Bericht
VII vom April 1967
Vorwort
zum VII. Bericht
Angesichts
der
Fülle und des Umfanges des vorliegenden Heftes empfiehlt sich
ein
kurzes und gedrängtes Vorwort, daß sich demnach auf
einige
wenige Bemerkungen beschränken soll
Die Herausgeber freuen sieh, der Nummer VI, im Dezember sobald den VII.
Bericht folgen lassen zu können. Dies ist einmal eine Folge
der
erfreulich beredten und ermunternden Reaktion der Adressaten auf VI,
von denen sich die meisten (bis auf einige wenige, die sich
vollständig, ausschwiegen) schriftlich oder mündlich
äußerten. Insgesamt ein Echo also, da8 das in VI
angedeutete
Mißvergnügen über ein evtl. Operieren der
Herausgeber
und Familienforseher im luftleeren Raum gewandelt hat in die
Gewißheit, daß die Familienmitglieder sich absolut
angesprochen fühlten und "mitzumachen" bereit sind. Die von
vielen
Adressaten angebotene finanzielle Beteiligung an den Kosten der
Berichte behandeln wir auf Seite 8.
Der zweite Grund für das baldige Erscheinen dieses VII.
Berichtes
ist die bereits in VI. erwähnte Fülle des
vorliegenden
Materials, die deshalb auch eine Erweiterung des Umfangs von 25 Seiten
für VI. auf 40 Seiten für VII notwendig machte. Wir
hoffen, mit den nachstehenden Beiträgen das
Interesse der Leser zu finden und ersparen es uns, jeden Beitrag hier
vorzustellen.
Erwähnenswert jedoch erscheint uns das Hüebersche
Legat, auch
im Zusammenhang mit dem Müster einer Archivierung zur Person,
da
es u.a. auch Anlaß bot, das Problem und das Vorhaben eines
Familienarchivs anzudeuten. Weiterhin weisen wir ausdrücklich
auf
die ab Seite 21 veröffentlichte Übersicht
über das
Ergebnis einer Forschungsreise von Franz Josef Dalquen nach Darmstadt
und Seligenstadt hin, da die endgültige Auswertung wesentliche
Hinweise, Ergänzungen und wissenswerte Details ergeben wird,
über die ab VIII. berichtet werden soll. Die kurze Vorschau,
Seite
23, wird der besonderen Beachtung der Leser empfohlen, da der
wahrscheinlich in oder ab IX. zur Veröffentlichung kommender
Beitrag zu diesem Thema eine sehr gründliche und umfassende
Untersuchung über das uns allen gemeinsame Familisnwappen in
Vergangenheit und Gegenwart nebst entsprechenden Erkenntnissen und
Schlußfolgerungen bringen wird, für die die
erbetenen Siegel
und Wappenbeschreibungen gebraucht werden.
Die Darstellung der böhm. und westf. Linie brachten mir
deshalb am
Schluß dieses Berichtes, damit jene, die diese Darstellungen
dem
Heft entnehmen und zusammenkleben wollen, sie nach Aufbiegen der
Heftklammern einfach abheben (und dann die Klammern wieder festbiegen)
können, ohne den ganzen Bericht "auseinandernehmen" zu
müssen. Die Einleitung zur westf. Linie auf Seite 26 verbleibt
zweckmäßigerweise im Heft. In gleicher Art bringen
wir dann
in VIII. auch die hess. Linie.
Damit legen wir diesen VII. 8ericht nun endgültig den
Familienmitgliedern vor und wünschen diesen (und uns)
verständnisvolle, interessierte und den Wunsch nach "mehr"
bewirkende Anteilnahme an den verschiedenen Beiträgen und
damit an
den Bemühungen zur Erforschung unserer Familie insgesamt,
Bremen, im April 1967 Rolf d'Alquen
Über
den Ortsnamen "ALKEN"
Da
wir heute darin ziemlich sichersein können, daß der
Ursprung unserer Familie in den ehemaligen Niederlanden und dort im Ort
Alken (früher auch Alcken) zu suchen ist, wir also van (von)
Alken kommen, erscheint es angebracht, uns über den Ursprung
dieser Ortschaft und seiner Bewohner Gedanken zu machen. Diese Aufgabe
hat Franz Josef Dalquen übernommen.
a)
Warum interessiert uns die Entwicklung und die Bedeutung des Ortsnamens
(ON) Alken?
Wie im VI, Bericht angedeutet, ist der Familienname (FN) Dalquen/
d'Alquen von der Herkunftsbezeichnung "van Alken" abzuleiten, deren
bisher ältester Beleg als FN uns in einer
altfranzösiech verfaßten Urkunde von 1295 als "de
Alke" entgegentritt, mindestens seit dieser Zeit also lebt die
anscheinend nicht allzuweit verzweigte Familie im Umkreis der Gemeinde
Alken und zwar insbesondere in Saint-Trond (Sint-Truden, Sint-Truyen,
Sint-Truiden) und Lüttich (Luik, Liège). Dieser ON
Alken wird in der fraglichen Zeit oft erwähnt: die Grafen von
Looz und die Bischöfe von Lüttich treten als
Grundherren bzw. als Inhaber von Rechten auf, die mit dem Ort
zusammenhängen. Es kann sogar die Merkwürdigkeit
berichtet werden, daß ein Mitglied der Familie van Alken
Pfarrer von Alken wird. Aus all dem erhärtet, daß
der ON als Bestandteil unseres Familiennamens besondere Beachtung
verdient. - Hier soll jetzt nicht untersucht werden, wie sich dessen
Schreibung bis zu den uns bekannten Formen entwickelte, auch nicht wie
ein ON zum FN werden kann. Wir wollen herauszufinden versuchen, welcher
Sinn in diesem Teil unseres Namens steckt. Dann wissen wir- streng
genommen- erst, wie wir heißen.
b)
Vorkommen des Ortsnamens Alken
Ein Blick ins Lexikon belehrt uns, daß der ON Alken mehrfach
vorkommt:am weitesten von dem uns interessierenden entfernt wird ein
Dorf Alken im Kreis Preußisch-Holland im
ostpreußischen Regierungsbezirk Königsberg genannt;
sodann gibt es einen Ort Alken bei Skanderborg im östlichen
Jütland in Dänemark; auf der rechten Moselseite, etwa
20 km moselaufwärts von Koblenz, liegt die Gemeinde Alken, die
im 10. Jahrhundert bereits urkundlich erwähnt wird. Als
viertes Alken wird das uns betreffende in Belgien in der Provinz
Limburg, im Arrondissement Tongres an der Herk vermerkt. In die 17 km
lange Verbindungsstraße zwischen Saint-Trond und Hasselt
mündet etwa 9 km nordöstlich von Saint-Trond eine
Landstraße ein; etwa 2 km südlich dieser
Einmündung liegt das Dorf Alken (siehe Kartenausschnitt).
Diese Aufzählung macht uns bewußt, daß es
sich bei unserem ON nicht um eine einmalige Erscheinung handelt. Es
wäre aber irrig zu glauben, daß alle diese
Namenformen die gleiche sprachliche Vergangenheit haben. Schon die
weite Entfernung zwischen diesen Orten, die sprachliche Verschiedenheit
der diese Orte Besiedelnden, die verschiedenen Schicksale, die die hier
betroffenen Sprachen erlitten, macht einen direkten Zusammenhang
unwahrscheinlich. Es genügt für uns daher, wenn wir
uns zunächst auf das flämische Alken
beschränken.
c)
Aufgabe und Verfahren der Ortsnamenforschung
Forschung erbringt als wichtigstes Ergebnis Kenntnisse über
die Herkunft der Siedler, ihre Sprache und Kultur, Zeitpunkt, Art und
Verbreitung ihrer Siedlung; sie bedient sich dabei der Sprachforschung.
Erster Ansatzpunkt sind die in den schriftlichen Quellen
aufzuspürenden Bezeichnungen für die Orte, wobei es
darauf ankommt, die älteste Form festzustellen. Mitunter sind
die alten Formen ohne geschichtliche und geographische Kenntnisse nicht
deutbar. Über die belgischen ON liegen umfangreiche und
zahlreiche Forschungen vor, leider keine geschlossene über
Alken. Uns interessieren besonders zwei Gesichtspunkte dieser
Untersuchungen, die wir uns zunutze machen wollen: die Sprachgeschichte
und die Siedlungsgeschichte.
d)
Siedlungsgeschichtliche Voraussetzungen
Gegen 300 v.Chr. wanderten Kelten aus dem Gebiet zwischen Elbe und
Rhein in den Raum des heutigen Belgien ein. Zwar hatten sie germanische
Elemente aufgenommen, aber nach ihrer Kultur, ihrem Glauben und ihrer
sozialen Gliederung waren sie von den im heutigen Frankreich
ansässigen Galliern, ebenfalls Kelten, kaum unterschieden.
In ihren ersten Begegnungen mit den Römern wurden die Bewohner
dieser Gebiete Belgae genannt. Die Ausdehnung des Römischen
Reiches nach Norden führte schließlich Caesar in
mehreren Feldzügen in diesen Raum, der 52 v. Chr.
endgültig römisch besetzt wurde und der
nördlichste Teil der Provinz Gallien wurde. Der Rhein bildete
hier bis zu seiner Mündung die natürliche Grenze
gegen die nördlich und östlich lebenden Germanen. In
den folgenden drei Jahrhunderten nahmen diese Kelten die Sprache und
Kultur der Eroberer an. Wir sprechen nun von Gallo-Römern.
Trotz der römischen Überlagerung hat die keltische
Sprache ihre Spuren hinterlassen, z.B. in einer Reihe von ON. Das
keltische Wort "dunum" (Zaun, Town) steckt sowohl im Namen der
niederländischen Stadt Leyden wie im französischen
Lyon (beide "Lugdunum") wie im englischen London und im deutschen
Kempten ("Cambodunum"). Die dritte Welle der Besiedler kam mit dem
Zusammenbruch des Römischen Imperiums um 350 n.Chr.. Es waren
Germanen von den Stämmen der ripuarischen und der salischen
Franken. Ihre Wanderung und Landnahme wurde zunächst durch
eine Art Limes aufgehalten, die römische "Blockhauslinie"
nördlich der Römerstraße von Köln
nach Bavai. Dieser belgische Limes wird in der gegenwärtigen
Forschung nicht unwidersprochen hingenommen. Aber eine ganze Kette von
ON entlang dieser Linie, die mit castrum (Burg, Befestigung) u.a.
gebildet sind, macht die Annahme einer solchen militärischen
Abwehr- oder Aufhaltelinie wahrscheinlich. Das nachhaltigste Ergebnis
dieser Unterbrechung der fränkischen Wanderung ist die
Ausbildung einer germanisch-romanischen Sprachgrenze, die sich um die
Wende zum 5. Jahrhundert etwa auf der Linie Tongeren- Bavai wenig
nördlich der alten Römerstraße festigte.
Die fränkische Landnahme wurde südlich dieser Linie
im gallo-römischen Gebiet bis ins 6. und 7. Jahrhundert
friedlich fortgesetzt.
Für diese Zeit der Besiedlung muß man sich also eine
gemischtsprachige Bevölkerung vorstellen: fränkische
Siedlungen hielten sich im römischen Sprachraum und
gallo-römische Siedlungen im germanischen Sprachraum. Das sich
entwickelnde fränkisch- merowingische Königtum nahm
von weiten Teilen des ehemaligen Gallien Besitz, und daher wurden
Siedler der verschiedenen sprachlichen Zugehörigkeit nicht
durch politische Gegensätze auseinandergehalten. Hierin liegt
der Grund für einen Sprachenausgleich, was auch heute noch an
ON nachgewiesen werden kann : gallo-römische ON wurden
germanisiert, fränkische ON wurden romanisiert. Es kann sogar
der Fall eintreten, daß ein ON für beide Sprachen
zeugt. Dies ist besonders für die Gebiete anzunehmen, die seit
alters zweisprachig sind: nämlich Saint-Trond, Tongeren,
Lüttich. Diesen interessanten Vorgang nennt man
"Ortsnamenausgleich".
e)
Der Ortsname "Alken", eine durch Ortsnamenausgleich zustande gekommene
Mischform?
Die vorausgegangenen Überlegungen müssen uns noch
einen Schritt weiterhelfen. Wir wissen nun, daß der uns
interessierende Siedlungsraum, bevor die Franken ihn erreichten,
bereits uraltes Kulturland gewesen ist.
Die Völkerwanderung stieß hier also in einen Raum
vor, in dem umfangreiche und riskante Rodungen vermutlich nicht
nötig waren. Das von den Franken in Besitz genommene Land war
kultiviert, und dazu gehört, daß sowohl die
bewohnten Orte wie die Fluren ihre Namen hatten. Die Eroberung dieses
Landes muß nicht gleichbedeutend sein mit der Vernichtung
oder Vertreibung der eingesessenen, Bevölkerung.
Wahrscheinlich ist, daß die zahlenmäßige
Überlegenheit der neuen Siedler den Anteil der Einheimischen
über kurz oder lang zum Verschwinden brachte. Dieser Vorgang
ist durchaus friedlich und freiwillig vorstellbar, aber auch in der
Weise, daß die fränkische Herrenschicht den
übernommenen gallo- römischen Besitzungen ihre Namen
gab.
Dies ist ebenso nachgewiesen wie die bald nach der fränkischen
Besetzung aufkommende Mode bei den Gallo-Römern, sich
fränkische Vornamen beizulegen und damit ihre Siedlungen zu
benennen. Diese Umstände machen es unmöglich, aus den
so gebildeten ON auf den Zeitpunkt der Besiedlung zu
schließen.
Aus der ON- Forschung wissen wir, daß die beschriebene
Situation auf eine ganz charakteristische Art der ON- Bildung im
Deutschen zutrifft, nämlich die Zeit der frühen
Seßhaftigkeit und die Benennung nach der Siedlung selbst,
z.B. Haus, Heim, Dorf u.ä. In den allermeisten Fällen
treten diese Bezeichnungen nicht allein auf, sondern in Verbindung mit
einem zweiten Wort, dem sie folgen. Hierbei stellen die Verbindungen
mit -heim die größte Gruppe dar. Entsprechend der
allgemeinen Bedeutung nennt man dieses Wort das "Grundwort" und das ihm
vorausgehende das "Bestimmungswort", Wenn wir dies nun auf den ON Alken
anwenden, wird es uns schwer, hier ein Grund- und ein Bestimmungswort
zu erkennen, das mit den oben genannten Grundwörtern -hausen,
-heim oder -dorf Ähnlichkeit hat. Nun muß die
Sprachforschung weiterhelfen.
Die älteste bisher bekannte urkundliche Erwähnung des
Ortes
Alken geht auf das Jahr 1066 zurück. Alken wird hier Alcha
geschrieben (offenbar mit "K" gesprochen oder mit "ch" wie in
"ach"). Im gleichen Jahre erscheint auch die Schreibung Alleche, 1078
Alleca, 1155 Aleke und Alleke sowie Aldeke und 1180 Alken.
Aus diesen Formen schließen verschiedene
Sprachwissenschaftler auf die lateinischen Formen Alliacum oder
Allacum. Die Annahme dieser Formen ist aus mehreren Gründen
berechtigt. Vor allem spricht die Häufigkeit dieses
gallo-römischen ON im Nordfranzösischen
dafür. Hier entwickelte sich der ON anders weiter als im
germanisch überlagerten Belgien. Auf Grund der germanischen
Betonung auf der ersten Silbe (Allacum) konnte mit der Zeit der Rest
des Wortes "zersprochen" werden. In der französischen Sprache
blieb die Betonung in der Nachfolge des Lateinischen dem Wortende
vorbehalten, also etwa Alliacum oder Allacum. In den rein
französischen Sprachgebieten, blieben daher von diesen ON-
Formen die Endsilben länger und deutlicher erhalten, z.B. 1019
Alliaco= jetzt Aillé, 1249 Alliacum= 1286 Alleium, Alleum =
jetzt Ailly/Calvados, 1082 Aillium= 1186 Alliacum= 1284 Ailliacum und
Allyacum = jetzt Ailly/Eure. Wenn man sich der Deutung
anschließt, daß auch der 0N Alken auf die gallo-
römische Form All(i)acum zurückgeht, dann
läßt sich leicht die oben erwähnte Teilung
des 0N in ein Grund- und ein Bestimmungswort vornehmen. Die Stelle des
Grundwortes nimmt die Nachsilbe -acurn oder -iacum ein, die des
Bestimmungsworts das Wort All- oder Alli-.
e1)
Wenden wir uns zunächst dieser Nachsilbe -(i)acum zu.
Die Untersuchung der ON im mitteleuropäischen Raum hat
gezeigt, daß viele keltische ON aus der Zeit vor der
römischen Besetzung auf diese Silbe enden. Sie hängen
in den allermeisten Fällen mit dem Namen des Gründers
dieser Siedlung zusammen. Da diese Art, ON zu bilden unter der
römischen und später fränkischen Herrschaft
fortdauerte, finden wir -(i)acum mit keltischen, römischen und
germanischen Vornamen zusammengesetzt. (Keltisch sind z.B. Abudiacum
von Abudias, ein Ort südlich Augsburg, heute verschwunden;
Lauriacum von Lauro, heute Lorch; Eburacum von Eburo, heute York in
England; römisch sind Juliacum von Julius, heute
Jülich, sowie mehrfach in Frankreich heute Juillac, Juilly,
Juille usw. Tiberiacum von Tiberius; germanisch ist z.B. Alariacum von
Alarich, heute das Kloster Agen in Frankreich. Etwa 30 acum- Namen mit
einem germanischen Personennamen als Bestimmungswort lassen sich in der
Gegend von Lüttich "südlich" der Sprachgrenze
nachweisen, im Hennegau ebenfalls südlich der Sprachgrenze
über 35, in Brabant südlich der Sprachgrenze keine.
Diese Bildungen mit -(i)acum und einem Personennamen sind eigentlich
Eigenschaftswörter, zu denen ein Hauptwort hinzuzudenken ist,
wie Heim, Haus, Hof, Siedlung. Sie sind am ehesten mit den germanischen
ON zu vergleichen, die mit diesen Wörtern gebildet sind.
Eburacum ist also "Siedlung des Eburo", Alariacum ist "Hof
des Alarich" usw. e2) Und nun weiter zu dem Personennamen (PN) All-,
Alli-.
Namen, die hiermit gebildet sind, gehen in den meisten Fällen
auf eine Form zurück, die im Gotischen als "alja" belegt ist.
Dieses Wort ist mit dem lateinischen alius "ein anderer" verwandt.
Daher bedeutet alja vermutlich "fremd, ausländisch".
Nachfolgend seien als Beleg einige PN- Formen mitgeteilt, die
für die Bildung von ON verwendet wurden. Der 864
erwähnte Ali ist im ON. Alesbach verewigt. Ein westgotischer
Bischof trug den Namen Allia; andere Formen hierzu sind Allo, Aellio,
Ella; das führte zu dem ON Ellenstein, 737 nannte sich einer
Alico und 893 Ellecane; beides steckt im ON Alechenberg (mit "k" zu
sprechen).Auch an das germanische Wort alhi, alh-i ist zu denken, im
Gotischen als alhs und im Althochdeutschen als alah belegt. Seine
Bedeutung ist "Tempel, Heiligtum, Ort, den man abschließen,
absperren und dadurch schützen kann". Hieraus wurde der PN
Alacus und von diesem der ON Alahesheim gebildet, außerdem
der PN Alacho und hiervon die ON Alkendorp und Elchenwang. Auch der
Name des berühmten sächsischen Schriftstellers Alcuin
(8. Jahrhundert) Alh-win, Alc-win, lateinisch Alquin gehört
hierher.
Die Deutung des germanischen ala ist uns klar. Es sei an mehrere
Wiestgotische Könige Alarich, Alaricus erinnert; hierzu wurde
u.a. der ON Allerikkeshusun gebildet.Das germanische athala bedeutet
edel und tritt in den Verkleinerungsformen Alico, Allecke und Ahlke
auf. Schließlich sei noch auf den Frauennamen Alke(n)
hingewiesen. 1524 ist ein Matthes Alkenhans erwähnt; Alkenhans
bedeutet "Hans, Sohn der Frau Adelheid". Alke ist die Koseform zu
Adelheid.Von den angeführten PN- Gruppen scheinen die drei
ersten (zu alja, alhi und ala) mit größerer
Wahrscheinlichkeit zur Bildung des ON Alken beigetragen zu haben. Die
belegten ON zeigen z.T. eine überraschende
Ähnlichkeit mit unserem Alken. Das Ortsnamenbuch für
das Deutsche Reich, 1938, führt noch folgende verwandte ON
auf: Alkenhof (Kr.Waldshut/Baden), Alkenrath (Kr. Rheinl. Wupper, bei
Düsseldorf), Alkersleben (Kr.Arnstedt/ Thüringen),
Alkersum (Kr.Süd-Tondern, Schl.-Holst.), Altershausen (Kr.
Gerabronn/Württ.), Alkofen (dreimal in Niederbayern bei Bogen,
bei Kehlheim, bei Vilshofen).
Da im nördlichen Gallien allein für den Raum des
heutigen Belgien hunderte von -(i)acum-Orten, festgestellt wurden, hat
die Deutung des ON Alken als eine durch Ortsnamenausgleich entstandene
Mischform sehr viel für sich.
Hier noch einige Belege für andere -(i)acum-0rte: Moerzeke
(Arr. Termonde) entstand aus Mauriacum, das ist "Wohnung, Hof des
Mauricius". Denderwindeke (Arr. Alost) hieß 941 Wenteka;
dieses muß zurückgehen auf Vindiacus, das ist "Haus
des Vindos". Alliacum kann also erklärt
werden als das "Haus des All(i)us", wobei offenbleibt, ob All(ius) der
latinisierte germanische Name eines vornehmen Gallo-Römers ist
oder der eines grundbesitzenden Franken.
f)
Andere Deutungsmöqlichkeiten
Auf Grund der siedlungsgeschichtlichen Überlegungen halte ich
die vorausgehende Deutung für die wahrscheinlichste. Es soll
aber nicht verhehlt werden, daß es noch weitere
Möglichkeiten für eine Erklärung des ON
Alken gibt. - In Abschnitt e) wurde erwähnt, daß die
Bildung der "deutschen" ON ihre feste Entwicklung hat. Wenn wir davon
ausgehen, daß Alken durch ON- Ausgleich entstand, so ist
damit nichts über das Alter der Siedlung gesagt; sie kann
durchaus gallo-römisch gewesen sein, also bereits vor etwa 350
n.Chr. bestanden haben. Damit wäre Alken kein
fränkischer ON. Da wir über die Entstehung von Alken
keinen Nachweis haben, kann auch eine jüngere
Gründungszeit angenommen werden. Wir müßten
uns dann von der in e1) und e2) entwickelten Beweisführung
lösen und Alken als eine im Zusammenhang mit der germanischen
Völkerwanderung stehende fränkische Siedlung
ansprechen. Somit müßten wir auf das
Verständnis des ON die Erkenntnisse anwenden, die für
die verschiedenen Epochen der deutschen ON- Bildung gelten.Die
älteste Epoche, die die ON mit der Endung -ing bildete,
scheidet hier aus. Sie ist im Flämischen nur wenig vertreten
und in den Formen -inghen und -inghe nachgewiesen. - Die mittlere
Epoche müßte eindeutig -haüs oder -husen
(Alkerts-hausen), -dorf (Alkendorp), -hof (Alkofen) oder wenigstens
-heim (Alkersum) erkennen lassen. Letzteres ergibt die im
Flämischen sehr reichlich vorkommenden ON auf -hem (Emelshem,
Arr.Roulers, bedeutet "Heim der Immila"), -em (Kachtem, Arr. Roulers,
bedeutet "Heim des Kakon") und -am (Binkorn, Arr. Löwen,
bedeutet "Heim des Benno und der seinen"). Hierüber wurde
bereits oben Näheres ausgeführt.
Bleibt schließlich die dritte Epoche der "wachsenden
Auseinandersetzung mit der Natur, als man dem Wildlande in immer
erneutem Ansturm Boden zum Leben abgewann und damit die Benennung nach
der Örtlichkeit, Natur Stellenbezeichnung zuneigte". Es
müßten sich also, besonders als Bestimmungswort
("Alk-"), Begriffe finden lassen, die mit dem Wesen der letztgenannten
Epoche zu tun haben. Hierzu bieten sich drei Wurzeln an,
f1)
Alken- eine Gewässerbezeichnunq
Wenn man dem Ursprung der Gewässernamen Altmühl
(Nebenfluß der Donau) oder Altbach, auch dem ON Altdorf (am
Kocher) nachgeht, so findet man, daß das "t" einmal ein "k"
war; die Namen lauteten früher "Alcmune, Alcmona,"Alah-bach"
und "Alechdorf". In diesen Bestimmungswörtern Alk, Alah, Alech
verbirgt sich die alte indogermanische Bezeichnung "al, alac"
für "sumpfreiches Land". Die Stadt Alkmaar in Holland
gehört hierher; es gibt einen Sumpf Alke Pohl bei
Osnabrück, ein Ahlken- Moor bei Bremen.
Möglicherweise gehört auch der Name des Sumpftieres
Elch, lateinisch alces, hierher. Da Alken an einem
Flüßchen liegt, der Herk, ist ein Zusammenhang
möglich.
f2)
Alken, eine Tierbezeichnung
Schließlich muß noch auf einen Vogel hingewiesen
werden, den Alk, lateinisch Alca. Im
Althochdeutschen gibt es den Namen
alacra für einen Tauchvoqel des Meeres, Entsprechend wird
versucht, Alken mit "Lummen-(=Alk) Fluß" zu
übersetzen» Diese Deutung läge für
uns in Anbetracht der Vögel in unserem Wappen sehr nahe; es
ist aber nicht zu übersehen, daß das
ursprünglich skandinavische Wort für diese
Vögel erst viel später ins Niederländische
eingedrungen ist, als es dem Alter des Ortes Alken entsprechen kann.
f3)
Alken, eine Pflanzenbezeichnung
Aus dem Jahre 1155 ist die ON- Form Aldeke überliefert. Wenn
man annimmt, daß sich hierin eine ursprüngliche
Namensform erhalten hat, so ist es nicht abwegig, an das lateinische
"alidacum" oder "aldacum" zu denken. Dieses, hängt zusammen
mit dem lateinischen Wort für "Erle", alnus. Aldeke und danach
Alken könnte demnach "Erlenwald" bedeuten. Hierher
gehörige belgische ON sind Eideren und Odeur.
f4)
Alken als keltischer Begriff für einen Kultplatz
Mit Hilfe des Internet und unter Zugriff auf neuere Sprachforschungen,
fand Ingo d'Alquen heraus, dass der Begriff Alken als solcher durchaus
auf keltische Wurzeln zurückgeführt werden kann. Ein
Alken ist dort ein verborgener bzw. magischer Ort, ein Kultplatz also.
Des weiteren ist heute bekannt, dass keltische Druiden stets mit
schwarzen Vögeln (den Alk- Vögeln) in Verbindung
gebracht werden. Ergo ist davon auszugehen, dass Alk- Vögel
nach der Christianisierung durch Karl den Großen (um 800
n.Chr.) als heidnische Symbole anzusehen waren. Dementsprechend sollte
man vermuten, dass diese Symbole nach 800 keine Verwendung mehr fanden
(finden durften).
Demzufolge könnte das Wappen, bzw. die Familie bereits vor
Karl dem Großen existiert haben. Das wird auch dadurch
deutlich, dass der Ort Alken, der seit etwa 1000 Jahren bekannt ist,
selbst keine (namensgebenden?) Alk- Vögel in seinem Wappen
führt- schließlich handelte es sich um eine
christliche
Gemeinde!
Zusammenfassung
1. Über die Zeit der Besiedlung läßt sich
durch die Untersuchung über die Entstehung des ON Alken nichts
feststellen. Alken kann eine gallo-römische oder eine
fränkische Siedlung sein.
2. Alken zu deuten als "Siedlung beim sumpfigen Land", "beim Erlenwald"
oder "beim Lummenwasser" ist nicht ausgeschlossen; dagegen ist aber
einzuwenden, daß ON -Bildungen dieser Art
verhältnismäßig jung sind, jünger
jedenfalls als die vermutete Gründung des Ortes.
3. Unter Berücksichtigung der siedlungsgeschichtlichen
Verhältnisse hat die Deutung am meisten für sich, die
sich die Bildung des ON als Ortsnamenausgleich vorstellt. Danach
bedeutet Alken "Hof, Siedlung, Haus des Allius".
(F.J. Dalquen 1967)

Dieser
Bericht muss noch vervollständigt werden. Ich bitte um
Geduld....!
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