Geschichte der Familie


Der Familiename d'Alquen/ Dalquen

Namensschreibung, - entstehung, - entwicklung

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und andere Probleme mit der Schreibung unseres Familiennamens

Alken - ein Ortsname
Was unser Familienname bedeutet, ist hier nicht gefragt. Dies wurde bereits hier behandelt. Wir können mit der größten Sicherheit davon ausgehen, daß der Ortsname ALKEN und der Familienname identisch sind.

van -  d’/ D’/ de/ ab: Hinweis auf Adel?
Wäre also zunächst zu klären, was es mit dem „van“ bzw. „d’/ D’" auf sich hat, das unserem Familiennamen vorausgeht.
Das hochdeutsche „von“ und das niederdeutsch-flämische „van“ sind gleichbedeutend. Diese Partikel dienten bereits im Mittelalter zur Bezeichnung der Herkunft und mehr noch des Besitzes eines Person. Ursprünglich waren dies keine Adelsprädikate. Aber da adlige Familien sich nach ihrem Besitz nannten, bildete sich der Gebrauch heraus, unter Trägern solcher Namen mit von/van Adelige zu verstehen. Unser Familienname läßt sich erfreulicherweise sehr weit zurückverfolgen. Verwandtschaftliche Zusammenhänge zu deren Trägern interessieren hier nicht. Der bisher älteste Vertreter war der Ritter („Chevalier“) Lowis/ Ludwig d’Alke(n)/ de Alken, dessen Erwähnung in einer Urkunde von 1295 (Bormans, Stan. und E. Schoolmeesters, Cartulaire de Saint-Trond, Bd.II, S.531, .Brüssel 1893) hier besonders interessiert. Diese Urkunde ist genau analysiert worden (Jacques de Hemricourt, Oeuvres, hg.v. Borman, Bayot und Poncelet, 3.Bd., S. CXIII, Brüssel 1931). Das Ergebnis ist in gekürzter Form folgendes: Graf Arnoul (,d) V. von Looz  1279-1323) ist der Urheber besagter Urkunde. Gemäß den diplomatischen Gepflogenheiten seiner Zeit ist in Urkunden sorgfältig nach dem gesellschaftlichen Status differenziert. Die Zeugen oder Eideshelfer sind streng nach Gruppen unterschieden. Die dort aufgeführten Namen können bereits als Familiennamen angesehen werden, wiewohl sie sich noch nicht so gefestigt hatten, daß es bei einem Familennamen geblieben wäre. So kommt es vor, daß sich der Sohn nach einem zweiten oder neuen Besitz der Familie nannte oder den Namen des Besitzes seiner Frau übernahm.

Es soll hier nicht weitergefragt werden, welche Funktionen ein Ritter hatte und welche soziale Stellung er einnahm, auch nicht aus welchen sozialen Schichten sich der Ritterstand aufbaute bzw. entwickelte. Bemerkenswert scheint nur folgende Tatsache: Trotz umfangreicher Lektüre ist mir nach 1295 kein Chevalier d’Alken mehr begegnet. Dies kann auf zweierlei hindeuten:
1. Dieses Rittergeschlecht ist ausgestorben, hat also nichts mit unserer Familie zu tun oder
2. es hat sich, einem allgemeinen Zug der Zeit folgend (seit dem 13.Jahrhundert spätestens) mit städtischem Patriziat, dem Stadtadel, verbunden, also den reichen, handeltreibenden Familien, z.B. in Saint-Trond, wo es zahlreiche d’Alken ab dem 14.Jahrhundert gibt. Wie dem auch sei: in den Jahrhunderten danach läßt sich ein Adel der van Alken nicht nachweisen, es sei denn, man nimmt das Wappen des Guillaume/Wilhelm d’Alken als einen letzten Hinweis darauf. Ob mündliche Traditionen („oral history“) in der Familie damit in Verbindung zu bringen sind, ist kaum nachweisbar. Hingewiesen sei darauf, daß sich bei den böhmischen Dalcken/ d’Alquen/ von Dalquen ein stärkeres Bewußtsein hierfür ausgeprägt hatte, was sich u.a. am Wappen der Jeanette d’Alquen (Siehe Nr. 18 hier)  erkennen läßt: es trägt einen Perlenreif (s.a. die Wappenbeschreibung bei Procházka, Meine 32 Ahnen, 1928, S.449). Soweit zur Frage, ob sich mit unserem Namen eine Besitzbezeichnung verbinden läßt, also der Besitz eines Adeligen van Alken in oder um den Ort Alken bei Hasselt.

In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß um 1450 der Ort Alken ein Lehen des Bischofs von Lüttich war. Es war vergeben an einen Adeligen, der sich danach nannte: Jean del Grevesse d’Alkene dessen Tochter Catherine del Grevesse d’Alkene den Lütticher Bürgermeister Amel de Velroux (1455) geheiratet hatte. (Loyens, J.G., Recueil heraldique des bourgue-mestres de la noble cite de Liege, Liege 1720, S.160)

Familiennamen, die von Ortsnamen abgeleitet sind, also oft ursprünglichen Besitz anzeigen, gehören zu den ältesten überhaupt. Sie sind sogar älter als das Bewußtsein, diese Besitzbezeichnung auf die Nachkommen zu vererben, logischerweise, denn wenn der Besitz wechselt, z.B. durch die Übernahme eines anderen Lehens, ändert sich der Familienname. Die Erblichkeit der Familiennamen setzt in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts ein. Danach also müssen Name und Besitz nicht mehr identisch sein. (Heintze-Cascorbi, Die deutschen Familiennamen, Halle, 1933, S.59)

Die andere Deutung des von/van ist eine Herkunftsbezeichnung. Für Bürgerliche wurde sie bereits seit dem ausgehenden Mittelalter zum erblichen Familiennamen, bedeutet also keineswegs Adel, sondern - in unserem Falle - lediglich „aus dem Orte Alken stammend“. Nun läßt sich dies leider genausowenig nachweisen, wie das oben zur Besitzbezeichnung Ausgeführte. Wenn von der Herkunftsbezeichnung ausgegangen werden soll, müßte nachgewiesen werden, wann welcher Alken/d’Alken/van Alken wo ansässig wurde außerhalb des Ortes Alken, am besten noch mit Angabe seiner bürgerlichen Tätigkeit, vorzugsweise eines Handwerks oder eines kaufmännischen Gewerbes. Dies ist in unserem Falle so gut wie unmöglich. Bürgerliche Urkunden reichen nur in sehr geringem Umfang so weit zurück.

Bleibt also auch im Falle der Deutung unseres Familiennamens, genauer des „van/ d’ „ wieder einmal ein großes Fragezeichen:
Ist der Familienname adligen Ursprungs (Besitzbezeichnung) oder bürgerlichen Ursprungs (Herkunftsbezeichnung)? .

Abschließend muß zur Schreibung unseres „van/ d’ „ auf die Besonderheit unseres Ursprungs aus einem flämisch-wallonischen Mischgebiet hingewiesen werden:

Dort, wo Flämisch gesprochen und geschrieben wurde, gilt „van“. Gleichbedeutend,  z.T. auch für die gleiche Person gilt im frazösisch-sprachigen Bereich „d’". Handelt es sich um Lateinisch abgefaßte Urkunden, so gilt, gelegentlich wiederum für die gleiche Person, lat. „de“ bzw. „ab“ statt „van“ oder „d’ „, wie bereits im XII. Bericht bei verschiedenen Mitgliedern der Familie in Lüttich nachprüfbar , z.B. S.318.


„Wie heißen Sie?“
Ja, und dann kommen die Probleme, spätestens nach dem dritten Buchstaben, für viele Familienmitglieder bereits mit dem ersten. Wieso soll ein Name mit einem kleinen D beginnen? Und ein Apostroph: Was ist das überhaupt? Ein Häkchen! Wo? und dann kommt das Q. „Q?“- „Kuh?“ Man wird angeschaut. „Ja! Q wie Quelle!“ Und wenn das weiterbuchstabiert wird: Q - U, wird prompt ein doppeltes U (QUU) geschrieben. Kein Wunder, wenn einem Verwaltungsbeamten der Kragen platzt, weil da einer - Jakob Dalquen, der Großvater des Walter Dalquen, Grainau - in seine Begriffsstutzigkeit hineinbuchstabiert und er ausbricht: „De Deiwel hol des Kwé!“. Manche werden - wie ich - resigniert haben und bestellen ihre Kinokarten und den Restauranttisch schlicht unter „Dalken wie Balken“, und nicht einmal so falsch, wie wir wissen.

Das Problem, unseren Familiennamen zu schreiben, setzt ein anderes voraus, nämlich das Zuhören.

Es gab Zeiten, in denen die Menschen ohne Personalpapiere, Ausweise, Pässe ihr Leben fristen konnten, wenn sie etwa im 17. Jahrhundert beim Pfarrer erschienen, um die Geburt eines Kindes anzuzeigen und um die Taufe zu bitten, dann schrieb der betreffende Geistliche nieder, was er „hörte“. Die Schreibung war von der sorgfältigen Aussprache des Anzeigenden abhängig, aber auch von der Aufnahmefähigkeit, Hörbereitschaft, Sorgfalt und Intelligenz des Registrierenden.

Zu diesem subjektiven Problem kommt noch das objektive, nämlich das der „richtigen“ Schreibung. Wir erwarten heute, daß unser Familienname in einer irgendwann festgelegten Form beibehalten bleibt. Daß der Zeitpunkt dieser Festlegung noch nicht lange vergangen ist, sehen wir an den gegenwärtigen Schreibungen d’Alquen und Dalquen; hinzu kommt noch die D’Alquen bei einigen unserer englischen Verwandten.

Diese Formen haben sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfestigt und dabei ist es bis heute geblieben. Spätestens die französische Revolution hat im westlichen Europa aufgeräumt mit dem unkontrollierbaren Individualismus, daß jeder mit seinem Familiennamen mehr oder weniger machen konnte, was er wollte. So ist seit etwa 200 Jahren die Führung des unveränderten Familiennamens über die Generationen hinweg gesetzlich vorgeschrieben, und Änderungen würden behördlicher Genehmigungen nach sorgfältiger Begründung und zeitaufwendigem Verfahren bedürfen.

Bis es zu namensrechtlichen Festlegungen kam, war die Schreibweise des Familiennamens etwas, das ähnlichen Regeln wie die sog. „Rechtschreibung“ unterlag. Erst gegen das Ende des 18.Jahrhunderts entwickelten sich feste Regeln der richtigen Schreibung des Deutschen. Und erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu allgemein verbindlichen Rechtschreibnormen. Eigennamen, also die Namen von Personen und Orten, sollten in ihrer geschichtlich gewordenen Form erhalten bleiben und nicht mehr geändert werden.

In der Zeit davor lassen sich an der Schreibung der Familiennamen  sehr unterschiedliche Beobachtungen machen:

1.Ein Name wird gehört und nach Angabe ( Diktat) niedergeschrieben. Hierbei ist z.B. im französisch sprechenden Lüttich zu bedenken, daß ein ursprünglich flämischer Name aufgeschrieben werden soll, oder in Seligenstadt z.B. der französische: Name eines Einwanderers aus dem Lütticher Land.
2. In der Schreibung des Namens drückt sich Zeitgefühl aus, z.B. die Neigung zu Übertreibungen im Barock.
3.Die Schreibform unterliegt gewissen Abkürzungsregeln für die Endung bzw. Veränderungen für die weibliche Form.
4.Behörden legen Namensformen fest.
Aber schließlich::
5. Authentische Unterschriften liegen uns vor.

Betrachten wir zunächst einmal das Problem:
Wie wurde unser Name gehört?
Wer heute eine Fremdsprache lernt, hat die Möglichkeit, etwa das englische Wort auch ohne Vorsprecher richtig auszusprechen. Ihm steht die sog. phonetische Umschrift zur Verfügung, ein inzwischen internationalisiertes, standardisiertes Aussprachesystem. Diese Hilfsschrift ist nur einige Jahrzehnte alt. Wir können ein Gespür dafür entwickeln, wie der Familienname vor Jahrhunderten ausgesprochen wurde, wenn wir verschiedene Schreibformen nebeneinander vergleichen.

Schauen wir uns zunächst die zweite Silbe unseres Namens an:
In französisch-sprachigen Urkunden fällt die Form "Dalkenne/ d’Alkenne“ auf. Dies deutet darauf hin, daß der Familienname auf der zweiten Silbe mit kurzem, offenen e (klanglich ä ) betont wurde. Mit langem e (klanglich ä) gesprochen, sieht die entsprechende Schreibform "Dalkene/ d’Alkene“ aus. Es spielt hier keine Rolle, ob der Familienname "Dalchene“ oder ähnlich geschrieben wurde. Auch in diesen Fällen gilt: Es wurde auf der zweiten Silbe betont, und so wurde es mit großer Sicherheit „gehört“ und - genau genommen - phonetisch wiedergegeben. Daraus ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schließen, daß der Träger des Namens in dieser Schreibform französisch gesprochen hat. Thomas, der Vater unseres eingewanderten Theodor/ Dieter, gehört zu dieser Gruppe.

Die Betonung auf der zweiten Silbe ist eine entscheidende Abweichung vom Ursprünglichen: Der flämische Ortsname Alken wird - mit kurzem a - auf der ersten Silbe betont. Es ist keine einzige Form aufgetaucht, die den Versuch wiedergibt, das kurze a in Alken zu dehnen, also etwa
"Ahlken, Aelken, Aalken“
zu schreiben. Nichts dieser Art! D.h.: Aus den verschiedenen Schreibformen ist zurückzuschließen, daß die erste Silbe des Namens immer kurz ausgesprochen wurde, daß die Betonung aber von der ersten auf die zweite Silbe wechseln konnte und daß diese gedehnt oder kurz ausgesprochen werden konnte. Es müssen also drei Ausspracheformen nebeneinander vorgekommen sein:
"dalken - dalkän - dalkenn“
(Unterstreichung bedeutet hier: Betonung). Wer z.B. „
"Alken oder Dalken“
ins Taufregister eintragen ließ, sich also dem taufenden Geistlichen unter dieser Namensform vorstellte, mag zwar auch französisch gesprochen haben, er hatte aber ein klareres Bewußtsein für die Herkunft des Namens aus dem Flämischen und war weniger geneigt, den Familiennamen der französischen Aussprache anzugleichen.


Gibt es einen „richtigen“ Namen unserer Familie?

An der oben erschlossenen Aussprache des Familiennamens zeigt sich sowohl Festhalten an der Tradition wie deren Aufgabe und Angleichung. In der Schreibung kommen mehrere Probleme zusammen.

Das erste wurde oben schon angedeutet. Hat sich unser Name aus einer Herkunfts- oder Besitzbezeichnung entwickelt? Wir können es heute (wenn überhaupt) nicht sagen. Für die Schreibung des Namens ist dies auch unerheblich. Entsprechend der Urkundensprache, mit der wir es zu tun haben, erscheint das im lateinischen nicht apostrophierbare „de“ vor dem Alken wie die andere lateinische Form „ab“. In französischen Urkunden steht hierfür und für die gleiche Person „d’Alken“, aber auch - und wiederum für die gleiche Person - „Dalken“. In flämischen Urkunden erscheint „van“ getrennt und zusammengeschrieben, also „Vanalken“. Welche Form nun die ursprünglichste und richtige ist, kann daraus nicht geschlossen werden. Da der Ort Alken im flämischen Sprachraum liegt, darf wohl angenommen werden, daß sich ein Bürgerlicher zum Zeitpunkt der Entstehung des Namens „van Alken“ nannte und den Namen in dieser Form vererbte. Sollte sich der Name aber aus einem Lehen entwickelt haben, entweder der Grafen von Looz oder der Bischöfe von Lüttich, so wäre eher von der französischen Form „d’Alken“ auszugehen. Es läßt sich also weder sagen, welche Form ursprünglich ist, noch kann es eine Festlegung auf eine „richtige“ Form geben.

Der Lauf der Jahrhunderte bietet eine Fülle verschiedener Namensformen. Sie sind in besonders wuchernder Üppigkeit aus den Lütticher Registern bekannt geworden. Drei Gruppen lassen sich deutlich voneinander unterscheiden:
1. Das ursprüngliche „van/de“ wird als „d’ „ beibehalten.
2. Auf das „d’ „ wird verzichtet: Die Familie nennt sich „Alken“.
3. Auf die Apostrophierung des „d’ „ wird verzichtet; die Familie nennt sich „Dalken“.

Es deutet sich gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts an, daß diese drei Formen sich zu festigen beginnen, obwohl immer wieder mehrere Formen zur gleichen Person und in der gleichen Familie feststellbar sind.


Wie entwickelt sich der Name nach der Auswanderung weiter?

Für die deutschen und danach die englischen Familienmitglieder ist wichtig, daß der Sohn des Lütticher Sousmayeur und Advokaten Thomas Dalken/ d’Alken sich in seiner ersten Seligenstädter Urkunde anläßlich seiner Vermählung mit der Namensform „Dalken“ eintragen ließ.

Was die Schreibung des Namens nach der Einwanderung etwa 1647 bis 1649 anbelangt, so stellen wir uns folgende Fragen:

1. Warum wurde das „k“ zu „ck“ und gelegentlich zu “ckh“? (Dalken - Dalcken - Dalckhen)
2. Wie erklärt sich die Form „Dalck“?
3. Wie konmt es zur Wandlung des „ck“ in „qu“? (Dalcken - Dalquen)
4. Wieso wird die Apostrophierung wieder eingeführt? (Dalquen- d’Alquen)

Die Schreibung des „ck“ taucht in der Enkelgeneration des Theodor/ Dieter etwa um 1730 auf. Leonards Kinder unterschrieben so in der „Erbsvereinigung“ von 1732.
Der Vorgang ist allgemein in der deutschen Schreibung bekannt und wird als „barocke Konsonantenverdoppelung“ bezeichnet. Ein darangehängtes „h“ ist genauso wenig phonetisch zu verstehen, d.h. man hört es nicht, auch nicht in der Form einer Reibung wie z.B. im „ach-Laut“. Diese Form taucht übrigens nur sehr gelegentlich auf und wird nicht beibehalten (1651 Dietrich Dalckhen)

Ebenso vorübergehend ist die Form „Dalck“. Genau besehen hängt nämlich dem letzten Buchstaben „k“ in der Schreibform ein kleines Schwänzchen an, und dies ist die damals übliche Abkürzung für „en“, wie oben schon dargestellt. - An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, daß der Familienname Dalk/Dalck in Marktbreit begegnet. In der dortigen Friedhofskapelle findet sich die Gruftplatte des Metzgermeisters Johann Jakob Dalk, 1688-1729  (Otto Selzer, Friedhofskapelle zu Marktbreit, Mainfränk Hefte, 52/1962, S.104-106, Abb.30 ). Ein Zusammenhang mit der Familie Dalcken ist nicht gegeben.

Etwas weniger durchschaubar ist das Problem der Namensschreibung mit „QU“ anstelle des „K“. Diese Schreibform ist uns aus dem Lütticher Land schon sehr früh bekannt. In einer lateinischen Urkunde des Kaisers Albrecht vom 10.60.1299 wird der Name des Orts Alken „Alque“ geschrieben. Bereits gegen 1700 erscheint Alken als „Allequen“ auf einer französischen Karte (G. Lemoine-Isabeau, Gartes inedites du Pays de Liege au XVIIIe siecle, Bruxelles, 1980, S.28). Wir erinnern uns, daß Thomas in den verschiedenen Taufregistern in Mons zwischen 1620 und 1630 auch als Dalquen aufgeführt wird, auch 1622 im Häuser- und 1628 im Staatssteuerregister. In Lüttich taucht diese Form 1648 auf, dann wieder 1678 und 1681.

Aus Seligenstadt kennen wir diese Form von der Stiftungstafel in der Not-Gottes-Kapelle: Der Löwenwirt Peter Dalquen benutzte sie 1765. Wer aber war in Seligenstadt der erste, der seinen Namen - wie wir alle heute - mit QU schrieb?

Wir haben sehr wenige Quellen mit eigenen Unterschriften von Familienangehörigen dieser frühen Zeit. Die meisten Wiedergaben des Namens sind fast ausschließlich lateinisch abgefaßten Pfarr-Registern entnommen. Und hier läßt sich feststellen:
1. Die QU-Schreibung in lateinischen Urkunden setzt relativ früh ein;
2. sie hängt mit der lateinischen Tradition zusammen, das in der lateinischen Sprache kaum vorkommende “K“ durch „QU“ zu ersetzen.
Es ist zu vermuten, daß die registrierenden Geistlichen den Familienmitgliedern diese Namensform mit „qu“ mehr oder weniger auferlegten bzw. einige lateinisch gebildete Familienmitglieder nahmen die qu-Schreibung auf, sei es, um im lateinischen Text korrekt zu verfahren, sei es, weil ihnen bewußt war, daß der Name zuletzt aus einem französisch- sprachigen Gebiet stammte. Das Französische setzt nämlich die eben charakterisierte Tradition des K-Ersatzes durch QU fort.

Wir werden niemals klären können, was die Dalken an mündlichen Traditionen aus dem Lütticher Land mitbrachten, pflegten und weitergaben und wie gefestigt und erinnernswert diese „oral history“ weitergegeben wurde. Zu dem ganz wenigen, das auf uns gekommen ist, gehört neben der Schreibung vorrangig die Aussprache unseres Familiennamens. Bis heute hat sich erhalten, daß der Familienname in zwei kurzen Silben auszusprechen ist mit der Betonung auf der ersten Silbe. Ob die qu- Schreibung von den Dalken selbst veranlaßt wurde oder ob sie sich auf „amtlichem „Weg eingeschlichen hat, können wir nicht mehr rekonstruieren.

Betrachten wir nun noch eine Auswahl der frühest registrierten qu-Schreibungen des Familiennamens in Seligenstadt:
03.05.1737 Der Domicellar Lothar Franz Dalquen aus Aschaffenburg ist Pate des Sohnes seines Vetters Johann Adam.
29.10.1737 Johann Heinrich Dalquen heiratet Marie Christine Reuß (Tr 3.76).
04.06.1738 Der vierjährige Matthäus Dalquen, Sohn des Johann Adam, wird als Pate erwähnt (Tf 3.418).
17.04.1743 Pater Beda/ Matthäus Dalquen traut seine Schwester Anna Maria.
11.11.1751 Johann Peter Dalquen, der Löwenwirt, ist als Pate erwähnt.
06.02.1758 Pater Beda/ Matthäus Dalquen ist Pate seines Neffen Matthäus (tf 5.271).
24.12.1765 stirbt der Löwenwirt Peter Dalquen und setzt sich und seiner Frau mit einer Stiftungstafel in der Not-Gottes-Kapelle ein Denkmal.

Mit den Söhnen des Letztgenannten, den Brüdern Hermann Joseph (geb.1761) und Franz Adam (geb.1763), setzt sich die qu- Schreibung endgültig durch. Nach diesen beiden gibt es in Seligenstadt keine k- oder ck- Formen des Familiennamens mehr. Seither gelten Dalquen/ d'Alquen/  D’Alquen nebeneinander.


Die Verschmelzung der Präposition de/ d’ mit dem Namensteil Alken

Familiennamen mit de und d’ kommen im flämisch-wallonischen Sprachbereich außerordentlich häufig vor. Gleich häufig läßt sich beobachten, daß diese Präposition, genauer gesagt, wenn ihr ein Vokal, also A,E,I,O,U, folgt, mit dem darauffolgenden Namensbestandteil verschmilzt. In diesem Falle mußte sie ohnedies, französischem Gebrauch folgend, um das E gekürzt werden, erschien also als d mit Apostroph (d’ ). Von der Ausprache zur Schreibung war es, wie wir oben gesehen haben, nur ein kleiner Schritt. Und so wird häufig, auch bei adligen Familien, das apostrophierte D an den Namen angeschlossen. In Lüttich begegnet z.B. die adlige Familie Dans, die ihren Namen vom Orte Ans bei Lüttich ableitet und sich entsprechend auch d’Ans schrieb. In einer lateinischen Lütticher Urkunde vom 4.7.1376 wird der Mönch „f. (frater) Johann Dalke“ als Zeuge aufgeführt. Interessanterweise steht im Namesnverzeichnis hierzu „Alken, Jean d’, moine“, d.h. die bearbeitenden Historiker wußten genau über die Verschmelzung und ihre eventuell notwendige Auflösung bescheid (Fairon,Emil, Regestes de la ville de Liege, Bd.I, Liege 1933,   S.443 und 531). Diese Art der Namensschreibung hat für die soziale Stellung der Familie in der Stadt nicht die geringste Bedeutung. Die Weglassung des de/ d’ und die Zusammenschreibung ist also kein deklassierender Verzicht. Sie wird ja auch nicht zu einer neuen, festgelegten Form; sie konnte auch wieder aufgegeben werden. Die Zusammenschreibung ist in der Tat bedeutungslos. Daß solche Zusammenschreibungen  zu einer erheblichen Verformung des Familiennamens führen können, sehen wir am Namen der mit den Dalken verwandten Familie „de Trixhe“ (Trisch gesprochen), der in Seligenstadt zu „Dietrich“ wird, ein außerordentliches Hindernis für Familienforschung.

Warum wurde, die Apostrophierung wieder eingeführt?
Warum „d’Alquen“?
Wir können heute getrost der Meinung sein, daß bis zu Hermann Joseph Dalquen, dem langjährigen Seligenstädter Ratsgeschworenen, Stadt-Schultheißen und Bürgermeister, und seinem Bruder, dem Juristen und mainzischen, dann hessischen und später preußischen Staatsbeamten Franz Adam d’Alquen, eine Familientradition nicht vergessen war, nämlich die alte Schreibung des Namens „d’Alken“. Interessanterweise taucht 1754 im Profeßbuch des Seligenstädter Benediktinerklosters Pater Beda D’Alken auf, der Matthäus des Johann Philipp Dalcken und der Sohn Anna Maria Löhr. Dieser Pater Beda war ein Bruder des Löwenwirts Peter Dalcken/ Dalquen. Er starb als Pfarrer in Meisenheim im Jahre 1796. Sein Neffe Franz Adam d’Alquen war zu diesem Zeitpunkt 33 Jahre alt. Zu Pater Beda ist sowohl das „qu“ wie das „d’ „ urkundlich erwähnt. Sollte er der Anreger für diese Namenschreibung sein? Wir werden es nie erfahren!

Dalken - Dalcken - Dalckhen - Dalck
Dalquen - d’Alquen
Edmund Paul Anton Dalken
Als 1783 ein prominentes Mitglied der Familie in Aschaffenburg beerdigt wurde, sind - wie wir uns vorstellen können - auch Seligenstädter Verwandte dabei gewesen. Der gerade erwähnte Franz Adam war 20 Jahre alt, sein älterer Bruder Hermann Joseph 22. Ihr Onkel hat die Problematik der Schreibung des Familiennamens bis zu seinem Tode mit sich herumgetragen und sie zu Stein werden lassen. Es handelt sich um den Aschaffenburger Stiftskanoniker Edmund Paul Anton Dalken (siehe Bild rechts), der am 3. Oktober 1783 in Aschaffenburg starb und im Kreuzgang der Stiftskirche von St.Peter und Alexander bestattet wurde.
(Über das Stift St. Peter und St. Alexander, dem "Herz des mittelalterlichen Aschaffenburg", finden Sie hier einen interessanten Text.)

Betritt man, von der Kirche kommend, den Kreuzgang und wendet sich nach rechts, dann ist eine der ersten Inschriften , in etwa 1,70 m Höhe in die Wand eingelassen, diejenige für Stiftsdekan Dalken. Er ist bereits im XI.Bericht, S.248 und XII. Bericht, S.298, erwähnt. Ausführlicher wird über ihn berichtet, wenn der böhmische Zweig dargestellt wird, dem er entstammt (siehe hier).

Kreuzgang
Abb: Kreuzgang der Stiftskirche in Aschaffenburg

Sein Epitaph (siehe Abb.) nimmt sich vergleichsweise bescheiden aus. Es besteht aus einfachem Kalkstein. Die Ausmaße und Verzierungen sind sehr einfach. Zwei schlichte Säulen begrenzen eine nach oben gerundete Platte mit einem lateinischen Text (abgedruckt bei A. Amrhein, Die Prälaten und Kanoniker des ehemaligen
Kollegiatsstifts St.Peter und Alexander zu Aschaffenburg, Aschaffenburg 1882, S.388 f).
Die Übersetzung lautet etwa:
„Zum ewigen Gedächtnis des höchstehrenwerten, vornehmen und edlen Herrn Berhard Anton Dalken, Wirklichen Geistlichen Rats, Siegelbewahrer und Assessor des Erzbischöflichen Kommissariats. Er wurde 1725 in Kauth in Böhmen geboren, 1739 Domicellar geworden, 1760 Domkapitular, 1777 wurde er unter seiner Eminenz, dem Erzbischof Friedrich Karl Josef (v. Erthal), zum Dekan ernannt und ist am 3. Oktober 1783 verschieden.“  Und weiter unten und ziemlich verwittert: „Suche seine Tüchtigkeit und seine Verdienste nicht auf diesem kleinen Marmor, sondern höre sie aus dem Munde aller. Er ruhe in Frieden!“


Abb: Gedenkstein für Bernhard Anton Dalken im Kreuzgang der Stiftskirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg

Es ist nicht vorstellbar, daß ein Gedenkstein dieser Art mit dem vorliegenden Text vom Verstorbenen selbst in Auftrag gegeben wurde. Der Text hält sich an ganz stereotype Wendungen, wie sie im Kreuzgang mehrfach zu lesen sind. Umso merkwürdiger wird es dann, wenn man den Blick auf seinen Namen konzentriert und nach den Vornamen „Bernard Anton“ eine seltsame Verstümmelung wahrnimmt, als ob der Stein an dieser Stelle, wo man den Familiennamen vermuten muß, verletzt, übermeißelt worden wäre.





So jedenfalls ging es mir, als ich die Tafel zum ersten Male sah. Ich kopierte damals die „Verstümmelung“ durch Darüberlegen eines Seidenpapierstreifens und vorsichtiges Nachzeichnen der Linien mit Graphit. Daraus ergab sich folgendes Bild in Originalgröße (Abb.):

 

Nach vielem Hin und Her kam ich darauf, daß hier drei, wenn nicht vier verschiedene Namen übereinander geschrieben bzw. -graviert worden waren. Entwirrt man dieses anscheinende Durcheinander, und bringt man die Buchstaben in einen richtigen Zusammenhang, dann ergibt sich folgendes:

 

1. Dalcken mit „ck“, wie es in Lüttich nicht vorkommt, in Seligenstadt aber oft gebraucht wurde.



 

2. Edmund Dalk mit heruntergezogenem Abkürzungszeichen für „en“ aus dem „k“.

 

 
3. Dalquen, jene latinisierte „k“-Schreibung, die sich schon in Mons und Lüttich nachweisen läßt, in Seligenstadt aber erst nach 1737 in Gebrauch kam.




4. d’Alquen läßt sich aus dem kleinen D ableiten, das dem großen D rechts unten anhängt.


Unklar bleibt der Querstrich im D-Bogen rechts und der daruntergesetzte senkrechte Strich mit einem weiteren D-Bogen, der eben an das kleine D für d'Alquen denken läßt:
Vielleicht bedeutet dieses Zeichen das Kreuz seines geistlichen Standes oder auch das etwas verschobene Christus-Symbol. Dann würde es sich nicht um ein kleines D, sondern den griechischen Buchstaben „Rho“ handeln. Senkrechter und waagrechter Strich ergäben ein Kreuz, das für den griechischen Buchstaben „Chi“ stünde, beides zusammen die Abkürzung für „Chr(istos)“. Letztere Deutung erscheint mir jedoch in Anbetracht der relativen Humorigkeit des Ganzen nicht recht passend.

Man wird zugeben müssen, daß ein solches Kuriosum auf einer Grabinschrift ungewöhnlich ist. Der Uneingeweihte kann überhaupt nicht ausmachen, welcher Bernard Anton hier gemeint sein könnte. Was soll also diese Geheimniskrämerei?

Wie schon angedeutet, kann man sich nicht vorstellen, daß Bernard Anton seine Grabinschrift selbst veranlaßt hat. Daß man ihm ein Epitaph setzen wird, dürfte ihm bewußt gewesen sein. Wer ist dann derjenige gewesen, der sich mit der Namensverwirrnis einen solchen Scherz geleistet hat? Aus der Verwandtschaft dürfte dafür niemand in Frage kommen, da sich das Stift die „Totenehrung“ vorbehalten haben wird. Hat ihn einer seiner geistlichen Mitbrüder noch über den Tod hinaus wegen seiner Namensprobleme auf den Arm nehmen wollen? Auch nicht recht vorstellbar! Sollte er als einzigen Beitrag zu seinem Epitaph diese skurrile Geheiminschrift selbst entworfen haben? Man müßte mehr über sein Wesen wissen, um sicher gehen zu können, daß er sich selbst auf den Arm nehmen wollte.
 
Gerne wüßten wir auch:  Welcher dieser vier Namensformen fühlte sich Bernard Anton besonders verbunden? Die obige Aufzählung ist keine verbindliche Reihenfolge. Er hat sein Problem und die Antwort auf diese Frage mit ins Grab genommen.


Schematische Zusammenfassung

Im schematischen Überblick läßt sich die Problematik der Schreibung unseres Familiennamens, soweit er auf der ersten Silbe betont wurde, folgendermaßen darstellen. Es wurden nur die häufigst vorkommenden Schreibformen berücksichtigt.

Der Ortsname
Alken
.
wird zum Familiennamen
Alken
.
1. Er steht allein:
Alken
in Lüttich

2. und/ oder mit
lateinischer
Präposition:
de/ ab Alke/n
in Lüttich




3. mit flämischer
Präposition:
van Alken
in Saint- Trond
(dort nach 1793)
Vanalken
und so bis zur
Gegenwart

4. mit französicher
Präposition:
d'Alken
in Lüttich, Oreye,
Celles, Saive, u.a.
Verschmelzung der
Präposition mit dem
alten Ortsnamen zu:
Dalken
in Lüttich, Seligenstadt u.a.

5. Barocke Konsonanten-
verdoppelung:
Dalcken/ Dalckhen
in Seligenstadt,
Böhmen, einschl. der
Kurzform


6. Latinisierung des
ck/ k:
Dalquen
in Seligenstadt, Lüttich,
Mons bis Gegenwart und

7. Rückbildung ab etwa
1800 unter Beibehaltung des qu:
d'Alquen/ D'Alquen



Verunstaltungen, Verballhornungen, Fehldeutungen, Hörfehler und gleichlautende Begriffe ganz anderer
Bedeutung

Warum sollte es unserem Familiennamen anders gehen als anderen auch nicht- deutscher Herkunft?

Dalchelne (1620-1630, Mons) ist noch einfach zu erklären: Das „h“ hinter dem „c“ sollte offenbar verhindern, daß der Name „dalzän“ ausgesprochen wird (das 2. „l“ war ohnedies nicht zu hören). Weniger fürsorglich waren jene Geistlichen, die
Alcin (1593 XII.Bericht, S.329) und
d’alcen (1635, XII.Bericht, S.326) eintrugen; diese Formen hätten nicht mit „k“ ausgesprochen werden können. Hierher gehört auch die Form
delchaine (XII.Bericht, S.315)‚ die glücklicherweise im gleichen Zusammenhang steht wie
Dalkynne;
anderenfalls wäre die Zuordnung zur Familie sehr gewagt. Stünden nicht die Namen der Ehefrauen bei den Eintragungen, wäre dies oft kaum möglich. Ein einziges Mal taucht
Darquenne auf (Thomas, 1625, Mons), wahrscheinlich ein Hörfehler. Was soll man mit der Form
delkenade (1590, Lüttich) anfangen? Ich wage nicht, darin eine Verunstaltung von Dalken zu sehen, etwa in der Art, daß der Veranlasser dem Geistlichen erklärt hätte:
„Delken - nein: mit a und (klein)d“ abgeteilt, also d’Alken“

Im Grimmschen Wörterbuch (auf http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB) findet sich auch: “DOLKEN, hinschmieren, schlecht malen; vergl. dalken, “DALKEN, schwerfällig, ungeschickt, kindisch reden;…”
Gleich nach “dalken” findet sich dann auch der “DALKENMACHER", einer der Flecken macht, uneigentlich und verächtlich ein Tintenkleckser, nach CAMPE wird an einigen Orten das Löschpapier Dalkenfresser genannt.

Procházka weist in seinem Buch „Meine 32 Ahnen...“ (S.236) darauf hin, daß das Haus der Familie Dalquen in Kauth im Volksmund das „Dankl-Haus“ war.
Von hier aus zu „Dackl“ ist es nicht sehr weit. Als ich in den 60er Jahren im Krankenhaus wegen einer Halsoperation  drei Tage lang nichts essen konnte, begrüßte die gute Vinzentinerin mich nach dem Frühstück am dritten Tag:
„Drei Tage war der Dackl krank. Jetzt frißt er wieder, gottseidank!“
 
“Dackelauer“ wurde ich einmal als Schüler aufgerufen, natürlich ohne auf eine solche Beleidigung zu reagieren.
Hans Dalquen (München, später Garmisch-Partenkirchen, gestorben 1986) war es ausgesprochen unangenehm, seinen Namen in der korrekten Aussprache „dalken“ zu hören. Er stellt sich immer als „dalkwen“ vor. Hierfür gibt es einen handfesten Grund:


.(Beilage zur Süddeutschen Zeitung vom 1.4.89, S.13)
 




Im Baierisch-Österreichischen ist ein „Dalk“ ein täppischer Mensch in der Nähe von „Depp“. Dalken kann bedeuten „fehlerhaft sprechen, indem man von Zeit zu Zeit ein Wort nur nach großer Anstrengung der Organe hervorbringt (siehe nebenstehenden Ausschnitt aus: Schmeller, Joh., Bayerisches Wörterbuch, München 198 5, Band 1/1, Nachdruck d. 2.Ausg. von 1872-1874).

Für einen Einheimischen ergab sich beim Hören des Wortes oder Namens „Dalken“ sofort die Assoziation: „Depp, Trottel“.

Eine ganz andere Gedankenverbindung ergab sich für einen böhmischen Hörer des Namens „Dalken“. Dort kann dieses Wort nämlich etwas sehr Sympathisches bedeuten















Der renommierte Wiener Rathauskeller gab vor Jahren einen Kleinen Hausprospekt heraus, auf dessen S.2 auf das dort befindliche Gemälde „ Lucullus“ hingewiesen wurde. Als dritte Spezilität des Hauses werden die
„Böhmischen Dalken“ genannt.
 
Ich lasse hier Rezepte für „Böhmische Dalken“ folgen. Vielleicht entschließt sich das eine oder andere Familienmitglied irgendwann einmal, „echte Dalken bei Dalquen und d’Alquen“ anzubieten. Vorab schon:
„Guten Appetit!“ mit der Bitte um Mitteilung, ob sie gelungen sind.
 
Böhmische Dalken
Zutaten für 4 Portionen:    
125 g Mehl    
10 g Hefe    
20 g Zucker    
1 Msp. Salz    
15 g Butter    
1/8 l Milch    
1 Ei 
1 Eigelb  
Schnee von 2 Eiweiß

Für die Creme:    
2 Eier    
100 g  Zucker
Schale von einer Orange
500 g Topfen (Quark)
2  Eiweiß

Für die Preiselbeer-Konfitüre:
400 g Preiselbeeren,
150 g Zucker

Küchengeräte:Schüssel, Dalkenpfanne, Mixer, Topf
Zubereitungszeit:ca. 1,5 Stunden

Herstellung:
Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Grube drücken, etwas lauwarme Milch mit Hefe verrühren und in das Mehl dickflüssig einrühren, ca. 10 Minuten rasten lassen. Dieses „Dampfl“, Salz, zerlassene Butter, lauwarme Milch, Ei, Eigelb und Zucker kurz verrühren und ca. 1 Stunde rasten lassen. Kurz vor dem Backen der Dalken geschlagenes Eiweiß unterziehen.
Eier und Zucker schaumig rühren, geriebene Orangenschale und Topfen unterrühren, geschlagenes Eiweiß unterziehen. Die Preiselbeeren (man kann auch Heidelbeeren oder Weichseln nehmen) mit Zucker kurz aufkochen. Teig in einer Dalkenpfanne bei mäßiger Hitze backen. In der Mitte der Teller Dalken anrichten, darauf Preiselbeer-Konfit bzw. je einen Löffel von der Topfencreme geben, mit einem zweiten Dalken bedecken.
(aus: Falstaff extra. Servus in Österreich, o.O., o.J., S.91)

Kartoffelbällchen oder Dalken (böhmisch)
zu Sauerkraut, Spinat, Wirsing!
1,5 - 2 Pfund gekochte Kartoffeln, 150-175 g Mehl, 1-2 Eier, Salz; 1 Ei, eine halbe Tasse Semmelmehl; Ausbackfett oder Öl (1,5 Pfund oder 1 1)
Sie bereiten aus den am Vortage gekochten Kartoffeln, Mehl, 1-2 Eiern und etwas Salz einen Kartoffelteig, formen gleichgroße,.etwa Walnußgroße Bällchen, wälzen sie zuerst in zerschlagenem Ei, dann in Semmelmehl und backen sie in Schmalz oder Öl schwimmend aus.

Böhmische Dalken ...
dreiviertel Pfund Mehl, 3-4 Eier, ein halber Liter Milch, 15 - 20 g Hefe, 1,5 Eßlöffel Zucker, 1 Prise Salz, Powidl (Pflaumenmus) zum Füllen; Ausbackfett; Puderzucker zum Bestreuen.
 
Sie rühren 3-4 Eidotter mit 1,5 Eßlöffel Zucker zu Schaum, fügen nach und nach das gesiebte Mehl und die in lauwarmer Milch gelöste Hefe hinzu und lassen den dünnen Hefeteig gehen. Das mit einer Prise Salz steif geschlagene Eiweiß mischen sie erst unter den gegangenen Teig. Nun geben Sie Butter oder Schmalz in die Vertiefungen einer erhitzten Spiegeleierpfanne, lassen es siedendheiß werden und füllen dann die Vertiefungen zu 5/4 mit dem Hefeteig. Sie backen die Dalken bei Mittelhitze, wenden sie, bestreichen die fertigen auf der flachen Seite mit Pflaumenmus, setzen je zwei zusammen, bestreuen sie mit Puderzucker und servieren die böhmischen Dalken heiß mit Vanillesauce.
(beide Rezepte aus: Grete Willinsky, Kochbuch der Büchergilde, Prankfurt am Main 1958, S.231 u 389)

Eine Rezept für tschechische Dalken finden Sie hier
www.dalquen.info