Geschichte der Familie

Seligenstadt, geschichtlicher Überblick- Teil III

Der ältere (ausgestorbene) Seligenstädter Zweig

Seligenstadt

Johann Adam Dalcken (siehe hier ) ist der Begründer dieses im männlichen Stamm erloschenen Zweiges, bei Procházka, Meine 32 Ahnen und ihre Sippenkreise, S.452 ff, "Älteres Haus Dalcken" genannt. Er war zweimal verheiratet. Aus den beiden Ehen entsprossen vier bzw. zehn Kinder nämlich aus der

1. Ehe mit Anna Christina Klug:

1. Maria Elisabeth, getauft am 23. Oktober 1707 (Tf 2.198); Taufpatin war Maria Elisabeth, die Frau des Dominus Peter Barth. Sie heiratete am 10.Januar 1729 (Tr 3.46) Johann Peter Weisenbach, Sohn des Johann Weisenbach und der Anna; Trauzeugen waren der Vater der Braut, ihr Großvater Johann Leonhard Dalcken sowie Johann Georg Wolf, ihr Onkel, verheiratet mit Anna Margarethe Resch, Schwester ihrer Stiefmutter. Nachkommen aus dieser Ehe tragen die Familiennamen Lommel und Müller.

2. Johann Philipp, getauft am 17.Dezember 1708 (Tf 2.205). Pate war sein Onkel Johann Philipp Dalcken. Er blieb unverheiratet und starb ohne Nachkommen. Er wurde am 28.07.1724 bei St. Agathe begraben.

3. Johann Heinrich Dalcken/Dalquen, getauft am 3.April 1711 (Tf 3.185). Pate war sein Onkel Johann Heinrich Dalcken. Er heiratete in erster Ehe Maria Magdalene Funk, Tochter des Schusters Konrad Funk und der Antonia. Sie starb bei der Entbindung "devotissima" (in größter Ergebenheit) am 14. April 1737 (St 3.338). Zum zweiten Male verheiratete er sich am 29.Oktober 1737 (Tr 3.76) mit Maria Christine Reuß, getauft am 3. April 1718 (Tf 3.229). Trauzeugen waren der Vater Johann Adam "Dalquen", Ratsherr, und Peter und Johann "Reis", Maria Christina starb am 3.Jan.1750 (St 5.149).
Johann Heinrich war Leinen- und Wollweber. 1740 wird er im Steuerschätzungsregister der Wollweberzunft erwähnt. Danach besaß er ein Haus, das er Bartel Krauß abgekauft hatte, zwischen den Häusern des Wendel Ziegler und der Witwe des Andres Kohnen sowie neben Peter Zimmermanns Garten gelegen. Das Handwerk betrieb er 1740 "nur noch zur Hälfte", mit 40 Gulden zu versteuern; 1746, "weilen er solches nicht mehr betreibt", wird keine Steuer verrechnet. Er hatte eine Kuh, zwei Schweine, 10 Schafe sowie väterliche und mütterliche Güter zu versteuern. In welcher Weise ein Seligenstädter Webermeister seine Ware verkaufte, können wir einer Darstellung über die benachbarten Steinheimer Woll- und Leinenweber entnehmen: "Die Wollweber waren oft auf Reisen mit den planüberspannten Korbwagen, an der Deichsel ein ausgereiftes, gängiges Pferd, auf dem Bock der Wollweber im blauen, rotgesäumten Kittel, um den Leib die damals erforderliche lederne Geldkatze. So ging es heute in den Rodgau, übermorgen in den Kahlgrund, etliche Tage darauf in den Spessart zu den Schafhaltern, um Wolle zu erstehen und gegen Web- und Strickwaren einzutauschen. Viermal jährlich war man auf der Frankfurter Messe, während die Gesellen zu Hause die Webstühle schnurren ließen" (Dr. Leopold Imgram, Geschichte der Stadt Steinheim am Main, II.Teil: Das ehemalige Großsteinheim, o.O., 1958, s.172). 
1749 ist Johann Heinrich nochmals erwähnt: Sein Haus ist mit 50 Gulden veranschlagt; seine beiden Ochsen sind 12 Gulden wert; er besitzt 25 Morgen Ackerland und etwa 4 Morgen Wiesen ererbtes Land (Schatzungsregister der Wollweberzunft 118-126).

Johann Heinrich verstarb vermutlich am 3.Jan. 1750 (St 5.149). 1750 bitten seine Witwe und andere Wollweber, Militärmonturen liefern zu dürfen (Ratsprotokolle 143 v). Auch hieraus läßt sich der Niedergang der Seligenstädter Tuchmacherei erkennen. Offensichtlich bestanden keine befriedigenden Absatzmöglichkeiten mehr, weswegen öffentliche Aufträge gesucht werden mußten.
Die erste Ehe des Johann Heinrich war kinderlos geblieben. Aus der zweiten hatte er sechs Kinder.

 

Zu diesen 6 Kindern:

1. Johann Dalck(en), getauft am 25.Juni 1739 (Tf 3.426), Pate: Johann Reiß, sein Onkel; er starb am 28 August 1739 (St 3.347).

2. Maria Sophie Dalcken, getauft am 29.Sept.1740 (Tf 3.434), Patin: Maria Sophie, Tochter des Metzgers Melchior Reiß; sie heiratete am 21.Jan.1765 Johann Peter Rübener (Tr 3.146). Weitere Daten sind unbekannt.

3.  Johann Dalcken, getauft am 27.12.1742 (Tf 5.184), Pate: Johann Reiß,, sein Onkel; gestorben am 29.April 1751 (St 5.152).

4. Anna Maria Dalcken, getauft am 31.12.1744 (Tf 5.184), Patin: die "ehrenhafte Witwe" Anna Maria Reiß, ihre Tante; gestorben am 23.1.1747 (St 3.3.73).

5. Clara Josepha Dalcken, getauft am 16.4.1747 (Tf 3.471), Patin: die "ehrenhafte Jungfrau" Clara Josepha Kerer.

6. Johann Jakob Dalcken, getauft am 26.3.1749 (Tf 5.219), Pate: Johann Jakob Bauer, Hospitalmagister.
Zu 5 und 6 sind keine weiteren Einträge bekannt. Daraus ist auf einen sehr frühen Tod wie bei 1 und 3 zu schließen. Von den sechs Kindern erreichte anscheinend nur eine Tochter das heiratsfähige Alter.

4 - Das vierte und letzte Kind aus der ersten Ehe des Johann Adam war Maria Eva, getauft am 18.Januar 1713 (Tf 3.195). Sie heiratete am 11.Februar 1738 (Tr 3.77)Jakob Bauer aus Steinheim, Sohn des Daniel Bauer und seiner Frau Franziska. Der Nachkommenschaft der 2. Tochter dieser Ehe, Maria Ursula, verheiratete Resch, widmet Procházka, a.a.O.,S.454, wegen der Versippung mit der Familie van Beethoven eine ausführliche Darstellung. Hierzu folgende Übersicht:
 
            Versippung Dalcken                                                           van Beethoven



 
Zur Verheiratung der Anna Maria Resch mit Kaspar Hilgenreiner folgende Übersicht:

 

2. Ehe mit Anna Maria Resch:

5.  Das erste Kind aus der 2.Ehe war Maria Katharina Dalcken, getauft am 2o.Dezember 1715 (Tf 3.21o). Patin war ihre Tante Catharina Dalcken, die Frau des Dominus Adam Schad (s.S. 265).

6. Anna Maria Dalcken, Tochter des "hochansehlichen Herrn" Johann Adam Dalcken, wurde am 8.Dezember 1718
getauft (Tf 3.233). Patin war ihre Großmutter Anna Maria, Frau des Johann Leonard Dalcken. Sie starb unverheiratet am 13.November 1741 (St 3.357).

7. Anna Margaretha Dalcken, als "Tochter des Kollektors der Pfarrkirche" bezeichnet (s.dazu S.264), wurde am
10. Mai 1720 (Tf 3.278) getauft; Patin war Anna Margaretha Dalcken, geb.Resch, ihre Mutter, Tochter des Bäckers und Heimburgen Joachim Resch. Im Alter von knapp drei Jahren ist Anna Margaretha Dalcken am 5.Jan. 1723 (Tf 3v>298) als Patin erwähnt.

8. Anna Maria Dalcken, gleichnamig wie ihre Schwester (s.o.Nr.6), wurde am 10. Oktober 1722 (Tf 3.295) getauft. Ihre Großmutter, "eobis Avia", Anna Maria Dalckin ('.), war Patin. Sie starb am 13.Nov.1741 (St 3.357).

9. Neuntes Kind des Johann Adam, des "vir spectabilis", des hochansehlichen Mannes, war Elisabeth Dalcken, getauft am 27.März 1725 (Tf 3.313). Patin war Maria Elisabeth Resch, Frau des Theodor Kehrer, der uns schon als Ratskollege ihres Vaters und Empfänger "Dietrich" des Briefes aus Mainz (s.o. S267) bekannt ist. Sie starb am 26 März 1726 (st 3.281).

10. Nach sechs Töchtern war Johann Adam und seiner 2. Frau wieder ein Sohn beschieden: Franz Adam, getauft am 6.August 1727 (Tf 3.335). Sein Pate war ein "Italiener": Franz Adam Mainon (Die Familie Mainon ist zwischen 1683 und 1793 in Seligenstadt nachweisbar). 1730 und 1735 (Tf 3.335 und Tf 3.396) sowie 1752 (Tf 5.233, hier Franz Adam "Dalquen") als Sohn des "verstorbenen Senators" ist er Pate gewesen. Franz Adam hat vermutlich an der Mainzer Universität studiert. Die Fleischbein-Akte bezeichnet ihn als "Professor", worunter man damals auch "Lehrer" verstand. "Schon frühzeitig unterhielt das Kloster in Seligenstadt 'deutsche Schulmeister', Lehrer, die den Bürgersöhnen Lesen, Schreiben und Rechnen beibrachten" (Seibert, Flurnamen, S.55)."Es waren ursprünglich Klostergeistliche. Standen jedoch nicht genügend Mönche zur Verfügung, so übertrug man diesen Unterricht an weltliche Personen, die einen Kirchendienst innehatten, d.h. man nahm nur solche zu Küstern, Organisten und dgl., die etwas gebildet und fähig waren, in diesen einfachen Lehrgegenständen zu unterrichten. Der Ertrag dieses Kirchenamtes, das sie verwalteten, bildete gleichzeitig das Honorar für die Lehrtätigkeit" (J. Koch, Wirtschaftsund Rechtsverhältnisse der Abtei Seligenstadt, S.149). 1761 (Tr 3.139) ist Franz Adam Dalquen (!) als "Aedituus substitutus" bezeichnet, d.i. Hilfsküster. Andere Quellen nennen ihn Glöckner, Meßner, Küster der Pfarrkirche/ 1763 ist er P'ate des Franz Adam, Sohn des Johann Peter, des Löwenwirts (Tf 5.308). Um 1764 heiratet er Katharina, die am 8. Nov.1786 (St 5.273 "Dalquen") stirbt. Am 15.März 1787 (Tr 3.178) geht er die zweite Ehe ein mit Eva Katharina Müller, Tochter. des Metzgers David Müller. Sie war 1748 geboren und starb am 27.Dez.1813 (ASt 49). Franz Adam war ein Jahr vor ihr am 26.Mai 1812 (ASt 11) gestorben. Dramatische Ereignisse waren seinem Tod vorausgegangen. Inzwischen war, als Folge der Französischen Revolution, die Säkularisation in vollem Gange: Das Seligenstädter Benediktinerkloster war aufgelöst worden wie der gesamte Kurstaat Mainz. Rechtsnachfolger waren die Großherzoge von Hessen-Darmstadt. Die architektonisch bedeutsame Klosterkirche war nun überflüssig geworden. Daneben eine weitere Pfarrkirche zu unterhalten, eben jene, an der Franz Adam Dalcken/ Dalquen 61 Jahre gewirkt hatte, für deren Bauunterhalt schon sein Vater verantwortlich gewesen war, schien für die staatliche Kasse unzumutbar. So wurde diese romanische Pfarrkirche eingerissen.
 
Diese ehemalige Pfarrkirche ist uns aus mehreren alten Stichen bekannt, so dem von Matthäus Merian von 1646, mit dem dieser Bericht eingeleitet wurde. Hierauf ist sie ganz links neben dem wuchtigen Komplex der ehemaligen Klosterkirche zu sehen, Die folgende Ansicht ist ein Ausschnitt aus Daniel Meißners Stich von 1634 (aus;Franz Neubauer SJ, Zur Geschichte der einstigen Seligenstädter Pfarrkirche "Unserer Lieben Frau", Speyer, 1967, S.9).



Ausschnitt aus Daniel Meißners Ansicht von Seligenstadt (1634). Nordseite der Pfarrkirche.

In dieser Kirche ruhten zuerst die wundertätigen Gebeine der vom Biografen Karls des Großen, Einhard, hergebrachten Märtyrer Peter und Marzellin. Die Nachfolgebauten dieser Kirche haben einige familien- geschichtliche Bedeutung für uns: So ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Johann Leonard Dalcken 1732 "in" der Pfarrkirche bestattet wurde und daß der auf uns überkommene Wappengrabstein "aus" ihr stammt. Auch sein Enkel Johann Peter, der Löwenwirt, dürfte hier oder zumindest im näheren Umkreis der Kirche bestattet worden sein. Schließlich wird 1585 die "Not Gottes", der "Schmerzensmann", als Ausstattungsstück erwähnt, der für Johann Peter eine große Rolle spielte (s.u.). Einer der Altäre, der des Frühmessers, war der Hl. Catharina, der Hl. Lucia, den elftausend Märtyrinnen und den 12 Aposteln gewidmet. 1642/43, also noch vor Eintreffen des Theodor/Dieter in Seligenstadt, wurde die Frühmesserstelle von seinem Bruder  Wilhelm, späteren Domkapitular in Aschaffenburg, wahrgenommen. Die Vergabe dieser Altaristenstelle stand dem Kloster, zu dieser Zeit dem Abt Leonard Colchon, zu, der damit seinen Neffen versorgte. "Schon bald nach Aufhebung der Abtei durch Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt begab sich am 26.3.1803 eine Abordnung der katholischen Kirchengemeinde, bestehend aus Pfarrer Bernhard Bauerndreßler, vormals Mönch der Abtei, Ratsschultheiß Jakob Bauer und Hofrat Dalcken/ d'Alquen, nach Darmstadt, um vom Landgrafen die Schenkung der Abteikirche als Pfarrkirche für die Stadt zu erbitten" (Neubauer, a.a.O., S.35). Dies erfolgte am 15.4.1812. Der erste Pfarrgottesdienst fand in der neuen Kirche am 19.Mai 1812 statt. "Genau eine Woche später, am 26.Mai, schloß der Glöckner der alten Pfarrkirche Franz Adam Dalken für immer seine Augen"(Neubauer, a.a.O., 3.36).

Franz Adam hatte insgesamt 4 Kinder:



Zu diesen Kindern:
1. Marie Elisabeth, getauft am 10.8.1765 (Tf 5.317); Patin: Maria Elisabeth, Tochter des Peter Dalquen, Wirts zum Goldenen Löwen und Wollwebers; sie starb am 4.2.1767 (St 5.230).

2. Franz Anton I, getauft am 29.8.1789 (Tf 6.37)

3. Johann Peter, getauft am 22.1.1791 (Tf 6.49); er starb ledig am 29.11.1813 (ASt 42).

4. Juliane, getauft am 14.3.1793 (Tf 6.65); sie starb am 5.7.1794 (St 5.300).

Alle Kinder starben vor ihrem Vater Franz Adam ohne Nachkommen.
 

11.  Das elfte Kind des Johann Adam war wieder eine Tochter: Anna Maria, getauft am 15.Nov.1729 (Tf 3.351).
Patin war Maria Anna, die erste Frau des Nikolaus Resch, der in 2. Ehe die Enkelin des Johann Adam heiratete. Anna Maria verehelichte sich am 5. Nov. 1753 (Tr 3.114) mit Joh.Paul Holzinger.

12. Die nachfolgende Tochter Maria Elisabeth wurde am 4.Aug.1732 (Tf 3.37o) getauft. Sie starb bereits ein Jahr später am 18.Nov.1733 (St 3.310).

13. Matthias Dalcken wurde am 8.Juli 1732 getauft. Sein Pate war der "eruditus dominus", der wohlunterrichtete Herr (damals für Studierte verwendet)  Matthias, Sohn des Philipp Dalcken, der spätere Pater Beda. 1738 (Tf 3.418) ist Matthias als Pate erwähnt. Sonst liegen keine Einträge vor, woraus auf seinen Tod noch als Kind zu schließen ist.

14.  Letztes Kind des Johann Adam ist Lothar Christoph, getauft am 3.Mai 1737. Sein Pate war sein Cousin Lothar Franz Bernard Anton Dalcken, Sohn des Johann Heinrich (s.S.248). Lothar war damals noch Domizellar bei St.Peter und Alexander in Aschaffenburg. In seiner Stellvertretung hob Christoph Malzi/Malsi das Kind aus der Taufe. Er heiratete am 9.Nov. 1777 (Tr 3.161) Anna Maria Poliert. In den Jahren 1777, 1781, 1783, 1785, 1787 sind er bzw. seine Witwe in den Schatzungsregistern;(Stadtarchiv Seligenstadt IX.6.30.39) erwähnt. Er starb 44jährig am 3.Juni 1782 (st 5.262), seine Prau vier Jahre später am 4.Aug.1786 (St 5.273). Ihre Güter wurden 1787 versteigert.
Am I6.0kt.i78o war ihnen ein Sohn "Anonymus" geboren worden, an dem die Hebamme die Nottaufe vollzog, wonach er verstarb (St 5.258).
Sie hatten eine Tochter Maria Magdalena, die am 28.Dez. 1781 (Tf 5.390) getauft wurde. Deren Patin war Maria Magdalena Goy (s.o.S.254). Am 10.Okt.1811 heiratete eine Maria "Margarete" den Witwer Leonhard Burkard (Tr 3.393). Seibert vermutet einen Fehler beim Eintrag ins Register und hält die beiden Marien für identisch. Sie starb am 29.Febr.1855.

Keiner der Enkel des Johann Adam hatte männliche Nachkommen. Damit starb dieser Zweig in der männlichen Linie aus.
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