Der Hessische Zweig -
Hermann Dalquen und sein Bruder Franz in Arnsberg

Die Entfernung zwischen Seligenstadt und Arnsberg war für damalige Verhältnisse einfach zu groß, um "eben mal" einen Besuch zu machen. So blieben die Kontakte auf die Post beschränkt. Sicherlich gingen regelmäßig Briefe hin und her. Einer, nur ein einziger, vom "3ten Jener 1813" hat sich  erhalten. Hermann wünscht seinem Bruder, seiner Schwägerin ("Schwester"), sowie den Neffen (Nepoten) und Nichten (Niecen) ein gutes neues Jahr und Berichtet von seiner Familie.
 
Abschrift des Briefes

Liebster Bruder, Schwester, Nepoten und Niecen!
Ich wünsche Euch alle Glückseliges Neues Jahr, Friede
Einigkeit und langes Leben, soll euch unser Herr
Gott geben, dieses ist der Wunsch welchen Ge-
schwister und nächsten Verwanden bei Wechsel der
Jahr nach altem Herkommen wiederhohlen.
Wenn ihr noch alle recht gesund seyet so ist mir
recht Lieb, was uns anbelanget sind wir alle
noch recht gesund. Bis künfitgen Montag als
XIIten dieses morgens 8 Uhr wird mein Liesgen
mit Baltasar Reis copuliert, Du kannst also auch
diesen Tag den Becher umgehen lassen, und auf ihr
Gesundheit und Wohlergehen denselben auslehren.
Mein Margareth ist Herrlich eingerichtet, und Pater
Ludwig wie auch die Baas Magdalena sind alle recht
wohl miteinander vergnügt und zufrieden
wenn der Joh.Michel nur sein Vermögen welches über
20000 f belaufen soll ohne abgabe erhalten könnte

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und wie es zu machen oder anzustellen wäre, daß die
Nachsteuer und wie sie heißen auf beiden Länder
aufgehoben werden mögten. Meine Frau und
sämtliche Kinder lassen euch ebenfalls nebst
Glückwunsch des Neuen Jahres Vielmal grüßen.
Seeligenstadt 3ten Jener 1813
Dein Bruder Herman

Vergesse mir ja nicht an den Herrn Amtman dahier
zu schreiben, weil er mir die gantze zeit in
meiner Mädgen Versorgung einer meiner besten
gönner war und manchmal wegen mir bemühet gewesen
wegen meiner Entschädigung des Grosweltzheimer pfachts
ist vom Hofgericht noch nicht entschieden,  ich habe schon
mehr malen den H. Weidenbusch angehalten, der mir
vor einigen Tag schrieb das er die Sach schon mehr
malen errinnert habe, ich solte mich selbst an den
Presidenten H. von Hertling wenden, ich habe es
dem H. Amtman  Hardy gesagt und ihm des Weiden-

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busch seinen Brief zu lesen gegeben, auch zu gleich gebetten
mir einen schönen höfligen Brief zu schreiben, wenn
du auch allenfals einen Bekannten in Darmstadt ha(s)t
für mich zu verwenden, so wäre mirs
lieb, wenn du es Rekomandieren könntest.
ich sorg habe H. Baro(n) von Reuten geht)
ab und dann habe ich nichts, wo ich mir doch
Hoffnung gemacht habe.

Erläuterungen zum Brief
Zeile 9-11: Tochter Maria Elisabeth, 4.Kind, s.u.
Zeile 14: Tochter Margaethe Barbara, 5.Kind, s.u.
Zeile 15: Pater Ludwig Goy, der nach der Aufhebung das Seligenstädter Benediktiner-Kloster verlassen mußte und in Seligenstadt vermutlich bei seiner Tante, der "Base Magdalena", wohnte.
Zeile 17: Johann Michael Goy, Schwiegersohn des Hermann und vermutlich Neffe des Pater Ludwig. Das Vermögen des Stadtrats und Kaufmanns, späteren Seligenstädter Bürgermeisters, war wesentlich größer, als sein Schwiegervater vermutete.
Zeile 20: Nachsteuer. Erbschaftssteuer?
Zeile 26: Amtmann Hardy, früher Syndikus des Klosters, späterer Landrat
Zeile 28 f: Gönner der Mädchen, Töchter Hermanns: Ob Hardy als Heiratsvermittler wirkte?
Zeile 31: Entsfhädigung wegen der Pacht (des Pfachts) in Großwelzheim. Offentsichtlich ist Hermann (vielleicht aus politischen Gründen, Gebietsreform?) Pacht von Land im genannten Ort entgangen.
Zeile 41-43: Lücke im Text durch Erbrechen des Siegels, auf dessen Rückseite sich das Fehlende befand
Zeile 36 und 43: Hertling und Reuten, Verwaltungsbeamte in Darmstadt

Das Briefblatt war, wie damals üblich, viermal gefaltet und gesiegelt, also ohne Umschlag. Der Brief war gerichtet an den "Großherzogl.Hessischen Herrn Regierungsrath Franz Adam Dalquen", der Familienname also nicht apostrophiert, wie es zu diesem Zeitpunkt bei den westfälischen d'Alquen schon üblich war. Vom Briefsiegel ist leider nur die obere Hälfte übriggeblieben, die den doppelschwänzigen Löwen in der Helmzier erkennen läßt (s. IX.Bericht, S.111, Nr.22). Dieses Siegel hat sich leider in der Familie nicht erhalten bzw. es ist nichts darüber bekannt.
www.dalquen.info