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Der
westfälische Zweig
Schloss und Schlosskapelle Wasserlos
Ein
paar Worte müssen wir dem Schloß Wasserlos widmen.
Hier gab es im 14. und 15. Jahrhundert eine Burg (25), die die Herren
von Schelriß bewohnten. Es waren Vasallen des
Seligenstädter Klosters, und da sie sich als Raubritter
gebärdeten, wurde die Burg 1405 auf Befehl König
Ruprechts zerstört. Das Schloß, wie es heute zu
sehen ist (Abb.2,3,4), Teil des Kreiskrankenhauses Alzenau, wurde von
einem der Vorbesitzer, dem Prinzen Ludwig Eugen von
Württemberg (1731-1795), erbaut. Es hatte ausgedehnte
Gärten und Parkanlagen. Darin gibt es einen romantischen,
spätklassizistischen Pavillon (Abb.5), der von unserem Marquis
erbaut worden sein dürfte. Wir können uns gut
vorstellen, wie sich die beiden Ehepaare, der Marquis und Franz Adam
mit ihren Ubaghs-Frauen, in Eichendorffschen Mondscheinnächten
dort ergingen. Ich habe Schloß Wasserlos am 20.VI.1994
besucht. Seit meinem letzten Besuch vor etwa 25 Jahren sind ausgedehnte
Krankenhausgebäude in rotem Sandstein an das Schloß
angebaut worden. Das Schloß dient nun als Verwaltungs- und
Laborgebäude.
Abb:
Wasserlos, Schloss, Ostansicht
Die
Parkanlagen wirken vernachlässigt. Ein Bach durchquert den
Park, füllt einen kleinen Teich und speist wahrscheinlich auch
den einfachen Springbrunnen. Er liegt der Ostseite des Schlosses
gegenüber. Im Laufe der Zeit hat der Park einschneidende
Verkleinerungen erfahren: eine Landstraße durchquert ihn. Der
spätklassizistische Pavillon liegt nun von Schloß
und Park durch die Straße getrennt abseits in
südlicher Richtung. Er dient als
Gefallenengedächtniskapelle. Eine Inschrift an der
Außenseite besagt, daß es einst eine "reformierte"
Kultstätte war. Da der Marquis und seine Mutter
niederländische Protestanten waren, ist es durchaus
möglich, daß nicht Prinz Ludwig Eugen von
Württemberg (1731-1795), der Vorvorbesitzer des Schlosses,
diesen Tempel baute, sondern unser Marquis, um Problemen mit der
katholischen Ortsgeistlichkeit wegen der katholischen Kapelle im
Schloß aus dem Wege zu gehen. Seine katholische Gattin, die
Schwägerin des Franz Adam, ließ der Marquis
allerdings in der Schloßkapelle beisetzen.

Abb:
Nordansicht

Abb: Westansicht
Der
Park dürfte zusammen mit dem Schloß gegen 1790 im
englischen Stil angelegt worden sein. Das Gelände steigt
leicht an. Die Bachdurchquerung hat Schluchten geschaffen. Weite
Freiflächen öffnen sich hinter dichten
Waldstücken, etwa 200jährige Baumriesen gedeihen
hier: Eßkastanien, Gingko-Biloba-Bäume,
über 20 m hohe Lebensbäume, gewaltige Platanen,
dichtes Gestrüpp aus Stechpalmen usw., eine botanische
Rarität, wie sie wohl in weitem Umkreis kein zweites Mal zu
finden ist.

Abb:
Tempel/ Pavillon
Unserem
Vetter
Gerhard Faller in Karlstein verdanken wir einen Hinweis zur
Schloßkapelle von Wasserlos, wo Franz Adam D’Alquen
am 5.
April 1800 mit Helene Sybille Ubaghs getraut wurde.
Die
ehemalige
Schloßkapelle ist nicht zu verwechseln mit der heutigen
Krankenhauskapelle, einem jüngeren Anbau an den
Nordflügel
des Schlosses. Die alte Schloßkapelle wurde wegen
Baufälligkeit 1956 abgerissen. Sie war seit 1920, als die neue
Pfarrkirche von Wasserlos geweiht wurde, vom Schloßbesitzer
Wilhelm Weigang als Futtersilo benutzt worden. Im Chor dieses
Kirchleins waren folgende Kinder des Marquis du Chasteler und seiner
Frau beigesetzt worden:
1795
April 3 ein
Sohn nach der Nottaufe,
1796
März 19 die drei Monate alte
Tochter Ida,
1801
Juni
6 der fünf Monate alte Sohn
Gabriel Gerhard
und
schließlich
1801
August 6 (nach anderen Quellen Juni) die junge
Marquise, Schwägerin von Franz Adam.
Anscheinend
1920
bei der Aufhebung der alten Schloßkapelle wurden die Gebeine
der
Marquise in einem heute unbekannten Grab auf dem Wasserloser Friedhof
beigesetzt. Vom Verbleib der Gebeine der drei Kinder ist nichts
bekannt.
Die
alte
Schloßkapelle lag ganz in der Nähe vor dem
Nordflügel
des Schlosses und diente seit alters auch als Pfarrkirche von Wasserlos
(Abb. 7 u. 8). Der Marquis dürfte Wasserlos mit den
dazugehörigen beiden Rittergütern 1813 verkauft
haben. Somit
wäre es 27 Jahre in seinem und dem Besitz seiner Mutter
gewesen.
Der Marquis war nun 47 Jahre alt und seit 12 Jahre Witwer. Er heiratete
noch einmal. Seine Tochter Ida spricht in einem Brief an Josephine von
ihrer Schwester aus der zweiten Ehe; doch hierüber
später.
Vom
Staatsarchiv
Würzburg erfuhr ich (13.09.94 - 2812/94 F/Ch), daß
die
Quellenlage zu Grundbuchsachen wegen Kriegsschäden sehr
schwierig
ist. So ist der Zeitpunkt des Verkaufs von Wasserlos durch Franz Adams
Schwager, den Marquis von Chasteler, nicht zu ermitteln. 1825 wird im
ältesten Hypothekenbuch von Wasserlos als
Schloßbesitzer der
Geheime Finanzrat von Merz genannt, der es 1823 gekauft hatte. Als
Vorbesitzer wird der Landgraf von Hessen-Rothenburg erwähnt,
der
Wasserlos somit zwischen 1813 und 1823 besessen haben dürfte.
Merz
verkaufte das Schloß mit allen Zugehörungen um 1850
an Marie
Louise Freifrau Rozier des Bordes. Sie war eine geborene von Brentano,
die Schwester von Clemens von Brentano, der angeblich auf Wasserlos die
Anregung zu seinem Märchen „Gockel, Hinkel und
Gackeleia“ empfangen haben soll.
Irgendwann
ging das
Schloß in den Besitz des Sektfabrikanten Mumm von
Schwarzenstein über (+ 1914), dessen Erben es 1916 an den
Hanauer
Zigarrenfabrikanten Weigang verkauften. Einer seiner Gutsinspektoren
war der Vater des bekannten Schauspielers Günter Strack. Nach
1938
wurde Wasserlos als Lazarett und Krankenhaus schließlich
Eigentum
des Landkreises Aschaffenburg.
Der folgende Text stammt von der
Homepage " Wasserlos Online":
Schon mehrfach war die Rede vom Schloss Wasserlos.
Der an Weihnachten 1968 verstorbene Hauptlehrer an der Volksschule,
Hermann Reinhardt, selbst gebürtiger Wasserloser, schilderte
aus eigenem Erleben die Bedeutung des kombinierten Hof- und
späteren Schlossgutes: "Wenn ein älterer,
eingesessener Wasserloser am heutigen Kreiskrankenhaus
vorübergeht, so erinnert er sich mit leisem Bedauern der
Zeiten, da hier ein ganz anderes Leben sich abspielte. Hier herrschte
das geschäftige Treiben eines großen Gutshofes und
das interessante Leben eines herrschaftlichen Schlosses. Die
Ortsbürger von Wasserlos nahmen regen Anteil an diesem
Schlossgeschehen. Sie erzählten 'von unserem Schloss' und
'unserer Herrschaft'. Der ortsfremde Besucher wurde mit Stolz
über 'unseren Hof' geführt und der weitere Weg
führte bestimmt an 'unserem Schlosspark' vorüber."
Schlossherrschaften sind in Wasserlos schon im Mittelalter nachweisbar.
Im Mai 1276 wird ein Ritter Sybold von Wasserlos, der seine Stammburg
im Ort hatte und unter anderem Vizedom (oberster Vertreter des
Erzbischofs von Mainz) in Aschaffenburg war, erwähnt. Im 14.
und 15. Jahrhundert saß das Geschlecht von Schelriß
in Wasserlos. Ihre Burg wurde 1405 auf Geheiß König
Ruprechts als Räubersitz zerstört. Die Burg soll auf
einer Anhöhe gestanden haben; neuere Forschungsergebnisse des
Heimat- und Geschichtsvereins Alzenau vermuten die Anlage in der
Nähe des heutigen Schlosses.
Prinz Ludwig als Schlossherr
Der Sohn des Herzogs Ludwig von Württemberg, Prinz Eugen,
ließ um 1790 das Schloss auf seinem jetzigen Standort
erbauen. Unter den Nachfolgern erfuhr die Anlage noch manche
Veränderung, im wesentlichen behielt der Bau jene Form, wie
sie ihm der Württembergische Prinz geben ließ. Der
letzte private Schlossbesitzer, Wilhelm Weigang aus Hanau,
ließ Ende des Ersten Weltkrieges das Schloss
abreißen und neu aufbauen. Dabei wurden insbesondere
sanitäre Einrichtungen und Heizungsanlagen geschaffen.
In dem Kunstdenkmälerverzeichnis des Königreichs
Bayern aus dem Jahre 1916 ist der alte Bestand des herrschaftlichen
Anwesens stichwortartig beschrieben: Das Schloss ist eine
spätklassizistische dreigeschossige Anlage aus zwei, im
rechten Winkel zusammengestoßenen, nach Süden bzw.
Osten gerichteten Flügeln. Das Obergeschoss ist vermittels
einer Traufkante etwas zurückgesetzt. Die Flügel
haben drei Achsen in der Breite und 6 bzw. 9 Achsen in der
Länge. Portale an der Mittelachse des
Südflügels auf der Nord- und Südseite;
Nordportal mit Profilgewände und halbrunden
Giebelstücken, im Feld modernes Wappen der Mumm von
Schwarzenstein
Innen schließen sich die Zimmer an und Korridore, welche auf
der Nordseite durchlaufen. Einzelne Säle besitzen einfache
Decken mit Stuckleisten aus dem späten 18. Jahrhundert. In
einem Saal im Erdgeschoss spätklassizistische Stuckdekoration
mit Gebälk, Putten u.a. um 1820. An den Erdgeschossfenstern
gefällige Schmiedeeisengitter um 1800. Nördlich vom
Schloss Verwaltungsgebäude des ehem. zweiten Gutshofes.
Westlich und südlich reiche Garten- und Parkanlagen
Drehen wir die Zeit gut hundert Jahre zurück. Dem Prinzen
Eugen folgten mehrere adelige Schlossbesitzer. Zu nennen ist Marquis de
Chasteler, der um 1820 das Wasserloser Rittergut von Hohenock erwarb
und es mit seinen Gütern vereinigte, Unter dessen Regie wurden
die Gartenanlagen und Wirtschaftsgebäude verbessert, auch der
Pavillon (ursprünglich Teehaus) unweit des Schlosses entstand.
Freifrau des Bordes Stiftung für den Kirchenneubau
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich auf Schloss Wasserlos ein
blühendes herrschaftliches Leben entwickelt. Sogar
Bayern-König Ludwig I. gab den Schlossherrschaften die Ehre,
ihn empfangen zu dürfen.
Als größte Wohltäterinnen sowohl
für die Katharinenkapelle als auch für die Armen des
Ortes gelten Ludovica Freifrau Rozier des Bordes, geborene Brentano,
und ihre Adoptivtochter Meline, Gemahlin des Grafen Moritz zu
Bentheim-Tecklenburg-Rhoda, der spätere Erbauer der
Blindenanstalt zu Würzburg. Die Familie lebte etliche Jahre
auf Schloss Wasserlos. Zu den berühmten Gästen
Gehörte auch Ludovicas Bruder Clemens, der bekannte deutsche
Dichter. Weit mehr als 20 Jahre bis 1868 stand das Schlossgut im
Eigentum der Freifrau des Bordes bzw. deren Adoptivtochter, diese
ließ übrigens 1866 während des Deutschen
Krieges hierin ein Lazarett einrichten.
Freifrau des Bordes legte durch eine Stiftung, die ihren Namen trug und
mit dem beträchtlichen Kapital von 2000 Gulden ausgestattet
war, den Grundstock für den Bau der neuen Wasserloser Kirche.
Die Zinsen wurden dem Stiftungsvermögen zugeschlagen, was von
1854 bis 1913 eine beträchtliche Summe ergab, die dem
Kirchenneubau zufloss. Eine weitere Stiftung für die Armen der
Gemeinde in gleicher Höhe wurde durch die Inflation 1923
entscheidend geschmälert und musste (da nicht mehr
leistungsfähig) in den dreißiger Jahren
aufgelöst werden.
Vom 31. Oktober 1842 datiert eine Beschreibung des Gutes Wasserlos (der
Autor ist unbekannt). Hierin heißt es unter anderem: "Luft
und Wasser sind sehr gesund, die Sterblichkeit in der ganzen Gegend
auffallend gering. Die ganze Lage in physischer Beziehung
höchst angenehm und reizvoll, wie in weiter Runde wohl nicht
eine. Der Wohlstand der Ortsnachbarn (der Ort Wasserlos begrenzt den
Hof an der Nordseite) ist verteilt; die Gemeinde als solche, selbst
vermögend, daher im Stande, alle Communalbedürfnisse
aus ihren Gemeindemitteln ohne besondere Gemeindeumlagen zu bestreiten;
Bettler sind nicht im Orte. Die Gemütsart der Menschen ist
bieder, tätig, freundlich und erkenntlich. Gelegen im
Königreich Bayern an der Grenze von beiden Hessen, zwischen
Aschaffenburg und Hanau, in nur 3/4 ständiger Entfernung vom
nun mit Dampfschiffen befahrenen Mainstrome und der Post; durch gute
Vizinal- und Landstraßen mit den wichtigen
Handelsplätzen Frankfurt, Mainz, Hanau, Offenbach, Darmstadt,
Aschaffenburg, Gelnhausen ... so nahe verbunden, dass man in ganz
kurzer Zeit nach der näheren, ja in wenigen Stunden durch die
Taunuseisenbahn selbst nach den entferntesten Gegenden bequem gelangen
kann. In Mitte eines anerkannt trefflichen Weinbaues, reichen
Getreidelandes und dichten Buchen- wie Kieferwaldungen, und auch ebenso
ergiebigen Torflagern, bietet Wasserlos für jeden
industriellen und kommerziellen Geschäftsbetrieb alle nur
möglichen Vorteile dar".
Im Jahre 1901 erwarb das Schlossgut Wasserlos Baron
von Mumm, ein fortschrittlicher Landwirt. Mit seinem tüchtigen
Inspektor Otto Markus baute er das Schlossgut zu einem
mustergültigen landwirtschaftlichen Betrieb aus.
Mustergültig waren vor allem die Pferde- und Rinderzucht.
Obst- und Weinbau erfuhren unter einem eigenen Verwalter besondere
Förderung, und in der Brennerei verarbeitete man die
großen Zwetschgen- und Kartoffelernten zu Branntwein.
"Schloss Wasserlos" war für Wein und Branntwein eine
Markenbezeichnung von gutem Ruf.
Der frühe Tod des Schlossbesitzers (1914) und dessen Ehefrau
(1916) verhinderte ein weiteres Eigentum der Familie Mumm.
Wilhelm Weigang kaufte das Schlossgut im Herbst des Jahres 1916. 1929
wurde das landwirtschaftliche Gut zertrümmert. Schloss und
Park blieben im Besitz der Ehefrau Anna Weigang. Sie verkaufte das
Schloss am 10. November 1942 der Reichsjugendverwaltung der NSDAP
Deshalb beschlagnahmte es die Militärregierung am Kriegsende.
Dann ging es in den Besitz des Landesamtes für
Vermögensverwaltung über.
Mit Genehmigung der Militärregierung wurde das Schloss dem
Landkreis A1zenau im Jahre 1945 zur Einrichtung eines Krankenhauses
überlassen. 1951 wurde der Landkreis Alzenau
Eigentümer des gesamten Areals, damit hier ein Krankenhaus
für den Kahlgrund entstehen konnte. Das Gesamtobjekt umfasste
mit Gebäuden eine Fläche von 5,7130 Hektar, davon
3,2778 Hektar Englischer Garten.
Der Kreis Aschaffenburg errichtete in den letzten Jahren eine Neubau
und modernisierte die alte Gebäudesubstanz mit Gesamtkosten
von 70 Millionen DM
Auf den Bau des als Pavillon bezeichneten Teehauses
bzw. Belvederes im Kirschengarten wurde bereits eingegangen
Anfang des Jahrhunderts wurden in dem Pavillon (nachdem vorher die
Gesindestube des Schlosses dazu gedient hatte) die ersten evangelischen
Gottesdienste des vorderen Kahlgrundes gefeiert.
Mit der Auflösung des Schlossgutes ging der Bau samt dem ihn
umgebenden Kirschengarten (früher auch als Rosengarten
bezeichnet) an die Gemeinde Wasserlos über. Die Gemeinde
Wasserlos gestaltete die einstige herrschaftliche Teestube zu einem
Ehrenmal für die in den beiden Weltkriegen gefallenen
Ortsbürger um. In diesem Zusammenhang fand nicht nur die
Plastik eines toten Soldaten im Innern einen Platz, sondern auch die
Fenster erhielten eine künstlerische Buntverglasung und das
Portal wurde mit einem schmiedeeisernen Gitter versehen.
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