Geschichte der Familie

Seligenstadt, geschichtlicher Überblick- Teil IV

Der jüngere Seligenstädter Zweig

Seligenstadt


Mit den drei Söhnen des Johann Leonhard Dalcken teilte sich die Familie in drei Zweige:

1. Johann Adam- Im Mannesstamm ausgestorbener älterer Seligenstädter Zweig

2. Johann Philipp- Stifter des jüngeren Seligenstädter Zweigs

3. Johann Heinrich- Im Mannesstamm ausgestorbener böhmischer Zweig


Der Stifter des jüngeren Seligenstädter Zweiges ist Johann Philipp Dalcken.(Sohn des Joh. Leonhard) Er hatte neun Kinder aus der Ehe mit Anna Maria Löhr.

1. Sein ältester Sohn wurde nach dem Vater Philipp genannt und am 13.9.1713 (Tf 3.199) getauft. Das Kind muß früh gestorben sein. Keine weiteren Einträge sind nachweisbar.

2. Der Sohn Matthäus wurde am 21.9.1715 (Tf 3.210) getauft. Sein Pate war Matthäus, der Sohn des Seligenstädter Bürgers Hermann Zilch. Sein Name ist - wie der seines Vaters- im Tauf-Register als 
 angegeben.

Beim Lesen muß der rundliche Abstrich nach dem "k" beachtet werden. Dieser Abstrich ist die damals übliche Abkürzung für "en". 1720 ist Matthäus fünfjährig bereits Pate (Tf 3.278). 1728 taucht er als Johann Matthäus abermals als Pate auf. Er wird als "studiosus in Aschaffenburg" bezeichnet. Hier hat er die Lateinschule absolviert und trat dann wahrscheinlich für das theologische Studium zu einem noch unbekannten Zeitpunkt in das Seligenstädter Benediktinerkloster ein. 1746, ein Jahr nach dem Tode seines Vaters Johann Philipp, wurde dessen Erbe unter die Kinder verlost. Matthäus zog den ersten Loszettel (Schatzungsregister 18 r). 1749 ist "Herr Matthes Dalck" - obwohl Geistlicher - in der Wollweberzunft, wo er steuerlich geschätzt wird (Schatzungsregister der Wollweberzunft 19-22). 1753 ist er Taufpate (Tf 5.271?) und bereits als "Pater Beda" bezeichnet. 1754 legte er im Seligenstädter Kloster sein Gelübde ab. Überraschenderweise führt ihn das Profeßbuch als P(ater) Beda D'Alcken auf. Er wurde am 11.11.1755 - mit 40 Jahren erst- ordiniert, war bis 1757 Kooperator in Steinheim und Alzenau. 1771 ist er Pfarrer in Meisenheim, ab 1773 Pfarrer in Michelbach, alles Pfarreien, die zum Kloster Seligenstadt gehörten. Zur gleichen Zeit war er Subprior und " Ökonom" des Klosters, d. h. ihm unterstand der Gutsbetrieb. Am 16.7.1796 ist Pater Beda, alias Johann Matthäus Dalcken/D'Alken, als Pfarrer in Meisenheim gestorben.

3.  Am 6.1.1718 wurde das dritte Kind Simon getauft (Tf3.227), das ebenfalls bald starb.

4. Das vierte Kind, die erste Tochter, Maria Elisabeth, wurde am 29.3.1719 (Tf 3.235) getauft. Ihre Patin war Maria Elisabeth, Tochter des Dominus Johann Adam Dalck (s.o. S.265), ihre Tante. 1722 (Tf 3.293?) ist sie als Patin erwähnt. 1735 heiratet sie (Tr 3.69) Johann Schmitt aus Klein-Steinheim (s.S.296), Sohn des Nicolaus Schmitt aus Untersteinheim. Diese Familie Schmitt ist auch in Kleinkrotzenburg ansässig, weitere Nachkommen aus dieser Ehe tragen die Familiennamen Malsy, Müller, Rupp, Hardy (Vorfahren aus Lüttich), Hörn, Wissel, Habermann, Burkhard, Sommer (s. S.296); zu den beiden letzteren s. weiter unten.

5.  Das fünfte Kind erleidet das Schicksal des 1. und 3.: Valentin wurde getauft am 26.10.1721 (Tf 3.288). Sein Pate war Valentin Schwarz, "civicus honestus et bonificus", ehrenhafter und guter Bürger. Am 23.8.1728 (St 3.273) starb Valentin.

6.  Als sechstes Kind folgt wieder eine Tochter: Anna Maria, getauft am 11.6.1724 (Tf 3.307). Ihre Patin ist Anna Maria Sommer, Tochter des Jakob Sommer. Am 17.4. 1743 (Tr 3.91) geht sie ihre erste Ehe mit Anton Schubert ein. Getraut wurde sie von Johann Schmitt und ihrem Bruder Dominus Matth(äus) Dalquen (!) (Extr.Matr.N.11). Sieben Jahre später heiratete sie am 13.4.1750 (Tr 3.106) den Ratsherrn Johann Goy (s.S. 296), Sohn des Ulrich Goy und der Sabina N. aus Mühlheim am Main. Der Familienname Goy kommt ebenfalls in Lüttich vor. Ihre Tochter Elisabeth wird den Bürgermeister und Ratsschultheiß Hermann Josef Dalquen (s. S. 296) heiraten und ihr Enkel Johann Michael Goy wird diesen als Seligenstädter Bürgermeister ablösen. Nachfahren heißen Goy, Kronenberger, Schulz (s. Stammtafel 1).

7. Das siebte Kind ist Johann Friedrich, getauft am 10.2.1727. Pate ist Johann Friedrich, Sohn des Friedrich Sommer. Das Kind stirbt am 12.3.1729 (St 3.29).

8. Auch das achte Kind stirbt früh: Anna Eva, getauft am 20.5.1729 (Tf 3.347), gestorben am 12. (oder 14.) 8.1732 (P.t 3.303).


9.  Johann Peter Dalquen, der Löwenwirt (1732- 1765) (Sohn des Johann Philipp)

Der Stammvater aller heute lebenden Dalquen/d'Alquen in Deutschland, der Schweiz, England, Kanada und den USA ist das letzte Kind dieser Ehe: Johann Peter Dalcken/Dalquen. Einen Monat vor dem Tode seines Großvaters, des Seefahrers Johann Leonhard, wird er am 29.6.1732 (Tf 3.370) getauft. Der Ratsherr Peter Stenger, sein späterer Schwiegervater, ist sein Taufpate. Er heiratet 20jährig am 18.9.1752 (Tr 3.110) Maria Elisabeth Stenger und stirbt nach 12jähriger Ehe 33jährig an "tabes longa", der schleichenden Schwindsucht, am Heiligen Abend 1765 (St 5.227). Als sein Vater Johann Philipp 1745 stirbt, ist Joh. Peter 13 Jahre alt. Im Jahre darauf wird das Erbe geteilt. Er zieht den vierten Loszettel (Schatzungsregister 15 r) und wird von da an bei den Wollwebern steuerlich geschätzt. 1749, er ist 17 Jahre alt, verfügt er bereits über ein beachtliches Vermögen. Für sein Wohnhaus, das früher "Herrn Balthes Reiß (Reuß)" gehörte, wird er mit 120 fl. (Florin, Gulden) Steuer veranschlagt, für die "wirtschafft" (gemeint ist die Landwirtschaft) mit 20 f1., für den "kram" (die "Krämerei" aus dem Besitz des Vaters und Großvaters) mit 15 fl. und für das "Hantwerk" (die Wollweberei) mit dem beachtlichen Betrag von 50 fl. Sein Bruder "Pater Peta (Beda)" hatte vermutlich seinen Geschwistern seine ererbten Güter überlassen. Hierfür hat Peter 22 xr 2 d (22 Kreuzer und 2 Denar, Groschen, Pfennig) zu zahlen. Außerdem hat er "reichlich Äcker gekauft" und 1733 von seiner Mutter und von seinem Schwiegervater (vermutlich die Mitgift) welche übernommen. In der zeitlichen Reihenfolge der Erwähnung seiner Tätigkeiten erscheint er zuerst als Kaufmann, dann als Wollweber und erst dann als Gastwirt und Brauer. 1761 (Tf 5.293) wird er erstmals als "Wirt zum Goldenen Löwen" erwähnt. Hierzu schreibt Dr. L. Seibert in seinem Buch "Die Seligenstädter Flurnamen", 1935, S. 38: " Das Fachwerkhaus Römergasse 10 ( Abb.2) überrascht auch heute noch  in seinem barocken Umbau durch seine Geschlossenheit und die stattlichen Ausmaße. Es ist zweigeschossig, hat zwei Dachgeschosse und einen großen Hofraum mit Nebengebäuden. In den Hofraum gelangt man durch eine breite, rundbogige Toreinfahrt aus Sandstein. Deren Schlußstein zeigt die Jahreszahl 1578 und zwei bunte Wappen: links einen von einem Degen gekreuzten Äskulapstab, rechts den Kopf eines Ochsen mit Nasenring (Abb.1,2).

Abb. 1 Römergasse 10, ehemal.                     Abb2: Toreinfahrt hierzu
Haus des Johann Peter Dalquen
Wirtshaus "Zum Goldenen Löwen"

Dehio (Hessen, 1966, S.760) hebt die "gute Haustüre“ hervor (Abb): den gekehlten Sandsteinrahmen füllt eine reichgeschnitzte Holztüre. In dieser heutigen Erscheinungsform dürfte das Haus bereits den Löwenwirt und seine Familie beherbert haben.
    
Einen "goldenen Löwen" hatten die Dalken nicht in ihrem Wappen. Johann Peter, der Löwenwirt, kannte sehr wohl das Grab seines Großvaters mit dem Familienwappen (s. IX.Bericht, S.105 ff). Mit großer Wahrscheinlichkeit kannten die Seligenstädter Dalcken nicht die Farben des Wappens; der dem Johann Peter zugeschriebene Wappenring (S.106 f) zeigt keine Farben.
 

Seibert (w.o., S.38 f) spielt noch einmal auf den "goldenen
Löwen" der Familie Dalcken an:
"Vor etwa 60 Jahren konnte man noch die Schlitten der Seligenstädter "Patrizier" bewundern. Unter diesen befand sich auch einer, der einen weißen Schwan, ein anderer, der einen Hirsch, und einer, der einen goldenen Löwen darstellte. Offenbar war dieser Schlitten im Besitz der Familie Dalcken."
 
Im Nachlaß des Dr. Seibert, Staatsarchiv Darmstadt, Konvolut 10, Fascikel 7, Blatt 76 r findet sich eine Notiz über den Löwenschlitten, dergemäß dieser und die anderen Schlitten an ein Frankfurter Museum abgegeben wurden. Seither weiß man von diesen Schlitten nichts mehr.

Am 24.12.1765 (St 5.227) starb der Löwenwirt, der "sehr ehrenwerte Mann und wahre Christ". Die sogenannte "Not-Gottes-Kapelle" in der Nordwest-Ecke des Seligenstädter Friedhofs birgt eine weitere Erinnerung an Johann Peter Dalquen. Die Kapelle hat ein verwickeltes Schicksal. Sie wurde 1874 gebaut, als man die barocken Portale von der romanischen Einhards- Basilika, der Pfarrkirche, entfernte; deren ehemaliges Nordportal von 1722 bildet nun die Vorderfront der Kapelle. Von der Inneneinrichtung erwähnt Dehio (Hessen, 1966, S.178) das "Erbärmde-Bild"  den gegeißelten Christus, daher der Name der Kapelle, eine Holzplastik vom Ende des 15. Jahrhunderts. Ein gütiges Geschick hat uns diese Plastik und die Inschrift, die sich darauf bezieht, erhalten.
Diese Not-Gottes-Figur wird bereits 1585 erwähnt, "die damals aber nur in einer Bildsäule bestand und sich
wohl an derselben Stelle befundet hat" (Neubauer, Seligenstädter Pfarrkirche, 1967, S.18). Die Stiftung des Löwenwirts und seiner Frau (gestorben 18o3) bezog sich demnach wohl auf die Wiedererrichtung oder Erneuerung dieses Andachtshäuschens unter Hinzufügung der Inschrift. Diese Inschrift unter der Figur des Schmerzensmannes (Abb.) ist gut lesbar.

Sie lautet:
 
Ihr Menschen denckt
an meine Schmerzen
und führt dieselbe
tief zu Herzen,
die Ursach werdt ihr finden:
mein Lieb und eure Sünden.
Johannes Petrus Dalquen
et Tlaria Elisabeta nata
Stengerin erigere vole-
bant 1765 (s.Abb.).
 


Der Schmerzensmann


Text unter der Plastik

Die Plastik und der Text gehören zusammen; nicht zugehörig sind aber nachweislich die übrigen Teile des Altars. An der Vorderkante des Altartisches findet sich eine Inschrift, aus der hervorgeht, daß der Auswanderer "Johannes Schnugg aus New York" den Altar (1874?) gestiftet hat. Aus Teilen der verschiedensten, heute nicht mehr feststellbaren Herkunft wurde pietätvoll das alte Andachtsbild mit seiner Weihinschrift umbaut.
In seinem Brief an den verstorbenen Robert Dalquen, damals Frankfurt am Main, vom 16.12.1939 teilt Dr. Seibert mit, daß ein Grabstein des Johann Peter Dalquen noch existiere, dessen Inschrift gut lesbar sei:
 
"Ich, Petrus Dalquen, der jüngst von vier, verlis auch Frau und vier Kinder hier, da ich kaum 33 Jahr als Löwenwirt alt worden war. Ich zerte aus und starb getröst aus Lieb zu dem, der mich erlöst. 1765, den 24den Xber."
Dieser Grabstein ist verschwunden.

Johann Peters Witwe heiratete nicht wieder. Sie starb am 18.11.1803, 71jährig. Sie hatte vermutlich den Besitz bis 1789 zusammengehalten. 1776/77 zahlt sie bei weitem die höchste Steuer der in der reichen Wollweberzunft Aufgeführten. 1788 wird sie als "Peter Dalken Witwe" letztmals in den Bedregistern (Stadtrechnungen 1789, Urkunde SS, S.11) erwähnt.

Johann Peter hatte mit ihr sechs Kinder:

        Johann Peter                                           Elisabeth    
Dalcken/Dalquen                                         Stenger

.
   .
1.    Maria Elisabeth
2.    Joh.Peter Valentin
3.    Johann Matthäus
4.    Franz
5.    Hermann Josef Dalquen
6.    Franz Adam Dalquen/d'Alquen


Mit den beiden letzten Söhnen teilt sich die Familie in zunächst zwei Zweige:

  • Hermann Josef Dalquen begründet den sog. "hessischen"  Zweig
  • Franz Adam Dalquen/d'Alquen begründet des sog. „westfälisehen" Zweig, von dem sich die ältere und die jüngere "englische" Linie abspalten.

Die Kinder des Löwenwirts Johann Peter Dalcken/Dalquen

1. Marie Elisabeth Dalcken, getauft am 24.5.1754 (Tf 5. 246),heiratete Balthasar Simon Wolz. Die beiden erbten die Wirtschaft "Zum Goldenen Löwen". Das Gasthaus blieb knapp 130 Jahre im Besitz der Familie Wolz. Den Bürgermeister Wolz hatte der junge Seibert noch mit dem "Löwenschlitten" in Seligenstadt fahren gesehen (s.o.e. Nachlaßnotiz).

2. Johann Peter Valentin Dalcken, getauft am 14.2.1756 (Tf 5.256). Pate war Johann Peter Stenger.
 

3. Johann Matthias Dalcken, getauft am 6.2.1758 (Tf 5. 271) Pate war sein Onkel Pater Beda Dalquen OSB. Das Kind starb am 29.4.1758 (St 5.186).

4. Franz Dalcken, getauft am 12.5.1759 (Tf 5.280), gestorben am 19.2.1760 (St 5.20).

5. Hermann Joseph Dalcken/Dalquen, getauft am 11.2.1761 (Tf 5.293). Pate war Hermann Joseph Kurz, der Wirt "Zum Goldenen Adler". Mit Hermann Joseph setzte sich die Schreibung des Familiennamens DALQUEN durch.

6.    Franz Adam Dalcken/Dalquen/d'Alquen, getauft am 20.11.1763 (Tf 5.308). Pate war der Küster Franz Adam Dalken (s.o. S.287). Mit ihm setzt sich die Schreibung d'ALQUEN und bei einigen seiner englischen Nachfahren D'ALQUEN durch.

Den beiden Letztgenannten sind die Fortstzungen in künftigen Berichten vorbehalten.

 
www.dalquen.info