« De Deiwel hol des
Kwé «
und andere Probleme mit der Schreibung unseres Familiennamens
Alken
- ein Ortsname
Was unser Familienname bedeutet, ist
hier nicht gefragt. Dies wurde bereits
hier
behandelt. Wir können mit der größten
Sicherheit davon
ausgehen, daß der Ortsname ALKEN und der Familienname
identisch
sind.
van
- d’/ D’/ de/ ab: Hinweis auf Adel?
Wäre also zunächst zu klären, was es mit dem
„van“ bzw. „d’/ D’" auf sich hat,
das unserem Familiennamen vorausgeht.
Das hochdeutsche „von“ und das
niederdeutsch-flämische
„van“ sind gleichbedeutend. Diese Partikel dienten
bereits
im Mittelalter zur Bezeichnung der Herkunft und mehr noch des Besitzes
eines Person. Ursprünglich waren dies keine
Adelsprädikate.
Aber da adlige Familien sich nach ihrem Besitz nannten, bildete sich
der Gebrauch heraus, unter Trägern solcher Namen mit von/van
Adelige zu verstehen. Unser Familienname läßt sich
erfreulicherweise sehr weit zurückverfolgen.
Verwandtschaftliche
Zusammenhänge zu deren Trägern interessieren hier
nicht. Der
bisher älteste Vertreter war der Ritter
(„Chevalier“)
Lowis/ Ludwig d’Alke(n)/ de Alken, dessen Erwähnung
in einer
Urkunde von 1295 (Bormans, Stan. und E. Schoolmeesters, Cartulaire de
Saint-Trond, Bd.II, S.531, .Brüssel 1893) hier besonders
interessiert. Diese Urkunde ist genau analysiert worden (Jacques de
Hemricourt, Oeuvres, hg.v. Borman, Bayot und Poncelet, 3.Bd., S. CXIII,
Brüssel 1931). Das Ergebnis ist in gekürzter Form
folgendes:
Graf Arnoul (,d) V. von Looz 1279-1323) ist der Urheber
besagter
Urkunde. Gemäß den diplomatischen Gepflogenheiten
seiner
Zeit ist in Urkunden sorgfältig nach dem gesellschaftlichen
Status
differenziert. Die Zeugen oder Eideshelfer sind streng nach Gruppen
unterschieden. Die dort aufgeführten Namen können
bereits als
Familiennamen angesehen werden, wiewohl sie sich noch nicht so
gefestigt hatten, daß es bei einem Familennamen geblieben
wäre. So kommt es vor, daß sich der Sohn nach einem
zweiten
oder neuen Besitz der Familie nannte oder den Namen des Besitzes seiner
Frau übernahm.
Es soll hier nicht weitergefragt werden, welche Funktionen ein Ritter
hatte und welche soziale Stellung er einnahm, auch nicht aus welchen
sozialen Schichten sich der Ritterstand aufbaute bzw. entwickelte.
Bemerkenswert scheint nur folgende Tatsache: Trotz umfangreicher
Lektüre ist mir nach 1295 kein Chevalier d’Alken
mehr
begegnet. Dies kann auf zweierlei hindeuten:
1. Dieses Rittergeschlecht
ist ausgestorben, hat also nichts mit unserer Familie zu tun oder
2. es
hat sich, einem allgemeinen Zug der Zeit folgend (seit dem
13.Jahrhundert spätestens) mit städtischem Patriziat,
dem
Stadtadel, verbunden, also den reichen, handeltreibenden Familien, z.B.
in Saint-Trond, wo es zahlreiche d’Alken ab dem
14.Jahrhundert
gibt. Wie dem auch sei: in den Jahrhunderten danach
läßt
sich ein Adel der van Alken nicht nachweisen, es sei denn, man nimmt
das Wappen des
Guillaume/Wilhelm
d’Alken als
einen letzten Hinweis darauf. Ob mündliche Traditionen
(„oral history“) in der Familie damit in Verbindung
zu
bringen sind, ist kaum nachweisbar. Hingewiesen sei darauf,
daß
sich bei den böhmischen Dalcken/ d’Alquen/ von
Dalquen ein
stärkeres Bewußtsein hierfür
ausgeprägt hatte, was
sich u.a. am Wappen der Jeanette d’Alquen (Siehe Nr. 18
hier)
erkennen läßt: es trägt einen Perlenreif
(s.a. die
Wappenbeschreibung bei Procházka, Meine 32 Ahnen, 1928,
S.449).
Soweit zur Frage, ob sich mit unserem Namen eine
Besitzbezeichnung
verbinden läßt, also der Besitz eines Adeligen van
Alken in oder um den Ort Alken bei Hasselt.
In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden,
daß um 1450
der Ort Alken ein Lehen des Bischofs von Lüttich war. Es war
vergeben an einen Adeligen, der sich danach nannte: Jean del Grevesse
d’Alkene dessen Tochter Catherine del Grevesse
d’Alkene den
Lütticher Bürgermeister Amel de Velroux (1455)
geheiratet
hatte. (Loyens, J.G., Recueil heraldique des bourgue-mestres de la
noble cite de Liege, Liege 1720, S.160)
Familiennamen, die von Ortsnamen abgeleitet sind, also oft
ursprünglichen Besitz anzeigen, gehören zu den
ältesten
überhaupt. Sie sind sogar älter als das
Bewußtsein,
diese Besitzbezeichnung auf die Nachkommen zu vererben, logischerweise,
denn wenn der Besitz wechselt, z.B. durch die Übernahme eines
anderen Lehens, ändert sich der Familienname. Die Erblichkeit
der
Familiennamen setzt in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts
ein.
Danach also müssen Name und Besitz nicht mehr identisch sein.
(Heintze-Cascorbi, Die deutschen Familiennamen, Halle, 1933, S.59)
Die andere Deutung des von/van ist eine
Herkunftsbezeichnung.
Für Bürgerliche wurde sie bereits seit dem
ausgehenden
Mittelalter zum erblichen Familiennamen, bedeutet also keineswegs Adel,
sondern - in unserem Falle - lediglich „aus dem Orte Alken
stammend“. Nun läßt sich dies leider
genausowenig
nachweisen, wie das oben zur Besitzbezeichnung Ausgeführte.
Wenn
von der Herkunftsbezeichnung ausgegangen werden soll,
müßte
nachgewiesen werden, wann welcher Alken/d’Alken/van Alken wo
ansässig wurde außerhalb des Ortes Alken, am besten
noch mit
Angabe seiner bürgerlichen Tätigkeit, vorzugsweise
eines
Handwerks oder eines kaufmännischen Gewerbes. Dies ist in
unserem
Falle so gut wie unmöglich. Bürgerliche Urkunden
reichen nur
in sehr geringem Umfang so weit zurück.
Bleibt also auch im Falle der Deutung unseres Familiennamens, genauer
des „van/ d’ „ wieder einmal ein
großes
Fragezeichen:
Ist der
Familienname adligen Ursprungs (Besitzbezeichnung) oder
bürgerlichen Ursprungs (Herkunftsbezeichnung)? .
Abschließend muß zur Schreibung unseres
„van/
d’ „ auf die Besonderheit unseres Ursprungs aus
einem
flämisch-wallonischen Mischgebiet hingewiesen werden:
Dort, wo
Flämisch gesprochen und geschrieben wurde, gilt
„van“.
Gleichbedeutend, z.T. auch für die gleiche Person
gilt im
frazösisch-sprachigen Bereich „d’". Handelt es
sich um Lateinisch abgefaßte Urkunden, so gilt, gelegentlich
wiederum für die gleiche Person, lat. „de“
bzw.
„ab“ statt „van“ oder
„d’ „,
wie bereits im XII. Bericht bei verschiedenen Mitgliedern der Familie
in Lüttich nachprüfbar , z.B. S.318.
„Wie
heißen Sie?“
Ja, und dann kommen die Probleme, spätestens nach dem dritten
Buchstaben, für viele Familienmitglieder bereits mit dem
ersten.
Wieso soll ein Name mit einem kleinen D beginnen? Und ein Apostroph:
Was ist das überhaupt? Ein Häkchen! Wo? und dann
kommt das Q.
„Q?“- „Kuh?“ Man wird
angeschaut. „Ja! Q
wie Quelle!“ Und wenn das weiterbuchstabiert wird: Q - U,
wird
prompt ein doppeltes U (QUU) geschrieben. Kein Wunder, wenn einem
Verwaltungsbeamten der Kragen platzt, weil da einer - Jakob Dalquen,
der Großvater des Walter Dalquen, Grainau - in seine
Begriffsstutzigkeit hineinbuchstabiert und er ausbricht: „De
Deiwel hol des Kwé!“. Manche werden - wie ich -
resigniert
haben und bestellen ihre Kinokarten und den Restauranttisch schlicht
unter „Dalken wie Balken“, und nicht einmal so
falsch, wie
wir wissen.
Das Problem, unseren Familiennamen zu
schreiben, setzt
ein anderes voraus, nämlich das
Zuhören.
Es gab Zeiten, in denen die Menschen ohne Personalpapiere,
Ausweise, Pässe ihr Leben fristen konnten, wenn sie
etwa im
17. Jahrhundert beim Pfarrer erschienen, um die Geburt eines Kindes
anzuzeigen und um die Taufe zu bitten, dann schrieb der betreffende
Geistliche nieder, was er „hörte“. Die
Schreibung war
von der sorgfältigen Aussprache des Anzeigenden
abhängig,
aber auch von der Aufnahmefähigkeit, Hörbereitschaft,
Sorgfalt und Intelligenz des Registrierenden.
Zu diesem subjektiven Problem kommt noch das objektive,
nämlich
das der „richtigen“ Schreibung. Wir erwarten heute,
daß unser Familienname in einer irgendwann festgelegten Form
beibehalten bleibt. Daß der Zeitpunkt dieser Festlegung noch
nicht lange vergangen ist, sehen wir an den gegenwärtigen
Schreibungen d’Alquen und Dalquen; hinzu kommt noch die
D’Alquen bei einigen unserer englischen Verwandten.
Diese Formen haben sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts
verfestigt und dabei ist es bis heute geblieben. Spätestens
die
französische Revolution hat im westlichen Europa
aufgeräumt
mit dem unkontrollierbaren Individualismus, daß jeder mit
seinem
Familiennamen mehr oder weniger machen konnte, was er wollte. So ist
seit etwa 200 Jahren die Führung des unveränderten
Familiennamens über die Generationen hinweg gesetzlich
vorgeschrieben, und Änderungen würden
behördlicher
Genehmigungen nach sorgfältiger Begründung und
zeitaufwendigem Verfahren bedürfen.
Bis es zu namensrechtlichen Festlegungen kam, war die Schreibweise des
Familiennamens etwas, das ähnlichen Regeln wie die sog.
„Rechtschreibung“ unterlag. Erst gegen das Ende des
18.Jahrhunderts entwickelten sich feste Regeln der richtigen Schreibung
des Deutschen. Und erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu
allgemein verbindlichen Rechtschreibnormen. Eigennamen, also die Namen
von Personen und Orten, sollten in ihrer geschichtlich gewordenen Form
erhalten bleiben und nicht mehr geändert werden.
In der Zeit davor lassen sich an der Schreibung der
Familiennamen sehr unterschiedliche Beobachtungen machen:
1.Ein
Name wird
gehört und nach Angabe ( Diktat) niedergeschrieben. Hierbei
ist
z.B. im französisch sprechenden Lüttich zu bedenken,
daß ein ursprünglich flämischer Name
aufgeschrieben
werden soll, oder in Seligenstadt z.B. der französische: Name
eines Einwanderers aus dem Lütticher Land.
2. In der Schreibung des Namens drückt sich
Zeitgefühl aus, z.B. die Neigung zu Übertreibungen im
Barock.
3.Die Schreibform unterliegt gewissen Abkürzungsregeln
für
die Endung bzw. Veränderungen für die weibliche Form.
4.Behörden legen Namensformen fest.
Aber schließlich::
5. Authentische Unterschriften liegen uns vor.
Betrachten wir zunächst einmal das Problem:
Wie
wurde unser Name gehört?
Wer heute eine Fremdsprache lernt, hat die Möglichkeit, etwa
das
englische Wort auch ohne Vorsprecher richtig auszusprechen. Ihm steht
die sog. phonetische Umschrift zur Verfügung, ein inzwischen
internationalisiertes, standardisiertes Aussprachesystem. Diese
Hilfsschrift ist nur einige Jahrzehnte alt. Wir können ein
Gespür dafür entwickeln, wie der Familienname vor
Jahrhunderten ausgesprochen wurde, wenn wir verschiedene Schreibformen
nebeneinander vergleichen.
Schauen
wir uns
zunächst die zweite Silbe unseres Namens an:
In französisch-sprachigen Urkunden fällt die Form
"Dalkenne/
d’Alkenne“ auf. Dies deutet darauf hin, daß der
Familienname auf der
zweiten
Silbe mit kurzem, offenen e (klanglich ä ) betont wurde. Mit
langem e (klanglich ä) gesprochen, sieht die entsprechende
Schreibform "Dalkene/
d’Alkene“ aus. Es spielt hier keine Rolle, ob der
Familienname "Dalchene“ oder ähnlich geschrieben wurde. Auch
in diesen Fällen
gilt:
Es wurde auf der zweiten Silbe betont, und so wurde es mit
großer
Sicherheit „gehört“ und - genau genommen -
phonetisch
wiedergegeben. Daraus ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu
schließen, daß der Träger des Namens in
dieser
Schreibform französisch gesprochen hat. Thomas, der Vater
unseres
eingewanderten Theodor/ Dieter, gehört zu dieser Gruppe.
Die Betonung auf der zweiten Silbe ist eine entscheidende Abweichung
vom Ursprünglichen: Der flämische Ortsname Alken wird
- mit
kurzem a - auf der ersten Silbe betont. Es ist keine einzige Form
aufgetaucht, die den Versuch wiedergibt, das kurze a in Alken zu
dehnen, also etwa
"Ahlken,
Aelken, Aalken“
zu schreiben. Nichts dieser Art! D.h.: Aus den verschiedenen
Schreibformen ist zurückzuschließen, daß
die erste
Silbe des Namens immer kurz ausgesprochen wurde, daß die
Betonung
aber von der ersten auf die zweite Silbe wechseln konnte und
daß
diese gedehnt oder kurz ausgesprochen werden konnte. Es müssen
also drei Ausspracheformen nebeneinander vorgekommen sein:
"dalken - dalkän
- dalkenn“
(Unterstreichung bedeutet hier: Betonung). Wer z.B. „
"Alken
oder Dalken“
ins Taufregister eintragen ließ, sich also dem taufenden
Geistlichen unter dieser Namensform vorstellte, mag zwar auch
französisch gesprochen haben, er hatte aber ein klareres
Bewußtsein für die Herkunft des Namens aus dem
Flämischen und war weniger geneigt, den Familiennamen der
französischen Aussprache anzugleichen.
Gibt es einen
„richtigen“ Namen unserer Familie?
An der oben erschlossenen Aussprache des Familiennamens zeigt sich
sowohl Festhalten an der Tradition wie deren Aufgabe und Angleichung.
In der Schreibung kommen mehrere Probleme zusammen.
Das erste wurde oben schon angedeutet. Hat sich unser Name aus einer
Herkunfts- oder Besitzbezeichnung entwickelt? Wir können es
heute
(wenn überhaupt) nicht sagen. Für die Schreibung des
Namens
ist dies auch unerheblich. Entsprechend der Urkundensprache, mit der
wir es zu tun haben, erscheint das im lateinischen nicht
apostrophierbare „de“ vor dem Alken wie die andere
lateinische Form „ab“. In französischen
Urkunden steht
hierfür und für die gleiche Person
„d’Alken“, aber auch - und wiederum
für die
gleiche Person - „Dalken“. In flämischen
Urkunden
erscheint „van“ getrennt und zusammengeschrieben,
also
„Vanalken“. Welche Form nun die
ursprünglichste und
richtige ist, kann daraus nicht geschlossen werden. Da der Ort Alken
im flämischen Sprachraum liegt, darf wohl angenommen werden,
daß sich ein Bürgerlicher zum Zeitpunkt der
Entstehung des
Namens „van Alken“ nannte und den Namen in dieser
Form
vererbte. Sollte sich der Name aber aus einem Lehen entwickelt haben,
entweder der Grafen von Looz oder der Bischöfe von
Lüttich,
so wäre eher von der französischen Form
„d’Alken“ auszugehen. Es
läßt sich also
weder sagen, welche Form ursprünglich ist, noch kann es eine
Festlegung auf eine „richtige“ Form geben.
Der Lauf der Jahrhunderte bietet eine Fülle verschiedener
Namensformen. Sie sind in besonders wuchernder Üppigkeit aus
den
Lütticher Registern bekannt geworden. Drei Gruppen lassen sich
deutlich voneinander unterscheiden:
1. Das
ursprüngliche „van/de“ wird als
„d’ „ beibehalten.
2. Auf das „d’ „ wird
verzichtet: Die Familie nennt sich „Alken“.
3. Auf die Apostrophierung des „d’
„ wird verzichtet; die Familie nennt sich
„Dalken“.
Es deutet sich gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts an, daß
diese
drei Formen sich zu festigen beginnen, obwohl immer wieder mehrere
Formen zur gleichen Person und in der gleichen Familie feststellbar
sind.
Wie entwickelt sich der
Name nach der Auswanderung weiter?
Für die deutschen und danach die englischen Familienmitglieder
ist
wichtig, daß der Sohn des Lütticher Sousmayeur und
Advokaten
Thomas Dalken/ d’Alken sich in seiner ersten
Seligenstädter
Urkunde anläßlich seiner Vermählung mit der
Namensform
„Dalken“ eintragen ließ.
Was die Schreibung des Namens nach der Einwanderung etwa 1647 bis 1649
anbelangt, so stellen wir uns folgende Fragen:
1. Warum
wurde das „k“ zu „ck“ und
gelegentlich zu “ckh“? (Dalken - Dalcken - Dalckhen)
2. Wie erklärt sich die Form
„Dalck“?
3. Wie konmt es zur Wandlung des „ck“ in
„qu“? (Dalcken - Dalquen)
4. Wieso wird die Apostrophierung wieder eingeführt? (Dalquen-
d’Alquen)
Die Schreibung des „ck“ taucht in der
Enkelgeneration des
Theodor/ Dieter etwa um 1730 auf. Leonards Kinder unterschrieben so in
der „Erbsvereinigung“ von 1732.
Der Vorgang ist allgemein in der deutschen Schreibung bekannt und wird
als „barocke Konsonantenverdoppelung“ bezeichnet.
Ein
darangehängtes „h“ ist genauso wenig
phonetisch zu
verstehen, d.h. man hört es nicht, auch nicht in der Form
einer
Reibung wie z.B. im „ach-Laut“. Diese Form taucht
übrigens nur sehr gelegentlich auf und wird nicht beibehalten
(1651 Dietrich Dalckhen)
Ebenso vorübergehend ist die Form „Dalck“.
Genau
besehen hängt nämlich dem letzten Buchstaben
„k“
in der Schreibform ein kleines Schwänzchen an, und dies ist
die
damals übliche Abkürzung für
„en“, wie oben
schon dargestellt. - An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt
bleiben, daß der Familienname Dalk/Dalck in Marktbreit
begegnet.
In der dortigen Friedhofskapelle findet sich die Gruftplatte des
Metzgermeisters Johann Jakob Dalk, 1688-1729 (Otto Selzer,
Friedhofskapelle zu Marktbreit, Mainfränk Hefte, 52/1962,
S.104-106, Abb.30 ). Ein Zusammenhang mit der Familie Dalcken ist nicht
gegeben.
Etwas weniger durchschaubar ist das Problem der Namensschreibung mit
„QU“ anstelle des „K“. Diese
Schreibform ist
uns aus dem Lütticher Land schon sehr früh bekannt.
In einer
lateinischen Urkunde des Kaisers Albrecht vom 10.60.1299 wird der Name
des Orts Alken „Alque“ geschrieben. Bereits gegen
1700
erscheint Alken als „Allequen“ auf einer
französischen
Karte (G. Lemoine-Isabeau, Gartes inedites du Pays de Liege au XVIIIe
siecle, Bruxelles, 1980, S.28). Wir erinnern uns, daß Thomas
in
den verschiedenen Taufregistern in Mons zwischen 1620 und 1630 auch als
Dalquen aufgeführt wird, auch 1622 im Häuser- und
1628 im
Staatssteuerregister. In Lüttich taucht diese Form 1648 auf,
dann
wieder 1678 und 1681.
Aus Seligenstadt kennen wir diese Form von der Stiftungstafel in der
Not-Gottes-Kapelle: Der Löwenwirt Peter Dalquen benutzte sie
1765.
Wer aber war in Seligenstadt der erste, der seinen Namen - wie wir alle
heute - mit QU schrieb?
Wir haben sehr wenige Quellen mit eigenen Unterschriften von
Familienangehörigen dieser frühen Zeit. Die meisten
Wiedergaben des Namens sind fast ausschließlich lateinisch
abgefaßten Pfarr-Registern entnommen. Und hier
läßt
sich feststellen:
1. Die
QU-Schreibung in lateinischen Urkunden setzt relativ früh ein;
2. sie hängt mit der lateinischen Tradition zusammen, das in
der
lateinischen Sprache kaum vorkommende “K“ durch
„QU“ zu ersetzen.
Es ist zu vermuten, daß die registrierenden Geistlichen den
Familienmitgliedern diese Namensform mit „qu“ mehr
oder
weniger auferlegten bzw. einige lateinisch gebildete Familienmitglieder
nahmen die qu-Schreibung auf, sei es, um im lateinischen Text korrekt
zu verfahren, sei es, weil ihnen bewußt war, daß
der Name
zuletzt aus einem französisch- sprachigen Gebiet stammte. Das
Französische setzt nämlich die eben charakterisierte
Tradition des K-Ersatzes durch QU fort.
Wir werden niemals klären können, was die Dalken an
mündlichen Traditionen aus dem Lütticher Land
mitbrachten,
pflegten und weitergaben und wie gefestigt und erinnernswert diese
„oral history“ weitergegeben wurde. Zu dem ganz
wenigen,
das auf uns gekommen ist, gehört neben der Schreibung
vorrangig
die Aussprache unseres Familiennamens. Bis heute hat sich erhalten,
daß der Familienname in zwei kurzen Silben auszusprechen ist
mit
der Betonung auf der ersten Silbe. Ob die qu- Schreibung von den Dalken
selbst veranlaßt wurde oder ob sie sich auf
„amtlichem
„Weg eingeschlichen hat, können wir nicht mehr
rekonstruieren.
Betrachten wir nun noch eine Auswahl der frühest registrierten
qu-Schreibungen des Familiennamens in Seligenstadt:
03.05.1737
Der Domicellar Lothar Franz Dalquen aus Aschaffenburg ist Pate des
Sohnes seines Vetters Johann Adam.
29.10.1737 Johann Heinrich Dalquen heiratet Marie Christine
Reuß (Tr 3.76).
04.06.1738 Der vierjährige Matthäus Dalquen, Sohn des
Johann Adam, wird als Pate erwähnt (Tf 3.418).
17.04.1743 Pater Beda/ Matthäus Dalquen traut seine Schwester
Anna Maria.
11.11.1751 Johann Peter Dalquen, der Löwenwirt, ist
als Pate erwähnt.
06.02.1758 Pater Beda/ Matthäus Dalquen ist Pate
seines Neffen Matthäus (tf 5.271).
24.12.1765 stirbt der Löwenwirt Peter Dalquen und setzt sich
und
seiner Frau mit einer Stiftungstafel in der Not-Gottes-Kapelle ein
Denkmal.
Mit den Söhnen des Letztgenannten, den Brüdern
Hermann Joseph
(geb.1761) und Franz Adam (geb.1763), setzt sich die qu- Schreibung
endgültig durch. Nach diesen beiden gibt es in Seligenstadt
keine
k- oder ck- Formen des Familiennamens mehr. Seither gelten Dalquen/
d'Alquen/ D’Alquen nebeneinander.
Die Verschmelzung der
Präposition de/ d’ mit dem Namensteil Alken
Familiennamen mit de und d’ kommen im
flämisch-wallonischen
Sprachbereich außerordentlich häufig vor. Gleich
häufig
läßt sich beobachten, daß diese
Präposition,
genauer gesagt, wenn ihr ein Vokal, also A,E,I,O,U, folgt, mit dem
darauffolgenden Namensbestandteil verschmilzt. In diesem Falle
mußte sie ohnedies, französischem Gebrauch folgend,
um das E
gekürzt werden, erschien also als d mit Apostroph
(d’ ). Von
der Ausprache zur Schreibung war es, wie wir oben gesehen haben, nur
ein kleiner Schritt. Und so wird häufig, auch bei adligen
Familien, das apostrophierte D an den Namen angeschlossen. In
Lüttich begegnet z.B. die adlige Familie Dans, die ihren Namen
vom
Orte Ans bei Lüttich ableitet und sich entsprechend auch
d’Ans schrieb. In einer lateinischen Lütticher
Urkunde vom
4.7.1376 wird der Mönch „f. (frater) Johann
Dalke“ als
Zeuge aufgeführt. Interessanterweise steht im
Namesnverzeichnis
hierzu „Alken, Jean d’, moine“, d.h. die
bearbeitenden Historiker wußten genau über die
Verschmelzung
und ihre eventuell notwendige Auflösung bescheid (Fairon,Emil,
Regestes de la ville de Liege, Bd.I, Liege 1933,
S.443 und
531). Diese Art der Namensschreibung hat für die soziale
Stellung
der Familie in der Stadt nicht die geringste Bedeutung. Die Weglassung
des de/ d’ und die Zusammenschreibung ist also kein
deklassierender Verzicht. Sie wird ja auch nicht zu einer neuen,
festgelegten Form; sie konnte auch wieder aufgegeben werden. Die
Zusammenschreibung ist in der Tat bedeutungslos. Daß solche
Zusammenschreibungen zu einer erheblichen Verformung des
Familiennamens führen können, sehen wir am Namen der
mit den
Dalken verwandten Familie „de Trixhe“ (Trisch
gesprochen),
der in Seligenstadt zu „Dietrich“ wird, ein
außerordentliches Hindernis für Familienforschung.
Warum
wurde, die Apostrophierung wieder eingeführt?
Warum „d’Alquen“?
Wir können heute getrost der Meinung sein, daß bis
zu
Hermann Joseph Dalquen, dem langjährigen
Seligenstädter
Ratsgeschworenen, Stadt-Schultheißen und
Bürgermeister, und
seinem Bruder, dem Juristen und mainzischen, dann hessischen und
später preußischen Staatsbeamten Franz Adam
d’Alquen,
eine Familientradition nicht vergessen war, nämlich die alte
Schreibung des Namens „d’Alken“.
Interessanterweise
taucht 1754 im Profeßbuch des Seligenstädter
Benediktinerklosters Pater Beda D’Alken auf, der Matthäus
des Johann Philipp Dalcken und der Sohn Anna Maria
Löhr.
Dieser Pater Beda war ein Bruder des Löwenwirts Peter Dalcken/
Dalquen. Er starb als Pfarrer in Meisenheim im Jahre 1796. Sein Neffe
Franz Adam d’Alquen war zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt. Zu
Pater Beda ist sowohl das „qu“ wie das
„d’
„ urkundlich erwähnt. Sollte er der Anreger
für diese
Namenschreibung sein? Wir werden es nie erfahren!
Dalken - Dalcken -
Dalckhen - Dalck
Dalquen
- d’Alquen

Als 1783 ein prominentes Mitglied der Familie in Aschaffenburg beerdigt
wurde, sind - wie wir uns vorstellen können - auch
Seligenstädter Verwandte dabei gewesen. Der gerade
erwähnte
Franz Adam war 20 Jahre alt, sein älterer Bruder Hermann
Joseph
22. Ihr Onkel hat die Problematik der Schreibung des Familiennamens bis
zu seinem Tode mit sich herumgetragen und sie zu Stein werden lassen.
Es handelt sich um den Aschaffenburger Stiftskanoniker Edmund Paul
Anton Dalken (siehe Bild rechts), der am 3. Oktober 1783 in Aschaffenburg starb und im
Kreuzgang der
Stiftskirche von St.Peter und Alexander
bestattet wurde.
(Über das Stift St. Peter und St. Alexander, dem "Herz des mittelalterlichen Aschaffenburg", finden Sie hier einen interessanten Text.)
Betritt man, von der Kirche kommend, den Kreuzgang und
wendet sich nach rechts, dann ist eine der ersten Inschriften , in etwa
1,70 m Höhe in die Wand eingelassen, diejenige für
Stiftsdekan Dalken. Er ist bereits im XI.Bericht, S.248 und XII.
Bericht, S.298, erwähnt. Ausführlicher wird
über ihn
berichtet, wenn der böhmische Zweig dargestellt wird,
dem er
entstammt (siehe
hier).
Abb:
Kreuzgang der Stiftskirche in Aschaffenburg
Sein Epitaph (siehe Abb.) nimmt sich vergleichsweise bescheiden aus. Es
besteht aus einfachem Kalkstein. Die Ausmaße und Verzierungen
sind sehr einfach. Zwei schlichte Säulen begrenzen eine nach
oben
gerundete Platte mit einem lateinischen Text (abgedruckt bei A. Amrhein,
Die Prälaten und Kanoniker des ehemaligen
Kollegiatsstifts
St.Peter und Alexander zu Aschaffenburg, Aschaffenburg 1882, S.388 f).
Die Übersetzung lautet etwa:
„Zum ewigen Gedächtnis des
höchstehrenwerten, vornehmen und edlen Herrn Berhard Anton
Dalken, Wirklichen Geistlichen Rats, Siegelbewahrer und Assessor des
Erzbischöflichen Kommissariats. Er wurde 1725 in Kauth in
Böhmen geboren, 1739 Domicellar geworden, 1760 Domkapitular,
1777 wurde er unter seiner Eminenz, dem Erzbischof Friedrich Karl Josef
(v. Erthal), zum Dekan ernannt und ist am 3. Oktober 1783
verschieden.“ Und weiter unten und ziemlich
verwittert:
„Suche seine Tüchtigkeit und seine Verdienste nicht
auf
diesem kleinen Marmor, sondern höre sie aus dem Munde aller.
Er
ruhe in Frieden!“
Abb:
Gedenkstein für Bernhard Anton Dalken im Kreuzgang der
Stiftskirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg
Es ist nicht vorstellbar, daß ein Gedenkstein dieser Art mit
dem
vorliegenden Text vom Verstorbenen selbst in Auftrag gegeben wurde. Der
Text hält sich an ganz stereotype Wendungen, wie sie im
Kreuzgang
mehrfach zu lesen sind. Umso merkwürdiger wird es dann, wenn
man
den Blick auf seinen Namen konzentriert und nach den Vornamen
„Bernard Anton“ eine seltsame
Verstümmelung wahrnimmt,
als ob der Stein an dieser Stelle, wo man den Familiennamen vermuten
muß, verletzt, übermeißelt worden
wäre.
So
jedenfalls ging es mir, als ich die Tafel zum ersten Male sah. Ich
kopierte damals die „Verstümmelung“ durch
Darüberlegen eines Seidenpapierstreifens und vorsichtiges
Nachzeichnen der Linien mit Graphit. Daraus ergab sich folgendes Bild
in Originalgröße (Abb.):
Nach vielem Hin und Her kam ich darauf, daß hier drei, wenn
nicht
vier verschiedene Namen übereinander geschrieben bzw.
-graviert
worden waren. Entwirrt man dieses anscheinende Durcheinander, und
bringt man die Buchstaben in einen richtigen Zusammenhang, dann ergibt
sich folgendes:
1. Dalcken mit „ck“, wie es in
Lüttich nicht vorkommt, in Seligenstadt aber oft gebraucht
wurde.
2. Edmund Dalk mit heruntergezogenem Abkürzungszeichen
für „en“ aus dem „k“.
3. Dalquen, jene latinisierte
„k“-Schreibung, die sich schon in Mons und
Lüttich
nachweisen läßt, in Seligenstadt aber erst nach 1737
in
Gebrauch kam.
4. d’Alquen läßt sich aus dem
kleinen D ableiten, das dem großen D rechts unten
anhängt.

Unklar bleibt
der Querstrich im D-Bogen rechts und der daruntergesetzte
senkrechte Strich mit einem weiteren D-Bogen, der eben an das kleine D
für d'Alquen denken läßt:
Vielleicht bedeutet dieses Zeichen das Kreuz seines geistlichen Standes
oder auch das etwas verschobene Christus-Symbol. Dann
würde es sich nicht um ein kleines D, sondern den griechischen
Buchstaben „Rho“ handeln. Senkrechter und
waagrechter
Strich ergäben ein Kreuz, das für den griechischen
Buchstaben
„Chi“ stünde, beides zusammen die
Abkürzung
für „Chr(istos)“. Letztere Deutung
erscheint mir
jedoch in Anbetracht der relativen Humorigkeit des Ganzen nicht recht
passend.
Man wird zugeben müssen, daß ein solches Kuriosum
auf einer
Grabinschrift ungewöhnlich ist. Der Uneingeweihte kann
überhaupt nicht ausmachen, welcher Bernard Anton hier gemeint
sein
könnte. Was soll also diese Geheimniskrämerei?
Wie schon angedeutet, kann man sich nicht vorstellen, daß
Bernard
Anton seine Grabinschrift selbst veranlaßt hat. Daß
man ihm
ein Epitaph setzen wird, dürfte ihm bewußt gewesen
sein. Wer
ist dann derjenige gewesen, der sich mit der Namensverwirrnis einen
solchen Scherz geleistet hat? Aus der Verwandtschaft dürfte
dafür niemand in Frage kommen, da sich das Stift die
„Totenehrung“ vorbehalten haben wird. Hat ihn einer
seiner
geistlichen Mitbrüder noch über den Tod hinaus wegen
seiner
Namensprobleme auf den Arm nehmen wollen? Auch nicht recht vorstellbar!
Sollte er als einzigen Beitrag zu seinem Epitaph diese skurrile
Geheiminschrift selbst entworfen haben? Man müßte
mehr
über sein Wesen wissen, um sicher gehen zu können,
daß
er sich selbst auf den Arm nehmen wollte.
Gerne wüßten wir auch: Welcher dieser vier
Namensformen fühlte sich Bernard Anton besonders
verbunden?
Die obige Aufzählung ist keine verbindliche Reihenfolge. Er
hat
sein Problem und die Antwort auf diese Frage mit ins Grab genommen.
Schematische
Zusammenfassung
Im schematischen Überblick läßt sich die
Problematik
der Schreibung unseres Familiennamens, soweit er auf der ersten Silbe
betont wurde, folgendermaßen darstellen. Es wurden nur die
häufigst vorkommenden Schreibformen berücksichtigt.
Der Ortsname
Alken

wird zum Familiennamen
Alken
|
1. Er steht allein:
Alken
in Lüttich
2. und/ oder mit
lateinischer
Präposition:
de/ ab Alke/n
in Lüttich
|
3. mit flämischer
Präposition:
van Alken
in Saint- Trond
(dort nach 1793)
Vanalken
und so bis zur
Gegenwart
|
4. mit französicher
Präposition:
d'Alken
in Lüttich, Oreye,
Celles, Saive, u.a.
Verschmelzung der
Präposition mit dem
alten Ortsnamen zu:
Dalken
in Lüttich, Seligenstadt u.a.
5. Barocke Konsonanten-
verdoppelung:
Dalcken/ Dalckhen
in Seligenstadt,
Böhmen, einschl. der
Kurzform
6. Latinisierung des
ck/ k:
Dalquen
in Seligenstadt, Lüttich,
Mons bis Gegenwart und
7. Rückbildung ab etwa
1800 unter Beibehaltung des qu:
d'Alquen/ D'Alquen
|
Verunstaltungen,
Verballhornungen, Fehldeutungen, Hörfehler und gleichlautende
Begriffe ganz anderer
Bedeutung
Warum sollte es unserem Familiennamen anders gehen als anderen auch
nicht- deutscher Herkunft?
Dalchelne
(1620-1630, Mons) ist noch einfach zu erklären: Das
„h“ hinter dem „c“ sollte
offenbar verhindern,
daß der Name „dalzän“
ausgesprochen wird (das 2.
„l“ war ohnedies nicht zu hören). Weniger
fürsorglich waren jene Geistlichen, die
Alcin
(1593 XII.Bericht, S.329) und
d’alcen
(1635, XII.Bericht, S.326) eintrugen;
diese Formen hätten nicht
mit „k“ ausgesprochen werden können.
Hierher
gehört auch die Form
delchaine
(XII.Bericht, S.315)‚ die glücklicherweise im
gleichen Zusammenhang steht wie
Dalkynne;
anderenfalls wäre die Zuordnung zur Familie sehr gewagt.
Stünden nicht die Namen der Ehefrauen bei den Eintragungen,
wäre dies oft kaum möglich. Ein einziges Mal taucht
Darquenne
auf (Thomas, 1625, Mons), wahrscheinlich
ein Hörfehler. Was soll man mit der Form
delkenade
(1590, Lüttich) anfangen? Ich
wage nicht, darin eine Verunstaltung
von Dalken zu sehen, etwa in der Art, daß der Veranlasser dem
Geistlichen erklärt hätte:
„Delken
- nein: mit a und (klein)d“ abgeteilt, also
d’Alken“
Im Grimmschen Wörterbuch (auf
http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB)
findet sich auch: “DOLKEN, hinschmieren, schlecht malen;
vergl. dalken, “DALKEN, schwerfällig, ungeschickt, kindisch
reden;…”
Gleich nach “dalken” findet sich dann auch der
“DALKENMACHER", einer der Flecken macht, uneigentlich und
verächtlich ein Tintenkleckser, nach CAMPE wird an einigen Orten
das Löschpapier Dalkenfresser genannt.
Procházka weist in seinem Buch „Meine 32
Ahnen...“
(S.236) darauf hin, daß das Haus der Familie Dalquen in Kauth
im
Volksmund das „Dankl-Haus“ war.
Von hier aus zu „Dackl“ ist es nicht sehr weit. Als
ich in
den 60er Jahren im Krankenhaus wegen einer Halsoperation drei
Tage lang nichts essen konnte, begrüßte die gute
Vinzentinerin mich nach dem Frühstück am dritten Tag:
„Drei
Tage war der Dackl krank. Jetzt frißt er wieder,
gottseidank!“
“Dackelauer“ wurde ich einmal als Schüler
aufgerufen,
natürlich ohne auf eine solche Beleidigung zu reagieren.
Hans Dalquen (München, später Garmisch-Partenkirchen,
gestorben 1986) war es ausgesprochen unangenehm, seinen Namen in der
korrekten Aussprache „dalken“ zu hören. Er
stellt sich
immer als „dalkwen“ vor. Hierfür gibt es einen handfesten Grund:
.(Beilage
zur Süddeutschen Zeitung vom 1.4.89, S.13)
Im Baierisch-Österreichischen ist ein
„Dalk“ ein
täppischer Mensch in der Nähe von
„Depp“. Dalken
kann bedeuten „fehlerhaft sprechen, indem man von Zeit zu
Zeit
ein Wort nur nach großer Anstrengung der Organe hervorbringt
(siehe nebenstehenden Ausschnitt aus: Schmeller, Joh., Bayerisches
Wörterbuch, München 198 5, Band 1/1, Nachdruck d.
2.Ausg. von
1872-1874).
Für einen Einheimischen ergab sich beim Hören des
Wortes oder
Namens „Dalken“ sofort die Assoziation:
„Depp,
Trottel“.
Eine ganz andere Gedankenverbindung ergab sich für einen
böhmischen Hörer des Namens
„Dalken“. Dort kann
dieses Wort nämlich etwas sehr Sympathisches bedeuten
Der renommierte Wiener Rathauskeller gab vor Jahren einen Kleinen
Hausprospekt heraus, auf dessen S.2 auf das dort befindliche
Gemälde „ Lucullus“ hingewiesen wurde.
Als dritte Spezilität des Hauses werden die
„Böhmischen
Dalken“ genannt.
Ich lasse hier Rezepte für „Böhmische
Dalken“
folgen. Vielleicht entschließt sich das eine oder andere
Familienmitglied irgendwann einmal, „echte Dalken bei Dalquen
und
d’Alquen“ anzubieten. Vorab schon:
„Guten Appetit!“ mit der Bitte um Mitteilung, ob
sie gelungen sind.
Böhmische
Dalken
Zutaten
für 4 Portionen:
125 g Mehl
10 g Hefe
20 g Zucker
1 Msp. Salz
15 g Butter
1/8 l Milch
1 Ei
1 Eigelb
Schnee von 2 Eiweiß
Für die Creme:
2 Eier
100 g Zucker
Schale von einer Orange
500 g Topfen (Quark)
2 Eiweiß
Für die Preiselbeer-Konfitüre:
400 g Preiselbeeren,
150 g Zucker
Küchengeräte:Schüssel, Dalkenpfanne, Mixer,
Topf
Zubereitungszeit:ca. 1,5 Stunden
Herstellung:
Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Grube
drücken, etwas lauwarme Milch mit Hefe verrühren und
in das
Mehl dickflüssig einrühren, ca. 10 Minuten rasten
lassen.
Dieses „Dampfl“, Salz, zerlassene Butter, lauwarme
Milch,
Ei, Eigelb und Zucker kurz verrühren und ca. 1 Stunde rasten
lassen. Kurz vor dem Backen der Dalken geschlagenes Eiweiß
unterziehen.
Eier und Zucker schaumig rühren, geriebene Orangenschale und
Topfen unterrühren, geschlagenes Eiweiß unterziehen.
Die
Preiselbeeren (man kann auch Heidelbeeren oder Weichseln nehmen) mit
Zucker kurz aufkochen. Teig in einer Dalkenpfanne bei
mäßiger Hitze backen. In der Mitte der Teller Dalken
anrichten, darauf Preiselbeer-Konfit bzw. je einen Löffel von
der
Topfencreme geben, mit einem zweiten Dalken bedecken.
(aus: Falstaff extra. Servus in Österreich, o.O., o.J., S.91)
Kartoffelbällchen
oder Dalken (böhmisch)
zu Sauerkraut, Spinat, Wirsing!
1,5 - 2 Pfund gekochte Kartoffeln, 150-175 g Mehl, 1-2 Eier, Salz; 1
Ei,
eine halbe Tasse Semmelmehl; Ausbackfett oder Öl (1,5 Pfund
oder 1 1)
Sie bereiten aus den am Vortage gekochten Kartoffeln, Mehl, 1-2 Eiern
und etwas Salz einen Kartoffelteig, formen gleichgroße,.etwa
Walnußgroße Bällchen, wälzen sie
zuerst in
zerschlagenem Ei, dann in Semmelmehl und backen sie in Schmalz oder
Öl schwimmend aus.
Böhmische
Dalken ...
dreiviertel Pfund Mehl, 3-4 Eier, ein halber Liter Milch, 15 - 20 g
Hefe, 1,5 Eßlöffel Zucker, 1 Prise Salz, Powidl
(Pflaumenmus) zum Füllen; Ausbackfett; Puderzucker zum
Bestreuen.
Sie rühren 3-4 Eidotter mit 1,5 Eßlöffel
Zucker zu
Schaum, fügen nach und nach das gesiebte Mehl und die in
lauwarmer
Milch gelöste Hefe hinzu und lassen den dünnen
Hefeteig
gehen. Das mit einer Prise Salz steif geschlagene Eiweiß
mischen
sie erst unter den gegangenen Teig. Nun geben Sie Butter oder Schmalz
in die Vertiefungen einer erhitzten Spiegeleierpfanne, lassen es
siedendheiß werden und füllen dann die Vertiefungen
zu 5/4
mit dem Hefeteig. Sie backen die Dalken bei Mittelhitze, wenden sie,
bestreichen die fertigen auf der flachen Seite mit Pflaumenmus, setzen
je zwei zusammen, bestreuen sie mit Puderzucker und servieren die
böhmischen Dalken heiß mit Vanillesauce.
(beide Rezepte aus: Grete Willinsky, Kochbuch der Büchergilde,
Prankfurt am Main 1958, S.231 u 389)
Eine Rezept für tschechische Dalken finden Sie
hier