Die
d'Alquen Seiten
(Dalquen,
Dalken, van Alken,usw.) |
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Die
ältere westfälische Linie
"Einer, der vergessen ist"
Schriftliche
Aufzeichnung einer Rundfunksendung über J.P.C. d'Alquen vom
01.08.1939
Die
Lieder und der erste Teil der Klaviersonate in F-Dur, die Sie nun
gehört haben, sind nicht die Werke eines Nur-Komponisten,
sondern die in den Mußestunden entstandenen Werke des
Sanitätsrates und Chirurgen Johann Peter Cornelius d'Alquen.
Bekanntlich
nennt man Leute, die gern Musik machen ohne davon materielle Vorteile
davonzutragen, "Liebhaber" oder mit einem Fremdwort Dilettanten. Leider
hat das Wort Dilettant im Laufe der Zeiten eine Betonung erfahren, die
für die Liebhaber nicht schmeichelhaft ist und die
darüber hinaus auch ungerecht ist, denn es stimmt, was Ernst
Heimeran einmal sagt: "Dilettanten sind nicht etwa Leute, die nichts
können, sondern Leute, die etwas tun, was sie gar nicht
müssten.
Viele
Leute, die die Befähigung in sich fühlen, die
Mitmenschen und die Nachwelt mit musikalischen Werken zu
beglücken, haben den begreiflichen Wunsch, Komponist
zu werden und unter ihnen glaubt sicher eine beträchtliche
Anzahl, dass es möglich wäre, von den Erzeugnissen
ihrer Muse ein auskömmliches Dasein zu fristen. Wie die
Erfahrung lehrt, ist dieses nur in den seltensten Fällen
möglich und auch das erst in allerneuester Zeit, denn alle
Komponisten des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts lebten nicht von
ihrer produktiven Tätigkeit -also dem Komponieren- sondern von
ihrer reproduktiven. Sie waren entweder Klavierspieler, Geiger,
Dirigenten, Organisten und dergleichen. So war Haydn Kapellmeister bei
Esterhazy, Mozart Pianist, in seiner frühesten Jugend auch
Geiger, Beethoven Klavierspieler und Dirigent und der in der
reproduktiven Musik nicht gerade als Klaviertitan anzusprechende Franz
Schubert hat für diesen Mangel durch Armut schwer
büßen müssen, obwohl kein anderer wie er
soviel Recht darauf gehabt hätte, nur von seinen Kompositionen
zu leben. Es ist überhaupt eine sehr schwierig zu
entscheidende Frage, ob die musikalische Kultur abhängig ist
von den Leuten, die berufsmäßig Musik machen oder
von den die diese Musik lieben und genießen.
Merkwürdigerweise ist in den Zeiten, in denen das Volk sich
für Musik interessiert und ein lebendiges Verhältnis
zu ihr hat, die kulturell ergiebigste und wertvollste Musik geschaffen
worden und es ist ganz gleich, ob man hierbei an die Zeit der
Meistersinger oder an die Zeit der Wiener Klassik denkt, wo fast in
jedem Hause gesungen, Klavier oder Streichquartett gespielt wurde; eine Zeit, von der Carl
Maria von Weber sagte: "Bald wird der Quartetttisch den Biertisch
verdrängt haben".
Diese
Ausbreitung der Musik in den bürgerlichen Kreisen war indirekt
eine Folge der Revolutionsstürme, die zum Ende des 18.
Jahrhunderts über das Abendland hinwegfegten und in denen das
Bürgertum die bisherigen Vorrechte des Adels -und dazu
gehörte auch die Pflege der Musik- sich zu eigen machte. Die
Zeit der Musikpflege durch das Bürgertum fällt in die
Jahre 1800 bis 1855 und in dieser Zeit schuf auch der in
Mülheim am Rhein ansässige Sanitätsrat
Johann d'Alquen seine ersten Werke. Genau um die Jahrhundertwende
geboren, bewies er seine Begabung dadurch, dass er bereits mit 17
Jahren die Hochschulreife erlangte, dann folgten 5 Jahre Studium der
Medizin in Giessen und Berlin, wo er zugleich von Zelter und Bernhard
Klein in der Musik unterwiesen wurde. Bereits im Alter von 24 Jahren
ließ er sich in Mülheim am Rhein als praktischer
Arzt nieder und hat die nächsten 40 Jahre Mülheim
nicht mehr verlassen. Er brachte es in seiner Pflichttreue nicht
über sich, zu reisen, da ihn der Gedanke, es
könnte in dieser Zeit ein Kranker seiner Dienste
bedürfen, nicht hätte zur Ruhe kommen lassen. Seine
Verbindung mit der Außenwelt erhielt er durch zahlreiche
Reisende, die unter seinem gastlichen Dach ein- und ausgingen. Zu
seinen treuesten Freunden gehörten die drei Brüder
Zuccalmaglio, von denen einer ihm eine große Anzahl von
Liedertexten dichtete.
Johann
d'Alquen schuf im Laufe seines Lebens eine große Anzahl von
Kompositionen aller Arten, von der Sinfonie bis zur Operette, die zu
einem großen Teil gedruckt wurden. Da er großen
Wert darauf legte, hauptsächlich als guter Arzt und nicht als
Musiker zu gelten, legte er auf die Veröffentlichung seines
Namens als Komponist nicht den geringsten Wert, sodass eine
große Anzahl seiner Lieder in Liederhefte einging, ohne dass
jemand wusste, dass sie von d'Alquen stammten. Seine musikalische
Tonsprache stammt aus den Sphären der nachmozartianischen
Romantik und weist bereits auf den jungen Schumann hin. Seine Lyrik ist
stark beeinflusst von Zelter und der Berliner Schule, mit denen er die
Liebe für einen musikalisch klaren Ausdruck teilt. Ebenso
gründlich wie er als Mikroskopiker war (er schliff sich seine
Linsen selbst) so gründlich verstand er die musikalische
Setztechnik und so wenig verdient er auf diesem Gebiete den Titel
"Dilettant".
Als er im letzten Augenblick des Lebens mit geschlossenen Augen eine
Melodie leise aber vernehmbar hinflüsterte, wähnte
die ihn pflegende Gattin, er phantasiere und ergriff ihn bei der Hand.
Da öffnete er zum letzten Male die Augen und sprach: "0
Therese, wie mich der Gedanke erfreut, dass irgendeines meiner Lieder
auch nach meinem Tode noch gesungen werde."
Darauf schlossen sich Augen und
Lippen für immer. So schloss dies
reine, reiche Leben wie ein harmonisches Lied.
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