Der westfälische Zweig 

Franz Adam D'Alquen
Politische Überzeugungen

In einem Nachtrag zu Franz Adams Lebensbeschreibung zitierte ich seine Tochter Josephine, die ihrer Mutter aus den Briefen des Mainzer Universitätsbibliothekars, Weltreisenden und revolutionären Politikers Georg Forster vorlas. Ihre Mutter reagierte damals: „Mir ist, als hörte ich den Vater!“

Es handelt sich um zwei Briefstellen vom Februar bzw. April 1787. Die erste lautet: „[...] weil ich es für mein Glück halte, meine für wahr gehaltenen Gedanken frei äußern zu dürfen, werde ich fortfahren, mich von keinem Popanz und vor keiner Orthodoxie, am wenigsten aber von der, die Dinge dem Moses zuschreibt, an die er nicht gedacht, fürchten. Ich bin in diesem Punkt ganz anderer Meinung, als Du in Deinem letzten Brief zu sein scheinst. Was geht’s mich an, wie Wöllner und Andere den König regieren, wie sie von mir fordern, daß ich denken und schreiben solle ? Ich hasse Proselytenmacherei und lasse jedem gern seine Meinung; aber das Vorrecht, die meinige zu sagen, und dadurch soviel an mir ist, zum wahren Glück der Menschzen beizutragen, ist mir viel zu lieb, so lange ich den Beruf zum Schriftsteller habe, als daß ich ihm entsagen sollte. Wofür fürchten wir uns denn ? Ist es je anders als jetzt gewesen ? Je besser ? Schlimmer wohl eher. Denn man kann jetzt ohne Gefahr sagen, was man will. - Ist das Leben so viel werth, daß wir es lieben sollten, auch alsdann noch, wenn wir für uns selbst keine Achtung mehr haben können ? Ich versichere Dich, ich gäbe gar nichts darum zu leben, wenn ich’s nicht kann, indem ich mir selbst Beifall gebe für meine Art zu denken und zu handeln; [...]“

Und im zweiten Brief schreibt Forster: „Ich mache gern den großen Unterschied, daß man glaube, man könne in Büchern und müsse sogar alles sagen, was man für Wahrheit hält, und was zum allgemeinen Besten, wie es jetzt geht, zuträglich scheint, hingegen als Privatmann und Bürger muß man sich den Gesetzen, den Gewohnheiten des Staats, worin man lebt, fügen, und sich thätig bezeigen, dasjenige abzuändern, was einmal sanctionirt ist, so lästig es auch sei. Das Buch, welches ich gegen eine Bedrückung, gegen einen Mißbrauch u. s. w. schreibe, ohne Personalität versteht sich, ist gleichsam ein Memorial, welches ich eingebe, ein Vorschlag zur Abänderung, kein Versuch sich gegen irgendetwas Etablirtes unbefugt aufzulehnen. Wenn ich eine drückende Abgabe bezahlte, wenn sie eingefordert wird, kann man es mir nicht verübeln, daß ich hernach die Schädlichkeit, die Unzulänglichkeit derselben zeige, und den Vorschlag thue, wie sich der Staat bei einer anderen Einrichtung besser befinden könnte. Das ist das Recht, welches die Pressefreiheit mit sich bringt.“

Zitiert aus Georg Forster’s Briefwechsel mit S. Th. Sömmering herausgegeben von Hermann Hettner, Braunschweig 1877, S. 362 f und S. 375 f

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