Geschichte der Familie

Thomas Dalken aus Lüttich (ca. 1590- 1646)

Thomas Dalken aus Lüttich ist sozusagen die Brücke von den niederländischen zu den deutschen Dalken/ Dalquen/ d'Alquen. Von ihm aus erforschen wir unsere Familie bis heute, aber von ihm aus müssen wir auch unsere niederländischen Ahnen nach rückwärts suchen.

Wir werden noch sehen, wie wenig wir zur Zeit von Thomas wissen, und wie
mühevoll es noch sein wird, von ihm aus nach rückwärts die eindeutige und entsprechend belegte Linienführung zu den van Alken und d'Alken des 16. Jahrhunderts und weiter zurück zu finden, sofern hier überhaupt eindeutige Klarheit ohne Lücken geschaffen werden kann.

Vorerst können wir ja z.B. nur über das im Grundsätzlichen gleiche Wappen unsere Verwandtschaft mit dem Schöffen Adam van Alken aus St. Trond, 1559, oder mit Maria van Alken, die 1592 in Herck-la-Ville mit ihrem Ehemann Servais Coemans lebte, begründen, da Namen und Wappen durch Wappenbeschreibung verbürgt sind.

Aber nun zurück zu Thomas Dalken. Schon an dieser Stelle müssen wir
bekennen, daß wir heute von dieser so wichtigen Schlüsselfigur nicht einmal genaue Daten über Geburt, Tod und über Geburts- und Sterbeort haben. Davon aber abgesehen haben wir doch wenigstens andere, wenn auch noch wenige, detaillierte Kenntnisse von Thomas.
In der aus dem Jahre 1943 in Abschrift und Übersetzung (aus dem Lateinischen) vorliegenden Trauurkunde seines Sohnes Theodor (Dieter) heißt es: "Theodor Dalcken, Sohn des Thomas Dalcken, ehemaliger Bürgermeister in Leodium (Hennegau), Neffe des Abtes Colchon ( Verdienste um die Abtei) aus Le Mons, Hennegau. Heiratsregister Nr. 1.97 des Jahres 1650."
Theodor heiratete nämlich am 12.7.1650 in Seligenstadt die Marie Elisabeth Gelph, Tochter des Ratsherrn Johann Gelph, eines Patriziers und angesehenen Bürgers zu Seligenstadt.
Seibert gibt in seinem 1. Band "Sippenbuch der Stadt und Zent Seligenstadt", 1934, die den Thomas betreffende Eintragung im Original wie folgt wieder: "Thomas Dalken quondam supremi praetoris intra Leodium." Abgesehen davon, daß Seibert den Dalken aus der Originaleintragung im Trauregister genauer wiedergibt als der "übersetzte" Auszug der Traueintragung aus dem Jahre 1943 mit Dalcken (eine Schreibweise, die später aufkam), ist Seiberts Übersetzung in Oberrichter der Wahrheit viel näher, wie wir noch sehen werden.

Weiterhin ist von Thomas bekannt, daß er in den Jahren 1620-1630 in Mons gewohnt hat. Hierüber finden wir bei Procházka folgende Bemerkung "Zuerst erscheint Thomas Dalchelne, Dalcken und Dalquen in den Jahren 1620-1630 als Bürger und Einwohner im Hause des Sire Jean du Leloy in Mons, woselbst er jährlich 170 lire tournois Miete zahlte (Steuerlisten und Bürgerverzeichnisse der Stadt Mons, 'Etats de Heinaut', Nr. 1823 quartier de Nimy). Thomas hatte aus seiner Ehe mit Marie Colson, die auch nicht aus Mons stammte und ebenso wie ihr Gatte um 1630 ohne Angabe oder Hinweis aus dieser Stadt verschwindet", vier Kinder, die alle in Mons geboren und getauft worden sind (Archives de letat à Mons, katholische Kirchenbücher, Taufmatrikeln aus dem Jahre 1623-1630):
1.    Margareta,  geb./getauft am 19. Februar 1623;
2.    Franz (I.),        "    "       am  21. Dezember 1625;
3.    Peter ,            "    "        am 13. März 1628 und
4.    Johann (I.),      "    "        am 03. Februar 1630.
Das Schicksal dieser Kinder ist unbekannt."

Eine Nachprüfung dieser Angaben und ihre Untersuchung auf evtl. weitere Angaben über Thomas und seine Kinder aus diesen Matrikeln ist leider nicht mehr möglich, da das Staatsarchiv in Mons uns unter dem 19.4.1967 schrieb, daß 1940 bei einem deutschen Luftangriff auf Mons 2/3 des Archivbestandes zerstört worden sei. Es habe zwar ein Thomas Dalken in Mons gewohnt (wofür man aber leider keine Quelle angibt, es sei denn, man hat die obigen aus Procházka entnommenen und von uns dem Archiv mitgeteilten Angaben unbesehen übernommen, aber er sei kein Schöffe gewesen. Außerdem habe man keine anderen Dalken auffinden können, weder in einer Sammlung alter Verträge, noch in einer Siegelsammlung, noch in erhalten gebliebenen Bürgerverzeichnissen. Ein (von uns angefragtes) Wappen des Thomas im Stadthaus von Mons sei nicht bekannt. Außerdem warum sollte es ein solches auch dort geben, da Thomas ja nur vorübergehend (n'a fait que passer) in Mons und dort kein Schöffe gewesen sei.

Offene Fragen
Damit sind unseren Nachforschungen in Mons, was Thomas und seine Kinder betrifft, wahrscheinlich vorerst ein Ende gesetzt, und wir müssen auch vorläufig resignieren, was die Nachprüfung oder Erhärtung der oben zitierten Angaben aus Procházkas Buch betreffen. So ist auf diesem Wege auch nicht zu klären, ob Thomas sich tatsächlich Dalchelne und Dalcken, ja sogar Dalquen schrieb (was kaum anzunehmen ist), und ob Thomas aufgrund unserer Hypothese evtl. aus St. Trond stammt, weil Procházka schreibt, daß Thomas wie auch seine Frau nicht aus Mons stammten; eine Tatsache, die für seine Frau nämlich tatsächlich zutrifft. Weiterhin kann demnach vorerst auch nicht die Frage geklärt werden, ob Thomas vor seiner Zeit in Mons und danach Nachkommen hatte. Denn daß es mehr gewesen sein müssen, als Procházka aus den Kirchenbüchern in Mons herausziehen konnte, steht fest, wie wir noch sehen worden.

Seibert erweitert die Procházkasche Bemerkung über das "Verschwinden" des Thomas aus Mons in 1630, indem er in seinem 1. Band sagt: "Um 1630 verschwindet Thomas aus Mons, offenbar um eine Stelle als Oberrichter in Lüttich anzutreten." Als Unterlage hierfür bietet er allerdings nur die oben wiedergegebene Trauurkunde des Theodor, Tr. 1.97 von 1650, an, die lediglich (aber wichtig genug) den Thomas als Oberrichter in Lüttich erwähnt.
An dieser Stelle möchten wir erwähnen, daß Oberrichter nicht unbedingt bedeuten muß, daß Thomas akademisch gebildeter Jurist war. Eher handelt es sich auch bei ihm um ein Mitglied in der langen Reihe der ehrenamtlichen Schöffen des Fürstbischofs von Lüttich aus der Familie van Alken/d'Alken.

Über seine hauptberufliche Tätigkeit wissen wir nichts, auch nichts über den Grund seiner Übersiedlung (von St. Trond etwa?) nach Mons, einer Stadt, die nicht mehr zum Fürstbistum Lüttich gehörte (wie St. Trond z.B.). Es ist uns weiterhin ja auch nicht bekannt, warum er nach Lüttich ging, wenn man davon absehen will, daß seine Frau, die Marie Colchon, aus Lüttich stammte, und daß dort ihre Eltern lebten (der Vater starb 1646, die Muttor 1652, wie u.a. der Inschrift des heute im zweiten Hof des früheren fürstbischöflichen Palastes (heute Justizpalast) aufgestellten Grabsteins der beiden zu entnehmen ist.

Daß aber Thomas tatsächlich als Oberrichter in Lüttich gelebt hat, wird außer durch die oben zitierte Bemerkung in der Trauurkunde 1.97 seines Sohnes Theodor auch noch durch eine Mitteilung des Staatsarchivs in Lüttich vom 03.12.1966 erhärtet. Hier schrieb nämlich der Leiter dieses Archivs, der Conservateur Hansotte, wörtlich übersetzt: "Ich fand keinen Nachweis für Thomas d'Alken und seine Frau Marie in den Pfarrregistern von Lüttich, die übrigens für diese Periode ziemlich unvollständig sind. Es gibt auch kein Testament oder interessanten Ehevertrag dieser beiden.“
C. de Borman, (Die Schöffen der unabhängigen Gerichtsbarkeit von Lüttich), Band II, S. 468, weist hin auf einen gewissen d'Alken als Mayeur en Féauté der Lütticher Schöffen im Jahre 1636; die Persönlichkeit ist ihm offenbar von woanders her bekannt; es handelt sich dennoch sicher um Thomas d'Alken, 'supremi praetoris intra Leodium' (nach der von Ihnen zitierten Seligenstädter Akte).
Diese hochinteressante Mitteilung aus Lüttich, die noch bei C. de Borman gelegentlich nachgesehen werden mag, regte zu den nachstehenden Vermutungen und Kombinationen an, denen Franz Josef Dalquen, in einem Gedankenaustausch mit Rolf d'Alquen in dieser Sache, wie folgt Ausdruck gab:

1) Hansotte, der Conservateur, schreibt auf meine Anfrage nach "Dalken" ohne weiteres "d'Alken". Wenn also seine Annahme anerkannt wird, daß der "gewisse d'Alken" identisch ist mit unserem Thomas, hätten wir hier eine authentische Quelle für die Abstammung von der Familie van Alken.

2) Die Unmöglichkeit, Geburts- und andere Daten nachzuweisen, braucht nicht zu enttäuschen. Sehr wahrscheinlich wurde Thomas nicht in Lüttich geboren. Seine Geburt liegt wahrscheinlich um 1580/85 oder auch später, also nach der Zerstörung von St. Trond 1568. Also müßte sich wahrscheinlich in St. Trond Material finden lassen.

3) In der Seligenstädter Trauurkunde wird Thomas bezeichnet als "supremi praetoris", was mit Oberrichter übersetzt wurde. Mayeur en féauté (wie es bei de Borman heißt) ist hierzu eine nahezu wörtliche Übersetzung. Féauté heißt die Treue, die Lehnstreue und hängt zusammen mit altfranzösisch fealte und dem Lateinischen fidelitas, auch mit französisch foi, feodal und féodalité. Damit ist man der eigentlichen Bedeutung schon näher gekommen. Der Begriff gehört in die Geschichte des ausgehenden Mittelalters, als bestimmte Ämter immer noch als Lehen von dem entsprechenden Inhaber der Rechte vergeben werden konnten. Féauté hängt auch zusammen mit feage und dies bedeutet Erblehngut, Lehnsbrief, Lehnsauftrag. Daraus wäre etwas sehr Wichtiges und Interessantes zu schließen, daß nämlich das Schöffenamt in der Familie van Alken als erbliches Lehen ein Dauerbesitz war. Das häufige Auftreten von Schöffen legt diese Vermutung nahe. Wahrscheinlich sind die van Alken Lehnsträger der Lütticher Fürstbischöfe gewesen, denn sonst konnte Thomas wohl nicht als "Mayeur en féauté" in Lüttich erwähnt werden. Nach meiner augenblicklichen Auffassung heißt dies "Oberlehensträger des Schöffenamtes" und wäre damit in der Tat "Oberrichter". Die Schöffenverfassung von Lüttich und St. Trond ist ein Kennzeichen vorausgegangener Kämpfe der Bürgerlichen mit dem Patriziat, in dem sich die Bürgerlichen gegen den Stadtadel durchgesetzt haben. Daraus entspringt die Schöffenverwaltung der Städter, besonders im Flandrischen.

Zu 1) möchten wir nur ganz kurz hinzufügen, daß das flämische van Alken im wallonischen Teil der Niederlande ohne weiteres d'Alken wird, mehr wollen wir an dieser Stelle darüber nicht sagen, da das Problem der div. Namensänderungen in unserer Familie sowieso einer eigenen Untersuchung vorbehalten bleiben muß.


In seinem Buch "Fünfhundert Jahre Bursfelder Kongregation", 1950 erschienen, berichtet der Verfasser, Pater Dr. Paulus
, O.S.B., Marialaach, eingehend über Leonard Colchon, der 1593 in Lüttich geboren wurde, in St. Trond 1611 das Ordensgelübde ablegte, im Jahre 1622 nach Seligenstadt berufen und dort 1625 zum Abt (1642 zum Präsidenten der Bursfelder Kongregation) gewählt wurde. Dort zitiert der Verfasser auch die 8 Geschwister des Abtes, die, wie dieser selbst, der Ehe des Notars des fürstbischöflichen Hofes zu Lüttich, Johannes Colchon mit Margarete de Saive, entstammen.

Unter diesen 8 Geschwistern des Abtes ist seine jüngere Schwester Marie aufgeführt, die am 31.01.1600 zu Notre Dame aux Fonts in Lüttich getauft wurde und die den Thomas Dalken (Traudatum und -Ort wissen wir auch noch nicht) heiratete. Über diese Marie, geb. Colchon, sind wir also, wie bereits angedeutet, mit Leonard Colchon, Abt in Seligenstadt von 1625 - 1653, blutsverwandt .
Volk sagt in seinem Buch weiter, daß die beiden Ehegatten (Thomas und Marie also) im Mai 1647 bereits tot waren, wie aus den hinterlassenen Briefen des Abtes hervorgehe. Seibert mutmaßt in seinem 1. Band noch, daß vielleicht die Lütticher Beziehungen der Marie bei der Ernennung ihres Gatten zum Oberrichter in Lüttich eine Rolle spielten. Dies könnte man als Tatsache unterstellen, wenn man die Stellung des Schwiegervaters des Thomas, der ja fürstbischöflicher Notar war, erinnert.
Das ist aber vorerst alles, was wir von Thomas Dalken und seiner Frau Marie wissen, und es wird sicher noch einiger Mühen und Anstrengungen bedürfen, über diesen unseren Ahn noch mehr zu erfahren, wenngleich wir auch einigermaßen optimistisch sein dürfen, in belgischen Archiven, vornehmlich in Lüttich und St. Trond, noch einiges über ihn zu finden. Daß Thomas nämlich der so wichtige Ausgangspunkt zur Erforschung seiner und damit unserer niederländischen Ahnen ist, sagten wir schon.
Wir halten es für richtig, an dieser Stelle einmal zusammenzufassen, was wir dem Vorhergehenden als Tatsachen entnehmen, was wir annehmen und kombinieren dürfen, und was uns andererseits vorerst noch nicht bekannt ist, Teilen wir also folgerichtig deshalb diese Zusammenfassung ein in das, was wir wissen und in das, was wir nicht oder noch nicht wissen.


Thomas d'Alken/Dalken - was wir sicher von ihm wissen:


Heimat
Thomas stammt aus dem Lütticher Land, ob aus Lüttich oder St. Trond, bleibt offen. Der Name van Alken/d'Alken/Dalken kommt in den Niederlanden nur im Bistum Lüttich vor, bzw. er hat hier nachweislich seinen Ursprung.

Abstammung
Thomas ist die Verbindung von den wappenführenden van Alken/d'Alken des 15. und 16. Jahrhunderts aus dem Bistum Lüttich zu den Dalken in Seligenstadt, die das gleiche Wappen verwenden. Er gehört damit zu der Familie, die ihren Ursprung von dem Orte Alken in der Umgebung von St. Trond ableitet.

Stellung
Thomas heiratete eine Lütticherin aus der alten, angesehenen Lütticher Juristen- und Theologenfamilie Colchon/de Saive. Das bedeutet, daß er nach den gesellschaftlichen Forderungen der damaligen Zeit dem gleichen sozialen Milieu entstammen mußte. Tatsachlich lassen sich unter den van Alken/ d'Alken bes. des 15. und 16. Jahrhunderts Juristen und Theologen nachweisen. Damit ist die Zugehörigkeit des Thomas zu der führenden Bürgerschicht festgestellt.
 
Wohnsitze
Thomas ist für die Zeit von 1620 bis 1630 in Mons (=Bergen, Hennegau) nachgewiesen. Er kehrt wahrscheinlich nach 1630 (letzter Taufeintrag eines seiner Kinder in Mons) und vor 1647 (zu diesem Zeitpunkt war er nachweislich tot) nach Lüttich zurück. Für 1636 ist "ein gewisser d'Alken" im Schöffenamt in Lüttich nachgewiesen, was wir auf Thomas beziehen dürfen, da sein Sohn Theodor in seinen Personalangaben in seiner Trauurkunde von 1650 in Seligenstadt den Lütticher Thomas Dalken in der gleichen Stellung nennt. (Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß gleichzeitig zwei Mitglieder der gleichen Familie ins Schöffenamt der gleichen Stadt gewählt wurden.)

Familie
Thomas hatte mit seiner Frau Marie mindestens sieben Kinder, von denen vier nachweislich in Mons geboren wurden; das Geburtsjahr zweier Söhne, Wilhelm und Theodor, unseres Ahnherrn, ist ungewiß, die Vaterschaft des Thomas aber unzweifelhaft.


Was wir von Thomas nicht wissen


Geburtsdatum, Geburtsort, Eltern
In der Annahme, daß Thomas kurz vor der Geburt seines ersten Kindes 1623 heiratete, also etwa 1620, und weiterhin angenommen, daß er zu diesem Zeitpunkt 25 bis 30 Jahre alt war, so könnte er um 1590 geboren worden sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die in den Monser Taufregistern nicht genannten Kinder vor 1623 zur Welt kamen, was im Falle von Wilhelm Dalken mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Hierdurch könnte das Geburtsjahr des Thomas für etwa 1585 bis 1590 vermutet werden.

Grund für die zehnjährige Übersiedlung nach Mons (damals span. Niederlande)
Der erste Taufeintrag in Mons von 1623 und die möglicherweise vorausgehende Geburt wenigstens eines Kindes, des Wilhelm, legt den Schluß nahe, daß der Zeitpunkt der Übersiedlung und der Eheschließung nicht weit auseinanderliegen, also beide Termine etwa um 1620. Da es sich aber bei der Verbindung der Familien d'Alken und Colchon um eine durchaus "standesgemäße" Angelegenheit handelt und da Marie Colchon aus Lüttich stammt, schließen sich romantische Kombinationen von selbst aus. Es muß für diesen Wegzug einen realen Grund gegeben haben. Wenn man bedenkt, daß es unter den damaligen Rechtsverhältnissen keine "Freizügigkeit", also keine freie Wahl des Wohnsitzes, gab (z.B. für den Untertan des Bischofs von Lüttich), daß man also in dieser Wahl des Wohnsitzes an seine Landesherren, nämlich den entlassenden und den aufnehmenden, gebunden war, dann verstärkt sich der obige Eindruck. Vermutlich hat Thomas nicht die Bürgerschaft von Mons erworben und möglicherweise hängt seine Rückkehr nach Lüttich mit seiner Wahl ins dortige Schöffenamt zusammen. Außerdem ist noch zu berücksichtigen, daß sich die Lütticher Bürgerschaft auch noch im 17. Jahrhundert in dramatischen Aufständen gegen die Abhängigkeit vom Bischof erhob. Es wäre immerhin denkbar, daß Thomas und vielleicht auch sein Vater in solche Auseinandersetzungen verwickelt waren und das Land vorübergehend verlassen mußten, sozusagen als politische Flüchtlinge. Falls Thomas in Mons kein Bürgerrecht genoß, dann kann er dort auch kein zunftmäßiges Gewerbe betrieben haben.

Welchen Beruf übte Thomas aus?

Da ein Schöffe ehrenamtlich wirkte, bleibt die Frage nach der Lebensgrundlage des Thomas offen. Wir wissen von Theodor, Sohn des Thomas, daß er mit der Wollweberei zu tun hatte, ob als Handwerker oder als Tuchhändler oder als beides ist noch ungeklärt. Nach den damals sehr konservativen bürgerlichen Verhältnissen ist zu schließen, daß bereits Theodors Vater im gleichen Gewerbe tätig war, dazu kommt, daß die Niederlande (Brabanter- oder Flandrisches Tuch) - und besonders Mons - hierfür in Europa führend waren.

        
Lebensdaten des Thomas
(Ungesichertes in Klammern)
(1585-1590)     Thomas geboren (in Lüttich oder St. Trond?)

1600                Marie Colchon, Thomas' Frau, in Lüttich geboren
(1617-1620)      Heirat mit Maria Colchon
(1617/1618)      (oder nach 1631) Sohn Theodor geboren
(1619)              Sohn Wilhelm geboren
1620-1630        in Mons ansässig
1623                Tochter Margarethe geboren
1625                Sohn Johann Franz Thomas geboren
1628                Sohn Peter geboren
1630                Sohn Johann geboren
(1630)              Rückkehr von Mons nach Lüttich
(1631)              Tochter Katharina geboren
(1632 oder später bzw. 1617/18)   Sohn Theodor geboren
1636                "ein gewisser d'Alken", vermutlich  Thomas, als Schöffe in Lüttich erwähnt
vor  1647          Tod des Thomas und seiner Frau Marie, geb. Colchon, (in Lüttich)
 

Wissen wir also über Thomas, wie die obige Aufstellung zeigt, nicht oder noch nicht viel, nichts über seine möglichen Geschwister, Eltern und Voreltern, so sind die uns vorliegenden Fakten über einige von Thomas' Kindern schon reichhaltiger.

Was dabei seinen Sohn Theodor, unseren Seligenstädter Ahnherrn betrifft, sind die Unterlagen und die Daten (abgesehen von seinem Geburtsdatum und -Ort), bis auf die heutigen direkten Nachkommen, zu denen mir ja alle zählen, einigermaßen vollständig oder doch wenigstens ausreichend; jedoch gibt es über seine Geschwister bzw. über deren Anzahl schon verschiedene voneinander abweichende und zum Teil ungeklärte Darstellungen.
Procházka nennt ja in seinem Buch 4 Kinder des Thomas, die wir weiter oben schon angeführt haben; es sind aber nur die Kinder, die in den Jahren 1623 bis 1630 in Mons geboren worden sein sollen. In einer neueren, im Manuskript vorliegenden Arbeit von Procházka sind es sogar 7 Kinder des Thomas.
Daß Seibert in seinem 1. Band uns hier nicht weiterhelfen kann - er übernimmt dort die 4 Kinder von 1623-1630 von Procházka - ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß Seibert, der Seligenstädter Heimatforscher, sich lediglich an die Fakten gehalten hat, die er den verschiedensten Registern in Seligenstadt entnehmen konnte, was er im übrigen mit außergewöhnlichem Fleiß und dankenswerter Genauigkeit getan hat.

Bleiben wir deshalb vorerst bei Volk. Hier sagt der Verfasser auf Seite 52 seines bereits zitierten Buches, daß der Ehe des Thomas Dalken mit Marie Colchon u.a. 4 Kinder entstammen. "Unter anderen" heißt es ausdrücklich, womit der Verfasser klar zum Ausdruck brachte, daß es auch mehr als 4 Kinder sein können, wenngleich er damit auch nicht die vorher in Procházkas Buch angeführten 4 Kinder aus Mons meint, von denen er nämlich nur 2 kennt. Außerdem erwähnt Volk mit einem Satz auch noch ein 5. Kind, nämlich die Margarethe Dalken (siehe unter d).
 
Über die 4 Kinder bringt Volk dann auch eine Fülle belegter Einzelheiten wie folgt (s. 52, Anmerkungen ebendort):

a)  Wilhelm Dalken. Pro nepote ex sorore Canonico Aschaffenburgensi (= Für seinen Neffen, Sohn seiner Schwester, den Aschaffenburger Kanoniker ...) erbat Abt Colchon beim Kölner Nuntius am 9. März 1645 Dispens von den Weiheinterstitien (119) (interstitium = Wartezeit zwischen zwei Weihen. Eine Dispens verhalf W. D. also dazu, schneller in den Genuss von Pfründen, Einkommen zu kommen). Wilhelm Dalken wurde am 22. August 1639 Kanonikus (= Domizellar) am Stift S. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, am 13. September 1644 Kapitular, am Osterdienstag 1645 feierte er seine Primiz in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, starb 1670 (120). W. D. erhielt die Frühmesserstelle ad sanctos in Seligenstadt, am 3. Februar 1653 ist er Pate bei Wilhelm Dalken, Sohn seines Bruders Theodor, und am 12. Januar 1660 ist er Pate bei Wilhelm Sigler zu Dieburg (121). Er optierte die Kurie des am 31. Dezember 1647 verstorbenen Kanonikus Joh. Christ. Eichel (4. Januar 1648), die Kurie wurde Dalken zugesprochen unter der Bedingung, daß er jedem Kapitular 3 Rthl. zahlte. Dalken nimmt an und darf sein altes Haus noch ein Jahr behalten (21. Januar 1648). D. wird wegen Inobedienz gegen den Propst ad tempus suspendiert (8. Juni 1648), wird inkarzeriert (9. 3uni 1648). Kanonikus Grollet (aus Lüttich) bittet die Kapitulare um die ehemals von D. bewohnte Kurie, D. selbst wohnt in der Kurie des verstorbenen Kanonikus Michel (7. August 1648) (122). 1648/49 zog D. in die Kurie "zum Hamen" (123) um, wo er bis zu seinem Tode blieb (124). Zu seinem Leben vgl. auch das Protokollbuch des Kommissariates Aschaffenburg 1660-70 p. 67-73 im Ordinariatsarchiv zu Würzburg. Vom Bursfelder Generalkapitel 1642 wurde er in die Konfraternität aufgenommen: Eruditus et Venerabilis D. Wilhelmus Dalken (!) Collegiatae Ecclesiae Aschaffenburgenais Canonicus."

Seibert erwähnt in seinem 1. Band zu Wilhelm Dalken keine über die obigen hinausgehenden Einzelheiten, wenngleich er vermutet und dies auch klar ausspricht, daß Wilhelm Dalken die Frühmesserstelle ad sanctos apostolos wohl nur durch die Vermittlung seines Onkels, des Abtes Leonard Colchon, erhielt, und daß Wilhelm (lt. Seiberts Nachlaß) am 19.4.1670 in Aschaffenburg gestorben ist. St. 2.701.
Hervorzuheben ist hier noch, daß Wilhelm Dalken nach dem obigen Zitat aus Volk bereits 1639 in Aschaffenburg war, und daß er demnach keineswegs zu den wallonischen Einwanderern gehörte, die Abt Colchon nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges aus den Niederlanden nach Seligenstadt geholt haben soll.
Colchon und Wilhelm Dalken waren beide Benediktiner, Dalken mag, wie Colchon, bei den Benediktinern in St. Trond gewesen sein. Auf jeden Fall dürfen wir wohl darin sicher sein, daß Colchon seinen Ordensbruder und Neffen Wilhelm Dalken deswegen und aus familiären Gründen nach Seligenstadt oder Aschaffenburg geholt und ihn entsprechend protegiert hat.
Dasselbe trifft ohne Frage auch auf den jüngeren Bruder von Abt Colchon, den Johannes Colchon zu, der am 28.5.1610 zu Notre Dame aux Fonts in Lüttich getauft wurde und ebenfalls, wie Wilhelm Dalken, Kanonikus (= Domizellar) am Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg war, und zwar ab 17.11.1635. Da Johannes Colchon noch 1663 in Aschaffenburg war, ist er dort also auch mit Wilhelm Dalken zusammen gewesen.
Dies geht noch aus einer anderen Tatsache hervor, die deshalb besonders interessant erscheint, weil sie gewisse Gegensätze zwischen den einheimischen Geistlichen im Stift und den Zugewanderten, den "wallonischen" Fremdlingen, aufzeigt.
Am 4. September 1662 nämlich beschließt das Kapitel, gegen die Stimmen von Colchon, Grollet (Kapitular Grollet war aus Lüttich, ebenso sein Vetter Nicolaus Grollet, der durch Nomination des Michael Grollet am 7.1.1669 Kanonikus wurde) und Dalken, daß in Zukunft nur geborene Deutsche, die "der hochdeutschen Sprach zuvor perfecte erfahren seindt", eine Nomination auf eine frei gewordene Kanonikerstelle erhalten dürfen.
Zum besseren Verständnis für unsere Leser geben wir anschließend noch einige Angaben aus dem von Volk zitierten A. Amrhein (Die Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstiftes St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg. Inaugural-Abhandlung der hohen philosophischen Facultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zur Erlangung der Doctorwürde, vorgelegt von August Amrhein, Würzburg. Druck der Thein'schen Druckerei (Stürtz). 1882) wieder:

Seite 5 unter I. Theil: Innere Verhältnisse des Stiftes, § 1. Organisation des Stiftes in Bezug auf das canonische Leben.
".... In der ersten (Urkunde), ausgestellt zu Nymwegen, schenkte Otto II. der von seinem Neffen Otto erbauten Kirche zu Aschaffenburg eine Kirche und einen Hof mit ihren Einkünften in Rora, einem Dorfe im Grabfelde in Ostfranken; in der zweiten Urkunde, ausgefertigt zu Kirchberg am 20. Juni (im Jahre 974) schenkt derselbe Kaiser die Kirchen (Pfarreien) in Salz und Brenden (Brendlorenzen) bei Neustadt a.d.S. der zu Ehren der hl. Petrus und Alexander eingeweihten Kirche und den an dieser Kirche Gott und den beiden Heiligen dienenden Canonikern."

Seite 44 unter V.
Bedingungen zur Aufnahme;
1. eines Domizellaren waren:
Eheliche Geburt, Empfang des Sacramentes der Taufe und der niederen Weihen oder doch der Tonsur. Ein bestimmtes Alter war nicht vorgesehen, weshalb sogar Knaben von 7 und 8 Jahren Canonikate erhielten. ....
2. eines Capitularen ;
a)    eheliche Geburt
b)    er mußte das 25, Lebensjahr angetreten haben
c)    2 Jahre auf einer Universität (biennium studii) Theologie oder Kirchenrecht studiert haben
d)    die höheren Weihen, wenigstens das Subdiakonat empfangen haben
e)    einen Präbendenhof (Canonikatswohnung) besitzen
 f)    Choral singen können und deshalb ein halbes Jshr Gesangsunterricht genossen haben
 g)   er mußte auch in der Stiftskirche beim Chorgottesdienst die niederen Kirchendienste (als Minorist)             ausgeübt haben.

Diese Bedingungen mußten vor der Aufnahme erfüllt sein und dies durch legale Zeugnisse nachgewiesen werden,"

Da, wie wir unter 2b) gelesen haben, der Capitular das 25. Lebensjähr
angetreten haben mußte, und Wilhelm Dalken am 13.9.1644 Canonikus wurde, muß er 1619 geboren sein und gehört damit nicht zu den 4 in Mons geborenen Kindern des Thomas Dalken, unter denen er ja auch nicht angeführt ist.

Amrhein gibt im übrigen nicht zu allen von Beginn der Stiftung 974 bis zur Säkularisation aufgeführten Kanonikern des Stiftes ihren Herkunftsort an. Soweit aber diese Angaben gemacht wurden, läßt sich feststellen, daß von 1637 bis 1686 (aber nicht mehr danach) eine ganze Anzahl Kanoniker ausschließlich aus Lüttich (mit Ausnahme eines einzigen, aus Brüssel stammend) im Stift tätig waren. Der erste Lütticher war demnach Wilhelm Dalken, schon 1639 Kanoniker in Aschaffenburg.
Nach 1686 war kein Lütticher Geistlicher mehr bei Amrhein festzustellen. Der Anteil ausschließlich Lütticher Geistlicher unter den "nichtdeutschen" Kanonikern in Aschaffenburg innerhalb ca. 50 Jahren fällt auf. Ob diese "Einwanderung" Lütticher Geistlicher jedoch auf Abt Colchon in Seligenstadt zurückzuführen ist, da dieser ja selbst Lütticher war, kann nur vermutet werden.
Volk sagt im übrigen noch über Wilhelm Dalken, daß dieser die Frühmesserstelle in Seligenstadt erhielt. Das muß nicht heißen, daß Wilhelm Dalken auch tatsächlich die Frühmessen in Seligenstadt gelesen hat und dort sogar eine Zeitlang domizilierte. Wir wissen aus anderer Quelle, daß die Messtiftungen der Altäre in der ehemaligen Pfarrkirche in Seligenstadt (sie wurde in den Jahren 1812 - 1821 niedergelegt) für den Lebensunterhalt der Altaristen nicht mehr ausreichten, und deshalb kam es verschiedentlich zu Zusammenlegungen solcher Stiftungen. Nach 1605 gab es in der alten Pfarrkirche nur noch zwei Altarstiftungen, und zwei Geistliche konnten damit durch das Messelesen versorgt werden, bzw. erhielten dadurch Einkünfte. Der eine Altar hiervon war der Heiligen Barbara und den Zwölf Aposteln geweiht. Hierüber hatte die Abtei zu verfügen, wodurch verständlich wird, daß Wilhelm Dalken durch die Vermittlung seines Onkels, des Abts Colchon, die Frühmesserstelle in der ehemaligen Pfarrkirche und damit wichtige Einkünfte erhielt. (Vergl. auch Neubauer, 1967, S. 13/14)

Volk führt nun nach a) Wilhelm Dalken unter b) den Theodor (Dieter) Dalken
auf, jedoch wollen wir an dieser Stelle diese Reihenfolge verlassen und fahren deshalb fort mit

"d) Katharina Dalken. Abt Colchon an den Abt von S, Trond, 17. November 1647: Est neptis nostra Catharina Dalcken orphana, quae apud nostram rnoratur puella credo sedecim circiter annorum, Proposuit illa firmiter, ut mihi scribitur, valedicere mundo ... Spiritus ubi vult spirat, impulit eam ad eligendum monastrium sanctimonialim Ordinis S. Bernardi Distemii ... Scribunt mihi patrimonium eius posse extendere se ad 400 Imperiales, quod libenter monastrio applicabit (134). Unter dem 28. November 1647 versprach Abt Hubert, sich für Colchons Nichte wegen ihrer Aufnahme in D. verwenden zu wollen und bald darauf sandte er seinen Kämmerer mit einem Empfehlungsbrief  an die dortige Äbtissin (19. Dez. 1647)  
Aus einem Brief des Abtes Hubert von S. Trond an Abt Colchon (28. Juli 1650) erfahren wir, daß Colchons Schwester cum nepte tendens Dysthemium bei Abt Hubert in St. Trond vorgesprochen hatte. Er gab ihr nobilem rosatum tradendum nepti vestrae novitiae in monasterio S. Bernardi ubidem Dysthemii  (136)."
Im Rezeß des Bursfelder Generalkapitels von 1651 erscheint unter den Toten aus der Konfraternität eine Margaretha Dalken Leodiensis."

Dem Zitat aus Volk entnehmen mir als wichtige Nachrichten über die Katharina Dalken, Tochter des Thomas Dalken aus Lüttich, folgendes:
"Unsere Nichte Katharina ist Vollwaise, die als Mädchen bei unserer Mutter weilt, ich glaube (sie ist) etwa 16 Jahre."
Hieraus also - der Brief wurde ja am 17.11.1647 von Abt Colchon geschrieben -schließt Volk richtig, daß Thomas Dalken und seine Frau Marie Colchon um oder vor 1647 gestorben sein müssen.Katharina lebte 1647 demnach also bei ihrer Großmutter und Mutter des Abtes, nämlich bei der erst 1652 verstorbenen Margarete Colchon, geb.de Saive, in Lüttich. Sie muß demnach 1631 geboren sein, also in Lüttich. Sie wurde am 19.12.1631 in Notre-Dame-aux-Fonts in Lüttich (NDFL) getauft. Ihre Taufpaten waren Jean Dalken (Bruder des Vaters?) und Catherine Colson (Schwester der Mutter?)

"Jene (Katharina) hat sich fest vorgenommen, wie mir geschrieben (wird), der  Welt Lebewohl zu sagen ... Der Geist weht, wo er will. Er trieb sie an zur Wahl des Klosters der Frommen des Heiligen Bernhard in Distemius (gemeint ist der Ort Diest im Flandrischen). Sie schrieb mir, daß sie ihr väterliches Erbe (Patrimonium) bis zu 400 Imperialen ausdehnen könne, die sie gern dem Kloster vermachen wird."

". . » daß Colchons Schwester cum nepte ... mit der Nichte nach Dysthemium. Gemeint ist Colchons Schwester, Barbara oder Margaretha, die ins Klarissenkloster St. Clara in Lüttich eingetreten war und deren Nichte tatsächlich die Katharina Dalken war.

Wahrscheinlich konnte Katharina den schweren Schicksalsschlag des Verlustes
ihrer beiden Eltern nicht überwinden und verlangte deshalb, ins Kloster nach Diest zu gehen. Der Weg hierzu über ihren Onkel, den Abt Colchon, bot sich dabei ganz folgerichtig an.

Katharina starb als Benediktinerin am 18.03.1663 im Benediktinerinnen- Kloster in Deist laut Eintrag des Aschaffenburger Stiftskantors, Johannes Colchon, ihres Onkels. Ihr Klostername war Bernarda.


Es ist klar, daß Margaretha, die wahrscheinlich mit der bei Procházka/Buch
angeführten, am 19.2.1623 in Mons geborenen Tochter des Thomas Dalken identisch ist, zum Unterschied zu ihrer Schwester Katharina, lediglich der Confraternität, d.h. der Gebetsgemeinschaft, angehörte. (Hierüber mehr an anderer Stelle.)
(Nachtrag: Margarete und Katharina sind nicht identisch)


Das Generalkapitel, das in einem Rezeß  (Verhandlungs-Abschluß) den Tod der
Margaretha aufführte, tagte wohl ursprünglich in "Bursfeld" und später in Köln; danach nannten sich viele Benediktiner-Klöster als zur Bursfelder "Congregation" zugehörig. Die Verhandlungen hierzu an verschiedenen Orten führte Colchon, der aus diesem Grund sicherlich später auch Präsident der Bursfelder Congregation wurde.

Dann lesen mir bei Volk unter
"c)  Johannes Dalken muß 1625 geboren sein (Seibert, Sippenbuch 99 gibt nach Procházka als Geburtsdatum 3.2.1630 an). Über ihn schreibt Abt Colchon an den Abt von St. Trond am 5. Mai 1647: Commendo bonae gratiae Rmae. Dominationis Vestrae nepotem ex sorore Joannem Dalken, qui seruire Deo resolvit agitque 22 aetatis annum, rogem Eandem, quatenus beneficio vel canonicatu spectante ad suam collationem ipsum dignetur, orphanum enim est abstjue Patre et Matre (131). Leider konnte der Abt von St. Trond am 16. Mai 1647 keine Zusage geben: Erit mihi commendatus cum occasione nepos Rmäe. Dominationis Vestrae Joannes Dalken, hactenus nil singulare vacavit in mense nostro et primam praebendam iam pridem addixi uni personae ob officia bona nobis praestita (132). In der Universitätsmartikel Würzburg von 1648 findet sich der Eintrag Joh. Franciscüs Thomas Dalken, Montensis inscriptus pro biennio in utroque jure, dedit 7 patzen etc. 1648 (133), der wohl nicht unseren Joh. meint."

Auch diesem Zitat aus Volk entnehmen wir in Übersetzung folgende wesentliche Nachrichten:
Commende bonae ... "Ich empfehle dem guten Wohlwollen Eurer Hochwohlgeboren meinen Neffen, Sohn meiner Schwester, den Johannes Dalken, der sein geistliches Gelübde gelöst hat. Er ist 22 Jahre alt, und ich möchte Euer Hochwohlgeboren bitten, ihn für seinen Unterhalt eines offenstehenden Benefiziats oder Kanonikats würdig zu finden. Er ist nämlich Vollwaise."

Aus der Antwort:
Erit mini ... Bei Gelegenheit werde ich mich des Neffen Eurer Hochwohlgeboren erinnern! In diesem Monat ist bis jetzt kein einziges (Benefiziat, Kanonikat) frei, und die erste Pfründe habe ich schon früher einer Person wegen ihrer guten uns geleisteten Dienste zugesprochen."

Wiederum wird Volk darin bestätigt, daß bei Abfassung dieses Briefes vom 5.5.1647 die Eltern des Johannes, Thomas Dalken und seine Frau Marie geb. Colchon, bereits tot waren.

Zum anderen läßt die Altersangabe des Johannes in 1647 mit 22 Jahren den sicheren Schluß zu, daß es sich um den bei Procházka/Buch genannten und unter den in Mons geborenen 4 Kindern des Thomas Dalken, nämlich um den Franz, geb. am 21.12.1625 handeln muß. Seine vollständigen Vornamen lauten nämlich Johannes Franciscus Thomas. Dieser 1625 geborene Sohn des Thomas war also tatsächlich im Jahre 1647 22 Jahre alt.
Die bei Volk angeführte Eintragung aus der Würzburger Universitätsmatrikel haben wir daraufhin eingesehen; sie lautet:
Seite 207: "1648, XII.19. Johannes Franciscüs Thomas Dalken Montensis. Inscriptus pro Bienno in utrosque Jure, Dedit 7 Patzen etc."

Weitere Angaben enthält die Matrikel nicht. Zwar meint Volk, daß diese Eintragung "wohl nicht unseren Joh. meint", jedoch sind wir darin anderer Meinung. Dieser Johannes Franz Thomas, mit Rufnamen Johannes, hat, wie wir aus dem oben erwähnten Brief von Abt Colchon an den Abt von St. Trond wissen, sein geistliches Gelübde gelöst, eine Pfründe ließ sich nicht sofort finden.

Es ist anzunehmen, daß er, wie seine Brüder Wilhelm und Theodor (Dieter) nach Seligenstadt auswanderte und mit 23 Jahren in Würzburg Jura zu studieren begann. Die Erwähnung Montensis in der Matrikel soll ohne Frage seinen Geburtsort kennzeichnen, wo er ja auch tatsächlich 1625 geboren wurde.

Aber da ist noch eine andere Bemerkung, diesen Johannes betreffend, die uns aber hinsichtlich der obigen Ausführungen nicht zu irritieren braucht. So heißt es weiter unten unter b) Theodor (Dieter) Dalken unter dem 13.11.1658: Dalcken Theodor, sein Bruder Johann Franz "modo Leodii existensis", was man mit  "vor kurzem aus Lüttich angekommen" übersetzen kann. Er wird hier als Taufpate erwähnt.

Johann kann also im Jahre 1658 zu Besuch in Lüttich gewesen und zu diesem Datum wieder von Lüttich nach Seligenstadt zurückgekehrt sein.

Sicher ist, daß Johannes dann ganz in Deutschland geblieben ist. Er heiratete ja am 21.1.1659 in Groß-Ostheim bei Aschaffenburg die Witwe Mang, Über Nachkommen aus dieser Ehe ist uns nichts bekannt.

Leider warten wir schon seit geraumer Zeit vergeblich auf die in Groß-Ostheim angeforderte Trauurkunde, da sie uns wahrscheinlich das genaue Geburtsjahr des Johannes (1625) bestätigen und andere wissenswerte Angaben z.B. über seine Trauzeugen und anderes aufgeben könnte.
Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, daß der hier mehrfach zitierte Amrhein in einem hier nicht interessierenden Zusammenhang auf Seite 256 seines Buches zum 19.6.1669 einen Aschaffenburger Senator Johann Franz Dalken erwähnt.

Auch dieser Spur werden wir noch nachgehen, da es sich hier offenbar um unseren Johannes handelt.

Schließlich zitieren wir nachstehend aus Volk den uns am meisten interessierenden
"b)  Theodor   (Dieter) Dalken ließ sich in Seligenstadt nieder und heiratete am 12. Juli 1650 in Seligenstadt Maria Elisabeth Gelf (125). Für die Hochzeitsfeierlichkeiten hatte Abt Colchon in Lüttich Motetten, Kantilenen und eine Messe für Orgel bestellt (126). Die Heirat D'Alken wird in einem Brief des Abtes Hubert van St. Trond an Abt Leonard Colchon vom 22. Juli 1650 erwähnt (127). Auf dem Bursfelder Generalkapitel von 1651 wurde zur Konfraternität zugelassen: Spectabilis D. Theodorus Dalken Seligenstadtiensis cum coniuge sua Maria Elisabeths. Bei der Inventaraufnahme nach dem Tode des Abtes Leonard Colchon war Th. D. "Bürger von Seligenstadt" Zeuge (128).
Pate bei der Taufe seines Sohnes Johann Leonard am 21 . November 1651 war Johann Colchon Lic. theol. Kanonikus und Kantor am Stift zu Aschaffenburg (129), Bruder des Abtes Colchon. Bei Theodors Sohn Wilhelm, getauft am 3. Februar 1653, war Pate Wilhelm Dalken Kanonikus am Stift zu Aschaffenburg (130)."

Wenn wir an dieser Stelle diese 5 Kinder des Thomas bei Volk mit den 4 in Mons registrierten, auch in Procházka/Buch angeführten und mit den in Procházka/Manuskript erwähnten 7 Kindern vergleichen, so ergibt sich folgendes Bild:

Wilhelm Dalken
wird von Volk als Sohn des Thomas Dalken verh. mit Marie Colchon bezeichnet, und er sagt u.a. von diesem, daß Wilhelm Taufpate bei dem (2.) Sohn seines Bruders Theodor, dem am 3.2. 1653 getauften Wilhelm war. (Leider liegt uns diese Taufeintragung noch nicht vor, um die obige Feststellung von Volk durch sie bestätigt zu sehen.) Siehe dasselbe bei Seibert/Buch, S. 101.
Seibert drückt sich in seinem I, Band über Wilhelm etwas zurückhaltender aus, indem er auf Seite 100 von diesem als von "einem anderen Verwandten" (des Abtes Colchon) spricht, Procházka/Buch erwähnt Wilhelm ebenfalls (S. 450) als Geistlichen in Aschaffenburg, aber er bezeichnet ihn nicht als Bruder des Theodor.
Procházka/Manuskript allerdings führt einen Wilhelm nunmehr als älteren Bruder von Thomas (und Onkel des Theodor) an, gibt sein Geburtsdatum und -Ort mit ca. 1580 bei Brüssel an ( daselbst nach 1624) und läßt dessen Sohn, Wilhelm d.D., geb. um 1610 in Lüttich, Kanonikus in Aschaffenburg sein.
Nach Procházka/Manuskript wäre dieser Geistliche Wilhelm ein Vetter des Theodor und nicht sein Bruder gewesen.
Warum Procházkas Manuskript diese Umstellung von einem Geistlichen aus Aschaffenburg in seinem Buch (wenn auch nicht als Bruder des Theodor genannt) in einen Wilhelm, ebenfalls Geistlicher, aber nunmehr als Neffe von Thomas (und Vetter von Theodor) vornimmt, wird leider nicht begründet.
Wir glauben, Volks Darstellung den Vorzug geben zu müssen, wonach Wilhelm ein Sohn des Thomas und ein Bruder des Theodor ist.

Wilhelm/ Guillaume Dalken wurde am 30.06.1621 in NDFL getauft. Als Name des Vaters erscheint: Thomas D'Alkene. Seine Paten waren Thomas de Thrys und Mechtilde de Thrys.


Katharina Dalken
wird nur bei Volk erwähnt. Procházka/Buch führt sie nicht unter den in Mons geborenen 4 Kindern des Thomas an und Procházka/Manuskript erwähnt sie auch nicht.

Johannes Dalken
Dieser Johannes lt. Volk ist, wie wir schon erwähnten, ohne Frage identisch mit dem Franz lt. Procházka/Buch und mit Johannes Franciscus Thomas lt. Würzburger Universitätsmatrikel und ist demnach 1625 in Mons geboren. Er wurde im Taufregister von Mons (1625) als Fancois, sein Rufname, eingetragen.

Margarethe Dalken
führt Volk als 5. Kind des Thomas ja nur mit 2 Zeilen, nämlich als 1651 Verstorbene auf, sie scheint identisch mit der auch bei Procházka/Buch und Manuskript aufgezählten unter den 4 in Mons geborenen Kindern des Thomas zu sein, nämlich Margaretha, geb. 19.2.1623 in Mons

Theodor Dalken
wird durch Volk, vor allem aber auch durch dessen bereits erwähnte Trauurkunde, einwandfrei als Sohn des Thomas ausgewiesen und sein Trau- und Sterbedatum mit 12.7.1650 und 19.9.1692 sind urkundlich belegt.
Während Procházka/Buch den Theodor nicht den Sohn des Thomas aus Lüttich sondern den Sohn eines Valentin (I.) Dalquen aus den Niederlanden sein läßt, führt er diesen Valentin in seinem Manuskript nunmehr ohne nähere Begründung als Bruder des Theodor auf, also auch als Sohn des Thomas.
Beide Versionen, diesen Valentin betreffend, scheinen uns nicht richtig (und nicht belegt oder begründet), aber wir werden über diesen Valentin noch an anderer Stelle berichten.

Über die übrigen nur bei Procházka/Buch noch angeführten und in Mons geborenen Kinder des Thomas, nämlich Peter, 1628, und Johann, 1630, sagt Volk nichts.
Dagegen erwähnt Procházka/Manuskript nun überraschenderweise noch eine Maria Dalcken/Dalquen, geb. um 1620, was die Sache, da augenscheinlich auch nicht belegt, nicht einfacher macht.
Wir meinen daher, daß es angebracht ist, anschließend die 7 Kinder des Thomas Dalken in einer Übersicht (mit ihren Eltern) darzustellen, von denen wir meinen, daß sie gemäß dem heutigen Stand unserer einigermaßen fundierten Kenntnisse verantwortet werden können. Dazu geben wir noch die Daten über die Colchon an, um damit das verwandtschaftliche Verhältnis des Thomas mit den Colchon aufzuzeigen.

Johannes Colchon
1566- 1646
Lüttich
Notar des fürstbischöflichen
Hofes zu Lüttich

verheiratet mit
am
22.9.1590
Margarete de Saive
1572- 1652
Lüttich
Tochter des Advokaten Oliver
de Saive u. seiner Frau
Maria d'Arschotte
.
Dieser Ehe entstammen insgesamt 9 Kinder, darunter:
.
1. Johannes Colchon
* 5.3.1593 in Lüttich
 29.10.1653 in Seligenstadt
erhielt als Geistlicher
den Namen Leonard.
Abt in Seligenstadt von
1625- 1653
6. Theodor Colchon
* 4.4.1605 in Lüttich
 27.4.1655
Probst in St. Moritz,
Kanonikus in BMV zu Mainz
Hofkaplan des
Erzbischofs von Mainz
8. Johannes Colchon
* 29.9.1607 in Lüttich
 11.3.1665 in Aschaffenburg
Kanonikus und Cantor
in Aschaffenburg
(St. Peter und St. Alexander)



4. Maria Colchon
* 23.1.1600 in Lüttich
 vor 1647 in Lüttich




verheiratet mit
Thomas Dalken
* um 1595
 vor 1647 in Lüttich
Oberrichter in Lüttich
von 1620- 1630 in Mons
wohnhaft
.
Dieser Ehe entstammen wahrscheinlich 7 Kinder wie folgt:
.
Wilhelm Dalken
* vermutl.vor 1623
 19.4.1670 in Aschaffenburg
Kanonikus ab 1639 am
Stift St. Peter
und St. Alexander
zu Aschaffenburg



Peter Dalken
* 13.3.1628 in Mons
 ?
.
Katharina Dalken
 wahrscheinlich in Lüttich






Margaretha Dalken
1623- 1651


Johann Dalken
* 3.2.1630 in Mons
 ?


Theodor (Dieter) Dalken
* vor 1623 oder nach 1630
in St. Trond, Mons oder
Lüttich
verheiratet mit 12.7. 1650
I. Maria Elisabeth Gelph
* 1624
 3.7.1663 in
Seligenstadt
6 Kinder
verheiratet mit 30.1.1690
II. Witwe des Aegid Nicola
 1725
Johannes Franciscus
Thomas Dalken
* 21.12.1625 in Mons
 ?
verheiratet mit am ? in Großostheim
die Witwe Elisabeth Mang
Kinder?
















Die Fortsetzung finden Sie hier:
Thomas Dalken - Leben in Terror
www.dalquen.info