Geschichte der Familie

Seligenstadt, geschichtlicher Überblick

Versuch einer Darstellung, ausgehend von Thomas und den ersten in
Seligenstadt eingewanderten Wilhelm, Johannes und Theodor (Dieter) Dalken

Seligenstadt


Mit Vorbedacht stellen wir die Verkleinerung des Merian-Kupferstiches von Seligenstadt voran, da mit unserem kurz vor 1648, der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges von Lüttich in Seligenstadt eingewanderten Ahnherrn Theodor (Dieter) Dalken insgesamt 8 Generationen unserer Familie in dieser Stadt zu Hause waren. Der letzte Dalquen in Seligenstadt starb dort 1952, seine Frau im Jahre 1963.

So können wir also Seligenstadt mit Recht als die Stadt unserer Väter bezeichnen. So, wie wir wohl den Ort Alken in Flandern als die Stadt unserer Vorväter ansehen dürfen.

Hier also, in Seligenstadt, haben Theodor und seine Nachkommen gelebt und geheiratet, gehörten in jeder Generation zum Patriziat und waren in allen Generationen auf verantwortlichen Ehrenposten um das Wohl dieser Stadt bemüht. So dürfen wir Heutigen und direkte Nachkommen mit gewissem Stolz feststellen, daß ab Ende des Dreißigjährigen Krieges Männer und Frauen unserer Familie nicht nur viele Generationen in dieser Stadt sondern auch ganz bewußt, eindrucksvoll und einprägsam für diese Stadt gelebt und gewirkt haben.
Deshalb ist es keineswegs vermessen, wenn wir Seligenstadt
aus diesen Gründen als die Stadt unserer Väter bezeichnen, woran uns auch heute noch manche Einzelheiten erinnern, denen wir, so gut wir können, nachgegangen sind und weiter nachgehen werden, um darüber z.B. auch in dieser Aufsatzreihe zu berichten.

Was wir über Theodor, den ersten Seligenstädter Dalken erforschen konnten, haben wir in der 1. Folge dieser Aufsatzreihe, nämlich hier veröffentlicht; schon er gehörte nach wenigen Jahren seiner Anwesenheit in Seligenstadt zur Oberschicht der Stadt und bekleidete wichtige und ehrenvolle Ämter.


Seligenstadts Silhouette 


Reizvoll wäre der Gedanke, daß Meister Merian, der sich 1624 in Frankfurt/M.
niederließ und der von dem der Stadt gegenüberliegenden Mainufer die Silhouette Seligenstadts konterfeite, wie sie oben zu sehen ist, abends im "Stern" sein Glas Wein getrunken und auch mit Theodor Dalken würdige oder fröhliche Unterhaltungen gepflogen haben könnte. Er, der weitgereiste und berühmte Meister wußte einiges zu erzählen von der Welt und ihren von ihm so meisterhaft wiedergegebenen Städten, und unser Ahn Theodor, den wir uns kraft seines Herkommens, seines Verwandtschaftsverhältnisses mit Abt Colchon, seiner sozialen Stellung, auch im Hinblick auf die Einheiratung in die bedeutende Familie Gelph/Gelf, als einen klugen, weltoffenen Mann vorzustellen haben, dessen Wort als Baurentmeister, Bürgermeister, Ratsherr und Zunftvorstand etwas galt, könnte der rechte Gesprächspartner jenes vielgereisten, bedeutenden Künstlers gewesen sein.

Gleichgültig, daß Merian Seligenstadt schon 1646 gezeichnet und gestochen hat, und wir keine Kunde darüber haben, ob er diese Stadt nicht auch noch in späteren Jahren besucht haben und dann tatsächlich auch mit unserem Ahn zusammengekommen sein mag, sein Kupferstich von Seligenstadt ist es in jedem Fall wert, daß wir ihn hier bringen: so nämlich repräsentierte sich Seligenstadt, trotz allen Übels, das der große Krieg auch über diese Stadt gebracht hatte, zu einer Zeit und noch viele Dezennien danach, als unsere Familie über 8 Generationen in dieser Stadt ihre Heimat hatte.

Auch heute noch ist die Stadtansicht, vom anderen Ufer genossen, dem alten Stich ähnlich, wenngleich wir uns u. a. auch die Pfarrkirche ganz links im Bild wegdenken müssen, da sie 1817 abgebrochen wurde. Mit ihr, die fast 1000 Jahre dort gestanden hat, verschwand auch der große, markante Glockenturm mit dem einstmals stolzen Geläut, deren letzter Glöckner der später noch zu erwähnende Franz Adam Dalken war, nachdem er 61 Jahre lang diesen seinen Dienst versehen hatte.


Seligenstadt vom bayerischen Ufer aus



Eine Stadt mit stolzer Vergangenheit

Diese Stadt schaut auf eine stolze Vergangenheit zurück, die es wohl wert ist, hier in kurzen Zügen gestreift zu werden. An dem uralten Mainübergang bei Seligenstadt lag ein römisches Kohorten-Kastell, das etwa 150 Jahre lang zur Befestigung der dem Main folgenden Grenzstrecke des Römerreiches gehörte. Nach seiner Zerstörung durch die Alemannen um 260 bildete sich bäuerliche Kultur aus, nicht anders nach der fränkischen Landnahme. In den Main fließende Bäche waren zum Bau von Mühlen geeignet, die dem dort entstandenen Königsgut den Namen Mühlheim gaben. Diesen Ort erhielt der vornehme Ostfranke Einhard als verdienstvoller Berater Karls des Großen im Jahre 815 mit seiner Gemahlin Imma von Ludwig dem Frommen, und um 830 gründete Einhard dort das Kloster Seligenstadt zu Ehren der Märtyrer Marcellinus und Petrus, deren Gebeine er für seine Eigenkirche in Steinbach bei Michelstadt aus Rom erworben hatte.

In Seligenstadt verfaßte er die
berühmte Lebensbeschreibung des Frankenkaisers (Vita Karoli Magni). 840 wurde Einhard in der von ihm erbauten Abteikirche bestattet. Mönche des Benediktinerordens verwalteten bis 1803 sein Erbe. Auf ihr Wirken gehen auch die Grundlagen des Stadtwesens zurück.

1045 verlieh Kaiser Heinrich III. der Abtei das Markt- und Münzrecht. Da sie 1063 ihre Reichsunmittelbarkeit verlor und an das Erzstift Mainz gelangte, kam es, daß die Hohenstaufenkaiser das seit dem 12. Jahrhundert befestigte Städtchen Seligenstadt wegen seiner wichtigen Straßenlage von dem Erzbischof als Lehen annahmen. Die Errichtung einer monumentalen Pfalzanlage am Mainufer unter Friedrich II. war der Höhepunkt dieser Entwicklung.

Obwohl Seligenstadt seit 1309 nicht mehr Reichsstadt war, erlebte es im 14. und 15. Jh. weiteren Aufstieg des Bürgertums durch Zugehörigkeit zu den neun Städten des Mainzer Oberstifts, denen der Landesherr manche Freiheit gewährte. Etwa 1433 ist in Seligenstadt der Maler Hans Memling geboren, der sich 1465 in Brügge niederließ und dort 1494 in hohem Ansehen starb. Im frühen 16. Jh. gab es in dem Mainstädtchen Bildschnitzer, Maler, einen Orgelbauer und andere Kunsthandwerker. Unter ihnen lebte als Hofmaler des Mainzer Kurfürsten Mathis Gothard Neidhard, später Grünewald genannt, der Schöpfer des Isenheimer Altars.

Die Beteiligung der Bürger am Bauernaufstand von 1525 führte zum Verlust ihrer alten Vorrechte. Doch später erfolgte wieder eine Stärkung der Zünfte, es bildete sich neuer Reichtum, der im 30-jährigen Krieg unterging oder sehr stark gelitten hatte. Die oft unheilvolle Heerstraße des Maintals brachte in Friedenszeiten die Augsburger und Nürnberger Kaufleute auf der Fahrt zur Frankfurter Messe nach Seligenstadt. Ihre Wagen erhielten berittenes Geleit, und in der Geborgenheit des gastlichen Wainbau-Städtchens, dem letzten Rastort vor dem Ziel, wurde der Hänselbrauch des Löffeltrunks geübt, wie er auch heute noch gezeigt wird.

Das 18. Jh. war die letzte Blütezeit der Abtei Seligenstadt. Durch ihre Säkularisation, durch die Abtrennung des rechten Mainufers und seines Wirtschaftsgebietes - der Main ist seit 1815 Landesgrenze- durch Verringerung des Durchgangsverkehrs und durch Industriearmut hat die Stadt im 19. Jh. mehr verloren als gewonnen.

Die jüngste Vergangenheit jedoch war und ist bestrebt, Versäumtes nachzuholen und neue Wege für die Zukunft zu erschließen.

Die Basilika in Seligenstadt Aber das alte, schöne Gesicht dieser historisch reichen Stadt ist erhalten geblieben, zumal Seligenstadt im letzten Krieg von Zerstörung verschont geblieben ist. Der Stadtkern ist das Doppelgebilde von Abtei und Bürgersiedlung. Beide Bestandteile wurden von einheitlicher Befestigung geschützt, an drei Wehrtürmen, einem von vier Tortürmen und Abschnitten des verbindenden Mauerringes erkennbar. Die Klostermauer umschließt noch die von der Basilika überragte Gruppe der ehemaligen Abteigebäude sowie Hof- und Gartenflächen. Der stille Kreuzgang bestimmt die klare Anordnung teilweise in das Mittelalter zurückgehender Steinbauten. Zur endgültigen Prägung des Ganzen trugen die Jahrzehnte um 1700 bei. Außerhalb dieses bis vor wenigen Jahren abgesonderten, jetzt der Allgemeinheit zugänglichen weiträumigen Bereichs, führen enge Gassen von kleineren zu größeren Plätzen und Straßenräumen. Das Fachwerkhaus herrscht vor und nimmt mit guten Vertretern vom 15. - 18. Jh. meist Traufenstellung ein. Besondere Geschlossenheit besitzt die Steinheimer Straße, das Rückgrat der alten Unterstadt. Wechsel zwischen Fachwerk- und Verputzbauten besteht in der Aschaffenburger Straße, der Hauptader der Oberstadt, die sich zu dem prächtigen Marktplatz weitet. 
Er hat den Vorzug, daß seine Eckausgänge durch verschiedenartige Häuserstellung nicht aufklaffen; eine Linde beschattet das Pflaster.

Die Kaiserpfalz ist schon im 15. Jh. ausgebrannt. Ihr Gelände wird von der Großen Fischergasse überzogen. Nur die Flußfront das Palas blieb als Stück der Stadtmauer stehen und veranschaulicht mit den nach der Vermauerung wieder geöffneten Rundbogenfenstern und ergänztem Altan die Bedeutung dieser spätromanischen Architektur.

So bereichert, als Ergebnis eines mehr als 1100-jährigen Werdegangs, der Bestand vielgestaltiger Bauschöpfungen die Gegenwart mit einer Fülle schöner Einzelheiten.

Nach diesem kurzen historischen Rückblick aber wollen wir wieder zurückkehren zu den Fakten, die wir in dieser Aufsatzreihe darzustellen haben.


Die Kinder des Theodor

Wir schlossen den Bericht  über Theodor (Dieter) Dalken, geb. um 1618, gest. im Jahre 1692, mit seinen Kindern und mit diesen wollen wir auch wieder beginnen. Es waren tatsächlich, wie wir zwischenzeitlich feststellen konnten, 7 (und nicht 6) Kinder und ebenfalls wurde uns jetzt erst bekannt, daß Theodors 1. Frau, die Maria Elisabeth Gelf, nicht 1663 sondern 1666 gestorben ist. Siehe das falsche Sterbejahr bei Seibert, Sippenbuch, S. 102. Und was die dort zitierte Quelle Nr. 27 betrifft, so ist mit dem richtigen Sterbejahr (1666) auch völlig klar, daß Theodor nicht für einen für 1663 allerdings undurchsichtigen Zweck sondern für die Ausstattung des Begräbnisses seiner Frau im Jahre 1666 der Zunftkasse 1 Gulden bezahlt hat.

Heute können wir auch noch die Trauurkunde des Theodor bringen, den lateinischen Text und die Übersetzung. Leider nennt diese Urkunde nicht das uns noch fehlende Geburtsjahr des Theodor, während Mons als Geburtsort schon festgestellt wurde. Es war, wie wir schon erwähnten, eine recht aufwendige Hochzeit, zu der Theodors Onkel, Abt Colchon, ja sogar (Motetten, Kantilenen und eine Messe für die Orgel in Lüttich bestellt hatte.


Dalcken, Theodor
Trauurkunde, Pfarrarchiv Seligenstadt Tr. 1.97
 
Trauurkunde Theodor Dalcken 1651 Junius, Julius 12 Intronizati sunt 12 mo Julij in facie Ecclesiae Honestus ac Ingenuus / Dns. Theodorus Dalcken, Montensis intra Hanoniam, Patre Thomae Dalcken defuncto, / ac quondam Supremo Praetore intra Leodium / : Nepos Rmi.Dnj. Leonardi Colchon / Coenobij Abbatis meritissim: / ac optime de Honoris semper meritus ob plurima /146 coenobio exhibita fidelissima servitia, Cum virtuosa Virgine Maria Elisabeths / filia legitima Dnj. Joannis Gelph, quondam civis et Senatoris huius Oppidi.

Am 12; Juli 1651 wurde angesichts der Kirche der ehrenhafte und freigeborene Herr Theodor Dalcken aus Mons im Hennegau, Sohn des verstorbenen Thomas Dalcken, gewesenen Oberrichters in Lüttich, Neffe des hochwürdigsten und verdienstvollsten Herrn Abtes des Klosters, und der (Theodor) immer höchste Ehren verdient wegen der vielen treuen dem Kloster erwiesenen Dienste, getraut mit der tugendhaften Jungfrau Maria Elisabeth, eheliche Tochter des Herrn Johann Gelph, einst Bürger und Senator dieser Stadt.
(Freiere Übersetzung: Am 12. Juli 1651 wurde der ehrenhafte und freigeborene Herr T. D. aus Mons im Hennegau mit M. E., Tochter des Herrn J. G., verstorbenen Bürgers und Senators, getraut. Er ist Sohn des verstorbenen T. D., Oberrichters in Lüttich, und Neffe des verdienstvollen Abts des Klosters L. C. hat sich höchste Ehren verdient, da er dem Kloster viele treue Dienste erwies.)

7 Kinder entstammen also dieser 1. Ehe des Theodor mit der Maria Elisabeth Gelf wie folgt:

7 Kinder des Theodor Dalcken


1., unseren Ahn Johann Leonhard, der uns in erster Linie interessiert, werden wir später behandeln, zumal es über ihn am meisten zu berichten gibt. Deshalb geben wir nachstehend erst die uns bekannten Daten, vornehmlich nach Seibert und nach den Registern, für Theodors 2. bis 7. Kind wieder:

2. Wilhelm
Er erhielt seinen Vornamen lt. Tf. 1.183 vom 25.02.1653 nach seines Vaters Bruder, dem "hochwürdigen Herrn" Wilhelm Dalken, Kanonikus am Peter- und Alexander-Stift in Aschaffenburg, (siehe über diesen in Heft VIII, S„60/ 62, 66, 68 u. 83)

Weitere Eintragungen über diesen Sohn in Kirchenbüchern und sonstwo waren nicht zu finden. Es ist zu vermuten, daß Wilhelm bald nach seiner Geburt starb.

3, Anna-Eva
Diese wurde am 04.01.1655 geboren und am 5. getauft, Tf. 1.188, und erhielt ihren Vornamen von ihrer Patin Anna-Eva Siegler (Zieglerin), "Domina Prefectissa", die Frau Amtmännin zu Dieburg, die als Schwester der Mutter des Täuflings dessen Tante war, wie folgende Abstammungsskizze ab Johann Gelf, der Mutter und der Patin Vater und Schwiegervater Theodors, zeigt:

Anna Eva

Anna Eva starb, noch nicht einjährig, bereits am 22.12.1656, St. 1.610.

4. Katharina
Am 28.5.1658 wurde diese getauft, Tf. 1.200, aber weitere Daten über sie waren nicht festzustellen. Nach Procházka soll sie den Georg Mühlbach geheiratet haben, aber dafür fand sich in den von uns eingesehenen Unterlagen keine Bestätigung,

5. Maria Ursula
Sie wurde am 13.06.1660, wie auch ihre sämtlichen Geschwister in Seligenstadt geboren und getauft, Tf. 1,212. Patin war Maria-Ursula, Tochter des Amtmannes (Fauts) Haberkorn zu Dieburg. (Ein anderer Haberkorn, Heinrich, Bruder des Vorigen?, Rektor in Frankfurt, wird als Pate eines Sohnes von Maria-Ursulas ältestem Bruder, dem Johann Leonhard (unserem Ahnherrn erwähnt; s. d.)

Am 24.04.1679 heiratet Maria-Ursula den Cyriakus Gross, Sohn des Herrn Johann Gross, Senator. Als Trauzeugen waren anwesend der kaiserliche Leutnant Bernhard Seelig, Herr Daniel von Baldersheim, Herr Andreas Grossmann und Herr Johannes Braun. Wahrscheinlich war es keine kleine Hochzeit.

Weitere Daten über die Obige waren nicht auszumachen. Kinder?

6. Maria
Margarete
Sie wurde am 28.4.1662 getauft, Tf. 1.219; Patin war die Maria-Margarete, Witwe des Johannes Weiss.

7. Maria-Elisabeth
Diese wurde am 28.11.1664 (nach Seiberts Kartei am 4.11.) getauft, Tf. 1228. Patin war Maria Elisabeth Mayerin, geb. Gans. Deren Gatte, Adolf Mayer war ein Neffe der Mutter des Täuflings, wie nachstehende Abstammungsskizze auf  Johann Gelf zeigt:

Maria Elisabeth


Damit kommen wir zu dem 1. Sohn und ältesten Kind aus der Ehe des Theodor (Dieter) Dalken mit der Maria-Elisabeth, geb. Gelf, nämlich zu unserem Ahn  Johann Leonhard
www.dalquen.info