Einführung zum Konzert "Biedermeier mit d'Alquens" von Ingo d'Alquen
11. November 2007 Schloss Burg, Solingen


Guten Tag, meine Damen und Herren, hallo liebe Kinder, liebe d’Alquens!

Mein Name ist Ingo d’Alquen, und ich stehe hier als ein Nachfahre der beiden Komponisten Johann Peter Cornelius und Franz Adam Maria d’Alquen, deren musikalische Werke heute hier vorgestellt werden.

Für die ganze d’Alquen- Familie ist es eine große Freude und eine große Ehre, dass sich Frau Carmen Daniela dieser Komponisten angenommen hat und so einen lang gehegten stillen Traum meines Vorfahren heute realisiert. In ihrer unvergleichlichen Art und mit ihrer Neugier, musikalische Schätze auszugraben, ist Frau Daniela quasi das Medium, das die beinahe Vergessenen wieder zu Gehör kommen lässt.
 
Bei einem unserer Vorbereitungsgespräche für den heutigen Abend sagte Frau Daniela den bezeichnenden Satz: „Manchmal versuchen sich die verstorbenen Vorfahren wieder in Erinnerung zu bringen“. 
Und genau deshalb möchte ich hier und jetzt Frau Daniela und den anderen Interpreten von ganzem Herzen danken, weil SIE diese Erinnerung wieder zum Erklingen bringen.

Auch ich hatte immer davon geträumt, die mir nur in Noten vorliegenden Werke meines Ururgroßvaters und seines Bruders endlich einmal LIVE zu hören.

Es folgen jetzt ein paar eher trockene Fakten zu den Biografien meiner beiden Vorfahren:

Johann Peter Cornelius und Franz Adam Maria d'Alquen waren zwei Brüder aus einer insgesamt hochmusikalischen Familie, die mit ihrer Gabe unterschiedlich umgegangen sind. Sie lebten und starben im 19. Jahrhundert, waren Zeitgenossen von Carl Maria von Weber und Franz Schubert.

Franz Adam, der jüngere Bruder, war sicher die bedeutendste musikalische Begabung in der Familie, er ging um 1830 nach England, um dort professionell als Musiker, Komponist und musikalischer Direktor zu arbeiten. Sein Lehrer, Mentor und Freund war Ferdinand Ries, der einer der beiden Schüler von Ludwig van Beethoven war.

Von Franz Adams umfassenden Werk sind uns deutschen d’Alquen leider nur 19 Stücke bekannt geworden, die er als Belegexemplare seiner Veröffentlichungen an seine Geschwister nach Deutschland geschickt hatte. In England und Kanada, bei seinen Nachkommen wird wohl (hoffentlich) noch mehr Material zu finden sein. Er starb 1877 in Brighton.

Der ältere Bruder, Johann Peter Cornelius d’Alquen, geboren am 17. September 1800, entschied sich früh neben seinen musikalischen Interessen eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Er war Doktor der Medizin und Chirurgie und übte diesen Beruf mit Liebe und Erfolg aus.
Doch der Wunsch und Drang zu musizieren und komponieren, die kreative Seite in ihm, ließ ihm keine Ruhe. Neben der medizinischen Ausbildung absolvierte er auch ein musikalisches Studium und erreichte eine erstaunliche Virtuosität auf dem Klavier und in der Kompositionslehre.

Er selbst war allerdings der Meinung, sein Ruf als gewissenhafter Arzt dürfe nicht durch seine musischen Interessen berührt werden. Und so hat er sich zeitlebens musikalisch eher im Hintergrund gehalten.

Neben Sonaten und Symphonien sind vor allem seine vielen Liedvertonungen von besonderer Bedeutung.
Ein Zeitgenosse und enger Freund meines Ururgroßvaters, Vincenz von Zuccalmaglio, war einer der bedeutendsten Volksliedersammler seiner Zeit. Johann Peter Cornelius vertonte etliche seiner Textbearbeitungen. So ist vermutlich auch das bekannte Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“, dessen Text von Zuccalmaglio stammt,  von J. P. C.
d’Alquen vertont worden. Viele solcher Lieder erschienen damals ohne Nennung des Komponisten, manche von  Zuccalmaglios Liedern wurden zu sogenanntem Volksgut, d. h. die Texte und Melodien waren so eingängig, dass sie vom Volk gesungen wurden und werden, ohne dass man weiß, von wem sie stammen.

Am 27. November 1863 starb er als Praktischer Arzt und Sanitätsrat in Mülheim am Rhein, wo er die letzten vierzig Jahre seines Lebens verbracht hatte.

In der Geschichte meiner Familie ist überliefert, dass er im letzten Augenblick seines Lebens mit geschlossenen Augen leise aber vernehmbar eine Melodie summte. Meine Ururgrossmutter, die ihn pflegte, glaubte, er würde phantasieren und ergriff seine Hand. Da öffnete er zum letzten Mal die Augen und sprach: "0 Therese, wie mich der Gedanke erfreut, dass irgendeines meiner Lieder auch nach meinem Tode noch gesungen werde."

Wenn wir also gleich einigen seiner Kompositionen zuhören werden, dann hat sich dieser, sein letzter Wunsch, erfüllt.

Einige der Stücke, die Sie im Anschluss hören werden, sind noch nie öffentlich aufgeführt worden, einige wurden seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt – ich wünsche Ihnen nun viel Vergnügen beim Konzert und auch, dass Sie die eine oder andere der Melodien nach Hause mitnehmen. Nur so bleibt die Musik dieser fast vergessenen Komponisten wirklich lebendig.

Vielen herzlichen Dank und gute Unterhaltung!