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Die
ältere westfälische Linie
Analyse einer
Anzahl von Kompositionen des J. P. C. d’Alquen
Von dem Musikwissenschaftler
Professor Paul Douliez (1980)
Johann Peter Cornelius
d'Alquen (1800- 1863)
Streichquartett, Klaviersonate,
Klavierstücke, Lieder
Joseph Haydn hat das
Streichquartett von seinen
Jünglingsjahren an bis ins hohe Alter in über 70
Werken zur Höchstform der Wiener Klassik entwickelt.
Mozart
bekannte, daß er erst von Haydn gelernt hat, wie man
Quartette schreibt. Seit Haydn ist das Streichquartett Krönung
und geistiger Mittelpunkt aller Instrumentalkomposition geblieben. Es
ist alles andere als eine Reihe von Soli der 1. Violine mit
"Begleitung" der drei anderen Instrumente, vielmehr handelt es sich um
ein tönendes Gebilde, an dem jedes Instrument gleichen Anteil
hat. Deshalb schreibt Goethe an Zelter: "Das Streichquartett ist die
verständlichste aller Instrumentalgattungen. Man hört
drei vernünftige Leute sich miteinander unterhalten, glaubt
ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten
der Instrumente kennenzulernen."
Das
Streichquartett - zu J. d'Alquens Zeiten nannte man es, wie ich sehe,
pars pro toto gelegentlich auch "Violinquartett" - gilt, eben aus
diesem seit Haydn als unerläßlich empfundenen
Ausgleich der thematischen Verarbeitung in den vier Instrumenten, als
Prüfstein für das handwerkliche Können eines
Komponisten. Betrachten wir deshalb zunächst den
Entwurf
eines Violinquartetts (1855)
Adagio
- Allegro moderato . Adagio . Tempo di Minuetto .
Finale
Allegretto
Nach
Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert noch ein Streichquartett zu
komponieren, welch heikles Unterfangen! Wohl deshalb bezeichnet J.
d'Alquen sein Werk bescheiden als "Entwurf", Nicht weniger
bescheiden überschrieben die großen Lehrmeister der
instrumentalen Spieltechnik im 18. Jahrhundert ihre heute noch
aktuellen musikpädagogischen Meisterwerke:
Joh.
Joachim Quantz: Versuch einer Anweisung, die Flöte (1697-1773)
travernière zu spielen (1752)
Carl
Ph.E.Bach: Versuch über die wahre Art, das Klavier zu
(1711-1788) spielen (2 Bde, 1753)
Leopold
Mozart: Versuch einer gründlichen Violinschule (1756)
(1719-1787)
J. d'Alquens Komposition ist in
Wirklichkeit kein "Versuch", sondern
ein ausgewachsenes vierteiliges Streichquartett in klassischer Form mit
Sonatensatz (Adagio - Allegro moderato), Adagio, Tempo di Minuetto und
Finale Allegretto (in Rondoform).
Im
einzelnen:
1)
Adagio - Allegro moderato
Die 12
einleitenden Adagio-Takte bilden den schwächsten Punkt des
Quartetts, wenn man sie nur unter dem Blickwinkel des thematischen
Einfalls betrachtet. Mancher Musiker unserer Zeit wäre sicher
geneigt, die Takte 6, 8, 11 und 12 leicht zu korrigieren. Man vergesse
aber nicht, daß das Werk 1855 geschrieben wurde und derartige
Adagio-Introduktionen, ein Relikt der Form der französischen
Ouvertüre, in der 2. Hälfte des 18. und weit ins 19.
Jahrhundert hinein üblich waren; sie dienten vor allem der
Ankündigung und Festigung der Haupttonart. Beispiele: Haydn,
Ouvertüre zu "L'Isola disabitata" (1799); W.A.Mozart, Quintett
KV 452 (1784); Schubert, C-dur-Streichquartett (1813).
Das
anschließende Allegro moderato offenbart nicht nur
handwerkliche Beherrschung der Quartett-Komposition, sondern auch
Einfallsreichtum und Originalität in der thematischen Entwicklung, mit
überraschenden Modulationen und enhar-monischen Wendungen
(z.B. S.5, 4.-5.Takt: ces = h).
Ein charakteristisches Motiv
wird durch alle Stimmen
geführt:
Die
Auflösung der Quart (hier h statt b) verleiht diesem
Motiv schon im Kern einen modulierenden Zug, eine Eigenheit, die den
Komponisten als Vertreter der Tendenzen seiner Zeit (Erweiterung der
funktionellen Harmonie) kennzeichnet und ihn, gemeinsam mit seinem
ebenfalls vergessenen Altersgenossen, dem schwedischen Komponisten
Franz Berwald (1796-1868) in die Nähe Franz Schuberts
rückt.
Das
tragende Motiv wird zum Thema ausgeweitet, Nebenthemen gesellen sich
hinzu; auf S.3 ab Takt 20 ein lyrisches Seitenthema, schmiegsam und
liedhaft.
Der
Satz hat klassische Sonatenform:
a)
Exposition: Der gesamte Themenkreis wird von der Tonika
zur Dominante geführt.
b)
Durchführung: Der gesamte Themenkreis wird moduliert
und
von der Dominante
zurück zur Tonika geleitet,
c)
Reprise: Teil a) wird variiert wiederholt.
d)
Coda + Schluß.
Die
Grundstimmung ist lyrisch und von ungetrübter Musizierfreude
durchzogen; der Satz wirkt aus seiner schwungvollen Anlage heraus.
Der
Komponist selbst hat auf S.3 und 14 jeweils 6 Takte gestrichen und neu
komponiert; beide Ersatz-Stellen befinden sich auf S.42.
S.12:
die drei eingeklammerten Takte sind zweimal zu spielen: das 1.
Mal in Moll, das 2. Mal in Dur:
2)
Adagio
d'Alquens
Bedeutung ist in der musikalischen Lyrik, weniger in konfliktgeladener
Dramatik zu suchen. Seine Musik ist Aussage eines poetischen,
beschaulichen, schönheitsliebenden Naturells. In der
Gestaltung seiner Melodie geht er eigene Wege. Ein Beispiel unter
unzähligen, die originelle Wendung des liedhaften Hauptthemas
dieses Adagio mit der tonartlich mehrdeutigen Abwechslung von "d" und
"des":
Hier, ebenso wie im 1. Satz,
zeigt sich der ausgereifte Quartett-Stil in der Verarbeitung des
thematischen Motivs Takte 9/10 - im Violoncellopart, dann ~
Takte 16/17 - auch in der Bratschenstimme. Später - T. 58 ff.
- singt das Violoncello das
vollständige Thema, das bald von den beiden Violinen
übernommen wird.
Alles
in allem eine romanzenhafte Kantilene mit bewegtem Mittelteil in
variierter und durchkomponierter Liedform.
3.)
Menuett mit Trio
Kein
französisches Menuett à la Lully (von franz. menu,
klein, zierlich, ein Tanz mit kleinen, zierlichen Schritten also),
vielmehr ein Menuett im Sinne von J.Haydn, das vom Menuett zwar die
dreigliedrige Taktart behält, sonst aber mehr Ausgelassenheit
und Schwung besitzt und sich dem österreichischen
Ländler zuneigt (Ländler, im "Landel",
Österr. ob der Enns, heimisch).
Ein
formschöner Satz mit geistreichen Imitationen und Repliken.
4.)
Finale Allegretto
Die
zweifache noten- und tonartgetreue Wiederkehr des Hauptthemas
bestätigt die Rondoform dieses Satzes. Der Komponist stellt
hier jedoch an die Spieltechnik der Ausführenden derart hohe
Anforderungen, daß nur ein Ensemble allerersten Ranges den
zugleich virtuosen, tändelnden und tänzerischen
Charakter dieses glanzvollen Kabinettstücks zu demonstrieren
vermag. Der Versuch drittrangiger Spieler dürfte nur
stümperhaftes Feilen und Kratzen ergeben.
Auf
S.37 wurden 4 Takte gestrichen; die hierfür einzusetzenden
Takte findet man auf S.41.
Die
Skizze auf S.43 gehört nicht zum Quartett.
Große
Sonate in d-moll für das Pianoforte
Allegro
. Larghetto cantabile . Scherzo Allegretto . Rondo Allegro vivace (Nr.6 der nachgelassenen Werke)
1)
Allegro
Zwei
kontrastierende Themen - ein rhythmisches und ein melodisches - bilden
das Gerüst dieses klassischen Sonaten-Hauptsatzes; zwei
ebenfalls kontrastierende Nebenthemen - das eine synkopisch bewegt, das
andere ruhig fließend - ergänzen und bereichern den
Gedankenkreis. Die thematische Gegensätzlichkeit
verrät den Könner; aus ihr erwächst
Bewegung, Differenzierung, Farbe, Leben.
Auf
S.8 oben, ein bemerkenswerter enharmonischer Übergang: es-moll
- H-dur.
Der
Aufbau entspricht mutatis mutandis der Mozartschen Klaviersonate, d.h.
daß die Exposition länger ist als
Durchführung oder Reprise, am kürzesten der Epilog
samt Pedal, Kadenz und Coda. Wie im klassischen Sonatensatz
üblich, wird die gesamte Thematik in der Exposition von der
Tonika zur Dominante hin entwickelt, in der Durchführung
kontrapunktisch verarbeitet und von der Dominante zurück zur
Tonika geleitet; die Reprise läßt nochmals -
variiert, verkürzt - die Exposition vernehmen und
führt über Epilog, Pedal und Kadenz den
Schluß herbei.
In
seiner Art für das Klavier zu schreiben, zeigt d'Alquen
Verwandtschaft mit Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert: für
ihn, wie für die genannten Meister, ist das Klavier durch
seine mehrstimmigen Möglichkeiten, ein Instrumentalensemble in
Kleinstformat, allerdings ohne die Verschiedenheit der Klangfarben von
Blas- und Streichinstrumenten. Klaviermusik ist demnach einer
Schwarz-Weiß-Zeichnung vergleichbar, wenn auch mit vielen
Schattierungen,
während
Orchestermusik der Farbigkeit eines Gemäldes entspricht.
Eine
andere Pianistik haben Chopin, Schumann, Liszt und Brahms gepflegt,
indem sie durch Chromatik, Pedalwirkung, Akzentverschiebung,
Polyrhythmik versuchten, dem Instrument Farbigkeit und ein ihm eigenes
Espressivo zu verleihen.
Errata
Ich
habe mir nicht erlaubt, die Unterlagen zu retuschieren, diese enthalten
aber mehrere Druckfehler:
S.4,
unterste Linie, 2.Takt, linke Hand, vor der 1. Note fehlt ein
Auflösungszeichen.
S.5,
obere Linie, 3.Takt, linke Hand, vor der 2. Note fehlt
ein
Auflösungszeichen.
S.6,
4.Linie, l.Takt, rechte Hand, das B-Zeichen nicht vor g, sondern vor a.
S.7,
3.Linie, 3.Takt, nicht:
sondern:
S.8,
5.Linie, H.Takt, im Baß fis statt f.
S.10,
3.Linie, letzter Takt, rechte Hand, 2.Note: a statt ais
S.11,
oben, letzter Takt, rechte Hand, vorletzte Note,
S.11,
4.Linie, l.Takt, linke Hand, l.Note: B-Zeichen ist zu streichen.
2)
Larghetto cantabile
Alles
vom Adagio des Streichquartetts Gesagte, trifft auch auf diesen
langsamen Satz zu. Besonders ausdrucksvoll die Moll-Wendung auf S.14.
3)
Scherzo Allegretto
Kein
himmelstürmendes Beethoven-Scherzo, vielmehr eine humorvolle,
scherzhafte Plauderei, vor allem im Trio mit seinen lustigen
Baß-Passagen. Erstaunlich, aus wie wenigen Noten dieses
kleine Meisterwerk besteht.
4)
Rondo Allegro vivace
Durch
stark modulatorische Wendungen bedingt, hat der Satz nur zum Teil Rondo-Form.
Die Bezeichnung "Tokkata" wäre hier zutreffender;
streckenweise besitzt das Stück auch den Charakter eines Moto
perpetuo. Keine bedeutende, jedoch effektvoll verarbeitete
Thematik.
Virtuos
gespielt, wird dieses Finale seine Wirkung nicht verfehlen.
Errata
S.24,
unten, 2.Takt, 1.Schlag, linke Hand,
S.26, unten, I.Takt, letzte
Gruppe, rechte Hand,
Klaviersonate
in F-dur
Im
Wesentlichen als Dur-Pendant der zuvor besprochenen d-moll-Sonate zu
betrachten. Der 2. Satz ist höher zu werten als sein
Gegenstück im d-moll-Werk; der 3. Satz jedoch erreicht nicht
die Einmaligkeit des Menuetts mit Trio aus der d-moll-Sonate.
Trotz
der mangelhaften Qualität des Tonbandes kann man die
Komposition dank der virtuosen Interpretation von Erhard Michel voll
erfassen. Unverständlich, weshalb die beiden Sonaten sich
nicht längst im Repertoire eines jeden Pianisten befinden.
La
Melancolie, Grand Waltz
for
the Pianoforte, Composed and Dedicated to F.M.d'Alquen by his Brother.
Ein
Versuch in der Nachfolge von Chopin, dessen Pianistik jedoch nicht
d'Alquens Klavier-Verständnis entspricht. Dieses kleine Werk
bleibt unter dem Niveau der bisher analysierten Kompositionen.
Blätter
vom Weihnachtsbaume
10
Kinderstücke. Heft 1 mit 5 Stücken Andante . Barcarole . Marsch .
Siciliano . Unter der Linde
(Nr.7
der nachgelassenen Werke)
Man
müßte natürlich auch die fünf
fehlenden Sätze kennen, um den ganzen Bogen der kleinen
Stücke zu überschauen; sie gemahnen mehr an Schumanns
"Album für die Jugend" als an dessen "Kinderszenen".
Diese
Kinderstücke wurden nicht geschrieben, um von Kindern gespielt
zu werden: so einfach sie auch scheinen mögen, viele
vorgeschriebenen Intervalle kann die Kinderhand nicht greifen, schon
die Oktaven (passim) nicht, weniger noch die None im 3.Takt von Nr.2.
Die fünf vorliegenden Stücke können auch
nicht, wie Schumanns "Kinderszenen" als psychologische Studie
über die Kinderwelt gedacht sein, dafür sind sie zu
vordergründig, zu einfach. So kann das Ziel des Komponisten
nur gewesen sein, diese eingängigen Miniaturen Kindern
vorzuspielen.
Ein
feiner Zug: im Siciliano ertönt wahrhaftig ein
Neapolitanischer Sextakkord (vorletzter Takt, letzter Akkord).
Die
Vögel
Kindersingspiel
. Text: Wilhelm von Waldbrühl Ouvertüre . 3 Arien .
Duett . Finale
(Nr.l
der nachgelassenen Werke)
Dieses
feinsinnige Stück verdient, auch gegenwärtig noch
aufgeführt zu werden, sowohl vom Text als auch von der Musik
her. Sprache und Tendenz sind keineswegs veraltet, und die "Moral der
Geschicht" besitzt sogar heute mehr denn je Aktualität:
"Keiner ist mit seinem Los zufrieden", denn - wie es im Finale
heißt:
"Was sich so nah, so rosig
zeigt,
bleibt uns doch ewig unerreicht."
Die formvollendete
Ouvertüre, mit dem feierlichen Adagio sostenuto und dem
hurtigen, heiteren Allegro, schreit förmlich nach einer
Orchestrierung für je 1 Flöte, Oboe, Klarinette,
Fagott, Horn, dazu eine Streichergruppe von ca. 6 ersten Violinen, 4
zweiten Violinen, 2 Bratschen, 1 Violoncello und 1 Kontrabass.
Der
abrupte tonartliche Übergang von der Ouvertüre zur 1.
Arie (von C- nach A-dur) mag befremden. Gegen dieses Verfahren ist
jedoch nichts einzuwenden, da es aufrüttelnd wirkt und so die
Aufmerksamkeit des Publikums auf das nunmehr beginnende
Bühnengeschehen fixiert; übrigens besitzen die
Tonarten C- und A-dur eine gemeinsame Note: e.
Selbstverständlich
wäre auch das begleitende Klavier in den Arien, dem Duett und
dem Finale durch das o.g. kleine Orchester zu ersetzen.
Die
Singstimmen bewegen sich zwischen cl und a2; dieser Umfang von 1 Oktave
+ 1 Quint kann von jeder Kinderstimme, ob Sopran oder Alt,
bewältigt werden.
Die
drei Arien und das Duett bilden eine lyrische Reihung teils
tanzliedartiger, teils romanzenhafter Weisen; das bewegte Finale
gebärdet sich, nicht ohne Ironie, wie ein authentisches
Bühnendrama.
Das
Stück wäre eine Bereicherung des Repertoires eines
jeden Kindertheaters (Spieldauer etwa 1/2 Stunde).
Errata
S.2
unten, l.Takt, rechte Hand: es gehört ein b vor e (l.Note),
S.3, Linie 5, l.Takt, rechte Hand, 5.Note: nicht e, sondern d. S.8,
Linie 2, 2.Takt, rechte Hand, 2.Note: h statt a. S.8, Linie 3, 4.Takt,
rechte Hand, vor die 2.Note der 2.Stimme gehört ein
Auflösungszeichen.
S.8,
unten, 3.Takt, rechte Hand, vor die 5.Note gehört ein
Auflösungszeichen.
S.12,
3.Linie, I.Takt, Gesang: vor die 4.Note gehört ein Kreuz,
S.15,
oben, Takt 4, letzte Note im Gesang, Viertelnote statt Achtel.
S.19,
2.Linie, Takt 2, 2.Stimme + rechte Hand: as statt a.
S.21,
oben, 5.Takt, rechte Hand, im Akkord fis und es, statt fes und eis.
S.22,
2.Linie, letzter Takt, rechte Hand: es statt e.
S.22, unten, letzter Takt,
1.Akkord: es statt e.
S.26,
2.Linie, 5.Takt, rechte Hand, letzter Akkord:
Auflösungszeichen vor e, nicht vor b.
S.31,
oben, letzter Takt, rechte Hand, letzte Note: c statt a,
Odeon
Quartett-
und Chor-Gesang ohne Begleitung darin von J. d'Alquen (Texte von
W.v.Waldbrühl): Lebensstoffe . Hohn den Höhnern .
Vogelscheuche (unvollständig) .
4stimmige,
heitere Männerchöre. Auffallend die
souveräne Handhabung der diffizilen Komponiertechnik
für vierstimmigen Männerchor. Die Schwierigkeit liegt
in der Beschränkung des Tonumfangs, da der gesamte Chor ein
Intervall von 2 Oktaven und 1 Quarte kaum überschreiten kann.
Schade,
daß das letzte Lied unvollständig ist; mit dem
7.Takt beginnt eine interessante enharmohische Progression, deren
Verlauf man nach dem 11.Takt nicht mehr verfolgen kann, da S.163 fehlt.
Pfennig-Magazin
für Gesang und Gitarre (1835-39)
Barcarole . Wunsch . Rastloses
Treiben . östliche Romanze .
Lied . Die Geschenke . Der Jüngling an die Rose . Lied der
Hunde . Gesang der Schwalben
Der
Typus dieser Komposition stellt einen Mittelwert zwischen der
volksliedhaften Weise und der im 19. Jahrhundert gepflegten
bürgerlichen Salon-Romanze dar. Die Barcarole und das Lied auf
Text von Platen waren sicher bis zum Anfang unseres Jahrhunderts sehr
populär. Heute ist die Zeit nicht danach, dieses Genre zu
neuem Leben zu erwecken. Aber man weiß nie; eine
entsprechende Nostalgie-Welle würde genügen...
Acht
Lieder für eine Singstimme und Klavier
Serbische
Romanze, Die Flucht, Des Kriegers Abendlied, Minnelied, Täuschung,
Schlußlied, DerBeschwingte, Das Vögelein
(Nr.3
der nachgelassenen Werke)
Teils
wertvolle Texte von Walter Scott, Herder, L.Tieck, v.Platen, Klinger.
Die
"Serbische Romanze" ist identisch mit der "östlichen Romanze"
aus der zuvor kommentierten Sammlung. Die Adjektive "serbisch",
"östlich" beziehen sich nur auf den Text; die Musik ist weder
serbisch noch östlich gefärbt, etwa durch die
Benutzung modaler Wendungen oder Harmonien. Was vorher Über
die volksliedartige Weise und die bürgerliche Romanze gesagt
wurde, trifft auch hier zu.
Schöne
Beispiele der Gattung: "Schlußlied" (Tieck nach Shakespeare)
und "Das Vögelein" (nach dem Böhmischen von Klinger).
Zehn
Lieder
Verehrung
. Des Narren Lied . Muttertändelei . Wäre ich... .Altes Kriegerlied . Der
Kuß . Schlummerliedchen . Die
Seufzer
. Das Lied der Meise . Im Mondlicht
(Nr.4
der nachgelassenen Werke)
Texte
von oder nach Shakespeare, Walter Scott, Simrock, Rückert u.a.
Musikalische
Perlen: Des Narren Lied . Das Lied der Meise . Im Mondlicht
(für eine Baß-Stimme).
Erratum
S.4,
letzte Linie, l.Takt, l.Note, rechte Hand: Kreuz vor h streichen.
Zehn
Lieder
Grablied
. Marschall Vorwärts . Ständchen . Persisches Lied . Lied . Lied . Liebeslied
. Mailied . An Sie . Das
Lied
vom Rhein
(Nr.5
der nachgelassenen Werke)
Texte
u.a. von oder nach de la Motte-Fouqué, Th.Moore, Robert Burns, Kerner.
Das
"Persiche Lied" enthält keine musikalischen Orientalismen; im
Text gemahnt nur das Wort "Bulbül" (Nachtigall) an den Orient;
ansonsten hat auch das dichterische Thema keinen exotischen Inhalt.
Hervorheben
möchte ich Nr.6 "Lied" (befindet sich auch im Pfennig-Magazin,
an 5.Stelle), Nr.7 "Liebeslied" und besonders Nr.10 "Das Lied vom
Rhein", das sich in jedem deutschen Kommersbuch befinden
müßte.
Erratum
S.12,
letzter Takt, rechte Hand, l.Note: nicht fis, sondern g.
Lieder
für eine Singstimme
Handschrift.
(1840/43) 4
Lieder . 1 Romanze . 2 Lieder . 1 Klavierstück
Die
Blätter sind oben abgeschnitten, so daß man die
Titel der Lieder meistens nicht lesen kann.
Im 2.
Lied, "Frühlings Abschied" eine interessante Modulation (Takte
14/15) von E- nach As-dur; 6 Takte weiter: zurück von As nach
E.
Auch
der Mittelteil dieses Liedes, mit einer ausdrucksvollen
Moll-Trübung und einer weiteren Modulation von Fis-dur nach
G-dur, läßt aufhorchen. Mit seiner tonalen, zwischen
Dur und Moll zögernden Mehrdeutigkeit, ist dieses Werk auf der
Höhe Schubertscher Liedkunst anzusiedeln.
Zum
Klavierstück am Schluß dieses Bandes s. Kommentar zu
"La Melancolie".
107 Lieder
(Handschrift 1831)
Mehrere
dieser Lieder befinden sich in den schon kommentierten Sammlungen, so
"Minnelied", "Vögelein", "Altes Soldatenlied",
"Muttertändelei", "Des Narren Lied" u.v.a.
Zahlreiche
Vertonungen französischer und englischer Texte; herausragend:
Nr.2 2 "Altes Soldatenlied" ("Mon coeur volage"), Nr.26 "Song" ("If, as
the light of day"), Nr.64 "L'amour avait recu l'hommage", Nr.8 9
"Römance" und Nr.90 "Le calme de la nuit" (4stimmiger
Männergesang).
Von
den deutschen Liedern sind Nr.6 "Verwandlungen", Nr.29 "Die
Heideblumen", Nr.46 "Tristan" (aus dem Jahre 1824!), Nr.51 "Der
Augenblick" und Nr.73 "aus Goethes Faust" besonders hervorzuheben.
Im
Lied Nr.24 hat der Komponist die Takte 19-23 gestrichen und neu
gestaltet; die endgültige Version befindet sich auf der
nächsten Seite unten.
Summa
Die
kompositorische Hinterlassenschaft von Johann d'Alquen zeigt in
Melodiebildung, Harmonie, Kontrapunkt und Rhythmus professionelle
Beherrschung der tonalen Musik und ihrer Formenwelt. Im Zeichen der
Tendenzen seiner Zeit- Überwindung der Kadenz, Enharmonik und
Chromatik- schrieb er eine stattliche Reihe vokaler und instrumentaler
Kompositionen von schmiegsamer Liedhaftigkeit. Seine Themen stehen
meistens verwandtschaftlich zueinander, seltener konfliktartig
gegeneinander. Die Grundstimmung seiner Tondichtungen verweilt
bevorzugt im Bereich des Idyllischen, der geistvollen Wechselrede, der
ungetrübten Musizierfreude, jeder Tragik abhold.
Musikgeschichtlich
betrachtet, ist Johann d'Alquen als Liedkomponist, aber auch mit dem
Streichquartett und den Klaviersonaten, in der Nachfolge von
C.M.V.Weber und Franz Schubert als Gleicher unter Gleichen zwischen
Carl Loewe (1796-1869) und Franz Berwald (1796-1868) einzureihen.
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