Der Hessische Zweig -
Johann Georg Theodosius Dalquen
und seine Nachfahren


Er ist das dritte Kind des Hermann Josef I. Dalquen und letzter gemeinsamer Vorfahre aller "hessischen" Dalquen. Er ist zugleich der erste Vorfahre der hessischen Dalquen, an den es persönliche Erinnerungen gibt.

Sein Sohn Dr.med. Konrad Dalquen hat eine Lebensbeschreibung hinterlassen, die dessen Enkel, Dr.med. Ludwig Dalquen, in seinen "Lebenserinnerungen" verarbeitete. Der Enkel des Ludwig Dalquen, Dr.med. Peter Dalquen, hat diese Lebenserinnerungen herausgegeben (s.VIII.Bericht, S.89). Im folgenden wird öfter daraus zitiert werden.

Georg Dalquen wurde am 5.6.1785 (6.9) getauft. Er heiratete am 7.11.1808 (3.379) Katharina Ehatt. Sie war 1786 geboren und starb 1867. Ihr Vater war der Wagner (Küfer) Conrad sen. Ehatt, ihre Mutter Katharina Zimmermann.



Abb: Deckel der Pfarrkichen-Rechnung für 1820

In den Bürgerlisten von 1809 wird Georg unter der Nummer 524 aufgeführt (X 3); sein Vermögen wird auf 3000 fl. veranschlagt (1 Morgen Garten, 28 Morgen Acker, 2 Morgen Wiesen). In den Jahren 1817 bis 1820 ist er als Kirchenrechner tätig, worunter der Verwalter des Vermögens der Stadtpfarrei zu verstehen ist. Er hatte über sämtliche Ein- und Ausgaben Buch zu führen. Diese Rechnungsbücher sind im Seligenstädter Stadtarchiv verwahrt.
 
Auch diese Bücher waren vom Landrat Hardy (s.o.) zu prüfen. Georg wohnte im Haus Nr.195, das aus dem Wohnhaus, geschätzt auf 700 fl. (zum Vergleich: das des Vaters 1200 fl.) und zwei Ställen bestand, alles zusammen 1819 auf 1200 fl. taxiert. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Kirchenrechner wird er noch als Landwehrleutnant bezeichnet. Damit hatte es folgendes auf sich: Die großherzogliche Landwehr gab es seit dem Jahre 1814. Seit 1817 bestand sie aus einer Kompanie der 18- bis 36jährigen. In dieser Kompanie diente Georg Dalquen. Daneben gab es noch als Landwehrbehörde das Schützenkorps der Städte Seligenstadt und Steinheim. Diese Kompanie war dem 2.Bataillon des 12.Regiments angegliedert. Dessen Kommandant war Joh. Wilh. Christian Steiner, der Verfasser der schon mehrfach zitierten "Geschichte der Stadt Seligenstadt" von 1820. Eine weitere Landwehrbehörde war das Oberforstamt seit 1807 unter Leitung der Oberforstmeisters Freiherr von Nordeck zur Rabenau (s.u.) sowie das Justizamt unter dem Amtsvogt Edmund Hardy, seit 1812 Justizamtmann, darauf Landrat des damaligen Landkreises Seligenstadt.

Georg Dalquen starb 73jährig am 27.5.1858 bei seinem Sohn Konrad in Wörrstadt in Rheinhessen. Er hatte mit seiner Ehefrau Katharina zwischen 1808 und 1828, also über einen Zeitraum von 20 Jahren, neun Kinder.

1.) Elisabeth, getauft am 19.12.1808 (Tf.6.213. =A 31). Patin war ihre ledige Tante Elisabeth Dalquen. Das Kind starb bereits am 17.11.1809 (St 5.378; ASt 23).

2.) Hermann Josef II, getauft am 27.8.1810 (Tf 6.225, ATf 18). Pate war sein Großvater Hermann Josef I. Am 12.5.1845 (ATr 10) heiratete er die 38jährige Elisabeth Weidner, geb. Tilger, Witwe des Gastwirts Johann Tilger und der Eva Schmitt. Deren Gastwirtschaft betrieben die beiden weiter. Hermann Josef II, war Küfermeister. 1859 ist er Trauzeuge bei seinem Bruder Johann Michael Josef. Hermann Josefs Frau starb 68jährig am 12.6.1874 (ASt 22). Seine zweite Ehe ging er am 8.9.1874 ein mit Katharina Beike, geboren am 11.10.1847, also 37 Jahre jünger als ihr Gatte. Sie war die Tochter des Seligenstädter Fischers Peter Marzellin Beike und der Margarethe Hufnagel. Trauzeugen waren Dr. Johann Baptist Weckerle, Professor am Seligenstädter Progymnasium, und der Glöckner (Meßner) Karl Kirchner. Hermann Josef II. starb am 11.9.1888 (Reg.44) 78jährig. Seine Witwe wohnte in der Aschaffenburger Straße 57 neben der "Alten Post". Sie starb am 22.1.1929 (Reg.9) im 82. Lebensjahr. Bleibt noch anzumerken, daß die Beike auch eine alte Lütticher Familie sind.
 
Zu Hermann Josef II. fand ich im Nachlaß des Dr. Seibert, Staatsarchiv Darmstadt, Konvolut 10, Fascikel 7, Blatt 65 v folgende Notiz:
"Piermann Josef II Dalquen, gen. "Oscheroh" nach dem französischen General Aujereau, der sich durch große Kriegskontributionen im Maingebiet unbeliebt machte..."
Demnach verstand man in Seligenstadt unter einem "Oscheroh" einen "ungehobelten, gewalttätigen Kerl" (1). Daraus läßt sich schließen, daß Hermann Josef II. in seinem Geschäftsgebaren und seinem persönlichen Umgang eine nicht gerade sehr umgängliche und liebenswürdige Erscheinung gewesen sein muß. Dr. Ludwig Dalquen hat ihn noch persönlich gekannt. In seinen "Lebenserinnerungen", S.4, schreibt er; "Der älteste Dalquen, der mir etwa 1880 begegnete im 2.Gymnasialjahr in Aschaffenburg war Hermann Josef, der um zwei Jahre ältere Bruder meines Großvaters Konrad Josef Dalquen. In seiner Begleitung war seine zweite Frau, 23jährig, während Hermann Josef 70 Jahre alt war. Er war ein großer Mann mit noch ganz dunklem Haar und aufrechtem Gang."




Hermann Josef II. hatte aus seiner zweiten Ehe drei Kinder, mit denen sein Zweig in der männlichen Linie ausstarb:
a) Katharina, getauft am 28.11.1875 (ATf 61). Sie heiratete Johann Fleischmann.Ihre Nachkommen     betreiben bzw. betrieben die Gastwirtschaft "Goldenes Faß" in Seligenstadt, Vautheigasse 1.
b) Hermann Josef IV. wurde am 27.1.1879 geboren (Reg.10). Er heiratete am 25.11.1905 Anna Maria Elisabeth Sommer (geb.17.11.1877), die Tochter des Schreinermeisters Martin Blasius Sommer und der Josefa Nover. Hermann Josef IV. setzte das Küfer-/Wagnerhandwerk des Vaters und Großvaters fort. Mit Ihm starb am 20.11.1950 der letzte Dalquen in Seligenstadt, 300 Jahre nach der Einwanderung des ersten. Seine Ehe blieb kinderlos. Seine Witwe starb am 8.10.1965.

Hermann Josef IV. Dalquen     

                  Hermann Josef IV. Dalquen  / Grab der Anna Dalquen, der letzten Namensträgerin in Seligenstadt     

c) Peter Nicolaus, ebenfalls Küfer, wurde am 1.11.1885 (Reg.93) geboren. Seine Sterbeurkunde vom 31.7.1912 nennt als Sterbedatum den 22.7.1912. "Vorstehend 18 Druckworte gestrichen", heißt es am Schluß der Urkunde
Diese 18 Worte beinhalten das harte Schicksal des 26jährigen: Er wurde vor dem Betreten eines Gasthauses in Seligenstadt aus Eifersucht durch einen Messerstich heimtückisch ermordet.

„ Laut Todesurkunde des Amtsgerichts Seligenstadt verstarb Peter Nikolaus Dalquen um 4 Uhr morgens. Es ging um  das Mädchen Resl Alban, 1892 geboren, Freundin der Schwiegermutter des Herrn Heinrich Haas. Die beiden waren beim Tanz im „Schützenhof". Nach dem Tanz brach ein Streit zwischen Dalquen und einem gewissen Voigt aus, der Dalquen am „Steinernen Eck" zwischen den Häusern 2 und 4 aufgelauert hatte. Im Verlauf des Streits stach er Dalquen mit einem Messer in den Hals. Dalquen wollte noch den Arzt erreichen, brach aber bei der Druckerei May zusammen, wo er verblutete" (laut Tonband-Bericht von Herrn Heinrich Haas, Seligenstädter Ortsbeauftragter für Altertümer, vom 6. 1. 1981 im Besitz von F. J. Dalquen).

Dem Archivar des Seligenstädter Stadtarchivs, Herrn Dieter Burkhard, haben wir Kopien folgender Auszüge aus dem „Archiv des SPD-Unterbezirks Offenbach-Land" zu verdanken:

„23. 7. 1912 (am Tage nach der Ermordung des Peter Nikolaus): Seligenstadt - Die Leiche des Parteigenossen ist seziert worden. Er ist gestorben an zwei Messerstichen. Der Messerstecher heißt Vogt, missratener Sohn anständiger Eltern. - Dalquen war auch Mitglied des Arbeitergesangsvereins „Bruderkette" und des Küferverbandes. - Gen. Kaul wird anstelle der Geistlichkeit, die die Beerdigung verweigert hat, die Grabrede halten.

24. 7. 1912: Seligenstadt - Längerer Artikel über die Beerdigung des Gen. Dalquen. Es war ein Leichenbegängnis, wie es Seligenstadt noch nie gesehen hat. Wenn ganz Seligenstadt aus den Beinen war, dann vielleicht auch deshalb, weil die Geistlichkeit nicht wie gewohnt dabei war. - Die Grabrede hielt Gen. Kaul. Die Bürgermeisterei, d. h. Herr Singer, hatte es für nötig befunden, auf der Bescheinigung für die Genehmigung zur Leichenrede zu dekretieren, dass Beleidigungen der Geistlichkeit und der Behörden zu unterlassen sind. Herr Singer will am kommenden Samstag wieder gewählt werden. Zunächst sei aber bemerkt, dass zu Beleidigungen der Geistlichkeit wegen der verweigerten kirchlichen Beerdigung gar kein Anlass vorliegt. Sie hat vielleicht unklug gehandelt, uns zum ersten Male im frommen Seligenstadt Gelegenheit zu geben, dass wir zeigen konnten, wie man auch ohne die Kirche würdig zur letzten Ruhe kommen kann. Aber die Herren haben nur konsequent gehandelt, denn von der verweigerten Handlung hat der Verstorbene zu Lebzeiten ja nie etwas wissen wollen. Das Kreisamt allerdings hatte den in Seligenstadt stets üblichen Leichenzug vom Trauerhaus untersagt, weil „Auflauf" zu befürchten sei. Ob sie das auch wohl getan hätte, wenn D. nicht gerade Sozialdemokrat gewesen wäre ? (...)"

18. 11. 1912: Seligenstadt - Als Gen. Dalquen beerdigt werden sollte, lehnte es die Bürgermeisterei ab, dass die Leiche von der Leichenhalle, wo sie zwecks Sektionierung untergebracht worden war, in das Trauerhaus zurückgeführt werden durfte, um im Leichenzug nach dem Friedhof gebracht zu werden. Alle Bemühungen der Mutter Dalquens waren erfolglos. Bürgermeister Singer: „Das Kreisamt lässt es nicht zu."
Diese Genehmigung wurde in einem anderen Falle, in dem sich um die Tochter einer gut katholischen Familie handelte, aber gegeben. Auf die Vorstellungen der Mutter D's erklärte nun auf einmal der Bürgermeister: „Ja, die Geistlichkeit hat es nicht gestattet." (...)

Weitere Informationen über den Mord an Nicolaus Dalquen können Sie hier nachlesen.

Es hat sich ein Foto dieser drei Geschwister Dalquen erhalten, das von etwa 1905 stammen dürfte. Dieses u.a. wurden mir freundlicherweise am 25.3.1967 von Frau Beike, geb. Brauneis, Seligenstadt, überlassen. Hermann Josef IV. war Pate ihres Mannes, des Sohnes von Max Beike, dessen Schwester Hermann Josef IV geheiratet hatte.

Katharina, Hermann Josef IV und Peter Märzellin Dalquen
 
Abb: Katharina, Hermann Josef IV und Peter Nikolaus Dalquen (von links)


Und nun zurück zu den weiteren Kindern des Johann Georg Theodosius Dalquen.

3.) Drittes Kind und zweiter Sohn ist Konrad Josef Dalquen. Über ihn und seine Nachkommen wird noch zu berichten sein!
4.) Maria Eva I. wurde am 24.4.1815 (ATf 13) getauft. Sie muß kurz darauf gestorben sein.
5.) Marianne, getauft am 17.11.1817 (ATf 11), gestorben am 6.11.1817 (Ast 29) an der „Gicht“.
6.) Maria Anna Elisabeth, geb. am 19.3.1819 (A.Tf 21), gestorben am 27.9.1819 (ASt 35) an der "Zehrung", vermutlich Tuberkulose
7.) Katharina, geboren, getauft und vermutlich gestorben am 3.10.1820 (ATf 52)
8.) Johann Michael Josef, geboren und getauft am 12.7.1825. Über ihn und seine Nachkommen wird noch zu berichten sein!
9.) Franz Adam Josef, geboren, getauft und gestorben vermutlich am 14.5.1828 (ATf 21)

Von diesen neun Kindern des Georg Dalquen starben sechs nur wenige Wochen bzw. Monate alt. Drei Kinder hatten Nachkommen, zwei von ihnen männliche (s.o. Nr.3 und 8).
www.dalquen.info