|
Geschichte
der Familie
Thomas
Dalken
aus Lüttich (ca. 1590- 1646)
Thomas
Dalken aus Lüttich ist sozusagen die Brücke von den
niederländischen zu den deutschen Dalken/
Dalquen/ d'Alquen. Von ihm aus erforschen wir unsere Familie bis heute, aber von ihm
aus müssen wir auch unsere niederländischen Ahnen nach
rückwärts suchen.
Wir werden noch sehen, wie wenig wir zur Zeit von Thomas wissen, und
wie mühevoll
es noch sein wird, von ihm aus nach rückwärts die
eindeutige und entsprechend
belegte Linienführung zu den van Alken und d'Alken des 16. Jahrhunderts und weiter
zurück zu finden, sofern hier überhaupt eindeutige Klarheit ohne Lücken
geschaffen werden kann.
Vorerst
können wir ja z.B. nur über das im
Grundsätzlichen gleiche Wappen unsere Verwandtschaft mit dem
Schöffen Adam van Alken aus St. Trond, 1559, oder mit Maria van Alken, die
1592 in Herck-la-Ville mit ihrem Ehemann Servais Coemans lebte,
begründen, da Namen und Wappen durch Wappenbeschreibung
verbürgt sind.
Aber nun zurück zu Thomas Dalken. Schon an dieser Stelle
müssen wir bekennen,
daß wir heute von dieser so wichtigen Schlüsselfigur
nicht einmal genaue
Daten über Geburt, Tod und über Geburts- und
Sterbeort haben. Davon aber abgesehen haben wir doch
wenigstens andere, wenn auch noch wenige, detaillierte Kenntnisse von
Thomas.
In der
aus dem Jahre 1943 in Abschrift und Übersetzung (aus dem Lateinischen) vorliegenden
Trauurkunde seines Sohnes Theodor (Dieter) heißt es: "Theodor Dalcken, Sohn des
Thomas Dalcken, ehemaliger Bürgermeister in Leodium (Hennegau), Neffe des Abtes
Colchon ( Verdienste um die Abtei) aus Le Mons, Hennegau.
Heiratsregister Nr. 1.97 des Jahres 1650."
Theodor
heiratete nämlich am 12.7.1650 in Seligenstadt die Marie
Elisabeth Gelph,
Tochter des Ratsherrn Johann Gelph, eines Patriziers und angesehenen Bürgers zu Seligenstadt.
Seibert
gibt in seinem 1. Band "Sippenbuch der Stadt und Zent Seligenstadt", 1934, die den Thomas betreffende
Eintragung im Original wie folgt wieder: "Thomas Dalken quondam supremi
praetoris intra Leodium." Abgesehen davon, daß Seibert den Dalken
aus der Originaleintragung im Trauregister genauer wiedergibt als der
"übersetzte" Auszug der Traueintragung aus dem Jahre 1943 mit Dalcken (eine Schreibweise,
die später aufkam), ist Seiberts Übersetzung in Oberrichter der Wahrheit viel
näher, wie wir noch sehen werden.
Weiterhin
ist von Thomas bekannt, daß er in den Jahren 1620-1630 in
Mons gewohnt
hat. Hierüber finden wir bei Procházka folgende
Bemerkung "Zuerst erscheint
Thomas Dalchelne, Dalcken und Dalquen in den Jahren 1620-1630 als Bürger und Einwohner im
Hause des Sire Jean du Leloy in Mons, woselbst er jährlich 170 lire
tournois Miete zahlte (Steuerlisten und Bürgerverzeichnisse der
Stadt Mons, 'Etats de Heinaut', Nr. 1823 quartier de Nimy). Thomas hatte aus seiner
Ehe mit Marie Colson, die auch nicht aus Mons stammte und ebenso wie ihr Gatte
um 1630 ohne Angabe oder Hinweis aus dieser Stadt verschwindet", vier
Kinder, die alle in Mons geboren und getauft worden sind (Archives de letat
à Mons, katholische Kirchenbücher, Taufmatrikeln aus dem Jahre
1623-1630):
- 1. Margareta,
geb./getauft am 19. Februar 1623;
- 2.
Franz (I.),
"
"
am 21. Dezember 1625;
- 3.
Peter ,
" "
am 13. März 1628 und
- 4.
Johann (I.),
"
"
am 03. Februar 1630.
Das
Schicksal dieser Kinder ist unbekannt."
Eine
Nachprüfung dieser Angaben und ihre Untersuchung auf evtl.
weitere Angaben
über Thomas und seine Kinder aus diesen Matrikeln ist leider
nicht mehr
möglich, da das Staatsarchiv in Mons uns unter dem 19.4.1967
schrieb, daß
1940 bei einem deutschen Luftangriff auf Mons 2/3 des Archivbestandes zerstört worden sei. Es
habe zwar ein Thomas Dalken in Mons gewohnt (wofür man aber leider keine Quelle
angibt, es sei denn, man hat die obigen aus Procházka entnommenen
und von uns dem Archiv mitgeteilten Angaben unbesehen übernommen, aber er sei
kein Schöffe gewesen. Außerdem habe man keine anderen Dalken auffinden
können, weder in einer Sammlung alter Verträge, noch in einer Siegelsammlung,
noch in erhalten gebliebenen Bürgerverzeichnissen.
Ein (von uns angefragtes) Wappen des Thomas im Stadthaus von Mons sei nicht
bekannt. Außerdem warum sollte es ein solches auch dort geben, da Thomas ja
nur vorübergehend (n'a fait que passer) in Mons und dort kein
Schöffe gewesen sei.
Offene Fragen
Damit
sind unseren Nachforschungen in Mons, was Thomas und seine Kinder betrifft, wahrscheinlich vorerst
ein Ende gesetzt, und wir müssen auch vorläufig resignieren,
was die Nachprüfung oder Erhärtung der oben zitierten
Angaben
aus Procházkas Buch betreffen. So ist auf diesem Wege auch
nicht zu klären,
ob Thomas sich tatsächlich Dalchelne und Dalcken, ja sogar
Dalquen schrieb
(was kaum anzunehmen ist), und ob Thomas aufgrund unserer Hypothese evtl. aus St. Trond stammt, weil
Procházka schreibt, daß Thomas wie auch seine Frau nicht aus Mons
stammten; eine Tatsache, die für seine Frau nämlich
tatsächlich zutrifft. Weiterhin kann demnach vorerst auch
nicht die Frage
geklärt werden, ob Thomas vor seiner Zeit in Mons und danach Nachkommen hatte. Denn
daß es mehr gewesen sein müssen, als
Procházka aus den Kirchenbüchern in
Mons herausziehen konnte, steht fest, wie wir noch sehen worden.
Seibert
erweitert die Procházkasche Bemerkung über das
"Verschwinden" des Thomas
aus Mons in 1630, indem er in seinem 1. Band sagt: "Um 1630 verschwindet Thomas aus Mons,
offenbar um eine Stelle als Oberrichter in Lüttich anzutreten." Als
Unterlage hierfür bietet er allerdings nur die oben wiedergegebene Trauurkunde des
Theodor, Tr. 1.97 von 1650, an, die lediglich (aber wichtig genug) den Thomas
als Oberrichter in Lüttich erwähnt.
An
dieser Stelle möchten wir erwähnen, daß
Oberrichter nicht unbedingt bedeuten muß,
daß Thomas akademisch gebildeter Jurist war. Eher handelt es sich auch bei ihm um ein
Mitglied in der langen Reihe der ehrenamtlichen Schöffen
des Fürstbischofs von Lüttich aus der Familie van
Alken/d'Alken.
Über
seine hauptberufliche Tätigkeit wissen wir nichts, auch nichts
über den Grund
seiner Übersiedlung (von St. Trond etwa?) nach Mons, einer
Stadt, die nicht
mehr zum Fürstbistum Lüttich gehörte (wie
St. Trond z.B.). Es ist uns weiterhin ja auch nicht bekannt,
warum er nach Lüttich ging, wenn man davon absehen will, daß
seine Frau, die Marie Colchon, aus Lüttich stammte, und daß dort ihre Eltern
lebten (der Vater starb 1646, die Muttor 1652, wie u.a. der Inschrift des heute im
zweiten Hof des früheren fürstbischöflichen Palastes (heute Justizpalast)
aufgestellten Grabsteins der beiden zu entnehmen ist.
Daß aber Thomas tatsächlich als Oberrichter in
Lüttich
gelebt hat, wird außer durch die oben zitierte Bemerkung in
der
Trauurkunde 1.97 seines Sohnes Theodor auch noch durch eine Mitteilung
des Staatsarchivs in Lüttich vom 03.12.1966 erhärtet.
Hier
schrieb nämlich der Leiter dieses Archivs, der Conservateur
Hansotte, wörtlich übersetzt: "Ich fand keinen
Nachweis
für Thomas d'Alken und seine Frau Marie in den Pfarrregistern
von
Lüttich, die übrigens für diese Periode
ziemlich
unvollständig sind. Es gibt auch kein Testament oder
interessanten
Ehevertrag dieser beiden.“
C. de Borman, (Die Schöffen der unabhängigen
Gerichtsbarkeit
von Lüttich), Band II, S. 468, weist hin auf einen gewissen
d'Alken als Mayeur en Féauté der
Lütticher
Schöffen im Jahre 1636; die Persönlichkeit ist ihm
offenbar
von woanders her bekannt; es handelt sich dennoch sicher um Thomas
d'Alken, 'supremi praetoris intra Leodium' (nach der von Ihnen
zitierten Seligenstädter Akte).
Diese hochinteressante Mitteilung aus Lüttich, die noch bei C.
de
Borman gelegentlich nachgesehen werden mag, regte zu den nachstehenden
Vermutungen und Kombinationen an, denen Franz Josef Dalquen, in einem
Gedankenaustausch mit Rolf d'Alquen in dieser Sache, wie folgt
Ausdruck gab:
1) Hansotte, der Conservateur,
schreibt auf meine Anfrage nach "Dalken" ohne weiteres
"d'Alken". Wenn also seine Annahme anerkannt wird, daß der
"gewisse d'Alken" identisch ist mit unserem Thomas, hätten wir
hier eine authentische Quelle für die Abstammung von der
Familie
van Alken.
2) Die
Unmöglichkeit, Geburts- und andere Daten nachzuweisen, braucht
nicht zu enttäuschen. Sehr wahrscheinlich wurde Thomas nicht
in
Lüttich geboren. Seine Geburt liegt wahrscheinlich um 1580/85
oder
auch später, also nach der Zerstörung von St. Trond
1568.
Also müßte sich wahrscheinlich in St. Trond Material
finden
lassen.
3) In
der
Seligenstädter Trauurkunde wird Thomas bezeichnet als "supremi
praetoris", was mit Oberrichter übersetzt wurde. Mayeur en
féauté (wie es bei de Borman heißt) ist
hierzu eine
nahezu wörtliche Übersetzung.
Féauté
heißt die Treue, die Lehnstreue und hängt zusammen
mit
altfranzösisch fealte und dem Lateinischen fidelitas, auch mit
französisch foi, feodal und féodalité. Damit ist man
der
eigentlichen Bedeutung schon näher gekommen. Der Begriff
gehört in die Geschichte des ausgehenden Mittelalters, als
bestimmte Ämter immer noch als Lehen von
dem
entsprechenden Inhaber der Rechte vergeben werden konnten.
Féauté hängt auch zusammen mit feage und
dies
bedeutet Erblehngut, Lehnsbrief, Lehnsauftrag. Daraus wäre
etwas
sehr Wichtiges und Interessantes zu schließen, daß
nämlich das Schöffenamt in der Familie van Alken als
erbliches Lehen ein Dauerbesitz war. Das häufige Auftreten von
Schöffen legt diese Vermutung nahe. Wahrscheinlich sind die
van
Alken Lehnsträger der Lütticher
Fürstbischöfe
gewesen, denn sonst konnte Thomas wohl nicht als "Mayeur en
féauté" in Lüttich erwähnt
werden. Nach meiner
augenblicklichen Auffassung heißt dies
"Oberlehensträger des Schöffenamtes"
und wäre damit in der Tat "Oberrichter". Die
Schöffenverfassung von Lüttich und St. Trond ist ein
Kennzeichen vorausgegangener Kämpfe der Bürgerlichen
mit dem
Patriziat, in dem sich die Bürgerlichen gegen den Stadtadel
durchgesetzt haben. Daraus entspringt die Schöffenverwaltung
der
Städter, besonders im Flandrischen.
Zu 1)
möchten
wir nur ganz kurz hinzufügen, daß das
flämische van
Alken im wallonischen Teil der Niederlande ohne weiteres d'Alken wird,
mehr wollen wir an dieser Stelle darüber nicht sagen, da das
Problem der div. Namensänderungen in unserer Familie sowieso
einer
eigenen Untersuchung vorbehalten bleiben muß.
In
seinem Buch
"Fünfhundert Jahre Bursfelder Kongregation", 1950 erschienen,
berichtet der Verfasser, Pater Dr. Paulus
, O.S.B., Marialaach,
eingehend über Leonard Colchon, der 1593 in Lüttich
geboren
wurde, in St. Trond 1611 das Ordensgelübde ablegte, im Jahre
1622
nach Seligenstadt berufen und dort 1625 zum Abt (1642 zum
Präsidenten der Bursfelder Kongregation) gewählt
wurde. Dort
zitiert der Verfasser auch die 8 Geschwister des Abtes, die, wie dieser
selbst, der Ehe des Notars des fürstbischöflichen
Hofes zu
Lüttich, Johannes Colchon mit Margarete de Saive, entstammen.
Unter diesen 8 Geschwistern des Abtes ist seine jüngere
Schwester
Marie aufgeführt, die am 31.01.1600 zu Notre Dame aux Fonts in
Lüttich getauft wurde und die den Thomas Dalken (Traudatum und
-Ort wissen wir auch noch nicht) heiratete. Über diese Marie,
geb. Colchon, sind wir
also,
wie bereits angedeutet, mit Leonard
Colchon, Abt in Seligenstadt von
1625 - 1653, blutsverwandt .
Volk sagt in seinem Buch weiter, daß die beiden Ehegatten
(Thomas
und Marie also) im Mai 1647 bereits tot waren, wie aus den
hinterlassenen Briefen des Abtes hervorgehe. Seibert mutmaßt
in
seinem 1. Band noch, daß vielleicht die Lütticher
Beziehungen der Marie bei der Ernennung ihres Gatten zum Oberrichter in
Lüttich eine Rolle spielten. Dies könnte man als
Tatsache
unterstellen, wenn man die Stellung des Schwiegervaters des Thomas, der
ja fürstbischöflicher Notar war, erinnert.
Das ist aber vorerst alles, was wir von Thomas Dalken und seiner Frau
Marie wissen, und es wird sicher noch einiger Mühen und
Anstrengungen bedürfen, über diesen unseren Ahn noch
mehr zu
erfahren, wenngleich wir auch einigermaßen optimistisch sein
dürfen, in belgischen
Archiven, vornehmlich in Lüttich und St. Trond, noch einiges
über ihn zu finden. Daß Thomas nämlich der
so wichtige
Ausgangspunkt zur Erforschung seiner und damit unserer
niederländischen Ahnen ist, sagten wir schon.
Wir halten es für richtig, an dieser Stelle einmal
zusammenzufassen, was wir dem Vorhergehenden als Tatsachen entnehmen,
was wir annehmen und kombinieren dürfen, und was uns
andererseits
vorerst noch nicht bekannt ist, Teilen wir also folgerichtig deshalb
diese Zusammenfassung ein in das, was wir wissen und in das, was wir
nicht oder noch nicht wissen.
Thomas
d'Alken/Dalken - was wir sicher von ihm wissen:
Heimat
Thomas
stammt aus dem Lütticher Land, ob aus Lüttich oder St.
Trond, bleibt offen. Der Name van Alken/d'Alken/Dalken kommt in den
Niederlanden nur im Bistum Lüttich vor, bzw. er hat hier
nachweislich seinen Ursprung.
Abstammung
Thomas
ist die Verbindung von den wappenführenden van Alken/d'Alken
des
15. und 16. Jahrhunderts aus dem Bistum Lüttich zu den Dalken
in
Seligenstadt, die das gleiche Wappen verwenden. Er gehört
damit zu
der Familie, die ihren Ursprung von dem Orte Alken in der Umgebung von
St. Trond ableitet.
Stellung
Thomas
heiratete eine Lütticherin aus der alten, angesehenen
Lütticher Juristen- und Theologenfamilie Colchon/de Saive. Das
bedeutet, daß er nach den gesellschaftlichen Forderungen der
damaligen Zeit dem gleichen sozialen Milieu
entstammen
mußte. Tatsachlich lassen sich unter den van Alken/ d'Alken
bes.
des 15. und 16. Jahrhunderts Juristen und Theologen nachweisen. Damit
ist die Zugehörigkeit des Thomas zu der führenden
Bürgerschicht festgestellt.
Wohnsitze
Thomas
ist für die Zeit von 1620 bis 1630 in Mons (=Bergen, Hennegau)
nachgewiesen. Er kehrt wahrscheinlich nach 1630 (letzter Taufeintrag
eines seiner Kinder in Mons) und vor 1647 (zu diesem Zeitpunkt war er
nachweislich tot)
nach
Lüttich zurück. Für 1636 ist "ein gewisser
d'Alken" im
Schöffenamt in Lüttich nachgewiesen, was wir auf
Thomas
beziehen dürfen, da sein Sohn Theodor in seinen
Personalangaben in
seiner Trauurkunde von 1650 in Seligenstadt den Lütticher
Thomas
Dalken in der gleichen Stellung nennt. (Es ist ziemlich
unwahrscheinlich, daß gleichzeitig zwei Mitglieder der
gleichen
Familie ins Schöffenamt der gleichen Stadt gewählt
wurden.)
Familie
Thomas
hatte mit seiner Frau Marie mindestens sieben Kinder, von denen vier
nachweislich in Mons geboren wurden; das Geburtsjahr zweier
Söhne,
Wilhelm und Theodor, unseres Ahnherrn, ist ungewiß, die
Vaterschaft des Thomas aber unzweifelhaft.
Was wir von Thomas nicht wissen
Geburtsdatum, Geburtsort, Eltern
In
der Annahme, daß Thomas kurz vor der Geburt seines ersten
Kindes
1623 heiratete, also etwa 1620, und weiterhin angenommen, daß
er
zu diesem Zeitpunkt 25 bis 30 Jahre alt war, so könnte er um
1590
geboren worden sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die in
den
Monser Taufregistern nicht genannten Kinder vor 1623 zur Welt kamen,
was im Falle von Wilhelm Dalken mit großer Wahrscheinlichkeit
anzunehmen ist. Hierdurch könnte das Geburtsjahr des Thomas
für etwa 1585 bis 1590 vermutet werden.
Grund
für die zehnjährige Übersiedlung nach Mons
(damals span. Niederlande)
Der
erste Taufeintrag in Mons von 1623 und die möglicherweise
vorausgehende Geburt wenigstens eines Kindes, des Wilhelm, legt den
Schluß nahe, daß der Zeitpunkt der
Übersiedlung und
der Eheschließung nicht weit auseinanderliegen, also beide
Termine etwa um 1620. Da es sich aber bei der Verbindung der Familien
d'Alken und Colchon um eine durchaus "standesgemäße"
Angelegenheit handelt und da Marie Colchon aus Lüttich stammt,
schließen sich romantische Kombinationen von selbst aus. Es
muß für diesen Wegzug einen realen Grund gegeben
haben. Wenn
man bedenkt, daß es unter den damaligen
Rechtsverhältnissen
keine "Freizügigkeit", also keine freie Wahl des Wohnsitzes,
gab
(z.B. für den Untertan des Bischofs von Lüttich),
daß
man also in dieser Wahl des Wohnsitzes an seine Landesherren,
nämlich den entlassenden und den aufnehmenden, gebunden war,
dann
verstärkt sich der obige Eindruck. Vermutlich hat Thomas nicht
die
Bürgerschaft von Mons erworben und möglicherweise
hängt
seine Rückkehr nach Lüttich mit seiner Wahl ins
dortige
Schöffenamt zusammen. Außerdem ist noch zu
berücksichtigen, daß sich die Lütticher
Bürgerschaft auch noch im 17. Jahrhundert in dramatischen
Aufständen gegen die Abhängigkeit vom Bischof erhob.
Es
wäre immerhin denkbar, daß Thomas und vielleicht
auch sein
Vater in solche Auseinandersetzungen verwickelt waren und das Land
vorübergehend verlassen mußten, sozusagen als
politische
Flüchtlinge. Falls Thomas in Mons kein Bürgerrecht
genoß, dann kann er dort auch kein
zunftmäßiges
Gewerbe betrieben haben.
Welchen Beruf übte Thomas aus?
Da
ein Schöffe ehrenamtlich wirkte, bleibt die Frage nach der
Lebensgrundlage des Thomas offen. Wir wissen von Theodor, Sohn des
Thomas, daß er mit der Wollweberei zu tun hatte, ob als
Handwerker oder als Tuchhändler oder als beides ist noch
ungeklärt. Nach den damals sehr konservativen
bürgerlichen
Verhältnissen ist zu schließen, daß
bereits Theodors
Vater im gleichen Gewerbe tätig war, dazu kommt, daß
die
Niederlande (Brabanter- oder Flandrisches Tuch) - und besonders Mons -
hierfür in Europa führend waren.
Lebensdaten des Thomas
(Ungesichertes in Klammern)
(1585-1590) Thomas geboren (in
Lüttich oder St. Trond?)
1600
Marie
Colchon, Thomas' Frau, in Lüttich geboren
(1617-1620)
Heirat mit Maria Colchon
(1617/1618)
(oder nach 1631) Sohn Theodor
geboren
(1619)
Sohn
Wilhelm geboren
1620-1630
in Mons ansässig
1623
Tochter
Margarethe geboren
1625
Sohn
Johann Franz Thomas geboren
1628
Sohn
Peter geboren
1630
Sohn
Johann geboren
(1630)
Rückkehr
von Mons nach Lüttich
(1631)
Tochter Katharina geboren
(1632 oder später bzw.
1617/18) Sohn
Theodor geboren
1636
"ein
gewisser d'Alken",
vermutlich Thomas, als Schöffe in Lüttich
erwähnt
vor
1647 Tod des Thomas und seiner Frau
Marie, geb. Colchon, (in Lüttich)
Wissen wir also über Thomas, wie die obige Aufstellung zeigt,
nicht oder noch nicht viel, nichts über seine
möglichen
Geschwister, Eltern und Voreltern, so sind die uns vorliegenden Fakten
über einige von Thomas' Kindern schon reichhaltiger.
Was
dabei seinen
Sohn Theodor, unseren Seligenstädter Ahnherrn betrifft, sind
die
Unterlagen und die Daten (abgesehen von seinem Geburtsdatum und -Ort),
bis auf die heutigen direkten Nachkommen, zu denen mir ja alle
zählen, einigermaßen vollständig oder doch
wenigstens
ausreichend; jedoch gibt es über seine Geschwister bzw.
über
deren Anzahl schon verschiedene voneinander abweichende und zum Teil
ungeklärte Darstellungen.
Procházka
nennt ja in seinem Buch 4 Kinder des Thomas, die wir weiter oben schon
angeführt haben; es sind aber nur die Kinder, die in den
Jahren
1623 bis 1630 in Mons geboren worden sein sollen. In einer neueren, im
Manuskript vorliegenden Arbeit von Procházka sind es sogar 7
Kinder des Thomas.
Daß
Seibert
in seinem 1. Band uns hier nicht weiterhelfen kann - er
übernimmt
dort die 4 Kinder von 1623-1630 von Procházka - ist nicht
verwunderlich, wenn man weiß, daß Seibert, der
Seligenstädter Heimatforscher, sich lediglich an die Fakten
gehalten hat, die er den verschiedensten Registern in Seligenstadt
entnehmen konnte, was er im übrigen mit
außergewöhnlichem Fleiß und dankenswerter
Genauigkeit
getan hat.
Bleiben
wir deshalb
vorerst bei Volk. Hier sagt der Verfasser auf Seite 52 seines bereits
zitierten Buches, daß der Ehe des Thomas Dalken mit Marie
Colchon
u.a. 4 Kinder entstammen. "Unter anderen" heißt es
ausdrücklich, womit der Verfasser klar zum Ausdruck brachte,
daß es auch mehr als 4 Kinder sein können,
wenngleich er
damit auch nicht die vorher in Procházkas Buch
angeführten
4 Kinder aus Mons meint, von denen er nämlich nur 2 kennt.
Außerdem erwähnt Volk mit einem Satz auch noch ein
5. Kind,
nämlich die Margarethe Dalken (siehe unter d).
Über
die 4 Kinder bringt Volk dann auch eine Fülle belegter
Einzelheiten wie folgt (s. 52, Anmerkungen ebendort):
a)
Wilhelm Dalken. Pro nepote ex sorore Canonico Aschaffenburgensi (=
Für seinen Neffen, Sohn seiner Schwester, den Aschaffenburger
Kanoniker ...) erbat Abt Colchon beim Kölner Nuntius am 9.
März 1645 Dispens von den Weiheinterstitien (119)
(interstitium =
Wartezeit zwischen zwei Weihen. Eine Dispens verhalf W. D. also dazu,
schneller in den Genuss von Pfründen, Einkommen zu kommen).
Wilhelm Dalken wurde am 22. August 1639 Kanonikus (= Domizellar) am
Stift S. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, am 13. September 1644
Kapitular, am Osterdienstag 1645 feierte er seine Primiz in der
Stiftskirche zu Aschaffenburg, starb 1670 (120). W. D. erhielt die
Frühmesserstelle ad sanctos in Seligenstadt, am 3. Februar
1653
ist er Pate bei Wilhelm Dalken, Sohn seines Bruders Theodor, und am 12.
Januar 1660 ist er Pate bei Wilhelm Sigler zu Dieburg (121). Er
optierte die Kurie des am 31. Dezember 1647 verstorbenen Kanonikus Joh.
Christ. Eichel (4. Januar 1648), die Kurie wurde Dalken zugesprochen
unter der Bedingung, daß er jedem Kapitular 3 Rthl. zahlte.
Dalken nimmt an und darf sein altes Haus noch ein Jahr behalten (21.
Januar 1648). D. wird wegen Inobedienz gegen den Propst ad tempus
suspendiert (8. Juni 1648), wird inkarzeriert (9. 3uni 1648). Kanonikus
Grollet (aus Lüttich) bittet die Kapitulare um die ehemals von
D.
bewohnte Kurie, D. selbst wohnt in der Kurie des verstorbenen Kanonikus
Michel (7. August 1648) (122). 1648/49 zog D. in die Kurie "zum Hamen"
(123) um, wo er bis zu seinem Tode blieb (124). Zu seinem Leben vgl.
auch das Protokollbuch des Kommissariates Aschaffenburg 1660-70 p.
67-73 im Ordinariatsarchiv zu Würzburg. Vom Bursfelder
Generalkapitel 1642 wurde er in die Konfraternität
aufgenommen:
Eruditus et Venerabilis D. Wilhelmus Dalken (!) Collegiatae Ecclesiae
Aschaffenburgenais Canonicus."
Seibert
erwähnt in seinem 1. Band zu Wilhelm Dalken keine
über die
obigen hinausgehenden Einzelheiten, wenngleich er vermutet und dies
auch klar ausspricht, daß Wilhelm Dalken die
Frühmesserstelle ad sanctos apostolos wohl nur durch die
Vermittlung seines Onkels, des Abtes Leonard Colchon, erhielt, und
daß Wilhelm (lt. Seiberts Nachlaß) am 19.4.1670 in
Aschaffenburg gestorben ist. St. 2.701.
Hervorzuheben
ist
hier noch, daß Wilhelm Dalken nach dem obigen Zitat aus Volk
bereits 1639 in Aschaffenburg war, und daß er demnach
keineswegs
zu den wallonischen Einwanderern gehörte, die Abt Colchon nach
Beendigung des Dreißigjährigen Krieges aus den
Niederlanden
nach Seligenstadt geholt haben soll.
Colchon
und Wilhelm
Dalken waren beide Benediktiner, Dalken mag, wie Colchon, bei den
Benediktinern in St. Trond gewesen sein. Auf jeden Fall dürfen
wir
wohl darin sicher sein, daß Colchon seinen Ordensbruder und
Neffen Wilhelm Dalken deswegen und aus familiären
Gründen
nach Seligenstadt oder Aschaffenburg geholt und ihn entsprechend
protegiert hat.
Dasselbe
trifft
ohne Frage auch auf den jüngeren Bruder von Abt Colchon, den
Johannes Colchon zu, der am 28.5.1610 zu Notre Dame aux Fonts in
Lüttich getauft wurde und ebenfalls, wie Wilhelm Dalken,
Kanonikus
(= Domizellar) am Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg war,
und zwar ab 17.11.1635. Da Johannes Colchon noch 1663 in Aschaffenburg
war, ist er dort also auch mit Wilhelm Dalken zusammen gewesen.
Dies
geht noch aus
einer anderen Tatsache hervor, die deshalb besonders interessant
erscheint, weil sie gewisse Gegensätze zwischen den
einheimischen
Geistlichen im Stift und den Zugewanderten, den "wallonischen"
Fremdlingen, aufzeigt.
Am 4.
September
1662 nämlich beschließt das Kapitel, gegen die
Stimmen von
Colchon, Grollet (Kapitular Grollet war aus Lüttich, ebenso
sein
Vetter Nicolaus Grollet, der durch Nomination des Michael Grollet am
7.1.1669 Kanonikus wurde) und Dalken, daß in Zukunft nur
geborene
Deutsche, die "der hochdeutschen Sprach zuvor perfecte erfahren
seindt", eine Nomination auf eine frei gewordene Kanonikerstelle
erhalten dürfen.
Zum
besseren
Verständnis für unsere Leser geben wir
anschließend
noch einige Angaben aus dem von Volk zitierten A. Amrhein (Die
Prälaten und Canoniker des ehemaligen Collegiatstiftes St.
Peter
und Alexander zu Aschaffenburg. Inaugural-Abhandlung der hohen
philosophischen Facultät der
Julius-Maximilians-Universität
Würzburg zur Erlangung der Doctorwürde, vorgelegt von
August
Amrhein, Würzburg. Druck der Thein'schen Druckerei
(Stürtz).
1882) wieder:
Seite
5 unter I. Theil: Innere Verhältnisse des Stiftes, §
1. Organisation des
Stiftes in Bezug auf das canonische Leben.
"....
In der ersten
(Urkunde), ausgestellt zu Nymwegen, schenkte Otto II. der von seinem
Neffen Otto erbauten Kirche zu Aschaffenburg eine Kirche und einen Hof
mit ihren Einkünften in Rora, einem Dorfe im Grabfelde in
Ostfranken; in der zweiten Urkunde, ausgefertigt zu Kirchberg am 20.
Juni (im Jahre 974) schenkt derselbe Kaiser die Kirchen (Pfarreien) in
Salz und Brenden (Brendlorenzen) bei Neustadt a.d.S. der zu Ehren der
hl. Petrus und Alexander eingeweihten Kirche und den an dieser Kirche
Gott und den beiden Heiligen dienenden Canonikern."
Seite
44 unter V.
Bedingungen
zur Aufnahme;
1. eines
Domizellaren
waren:
Eheliche
Geburt,
Empfang des Sacramentes der Taufe und der niederen Weihen oder doch der
Tonsur. Ein bestimmtes Alter war nicht vorgesehen, weshalb sogar Knaben
von 7 und 8 Jahren Canonikate erhielten. ....
2. eines
Capitularen
;
a)
eheliche Geburt
b)
er mußte das 25, Lebensjahr angetreten haben
c)
2 Jahre auf einer Universität (biennium studii) Theologie
oder Kirchenrecht
studiert haben
d)
die höheren Weihen, wenigstens das Subdiakonat empfangen haben
e)
einen Präbendenhof (Canonikatswohnung) besitzen
f)
Choral singen können und deshalb ein halbes Jshr
Gesangsunterricht genossen haben
g) er mußte auch in der Stiftskirche beim Chorgottesdienst die niederen Kirchendienste (als
Minorist) ausgeübt haben.
Diese
Bedingungen mußten vor der Aufnahme erfüllt sein und
dies durch legale Zeugnisse
nachgewiesen werden,"
Da, wie wir unter 2b) gelesen haben, der Capitular das 25.
Lebensjähr angetreten
haben mußte, und Wilhelm Dalken am 13.9.1644 Canonikus wurde,
muß er
1619 geboren sein und gehört damit nicht zu den 4 in Mons
geborenen Kindern
des Thomas Dalken, unter denen er ja auch nicht angeführt ist.
Amrhein
gibt im übrigen nicht zu allen von Beginn der Stiftung 974 bis
zur Säkularisation
aufgeführten Kanonikern des Stiftes ihren Herkunftsort an. Soweit aber diese Angaben
gemacht wurden, läßt sich feststellen, daß
von 1637
bis 1686 (aber nicht mehr danach) eine ganze Anzahl Kanoniker ausschließlich aus
Lüttich (mit Ausnahme eines einzigen, aus Brüssel stammend) im Stift
tätig waren. Der erste Lütticher war demnach Wilhelm Dalken, schon 1639 Kanoniker in
Aschaffenburg.
Nach
1686 war kein Lütticher Geistlicher mehr bei Amrhein
festzustellen. Der Anteil
ausschließlich Lütticher Geistlicher unter den
"nichtdeutschen" Kanonikern
in Aschaffenburg innerhalb ca. 50 Jahren fällt auf. Ob diese "Einwanderung"
Lütticher Geistlicher jedoch auf Abt Colchon in Seligenstadt zurückzuführen
ist, da dieser ja selbst Lütticher war, kann nur vermutet werden.
Volk
sagt im übrigen noch über Wilhelm Dalken,
daß dieser die Frühmesserstelle in
Seligenstadt erhielt. Das muß nicht heißen,
daß Wilhelm Dalken
auch tatsächlich die Frühmessen in Seligenstadt
gelesen hat und dort sogar
eine Zeitlang domizilierte. Wir wissen aus anderer Quelle,
daß die Messtiftungen
der Altäre in der ehemaligen Pfarrkirche in Seligenstadt (sie wurde in den Jahren 1812 - 1821
niedergelegt) für den Lebensunterhalt der Altaristen nicht mehr
ausreichten, und deshalb kam es verschiedentlich zu Zusammenlegungen solcher
Stiftungen. Nach 1605 gab es in der alten Pfarrkirche nur noch zwei
Altarstiftungen, und zwei Geistliche konnten damit durch das Messelesen versorgt
werden, bzw. erhielten dadurch Einkünfte. Der eine Altar hiervon war der
Heiligen Barbara und den Zwölf Aposteln geweiht. Hierüber hatte die
Abtei zu verfügen, wodurch verständlich wird,
daß Wilhelm Dalken
durch die Vermittlung seines Onkels, des Abts Colchon, die Frühmesserstelle in der
ehemaligen Pfarrkirche und damit wichtige Einkünfte erhielt. (Vergl. auch Neubauer,
1967, S. 13/14)
Volk führt nun nach a) Wilhelm Dalken unter b) den Theodor
(Dieter) Dalken auf,
jedoch wollen wir an dieser Stelle diese Reihenfolge verlassen und fahren deshalb fort mit
"d) Katharina Dalken.
Abt Colchon an den Abt von S, Trond, 17. November 1647: Est neptis nostra
Catharina Dalcken orphana, quae apud nostram rnoratur puella credo sedecim
circiter annorum, Proposuit illa firmiter, ut mihi scribitur, valedicere mundo
... Spiritus ubi vult spirat, impulit eam ad eligendum monastrium
sanctimonialim Ordinis S. Bernardi Distemii ... Scribunt mihi patrimonium eius
posse extendere se ad 400 Imperiales, quod libenter monastrio applicabit
(134). Unter dem 28. November 1647 versprach Abt Hubert, sich für
Colchons Nichte wegen ihrer Aufnahme in D. verwenden zu wollen und bald darauf sandte er
seinen Kämmerer mit einem Empfehlungsbrief an die dortige Äbtissin
(19. Dez. 1647)
Aus
einem Brief des Abtes Hubert von S. Trond an Abt Colchon (28. Juli
1650) erfahren
wir, daß Colchons Schwester cum nepte tendens Dysthemium bei
Abt Hubert
in St. Trond vorgesprochen hatte. Er gab ihr nobilem rosatum tradendum nepti vestrae novitiae
in monasterio S. Bernardi ubidem Dysthemii (136)."
Im
Rezeß des Bursfelder Generalkapitels von 1651 erscheint unter
den Toten aus
der Konfraternität eine Margaretha Dalken Leodiensis."
Dem
Zitat aus Volk entnehmen mir als wichtige Nachrichten über die
Katharina Dalken,
Tochter des Thomas Dalken aus Lüttich, folgendes:
"Unsere
Nichte Katharina ist Vollwaise, die als Mädchen bei unserer
Mutter weilt,
ich glaube (sie ist) etwa 16 Jahre."
Hieraus
also - der Brief wurde ja am 17.11.1647 von Abt Colchon geschrieben -schließt Volk
richtig, daß Thomas Dalken und seine Frau Marie Colchon um oder vor 1647 gestorben sein
müssen.Katharina
lebte 1647 demnach also bei ihrer Großmutter und Mutter des
Abtes, nämlich
bei der erst 1652 verstorbenen Margarete Colchon, geb.de Saive, in Lüttich.
Sie muß demnach 1631 geboren sein, also in Lüttich.
Sie
wurde am 19.12.1631 in Notre-Dame-aux-Fonts in Lüttich (NDFL)
getauft. Ihre Taufpaten waren Jean Dalken (Bruder des Vaters?) und
Catherine Colson (Schwester der Mutter?)
"Jene
(Katharina) hat sich fest vorgenommen, wie mir geschrieben (wird), der
Welt
Lebewohl zu sagen ... Der Geist weht, wo er will. Er trieb sie an zur Wahl des Klosters der Frommen
des Heiligen Bernhard in Distemius (gemeint ist der Ort Diest im
Flandrischen). Sie schrieb mir, daß sie ihr
väterliches Erbe
(Patrimonium) bis zu 400 Imperialen ausdehnen könne, die sie
gern dem Kloster
vermachen wird."
". .
» daß Colchons Schwester cum nepte ... mit der
Nichte nach Dysthemium. Gemeint ist Colchons Schwester,
Barbara oder Margaretha, die ins Klarissenkloster St. Clara in
Lüttich eingetreten war und deren Nichte tatsächlich die
Katharina Dalken war.
Wahrscheinlich konnte Katharina den schweren Schicksalsschlag des
Verlustes ihrer
beiden Eltern nicht überwinden und verlangte deshalb, ins
Kloster nach Diest
zu gehen. Der Weg hierzu über ihren Onkel, den Abt Colchon,
bot sich dabei
ganz folgerichtig an.
Katharina starb als Benediktinerin am 18.03.1663 im Benediktinerinnen-
Kloster in Deist laut Eintrag des Aschaffenburger Stiftskantors,
Johannes Colchon, ihres Onkels. Ihr Klostername war Bernarda.
Es ist klar, daß Margaretha, die wahrscheinlich mit der bei
Procházka/Buch angeführten, am
19.2.1623 in Mons geborenen Tochter des Thomas Dalken identisch ist, zum Unterschied
zu ihrer Schwester Katharina, lediglich der Confraternität, d.h.
der Gebetsgemeinschaft, angehörte. (Hierüber mehr an anderer Stelle.)
(Nachtrag: Margarete und Katharina sind nicht
identisch)
Das Generalkapitel, das in einem Rezeß
(Verhandlungs-Abschluß) den Tod der Margaretha aufführte,
tagte wohl ursprünglich in "Bursfeld" und später in Köln; danach nannten
sich viele Benediktiner-Klöster als zur Bursfelder "Congregation"
zugehörig. Die Verhandlungen hierzu an verschiedenen Orten führte Colchon, der aus
diesem Grund sicherlich später auch Präsident der
Bursfelder Congregation wurde.
Dann lesen mir bei Volk unter
"c)
Johannes Dalken muß 1625 geboren sein (Seibert, Sippenbuch 99
gibt
nach Procházka als Geburtsdatum 3.2.1630 an). Über
ihn
schreibt Abt Colchon an den Abt von St. Trond am 5. Mai 1647: Commendo
bonae gratiae Rmae. Dominationis Vestrae nepotem ex sorore Joannem
Dalken, qui seruire Deo resolvit agitque 22 aetatis annum, rogem
Eandem, quatenus beneficio vel canonicatu spectante ad suam collationem
ipsum dignetur, orphanum enim est abstjue Patre et Matre (131). Leider
konnte der Abt von St. Trond am 16. Mai 1647 keine Zusage geben: Erit
mihi commendatus cum occasione nepos Rmäe. Dominationis
Vestrae
Joannes Dalken, hactenus nil singulare vacavit in mense nostro et
primam praebendam iam pridem addixi uni personae ob officia bona nobis
praestita (132). In der Universitätsmartikel Würzburg
von
1648 findet sich der Eintrag Joh. Franciscüs Thomas Dalken,
Montensis inscriptus pro biennio in utroque jure, dedit 7 patzen etc.
1648 (133), der wohl nicht unseren Joh. meint."
Auch diesem Zitat aus Volk entnehmen wir in Übersetzung
folgende wesentliche Nachrichten:
Commende bonae ... "Ich empfehle dem guten Wohlwollen Eurer
Hochwohlgeboren meinen Neffen, Sohn meiner Schwester, den Johannes
Dalken, der sein geistliches Gelübde gelöst hat. Er
ist 22
Jahre alt, und ich möchte Euer Hochwohlgeboren bitten, ihn
für seinen Unterhalt eines offenstehenden Benefiziats oder
Kanonikats würdig zu finden. Er ist nämlich
Vollwaise."
Aus der Antwort:
Erit mini ... Bei Gelegenheit werde ich mich des Neffen Eurer
Hochwohlgeboren erinnern! In diesem Monat ist bis jetzt kein einziges
(Benefiziat, Kanonikat) frei, und die erste Pfründe habe ich
schon
früher einer Person wegen ihrer guten uns geleisteten Dienste
zugesprochen."
Wiederum wird Volk darin bestätigt, daß bei
Abfassung dieses
Briefes vom 5.5.1647 die Eltern des Johannes, Thomas Dalken und seine
Frau Marie geb. Colchon, bereits tot waren.
Zum anderen läßt die Altersangabe des Johannes in
1647 mit
22 Jahren den sicheren Schluß zu, daß es sich um
den bei
Procházka/Buch genannten und unter den in Mons geborenen 4
Kindern des Thomas Dalken, nämlich um den Franz, geb. am
21.12.1625 handeln muß. Seine vollständigen Vornamen
lauten
nämlich Johannes Franciscus Thomas. Dieser 1625 geborene Sohn
des
Thomas war also tatsächlich im Jahre 1647 22 Jahre alt.
Die bei Volk angeführte Eintragung aus der Würzburger
Universitätsmatrikel haben wir daraufhin eingesehen; sie
lautet:
Seite 207: "1648, XII.19. Johannes Franciscüs Thomas Dalken
Montensis. Inscriptus pro Bienno in utrosque Jure, Dedit 7 Patzen etc."
Weitere Angaben enthält die Matrikel nicht. Zwar meint Volk,
daß diese Eintragung "wohl nicht unseren Joh. meint", jedoch
sind
wir darin anderer Meinung. Dieser Johannes Franz Thomas, mit Rufnamen
Johannes, hat, wie wir aus dem oben erwähnten Brief von Abt
Colchon an den Abt von St. Trond wissen, sein geistliches
Gelübde
gelöst, eine Pfründe ließ sich nicht sofort
finden.
Es ist anzunehmen, daß er, wie seine Brüder Wilhelm
und
Theodor (Dieter) nach Seligenstadt auswanderte und mit 23 Jahren in
Würzburg Jura zu studieren begann. Die Erwähnung
Montensis in
der Matrikel soll ohne Frage seinen Geburtsort kennzeichnen, wo er ja
auch tatsächlich 1625 geboren wurde.
Aber da ist noch eine andere Bemerkung, diesen Johannes betreffend, die
uns aber hinsichtlich der obigen Ausführungen nicht zu
irritieren
braucht. So heißt es weiter unten unter b) Theodor (Dieter)
Dalken unter dem 13.11.1658: Dalcken Theodor, sein Bruder Johann Franz
"modo Leodii existensis", was man mit "vor kurzem aus
Lüttich angekommen" übersetzen kann. Er wird hier als
Taufpate erwähnt.
Johann kann also im Jahre 1658 zu Besuch in Lüttich gewesen
und zu
diesem Datum wieder von Lüttich nach Seligenstadt
zurückgekehrt sein.
Sicher ist, daß Johannes dann ganz in Deutschland geblieben
ist.
Er heiratete ja am 21.1.1659 in Groß-Ostheim bei
Aschaffenburg
die Witwe Mang, Über Nachkommen aus dieser Ehe ist uns nichts
bekannt.
Leider warten wir schon seit geraumer Zeit vergeblich auf die in
Groß-Ostheim angeforderte Trauurkunde, da sie uns
wahrscheinlich
das genaue Geburtsjahr des Johannes (1625) bestätigen und
andere
wissenswerte Angaben z.B. über seine Trauzeugen und anderes
aufgeben könnte.
Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, daß der hier
mehrfach zitierte Amrhein in einem hier nicht interessierenden
Zusammenhang auf Seite 256 seines Buches zum 19.6.1669 einen
Aschaffenburger Senator Johann Franz Dalken erwähnt.
Auch dieser Spur werden wir noch nachgehen, da es sich hier offenbar um
unseren Johannes handelt.
Schließlich zitieren wir nachstehend aus Volk den uns am
meisten interessierenden
"b)
Theodor (Dieter) Dalken ließ sich in
Seligenstadt
nieder und heiratete am 12. Juli 1650 in Seligenstadt Maria Elisabeth
Gelf (125). Für die Hochzeitsfeierlichkeiten hatte Abt Colchon
in
Lüttich Motetten, Kantilenen und eine Messe für Orgel
bestellt (126). Die Heirat D'Alken wird in einem Brief des Abtes Hubert
van St. Trond an Abt Leonard Colchon vom 22. Juli 1650 erwähnt
(127). Auf dem Bursfelder Generalkapitel von 1651 wurde zur
Konfraternität zugelassen: Spectabilis D. Theodorus Dalken
Seligenstadtiensis cum coniuge sua Maria Elisabeths. Bei der
Inventaraufnahme nach dem Tode des Abtes Leonard Colchon war Th. D.
"Bürger von Seligenstadt" Zeuge (128).
Pate
bei der Taufe seines Sohnes Johann Leonard am 21 . November 1651 war
Johann Colchon Lic. theol. Kanonikus und Kantor am Stift zu
Aschaffenburg (129), Bruder des Abtes Colchon. Bei Theodors Sohn
Wilhelm, getauft am 3. Februar 1653, war Pate Wilhelm Dalken Kanonikus
am Stift zu Aschaffenburg (130)."
Wenn wir an dieser Stelle diese 5 Kinder des Thomas bei Volk
mit
den 4 in Mons registrierten, auch in Procházka/Buch
angeführten und mit den in Procházka/Manuskript
erwähnten 7 Kindern vergleichen, so ergibt sich folgendes Bild:
Wilhelm Dalken
wird
von Volk als Sohn des Thomas Dalken verh. mit Marie Colchon bezeichnet,
und er sagt u.a. von diesem, daß Wilhelm Taufpate bei dem
(2.)
Sohn seines Bruders Theodor, dem am 3.2. 1653 getauften Wilhelm war.
(Leider liegt uns diese Taufeintragung noch nicht vor, um die obige
Feststellung von Volk durch sie bestätigt zu sehen.) Siehe
dasselbe bei Seibert/Buch, S. 101.
Seibert
drückt
sich in seinem I, Band über Wilhelm etwas
zurückhaltender
aus, indem er auf Seite 100 von diesem als von "einem anderen
Verwandten" (des Abtes Colchon) spricht, Procházka/Buch
erwähnt Wilhelm ebenfalls (S. 450) als Geistlichen in
Aschaffenburg, aber er bezeichnet ihn nicht als Bruder des Theodor.
Procházka/Manuskript
allerdings führt einen Wilhelm nunmehr als älteren
Bruder von
Thomas (und Onkel des Theodor) an, gibt sein Geburtsdatum und -Ort mit
ca. 1580 bei Brüssel an ( daselbst nach 1624) und
läßt
dessen Sohn, Wilhelm d.D., geb. um 1610 in Lüttich, Kanonikus
in
Aschaffenburg sein.
Nach
Procházka/Manuskript wäre dieser Geistliche Wilhelm
ein Vetter des Theodor und nicht sein Bruder gewesen.
Warum
Procházkas Manuskript diese Umstellung von einem Geistlichen
aus
Aschaffenburg in seinem Buch (wenn auch nicht als Bruder des Theodor
genannt) in einen Wilhelm, ebenfalls Geistlicher, aber nunmehr als
Neffe von Thomas (und Vetter von Theodor) vornimmt, wird leider nicht
begründet.
Wir
glauben, Volks
Darstellung den Vorzug geben zu müssen, wonach Wilhelm ein
Sohn
des Thomas und ein Bruder des Theodor ist.
Wilhelm/ Guillaume Dalken wurde am 30.06.1621 in NDFL getauft. Als Name
des Vaters erscheint: Thomas D'Alkene. Seine Paten waren Thomas de
Thrys und Mechtilde de Thrys.
Katharina Dalken
wird
nur bei Volk erwähnt. Procházka/Buch führt
sie nicht
unter den in Mons geborenen 4 Kindern des Thomas an und
Procházka/Manuskript erwähnt sie auch nicht.
Johannes Dalken
Dieser
Johannes lt. Volk ist, wie wir schon erwähnten, ohne Frage
identisch mit dem Franz lt. Procházka/Buch und mit Johannes
Franciscus Thomas lt. Würzburger Universitätsmatrikel
und ist
demnach 1625 in Mons geboren. Er wurde im Taufregister von Mons (1625)
als Fancois, sein Rufname, eingetragen.
Margarethe Dalken
führt
Volk als 5. Kind des Thomas ja nur mit 2 Zeilen, nämlich als
1651
Verstorbene auf, sie scheint identisch mit der auch bei
Procházka/Buch und Manuskript aufgezählten unter
den 4 in
Mons geborenen Kindern des Thomas zu sein, nämlich Margaretha,
geb. 19.2.1623 in Mons
Theodor Dalken
wird
durch Volk, vor allem aber auch durch dessen bereits erwähnte
Trauurkunde, einwandfrei als Sohn des Thomas ausgewiesen und sein Trau-
und Sterbedatum mit 12.7.1650 und 19.9.1692 sind urkundlich belegt.
Während
Procházka/Buch den Theodor nicht den Sohn des Thomas aus
Lüttich sondern den Sohn eines Valentin (I.) Dalquen aus den
Niederlanden sein läßt, führt er diesen
Valentin in
seinem Manuskript nunmehr ohne nähere Begründung als
Bruder
des Theodor auf, also auch als Sohn des Thomas.
Beide
Versionen,
diesen Valentin betreffend, scheinen uns nicht richtig (und nicht
belegt oder begründet), aber wir werden über diesen
Valentin
noch an anderer Stelle berichten.
Über die übrigen nur bei Procházka/Buch
noch
angeführten und in Mons geborenen Kinder des Thomas,
nämlich
Peter, 1628, und Johann, 1630, sagt Volk nichts.
Dagegen erwähnt Procházka/Manuskript nun
überraschenderweise noch eine Maria Dalcken/Dalquen, geb. um
1620,
was die Sache, da augenscheinlich auch nicht belegt, nicht einfacher
macht.
Wir meinen daher, daß es angebracht ist,
anschließend die 7
Kinder des Thomas Dalken in einer Übersicht (mit ihren Eltern)
darzustellen, von denen wir meinen, daß sie
gemäß dem
heutigen Stand unserer einigermaßen fundierten Kenntnisse
verantwortet werden können. Dazu geben wir noch die Daten
über die Colchon an, um damit das verwandtschaftliche
Verhältnis des Thomas mit den Colchon aufzuzeigen.
|