (Magd) (Klar. Salome
ist Patin, Tf. 1 p 233.19
1673, III, 24 Dalcken, Dominus Theod., seine Magd Salome ist Patin, Tf.
2.27.
1678, VIl, 28 seine Magd ist Patin, Tf. 2.605.
(Hierbei handelt es sich ohne Frage nicht um Patenschaften in der
Familie Dalken)
Nach 26 ½ jährigen Witwertums heiratete Theodor
(Dieter) in
2. Ehe am 30.01.1690 Marie, Wwe. des Aegid Nicola, Tr. 2.413, und starb
am 19.09.1692 in Seligenstadt als „Ratssenior“, St.
2.518.
Die Sterbeurkunde, um die mir uns schon lange bemühen, wird
wahrscheinlich sein Sterbealter und möglicherweise auch seinen
Geburtsort tragen. Hoffen wir es jedenfalls, weil damit sein
Geburtsjahr und -Ort geklärt wären, und diese
wichtigen
Fragen damit ihre Antwort gefunden hätten.
Mit dem oben erwähnten Aegid Nicola und seiner Frau Marie wird
Theodor vordem in einem freundschaftlichen Verhältnis
gestanden
haben, da er bei der Taufe eines Sohnes aus dieser Ehe Nicola, dem
Johann Theodor nämlich, am 27.12.1678 Taufpate war.
Theodors 2. Frau überlebte diesen um 33 Jahre und starb mit 89
Jahren am 20.12.1725 an „Hemiplexia“ (Schlaganfall).
Aus der ersten Ehe des Theodor mit der Marie Elisabeth, geb. Gelf,
entstammen 6 Kinder, die wir nach Seibert/Buch, S. 101, nachstehend
aufführen:
1. Johann Leonard,
get.
21.11.1651 (wahrscheinlich und richtiger aber get. 21.09.1651, Tf.
1.179, Pate war der „hochangesehene und hochgelehrte Herr
Johann
Colchon, Lic. theol., Kanonikus und Kantor des Kolligialstiftes zu
Aschaffenburg.
2.
Wilhelm,
get,
03.02.1653, Pate war der „hochwürdige
Herr“ Wilhelm
Dalken, Kanonikus zu Aschaffenburg, Bruder von Theodor Dalken, dem
Vater des Täuflings.
3.
Anna-Eva,
get.
04.01.1655, Patin war die „Frau Amtmännin zu
Dieburg“,
Anna-Eva Siegler, die wie die Mutter des Kindes eine Tochter des
Seligenstädter Ratsherrn Johannes Gelf gewesen zu sein scheint.
Anna-Eva
starb im
Alter von noch nicht drei Jahren (sicherlich ein Druckfehler; Seibert
meint natürlich im Alter von noch nicht 2 Jahren) und wurde
beerdigt am 22.12.1656, St. 1.610
4.
Katharine,
get. 28.05.1658, Tf. 1.200
5.
Marie-Ursula,
get. 28.05.1660, Tf. Patin war
diesmal Marie Ursula, Tochter des Amtmannes Haberkorn zu Dieburg.
6.
Marie-Margarete,
get.
04.11.1662, Tf. 1,228, Patin war Marie Elisabeth Mayer, geb. Gans,
deren Gatte, Adolf Mayer, ein Neffe der Mutter des Täuflings
war,
Tr. 1.508.
Bevor wir aber damit das Kapitel über Theodor
abschließen,
kommen wir noch auf jenen Valentin Dalken zurück, den
Procházka in seinem Buch als Vater des Thomas vorstellt,
während er nunmehr diesen Valentin lt. seinem Manuskript als
Bruder des Theodor aufführt.
Lassen wir hierzu erst Seibert/Buch, S. 101, sprechen; er schreibt dort
nämlich u.a. im Hinblick auf diesen Valentin als Vater des
Theodor
unter Bezugnahme auf Procházka/Buch:
„Nach Steiner, S. 236, soll damals (1652) auch ein Valentin
Dalken nach Seligenstadt gekommen sein. Nach Procházka
wäre
er der Vater des Theodor Dalken gewesen (Seite 450). Dieser Valentin
hat in Wirklichkeit nie gelebt, denn das Pfarrbuch bezeichnet Theodor
ausdrücklich als Sohn des Thomas Dalken (Tr. 1.97).“
Daß Valentin tatsächlich nicht der Vater des nach
Seligenstadt gekommenen Theodor (Dieter) ist, wird einwandfrei durch
Theodors Heiratsurkunde (Tr. 1.97) bewiesen, insofern irrte
Procházka/Buch, auch darin, wenn er diesen Valentin in
seinem
neuen, unveröffentlichten Manuskript nunmehr als Bruder des
Theodor aufführt.
Abgesehen nun davon, daß Seibert in diesem Fall den Beweis
dafür schuldig bleibt, daß überhaupt kein
Valentin nach
Seligenstadt gekommen ist, hat Procházka diesen Valentin
natürlich nicht aus der Luft gegriffen. Er bezieht sich auf
eine
uns vorliegende Mitteilung des Staatsarchivs Mainz vom 17.06.1923. Hier
heißt es nämlich: „In dem Buche Joh.
Wilhelm Christian
Steiner ‚Geschichte und Beschreibung der Stadt und ehemaligen
Abtei Seligenstadt in der Großh. Hess. Provinz Starkenburg,
Aschaffenburg ...’ 1820 liest man über die Zeit nach
dem
Elend des Dreißigjährigen Krieges nach dem
Westfälischen Frieden: „ Die
hauptsächlichste
Bemühung des Stadtrates (von Seligenstadt) ging daher in
dieser
Periode dahin, fremdl. Professionisten und Durchreisende zum
Etablissement in Seligenstadt zu bereden und ohne nach
Vermögen zu
fragen, nur auf arbeitende Menschen bedacht zu sein. Um diese Zeit
wanderten dann auch daselbst gegen 60 niederländische
Wollweber
mit ihren Familien ein.“ „In einer Anmerkung zu
diesem
Satz“ (bei Steiner) schreibt Mainz 1923 weiter:
„...
heißt es Leonard du Ware (?) ... Heinrich Gottgeb, David
Huberth,
Albo Valentin Dalquen (das sollte vielleicht heißen David
Huberth
Albo, Valentin Dalquen)“
Hierauf also bezieht sich Procházka in seinem 1928
erschienenen
Buch, wenngleich auch dieser Mainzer Mitteilung bzw. Steiners Buch
nicht zu entnehmen war, daß dieser angebliche Valentin
Dalquen
der Vater von Theodor oder, wie Procházka/Manuskript nunmehr
weiß, daß Valentin der Bruder des Theodor gewesen
sein soll.
Wir haben Steiners/Buch daraufhin durchgesehen und folgendes
festgestellt: Tatsächlich erwähnt dieser unter
anderen
angeführten Einwanderern nach dem
Dreißigjährigen Krieg
auch einen 1652 eingewanderten Dalquen (wobei uns die Schreibweise mit
qu nicht zu irritieren braucht, da bei der Herausgabe das Buches im
Jahre 1820 die Schreibweise unseres Namens in Seligenstadt sich von
Dalken über Dalcken in Dalquen gewandelt hatte. So ist z.B.
unter
den Subscribenten auf Seite X u.a. auch „Herr Dalquen,
Rathsschultheiss zu Seligenstadt“ genannt und dieser schrieb
sich
damals tatsächlich auch Dalquen mit qu).
Dieser
Rathsschultheiss
Dalquen ist übrigens der Hermann Josef Dalquen, der
Begründer
der hess. Linie unserer Familie.
Da bei Steiner aber die Fußnote mit den oben
erwähnten Namen
(Leonard du Ware, Heinrich Gottgeb, David Huberth Albo, Valentin
Dalquen) sehr klein gedruckt ist, dazu noch schlechter Druck auf
schlechtem Papier, konnten wir nicht genau ausmachen, ob die Namen Albo
Valentin Dalquen nicht (wie es den Anschein hat) durch Kommata getrennt
sind. Wenn dem nämlich so ist, dann wären nach
Steiner u.a.
ein David Huberth, ein Albo, ein Valentin und ein Dalken/Dalquen 1652
nach Seligenstadt eingewandert und nicht ein Valentin
Dalken. Wer dieser Dalken allerdings war, ist heute schwer zu sagen. Es
könnte, wenn die Jahresangabe 1652 stimmt, Theodors zweiter
Bruder, der Johannes Franciscus, siehe unter c) gewesen sein.
Aber dabei wollen wir es auch bewenden lassen, denn dieser Valentin hat
uns bisher schon genug Kopfzerbrechen gemacht - und unseren Lesern
wahrscheinlich ebenfalls.
Eines jedoch müssen wir noch aus dem vorstehend zitierten
Schreiben des Mainzer Staatsarchivs aus dem Jahre 1923
erwähnen,
nämlich die Bemerkung: „Das Fortleben der Dalquen in
Lüttich (Liège) erweist für den Beginn der 2.
Hälfte des
18. Jahrhunderts ein Eintrag in einem Rechnungsbuch des Mainzer
Geschäftes von Dumont, nach dem Dalcken de Liège seine
Aediteurs
(?) waren.“
Nun, auch wir wissen nicht genau, was ein Aediteur ist, aber abgesehen
davon ist diese Mitteilung ein Hinweis auf heute
möglicherweise
noch lebende Dalckens in Belgien, dem wir nachgehen werden. (Aediteur=
vermutlich Editeur - evtl. Handelsvertreter, Herausgeber)
Zum Abschluß dieses Kapitels über Theodor (Dieter)
Dalken
bringen wir, ähnlich wie zu Thomas Dalken, eine
Übersicht
über das, was wir von ihm wissen, nicht wissen, und was wir
vermuten dürfen.
In der Fortsetzung dieser Darstellung berichten wir dann über
Theodors sechs Kinder aus seiner 1. Ehe, darunter unser Ahn Johann
Leonard Dalken und über deren Nachkommen.
Was wir von Theodor nicht oder nicht genau wissen
Geburtsjahr
und -ort
In
der Errechnung des mutmaßlichen Geburtsjahres von Theodor
könnte man vom durchschnittlichen Heiratsalter in der
damaligen
Zeit ausgehen. Wenn wir Seiberts Sippenbuch zu Hilfe nehmen, finden
wir, daß die größte Häufigkeit
des
männlichen Heiratsalters zwischen dem 22. und 28. Lebensjahr
liegt. Heiraten nach dem 30. Lebensjahr werden oft als außer
der
Norm liegend empfunden und entsprechend erwähnt, es sei denn,
es
handelt sich um eine Wiederverheiratung. Vor dem 22. Lebensjahr
heirateten in der fraglichen Zeit Männer
äußerst
selten. Wenn wir Theodors Geburtsjahr nach 1631 annehmen, dann
wäre er bei seiner Verheiratung 1650 19 Jahre alt oder
jünger
gewesen. Er hätte außerdem eine Frau geheiratet, die
ebenso
alt gewesen wäre (das Geburtsjahr der Marie Elisabeth Gelf
-worüber wir nicht unterrichtet sind - errechnet sich aus dem
Geburtenrhythmus ihrer Geschwister - etwa zweijährig - somit
1631/32), was wiederum dem Brauch der Zeit widerspricht. Theodor
wäre dann mit 19 Jahren Zunftvorstand geworden (1651). Man
kann
sich nicht recht vorstellen, daß er mit 19 oder 20 Jahren
Meister
seines Handwerks sein konnte. Aus diesen Gründen hat die
Annahme
seines Geburtsjahres um 1617/18 mehr für sich. Er
hätte
demnach mit 33 Jahren geheiratet. - Da er in seiner Trauurkunde von
1650 als Ort seiner Herkunft Mons angibt, kann man annehmen,
daß
er damit nicht seinen Wohn- und Tätigkeitsort, sondern den Ort
seiner Geburt meint. So heißt es ja auch ganz logisch in der
Immatrikulationsurkunde von 1648 seines Bruders Johann Franz Thomas in
Würzburg „Montensis“, aus Mons.
Grund
und Zeitpunkt seiner Übersiedlung nach Seliqenstadt
Anders
als bei der Einwanderung der „wallonischen
Tuchmacher“
lagen wohl die Verhältnisse bei Theodor: fünf nahe
Verwandte
hatten bereits in dieser Gegend Fuß gefaßt. Sein
Bruder
Wilhelm und sein Onkel Johann Colchon waren gut versorgte, angesehene
Kanoniker eines sehr prominenten geistlichen Stiftes in Aschaffenburg;
sein Onkel Leonard Colchon war Abt des Benediktinerklosters in
Seligenstadt; sein 3. Onkel Theodor Colchon (man ist versucht, in ihm
Theodors Taufpaten zu vermuten) hielt sich übrigens 1636 als
31
jähriger Kanoniker vorübergehend in Mainz auf, und
Theodors
jüngerer Bruder Johann Franz Thomas studierte Jura in
Würzburg.
Die
erste Begegnung
mit einem „Seligenstädter“ hatte Theodor
wohl durch
die unfreiwillige Rückkehr seines Onkels, des
Seligenstädter
Abtes Leonard Colchon, 1639 bis 1641 in Lüttich. Hier
mögen
die ersten Fäden geknüpft morden sein. Ob, wie
bereits oben
vermutet, die politische Lage seines Vaters (oder Großvaters)
seiner und der Entscheidung seiner beiden Brüder nachgeholfen
hat,
bleibt noch zu untersuchen. Jedenfalls liegen der erschlossene
Zeitpunkt des Todes seiner Eltern und der seiner Übersiedlung
nach
Seligenstadt nur etwa drei Jahre auseinander (frühestens 1647
und
spätestens 1650),
Theodors
Beruf
Ob
es gerechtfertigt ist, Theodor als „Tuchmacher“ zu
bezeichnen, bloß weil er Mitglied und Vorstand der
Wollweberzunft
war, bleibt offen. Einiges deutet darauf hin, daß er sich in
kaufmännischen Unternehmungen betätigte, die
möglicherweise mit dem Tuchhandel, aber sicher mit dem
Weinhandel
zu tun hatten. Immerhin läßt sich sein Besitz noch
bei
seinen Enkeln nachweisen, die sowohl die Wollweberei wie das
Gastwirtsgewerbe (vielleicht auch die Bierbrauerei) betrieben. Die
Ansicht, daß sich die Zunftmitglieder zu ihrem Vorstand nur
jemand wählten, der von ihrem Gewerbe etwas verstand, ja sogar
etwas mehr als die anderen, ist nicht zu übersehen.
Herkunft
seiner Geldmittel
Wenn
der Abt Colchon in einem Brief aus dem Jahre 1647 das
väterliche
Erbe einer Schwester des Theodor mit „400
Imperialen“ (es
handelt sich wohl um Reichstaler = etwa 26 g Silber mit Vorbehalt auf
das Jahr 1908 umgerechnet etwa 2080 Mark, ohne
Berücksichtigung
der zu vermutenden wesentlich höheren Kaufkraft um 1647)
angibt
(das mütterliche Erbe wird nicht erwähnt ), so ist
anzunehmen,
daß Theodor mindestens ebenso viel Geld ererbt hatte. Da
Theodor
etwa 13 bis 14 Jahre älter als diese Schwester gewesen sein
muß, ist anzunehmen, daß er bereits über
eigenes
Vermögen verfügte, das er bei seiner
Übersiedlung nach
Seligenstadt flüssig gemacht haben muß. Hiermit und
mit der
möglicherweise ansehnlichen Mitgift seiner Frau konnte er dann
die
beachtlichen Häuser- und Grundstückskäufe
tätigen
(nach 1651).
Daten
zum Leben des Theodor Dalken
1617/18 oder (aber weniger wahrscheinlich) nach
1631 in Lüttich oder Mons geboren
1621
Bruder Guillaume in Lüttich geboren
1622/ 23 Übersiedlung der Familie nach Mons
21.09.1625
Wahl seines Onkels Leonard Colchon zum Abt des Benediktiner-Klosters in
Seligenstadt
1630/ 31 Rückkehr der Familie nach
Lüttich
1631 Schwester Cathérine in Lüttich geboren
1634 Schwester Marie- Claire in Lüttich geboren
17.11.1635 sein Onkel Joh. Colchon Kanonikus in Aschaffenburg sein
Bruder Wilhelm Dalken Kanonikus in Aschaffenburg
1639-1641 Flucht seines Onkels, des Abtes Colchon, nach
Lüttich
1647 oder wenig vorher Tod seiner Eltern
19.12.1648 Immatrikulation seines Bruders Joh. Franz Thomas an der
Würzburger Universität
1650 oder wenig vorher Übersiedlung nach Seligenstadt
12.07.1650 Heirat mit Marie-Elisabeth Gelf
1651 Mitglied der Wollweberzunft und erstmals Zunftvorstand
1651 und folgende Jahre beachtliche Haus- und
Grundstückskäufe
1651 Zulassung zur Konfraternität des Bursfelder
Generalkapitels
21.11. 1651 Sohn Johann Leonhard getauft
03.02.1653 Sohn Wilhelm getauft
29.10.1653 Tod seines Onkels, des Abtes Leonard Colchon
04.01.1655 Tochter Anna-Eva getauft, † 1656
1656/57 zum zweitenmal Zunftvorstand
28.05.1658 Tochter Katharina getauft
21.01.1659 Heirat seines Bruders Joh. Franz Thomas mit der Witwe Mang
in Großostheim
28.05.1660 Tochter Marie-Ursula getauft
1660/61 zum drittenmal Zunftvorstand
04.11.1662 Tochter Marie-Margarethe getauft
03.07.1663 Tod seiner ersten Frau Marie-Elisabeth
03.03.1663 Tod seines Onkels, des Kanonikers Johannes Colchon, in
Aschaffenburg
1666 Ratsherr und Baurentmeister (Bürgermeister)
1669 oder später Tod seines Bruders Joh. Franz Thomas in
Aschaffenburg oder Großostheim
1669/70 zum viertenmal Zunftvorstand
19.04.1670 Tod seines Bruders, des Kanonikers Wilhelm, in Aschaffenburg
1673 abermals Baurentmeister
1690 zweite Ehe mit Marie, Witwe des Aegid Nicola
19.09.1692 als Ratssenior gestorben
Nachtrag
aus 2006
Theodor/Dieter/Dieterich
Dalken - Seine Immobilien in Seligenstadt
Seit einiger Zeit sind wir im Besitz der Kopie einer Urkunde, die
über die Immobilien des Theodor im Jahr 1651 Auskunft gibt. Es
handelt sich um die Gütererhebung M 2 Nr. 37 fol. 90 aus dem Staatsarchiv Würzburg ( Von Rechtsanwalt Dr. Heinrich
Fußbahn, Aschaffenburg).
Wir erfahren daraus, dass Theodor sofort nach seiner
Übersiedlung
nach Seligenstadt (1647/48) und seiner Verheiratung (1650) umfangreiche
Immobilienkäufe vornahm. Wir wissen, dass er - wie
wahrscheinlich
seine Geschwister auch - nach dem Tode seines Vaters Thomas (1646/47)
1000 Imperialen erbte; das entspricht etwa 3000 Gulden, so dass man
sagen kann, alle Kinder waren nach dem Wegzug aus Lüttich
finanziell gut ausgestattet. 3000 Gulden waren etwa 150 Morgen
Ackerland wert (Seibert,
Sippenbuch, Stadt und Zent, S. 60).
Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges und der kurz
vorausgehenden
Pest hatte Seligenstadt einen erheblichen Bevölkerungsverlust
hinzunehmen (geschätzt 80%). Die Stadt wird dankbar gewesen
sein,
dass nach meinen Unterlagen wenigstens 30 wallonische Familien zuzogen,
alles Handwerker, meist Wollweber, die in der Lage waren dazu
beizutragen, dass sich die wirtschaftliche Lage der Stadt schnell
besserte.
Dazu gehörte auch die Erhebung von Steuern. Für viele
Zuwanderer galt allerdings eine zeitlich begrenzte Steuerbefreiung des
Kurfürsten-Erzbischofs von Mainz. Grundlage für die
Steuerbemessung war die Feststellung des Immobilienbesitzes, und um
eine solche handelt es sich in dem vorliegenden
Güterverzeichnis
des Theodor/Dieter Dalken. Die Zeilennummerierung beginnt mit Nr. 1 bei
„Theodorus dalckhenn":
1 Theodorus
dalckhenn
2
Sein Wohnbehaussung undt
3 Ein
haus sampt Einer scheuer, von seiner
4 Hausfrauen
5
Äckher von
ihro
29 1/2
Morgen
6
Wiesenn
6 Morgen 7 rüden
7
Grassgärthen 3/4 M(o)r(gen)
1 1/2 ruden
8
Grabgarthen
1 V(ie)r(te)l 26 ruden
9
Von Hannss Reüssen dem alten erkaufft, an
10
Äkchern
27 1/2 Morgen 4
ruden
11
Wiesenn
3 1/2 Morgen, 1
1/4 ruden
12
Grassgärthen
3 V(ie)r(te)l, 13 1/2Druden
13
Grabgarthen
32 3/4 ruden
14
p (festgelegter
Wert)
340 fl.
Erläuterung
der Zeilen:
Zeile 1
Der
Vorname ist in lateinischen Buchstaben geschrieben. Er wird noch nicht
Diet(h)er, Diederich wie später genannt. Der
Familienname
ist deutsch geschrieben. Zweimal liegt die merkwürdige
Konsonantenverdoppelung vor: k > ck, n > nn und
h zu Beginn
der zweiten Silbe könnte man sich als ach-Laut
gesprochen
vorstellen.
Zeile
2/3
Einleitend wird sein
Wohnhaus genannt sowie die Mitgift
seiner Frau aus Gelfischem Besitz.
Zeile 5/8
Seine Frau Maria Elisabeth,
Tochter des Ratsherrn Johann Gelf und dessen Frau Ursula Grüninger,
brachte umfangreichen Besitz in die Ehe (1650), das in Zeile 3 erwähnte Haus sowie das
zu 5 - 8 gehörige.
Zeile 5 und 10:
Die Äcker dienten wie
die anderen landwirtschaftlichen Flächen der Selbstversorgung der
„Ackerbürger", d. h. in bescheidenem Umfang waren
die Bürger
und Handwerker auch Bauern.
Zeile 6 und 11:
Die Wiesen brauchte man
für Heu für eine oder zwei Kühe und
eventuell einen
Arbeitsochsen.
Zeile 7 und 12:
Unter Grasgärten
verstand man Weideflächen, wo auch Obstbäume wuchsen.
Zeile 8 und
13:
Die Grabgärten wie die
Grasgärten hatten nur einen geringen Umfang. In
den Grabgärten
wurde Gemüse
und sonstiges für die tägliche
Küche angebaut,
im wesentlichen Kraut.
Zeile 9
Hans Reuß aus einer
alten Bierbrauerfamilie (s. Seibert, Sippenbuch, Stadt
und Zent..., S. 218) war in der Bender- (Fassmacher-)
und
Brauerzunft eingetragen. Mag sein, dass mit dem Erwerb von dessen Haus auch Braugerechtsame
auf die Dalken übergingen, wovon Theodors/Dieters Sohn Leonard nach dem Tod seines
Onkels Johann Colchon profitierte. Er hatte, wie bekannt, eine Brauerlehre in
Aschaffenburg abgeschlossen.
„Morgen" bedeutete ursprünglich die Fläche,
die ein
Bauer mit einem Gespann an einem Morgen (Vormittag) pflügen
konnte, etwas über 3000 qm.
Die Rute, hier „rüde", ist ein
Längenmaß, in Hessen damals 4 m. Gemeint sind hier Quadratruten.
Theodor/Dieter besaß also unmittelbar nach seinem Zuzug nach
Seligenstadt und nach seiner Verheiratung über 70 Morgen Land,
das
sind etwa 21 Hektar. Damit erreichte er die Untergrenze dessen, was man
damals als einen Großbauern bezeichnete. Seiner Herkunft und
Ausbildung nach (wenn es denn stimmt, dass er Tuchmacher war, was eher
zu bezweifeln ist, wie mehrfach schon erläutert )
dürfte er
das Land nicht selbst bewirtschaftet haben. Sein Immobilienerwerb war
wohl eine Geldanlage und Vermögenssicherung.
Diese Liegenschaften wurden 1651 auf einen Steuerwert von 340 fl (=
Florin = Gulden) geschätzt. Zur Taxierung des Wertes dieser
Summe
muss man von Vergleichswerten ausgehen. So kostete 1633 in Seligenstadt
eine Kuh 11 fl und 10 Malter (um 590 kg) Hafer 20 fl (Seibert, w. o. S. 6). 1677 hatte sich Theodors
Besitz erheblich vermehrt (s Seibert, w.o. S.101 und 193): Er besaß
fünf Häuser, zwei Bauplätze und 80 Morgen
(etwa 25 ha) Feldgüter.
Der erwähnte Hans Reuß der Alte ist der bei Seibert,
Sippenbuch S. 21 7 aufgeführte Johann III der Alte. Er war
Bender
und Brauer, Handwerke, zu denen sich auch Theodors Sohn Leonard
bekannte. Wie er in eine lebensgefährliche Verquickung mit der
Familie Reuß geriet, wurde hier
dargestellt. Seine „Flucht" aus Seligenstadt und der fast ein
Jahrzehnt dauernde Einsatz in portugiesischen Marinediensten war
für die damalige Zeit eine ganz große
Herausforderung und
ein großes Risiko. Er setzte als der einzige
männliche
Nachkomme des Theodor/Dieter die Stammfolge bis auf unsere Tage fort.
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