Geschichte
der Familie
Wohnen und Leben in
Aschaffenburg im 17. und 18. Jahrhundert
Häuser
der Dalken und ihrer Verwandten Fleischbein, Gelph und Colchon/Colson

In
den Jahren 1985 und 1991 erschienen die beiden Bände des
"Aschaffenburger Häuserbuchs" von Alois Grimm. Diese
äußerst verdienstvolle und mit vielen Zeichnungen
(Isometrien) des Verfassers ausgestattete Veröffentlichung
gewährt uns einen weiteren Einblick in die
Lebensverhältnisse und Zeitumstände von Mitgliedern
unserer Sippe im 17. und 18. Jahrhundert.

Merian
1646, kopiert 1842 aus Schober, bei S.4
Aschaffenburg
war damals neben Mainz die bevorzugte Residenz der
Reichserzkanzler, Kurfürsten und Erzbischöfe. Ihr
Schloß Johannesburg ( 1614 nach der Zerstörung von
1552 neuerbaut; obige Abbildung zeigt den Zustand von vor 1552) im
Norden, die Stiftskirche St.Peter und Alexander im Osten und die
Viertel um die alte Mainbrücke, die Willigisbrücke,
im Süden markieren die Altstadt, die im Westen vom Main
begrenzt wird.
Mitten darin steht die Muttergottes-Pfarrkirohe St.Maria ( 1768-1775
neugebaut). Der Vorläuferbau stammte aus dem 12. Jahrhundert.
Abb.2 (links) zeigt die Rekonstruktionszeichnung (Grimm, Bd.2, S.235) mit dem
Friedhof, auf dem
Joh. Franz Thomas Dalken, Bruder des Seligenstädter
Theodor/ Dieter, beigesetzt worden war. Abb. 3 zeigt den Neubau (Grimm ), der
1775 eingeweiht wurde. Die Weihe nahm der Mainzer Erzbischof vor,
assistiert u.a. vom Stiftskanoniker Edmund Paul Anton"Dalquen'(s.u.),
der die erzbischöfliche Mitra trug. (Fischer, Muttergottes-
Pfarrkirche, S. 24)
Unser Wissen um den Senator (Stadtrat) Joh. Franz Thomas Dalken wird um
einiges erweitert. So erfahren wir, daß
seine Ehefrau Johanna hieß; demnach muß seine erste
Frau Elisabeth, verwitwete Mang aus Aschaffenburg, tot gewesen sein
(Grimm, Bd.2, S.48)). Wir erfahren außerdem, daß er
eine
Tochter vermutlich von der zweiten Frau hatte, die mit dem Mainzer
Bürger Savenoe verheiratet war (Grimm, Bd.1, S.200).
Johann Franz (Thomas) Dalken hatte 1659 in Großostheim
geheiratet. Am 16. NOV. 1661 wird in Aschaffenburg in der Kirche
St.Agatha die Tochter Maria Elisabeth des Krämers ("institor")
"Johann Dalcken" getauft, mit großer Sicherheit ein Kind
dieser Ehe. Patin ist Maria Elisabeth, die Frau des "Dominus Dietrich
Dalckin" aus Seligenstadt, Schwägerin des Vaters und Tante des
Täuflings.
Am 24. Sept. 1675 wird die nicht genannte "foemina Leodiensis fullonis
in
molentino D. Dalcken" in St. Agatha in Aschaffenburg beerdigt. Dieser
lateinische Text gibt ein kleines Rätsel auf: Ein "fullonius"
ist ein Wollstoffwalker und "molendinum" ist - hier vielleicht- eine
Walkmühle. Nun heißt es weiter "D. Dalcken". Wenn
"D" für Dominus steht (Herr), müßte
eigentlich ein Genitiv "Domini" zu erwarten sein. Dann hieße
der Text: "Walker in der Walkmühle des Herrn Dalcken". Die
Verstorbene wäre dann gar keine Dalcken gewesen, sondern
Ehefrau eines seiner Beschäftigten. Dies bedeutete dann aber,
daß Johann Franz (Thomas) neben seiner Krämerei
(Eisenhandel?) auch eine Walkerei betrieb, ein weiterer Bezug zur
Wollweberei.
In den Büchern von St.Agatha zu Aschaffenburg findet sich
unter dem 25. Febr. 1706 der Eintrag, daß die Frau des Herrn
Franz Wilhelm Savenoy mit Namen Maria Elisabeth beerdigt wurde. Dies
ist mit großer Wahrscheinlichkeit die o. e. Tochter des
Johann
Franz Dalcken gewesen. Sie wurde in "sacellum ad album lilium", also in
der Kapelle zur weißen Lilie beigesetzt, "in" der Kirche, ein
Privileg für Bevorzugte ( die Angaben aus den
Aschaffenburger Kirchenbüchern
verdanken wir Herrn Heinrich Fußbahn aus
Aschaffenburg- Johannesberg).
Inzwischen habe ich weitere Daten
zum Leben des Johann Franz Thomas Dalcken zu Aschaffenburg gefunden: Im
Febr.1662 wurde er als Ratsherr vereidigt ( Baierlein,
Kulturbilder, S.166). Am 3.Jan.1664
wurde er als "Bau(rent)meister" vereidigt (ebenda ). 1678 Besitzt Hans
Dalken "ein Grundstück in der Webergasse, worauf das
Syndikatshaus gestanden haben soll. Obwohl er (Hans Dalken) vorbringt,
den Platz frei erkauft zu haben und nichts als den Brückenzoll
zu entrichten brauche, muß er 27 Albus Grundzins in die
Präsenz zahlen" (Grimm, Häuserbuch, Bd.2, S.302)
Herr Fußbahn teilt mir mit
Schreiben vom 13.12.93 weitere Einzelheiten zu Johann Franz (Thomas)
Dalken mit:
In den Ratsprotokollen vom 14.3.1659 S.47 wird festgehalten,
daß "Johann Frantz Dalckin" eine kurfürstliche
Personal- (gemeint:Steuer-) Befreiung vorwies und zum Bürger
angenommen wurde.
Am 20.4.1659 wurde er in die Krämerzunft aufgenommen
(Krämerzunftbuch, S.389 Stadtarchiv Aschaffenburg) .
Am 6.2.1662, erstaunlich bald nach seiner Einbürgerung, wurde
er Ratsmitglied.
Am 19.4.1663 ist die Tochter Anna des "Herrn" Johann Frantz Dalckin/der
Anna Elisabeth Marckell, Tochter /Patin des Walkmüllers Johann
Marckell. Diese Tochter Anna des Johann Franz Dalken könnte
aus seiner ersten Ehe stammen, die er am 21.1.1659, also kurz vor
seiner Einbürgerung, geschlossen hatte.
Am 3.1.1664 wurde Johann Franz Dalckin in Aschaffenburg zum
städtischen Baumeister angenommen, worunter wir heute den
für die städtischen Hoch- und
Tiefbaumaßnahmen zuständigen Stadtrat verstehen
würden.
Dalbergstraße 41 (Lit.A 40)
Vor 1910 hieß die Dalbergstraße "Große
Metzgergasse". Sie verläuft südlich der
Muttergottespfarrkirche. Uns interessiert das Haus Nr.41 "Zum
Bratfisch" ( Grimm, Bd.1, S.139 ff).

Dalbergstraße
41, ursprünglicher Zustand (links), Fassade seit 1914 (rechts)
In der Liste seiner Eigentümer erscheint von 1570 bis 1583
Nikolaus Fleischbein, Aschaffenburger Ratsherr, und nach ihm 1596-1598
seine Erben, darunter Jost Gelph aus Seligenstadt und Kaspar
Fleischbein. Jost Gelph hatte die Schwester Katharina des Nikolaus
Fleischbein in erster Ehe geheiratet. Der Bruder Christoph dieses
Nikolaus ist der Vater des berühmten Dr. Kaspar von
Fleischbein, des Stifters des "Fleischbeinschen Stipendiums",
kaiserlicher und kurfürstlicher Hofrat in Aschaffenburg.
Nachdem Jost zuerst die Tante des Kaspar geheiratet hatte, verheiratete
er nun seine Tochter Anna an ihn. Urenkelin des Jost Gelph ist Maria
Elisabeth, die Ehefrau des Theodor/ Dieter Dalken.
Das Haus Dalbergstr. 41 behielt sein Aussehen bis 1878, als dort eine
Metzgerei einzog. 1914 wurde das Erdgeschoß nochmals
umgestaltet. Nach Kriegsschäden
1944/ 45 wurde das Haus 1950 wiederhergestellt.
In der Zeit, als die Fleischbein-Gelph dieses Haus besaßen,
war es ein sehr ansehnliches, geräumiges Gebäude mit
Kellern, einem großen Hofraum, Nebengebäuden,
Scheunen und Ställen. Es hatte sogar einen für
damalige Verhältnisse seltenen eigenen Brunnen, der von der
Muttergottespfarrkirche abgeleitet war.

Der
Nachbesitzer der Fleischbeinschen Erben war Dr. Georg Ritter von
Reigersberg. "Als Gesandter des Reichserzkanzlers und
Kurfürsten wirkte er in hervorragendem Maße bei den
Friedensverhandlungen am Ende des Dreißigjährigen
Krieges mit. Der Westfälische Friedensvertrag vom Jahre 1648
trägt seine Unterschrift an erster Stelle. Seine Verdienste
wurden von den Kaisern Ferdinand und Leopold rühmend
anerkannt. Er bekleidete die Bürgermeisterwürde (in
Aschaffenburg) von 1624 bis 1651. Im Jahre 1652 starb er zu Frankfurt
am Main. Seine Leiche ist in der Muttesgottes-Pfarrkirche zu
Aschaffenburg beigesetzt." So erfahren wir aus einer Inschrift im Hause
(Grimm, Bd. 1, S. 143).
Dalbergstraße 16 (Lit. A 165)

In der Dalbergstr. 16 (Abb. links) stand das "Haus zum
Bethlehem", bereits 1353 erwähnt. 1700 gehörte es dem
Schwiegersohn des Joh.Franz Thomas Dalken, "Herrn" Savenoe aus Mainz.
In diesem Hause waren Kannengießer, Goldschmiede, Schuster
und vor allem seit 1763 Bäcker tätig. 1945 wurde es
zerstört. Die Abbildung unten zeigt dieses Haus mit der Front
zum
Schloß im rekontruierten Ensemble ( Grimm, Bd. 1, S. 305).
Savenoys Vornamen sind
Franz Wilhelm, auch er Stadtrat wie sein Schwiegervater in
Aschaffenburg.

Haus Dalken- Savenoe
Stiftskirche
und Stiftsplatz um 1600
Das
Haus Dalken/ Savenoe lag sehr günstig zur Stiftskirche
St.Peter und Alexander. In der Abbildung oben ist der Kreuzgang gut zu
erkennen,
in dem der Stiftdekan Edm. Paul Anton Dalken begraben wurde. Am unteren
Bildrand sind vier Hausgiebel angedeutet; der dritte von links
gehört zum Hause Dalken/ Savenoe.
Im 16. Jahrhundert hatte das Stift schwere Krisen durchzustehen. 1631
wurde Aschaffenburg von den evangelischen Schweden besetzt. Die meisten
Stiftsgeistlichen flohen nach Mainz an den kurfürstlichen Hof
und von hier zusammen mit dem Kurfürsten nach Köln.
Die Pretiosen hatten sie nur zum Teil mitnehmen können. Ihre
Häuser und Höfe wurden von den Schweden
beschlagnahmt. Die verbliebenen Stiftsgeistlichen ließ man
ohne Versorgung. Sie richteten an den schwedischen Statthalter in Mainz
ein Bittschreiben: "Darum ist unser fußfällig
Weinen, Rufen und Schreien, es wollen Euer Gnaden und Herrlichkeit uns
deßfalls Ihre Gnade ertheilen, daß wir bei unseren
Beneficien belaßen werden." ( May, Peter und Alexander, S.136) Dem wurde nicht
stattgegeben.
1632 erging die schwedische Drohung, wer von den Geistlichen nicht
binnen 14 Tagen nach Aschaffenburg zurückkehre, dessen Haus
werde eingerissen. 1634 wurden die Schweden von den kaiserlichen
Truppen bei Nördlingen geschlagen. Sie zogen sich auch aus
Aschaffenburg zurück. Nun trafen die Kanoniker wieder ein. Sie
fanden jedoch keine Vorräte mehr vor; Mißernten
kamen hinzu; ihre Häuser waren ruiniert; es gingen keine
Zinskapitalien mehr ein.
Am Ende des 30jährigen Krieges waren die katholischen
Franzosen, die mit den Schweden und den Türken
verbündet waren, siegreich über die Kaiserlichen.
1646 wurde Aschaffenburg von Turenne besetzt. Er verlangte 1.000 Gulden
Kontribution. Als Folge des Friedens von Münster und
Osnabrück waren bis 1654 erhebliche Zahlungen für die
Stadt und das Stift fällig.
20 Jahre darauf, 1673 während des Kriegs um die Niederlande,
wurde Aschaffenburg abermals von den Franzosen besetzt. Allein dem
Stift entstand ein Schaden von 5.000 Gulden.
Es läßt sich denken, daß diese
Kriegsereignisse nicht nur ihre Wirkungen auf den
äußeren Zustand des Stifts hatten. 1636 war die
finanzielle Lage so schwierig geworden, daß die Zahl der
Kapitularstellen mit
kurfürstlicher Genehmigung von 28 auf 15 gekürzt
werden mußte. Dies blieb so bis zum Ende des 17.
Jahrhunderts. Erst
1705 kamen letztmals wieder zwei Kanonikerstellen hinzu.
1666, zur Zeit also als der Stadtrat Joh. Franz Thomas Dalken, sein
geistlicher Onkel Johann Colchon und sein geistlicher Bruder Wilhelm in
Aschaffenburg lebten, hatte der "Sittenverfall" am Stift
Maßnahmen erzwungen. Der Kurfürst- Erzbischof Johann
Philipp von Schönborn drohte mit exemplarischen Strafen. Wir
wissen, daß der Kanoniker Wilhelm Dalken wegen Ungehorsams
gegenüber dem Propst 1648
kurzfristig in den Karzer gesperrt
wurde.
1696, Johann Colchon war inzwischen gestorben, hat der Erzbischof Franz
Lothar von Schönborn moralischen Zustand der
Stiftsgeistlichen "sehr getadelt". Er bestand gegenüber dem
Stiftsdekan auf einer strengen Aufsicht über ihren
Lebenswandel, die Entfernung verdächtiger Weibspersonen aus
ihren Häusern. Er drohte mit Amtsenthebung und
Kürzung der Pfründen. Besonders verwerflich fand er,
daß die Kanoniker in der Öffentlichkeit ohne
geistliche Gewandung erschienen. Wörtlich heißt es
im Schreiben an den Stiftsdekan: "Und weilen viertens nit genugsamb
seyn will, daß unser Clerus coram deo einen
unsträflichen Wandel führe, sondern auch
daß selbiger dem gemein Volk zur Auferbauung sich
äußerlich in modester und priesterlicher Kleydung
ohne schnöden Pracht und Eitelkeit erzeige, Wir aber hingegen
wahrnehmen müssen, daß nicht allen Canonici und
Vicarii in brevibus aufziehen, sondern sich auch nicht scheuen, Ihrem
Stand zu wieder allerhand farbige mit Silber und Gold verbordirte auch
mit Frantzen und farbigen Knöpfen ausgemachte Mantel und
Camisoler mit Spitzen besetzte Manchetten und dergleichen einem Clerico
zumalen ohngeziemliche Zierrathen zu tragen..." ( May, wie vor, S.146 f)
Längst waren die Zeiten vergangen, da die Kanoniker "mit
Würde dem Altar dienten, in Sitten und Wissenschaften als
Beispiele leuchteten und deren Kultur dienten" ( May, wie vor, S.168). Unter den wenigen,
"welche sich im Laufe der Jahrhunderte durch Tugend und
Wohltätigkeit, rechtliche Handlungen sowie durch Talent,
Kenntnisse und Kultur der Wissenschaften
ausgezeichnet haben", wird u. a. der Dekan (Edmund Paul) Anton Dalken
ausdrücklich hervorgehoben ( Grimm, Bd.2, S.45).
Fast will es so scheinen, als ob die Zeit reif geworden war zu
revolutionärem Umschwung der Verhältnisse, zu
Neuordnungen, zu Umverteilung von Besitz. Für viele
Bürger sicher schon seit langem Traum und Hoffnung.
Doch zunächst wieder zurück in die immer noch
mittelalterlichen Gassen und zu den vornehmen Plätzen des
herrschaftlichen und behäbigen Aschaffenburg.
Pfaffengasse 5 (Lit.B 16)
Kurie "Zum Bienbach" -
"Stäblerhaus"

Das zweifellos interessanteste Haus, das in diesem Zusammenhang zu
erwähnen ist, stand in der Pfaffengasse 5. "Dieses Haus galt
als eines der ältesten Wohnhäuser in Deutschland"
( Grimm, Bd.2, S. 45). Es entstand etwa 1180 als romanischer Steinbau,
ein für
damalige Verhältnisse sehr seltner und herausragender Bau
(Abb. s.o.)
1315 kam das Haus in Besitz des Stiftes. Es wurde vorwiegend an
Stiftsbedienstete bzw. Stiftskanoniker vermietet. 1665 mietete es der
Kanoniker Johann Colchon/ Colson, Bruder des Seligenstädter
Abtes Leonard, für zehn Jahre ( Grimm, Bd.2, S.48); es hieß damals
"Bienbacher Hof". Colchon hatte vorher als Kantor eine mindestens
ebenso noble Unterkunft inne, nämlich um 1630 des Stiftshof
"Zur alten Münze" (s.u.). Johann Colchon starb noch im
gleichen Jahre, und so setzten seine Erben den Mietvertrag fort,
nämlich sein Neffe Johann (Franz Thomas) Dalken und
dessen Ehefrau Johanna. Sie bewohnten dieses ungewöhnliche
Haus 25 Jahre bis zum Tode des Johann Franz Dalken 1686 ( s.u.).
Er hatte mehrfach Ärger wegen dieses Hauses. Bereits 1666 kam
es zu einem Prozeß in Mainz mit seinem Nachbarn, dem
Goldschmied Michael Eberhard Fischer, und zu einem Vergleich. Dalken
durfte in seinem Haus Dalbergstraße 16 (s.o.) eine
Tür und zwei Fenster brechen lassen, die eine direkte
Verbindung zu dem Mietshaus "Hof zum Bienbach", auch
"Stäblerhaus", Pfaffengasse
5, ermöglichte. Außerdem baute Dalken noch einen
Stall. 1670 handelte er sich Ärger mit seinem Vermieter, dem
Stift, ein, weil er ohne Rücksprache einen Backofen gebaut
hatte. Auch mit den Nachbarn Pfaffengasse 7 gab es
Schwierigkeiten, nachdem Dalken an der Trennungsmauer den Mist aus
seinem Kuhstall ablagerte und außerdem dort ein "Privet", ein
Aborthäuschen, hingestellt hatte. Der "unerträgliche"
Gestank und die Durchweichung der Mauer waren nun die Ursache erneuter
Auseinandersetzungen. Nichts von diesem architektonisch hochbedeutsamen
Haus hat den Krieg und die Wiederaufbauphase überstanden.
Leider erfahren wir verständlicherweise aus dem
Häuserbuch nichts weiter über Joh. Franz Thomas
Dalken und seine Familie. Er war Stadtrat; er hatte zweimal geheiratet;
er hatte seine Tochter an einen Mainzer ( vermutlich) Kaufmann namens
Savenoe verheiratet; er besaß bzw. bewohnte Häuser
der gehobenen Qualität in einem Stadtviertel, wo
höhere und mittlere Beamte zu Hause waren; er beerbte in
Aschaffenburg einen wohlhabenden geistlichen Onkel;
schließlich ließ er sich aufs Grab einen Stein mit
dem Familienwappen setzen, das er markant abwandelte. Sicher hatte er
von seinen Eltern genausoviel Geld geerbt wie seinerzeit seine
Schwester, die als Mitgift ins Kloster 400 Imperiale mitbrachte. Er
hatte zwei Semester Jura in Würzburg studiert, mußte
also des Lateinischen mächtig sein. Vielleicht hatte er auch
anderswo noch studiert, u. U. auch Theologie, da sich sein Onkel, der
Abt Leonard für eine geistliche Pfründe für
ihn bemüht hatte. Das ist vorerst alles über Johann
Franz Thomas Dalken.
Stiftsgasse 10 (Lit.A 28)
Das Stiftshaus "Zum Hawen" ("Zum Uhu"?)
Ein weiterer Bruder des Theodor/ Dieter Dalken erscheint als
Hausinhaber
in Aschaffenburg; es ist der Kanoniker Wilhelm Dalken. Von 1668 bis zu
seinem Tode 1670 wies ihm das Stift die Behausung in der Stiftsgasse 10
zu. 1341 ist dieses Haus "Zum Huge" erstmals
erwähnt. Die Hausnamen stehen in dieser Frühzeit
für unser- späteres intellektuelles Zahlen- und
Nummernsystem. Wir können uns vorstellen, daß
ähnlich unseren heutigen Wirtshausschildern Kennzeichen an den
Häusern angebracht waren. Oft wurden diese Hausnamen zum
"Über"-Namen des Bewohners.
Das Haus des Kanonikers Wilhelm Dalken macht einen vergleichsweise
bescheidenen Eindruck in seiner Häuserzeile (Abb.mittleres
Gebäude) ( Grimm,
Bd.1, S.64),
war
aber sehr geräumig. Es hatte, nach einer Beschreibung von 1804
( Grimm,
Bd.1, S.438 f)
im Erdgeschoß
ein Wohnzimmer, zwei Kammern, eine Küche mit Kellerzugang; im
Obergeschoß drei Zimmer und zwei Kammern. Das
Obergeschoß war nach mittelalterlicher Bauweise über
eine Außentreppe im Hof erreichbar. 1516 war das Haus in
Besitz des Stifts gelangt. Nach der Säkularisation wurde es
zeitweise "Gastwirtschaft zum Stift". 1944 wurde es schwer
beschädigt und schließlich 1969 abgebrochen.
Stiftsgasse 9 (Lit.A 19)
Stiftshof "Zur alten Münze"

"Alte
Münze" oben rechts und unten mit Nebengebäude
"Kelterhaus" (Grimm, Bd.1, S397 ff)
1464
erwirbt das Stift ein Haus "Zu der alten Münze".
Vermutlich schon früher, ab 1160, darf hier die
Münzprägestätte des Stifts vermutet werden.
Es ist das Haus in der Stiftsgasse 9 ( Grimm,
Bd.1, S.397 ff).
Dieses Haus sowie
Nachfolgebauten erzwangen wegen ihres ruinösen Zustands 1751
bis 1756 einen Neubau. Dies nahm sich der Stiftskanoniker Joh. Georg
Wenzel von Hoffmann für 3000 Gulden aus eigener Kasse vor. Der
Kanoniker fertigte selbst den Plan und leitete die Bauarbeiten. Es
entstand ein vornehmes, spätbarockes Palais. Von Hoffmann war
1764
Dekan geworden. ( Über den Stiftskanoniker Wenzel von Hoffmann
hat
Walter Goldinger eine Arbeit verfaßt, abgedruckt in:
Aschaffenburger Jahrbuch, Band 42, 1957, S. 813 ff.)
Sein Nachfolger in diesem
Amt und Nachbewohner war von 1769 bis 1777 Franz Georg Karl Freiherr
von Boos in Waldeck und nach diesem von 1777 bis 1783 der Dekan Edmund
Paul Anton Dalken (s.XIII.Bericht, S.364-369). Nach ihm bezog es
infolge der Säkularisation als letzter Dekan bis zu seinem
Tode 1817 Joseph Jakob Freiherr von Tautphöus. Nun war das
Palais bis 1857 Sitz des Kreis- und Stadtgerichts, danach in
Privatbesitz und ab 1952 im Eigentum der Stadt Aschaffenburg. 1944/ 45
hatte es schwere Kriegsschäden erlitten. Der Wiederaufbau
erfolgte 1970/ 71. Nun birgt es im Erdgeschoß die
städtische Wohnungs- und Häuserverwaltung und im
Obergeschoß das Staatliche Schulamt.

Am Grundriß ( Grimm, Bd.1, S.401) des Erdgeschosses fallen die
großen
Zimmer auf, deren mittleres einen Ausgang über eine
Terrassentreppe in den großen Garten hatte. Im rechten
Seitenflügel gab es ein ovales Badezimmer, eine
große Besonderheit zu seiner Zeit. Die Mitte des
Obergeschosses barg den Festsaal, dessen Wände mit Szenen der
antiken Mythologie bemalt waren. "Das Anwesen repräsentiert
auch als Nachschöpfung von 1971 den einzigen, in seiner
äußeren Gestalt nahezu unverändert
erhaltenen ehemaligen Stiftshof dieser architektonischen
Qualität. Interessant das Bauwerk als Schöpfung eines
kunst- und architekturbeflissenen Laien, der italienische und
französische Bauvorbilder in die vorgegebene Situation
einzufügen verstand. Die vorzüglich gewählte
Plazierung auf der Krone des durch seine Weinbergterrassen nahezu
südländisch anmutenden Stiftsberges macht die Anlage
zu einem unentbehrlichen Bestandteil des Stadtbildes" ( Grimm, Bd.1, S.403).
Von den verschiedenen Hausinschriften, die von Hoffmann anbringen
ließ, möge eine auch im Hinblick auf Edmund Dalken
sinngemäß zitiert werden: "Dankbar mögen es
die Nachfolger genießen. Bess'res
erwarten die Neider", (Grati fruantur posteri, Meliora tentent invidi.)
( wie vor,
S.406)
Wir dürfen überzeugt sein: Edmund Dalken hat es
genossen. Und geneidet worden ist es ihm sicher auch.
Kapelle St. Martin
Zum Schluß sei noch dieser Kapelle Erwähnung getan
( wie vor,
S.455 ff)
Sie lag zwischen den Anwesen Stiftsgasse 7 und 9 (s. Abb.11
südlich der Stiftsdekanei). Erstmals ist sie 1268 genannt. Ihr
Hauptaltar war dem Hl.Martin geweiht. Ihr gingen ansehnliche Spenden
zu, besonders aus der Seligenstädter Umgebung, z.B. im Jahre
1730
über 52 Gulden. 1567/ 68 zahlte Kaspar Fleischbein
(s.Stammtafel weiter oben) u. a. von seinem Haus "Kesselhube" einen
halben
Malter ( etwa 60 l) Korn. Zu dieser Leistung waren noch 1650 seine
Erben, so Jost Gelph, verpflichtet. 1771 schreibt der
Vorgänger von Edmund Dalken als Dekan an den Erzbischof von
Mainz: "...die dem Kollegiatstift nächstliegende St.
Martinskapelle ist wegen Altertums so ruinös, daß
schon vor einem halben Jahr ein Stück Holz auf das
Dechaneydach gefallen und ein Loch bis in das Zimmer gestoßen
habe. Vor kurzen Tagen ist ein großes Stück von dem
Chorgewölbe eingefallen, wodurch diese Kapelle
gänzlich unbrauchbar geworden. Wegen dauernder Gefahr des
Einsturzes kann keine Messe mehr gelesen werden" ( Grimm, Bd.1, S.456 f). Daraufhin wurde
die Kapelle eingerissen und ein Teil der Grundfläche dem "Hof
der Alten Münze" zugeschlagen.
Schloßplatz
(oder heutige Fürstengasse?)
"Das Syndikatshaus (nicht näher zu identifizieren): 1687 kauft
nach einem Stiftsprotokoll eine Frau Dalken das sog. Stiftshaus am
Schloßplatz (oder in der Gegend der Schloßgasse)
vom Stift und errichtet ein Jahr später auf dem
Grundstück einen Neubau ( Grimm, Bd.2, S.415 und Anm.19:
Stiftsarchiv, Stiftsprotokoll v.3.1.1687 und 12.VII.1688). Dieses stiftische
Syndikathaus
hatte an die Mainbrückenkasse einen jährlichen
Grundzins von 15 Albus zu entrichten" ( ebda,
Stiftsprot.v. 1 .IX. 1698, Anm. 20).
Nach damals geltendem Recht stand eine Ehefrau stets unter der
Vormundschaft ihres Gatten. Wenn also 1687 "Frau Dalken" ein
rechtsgültiges Immobiliengeschäft
abschließt und ein Jahr darauf als Bauherrin auftritt,
muß sie Witwe gewesen sein. Also war ihr Gatte - wir nehmen
an, es war Joh. Franz Thomas Dalken - vor dem 3.Januar 1687,
vermutlich 1686 gestorben .. ''Frau
Dalken" muß 1698 noch gelebt haben, wie aus der
Grundzinsfestsetzung zu schließen ist.
Über die genaue Lage ihre Hauses und dessen Beschaffenheit
läßt sich mangels Archivalien und infolge der
bereits im 18.Jahrhundert einsetzenden Sanierung dieses Stadtteils
nichts mehr sagen.
Hier noch eine genealogische Übersicht über die
Versippung der aufgeführten Personen. Hauseigentümer
bzw. -inhaber in Aschaffenburg sind durch Einrahmung hervorgehoben.
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