Geschichte der Familie

Johann Peter Dalquen, der Löwenwirt (1732- 1765)

Der Stammvater aller heute lebenden Dalquen/d'Alquen in Deutschland, der Schweiz, England, Kanada und den USA ist das letzte Kind aus der Ehe des
Johann Philipp Dalcken/ Dalquen mit Anna Maria Löhr.

Einen Monat vor dem Tode seines Großvaters, des Seefahrers Johann Leonhard, wird er am 29.6.1732 (Tf 3.370) getauft. Der Ratsherr Peter Stenger, sein späterer Schwiegervater, ist sein Taufpate.

Er heiratet 20jährig am 18.9.1752 (Tr 3.110) Maria Elisabeth Stenger und stirbt nach 12jähriger Ehe 33jährig an "tabes longa", der schleichenden Schwindsucht, am Heiligen Abend 1765 (St 5.227). Als sein Vater Johann Philipp 1745 stirbt, ist Joh. Peter 13 Jahre alt. Im Jahre darauf wird das Erbe geteilt. Er zieht den vierten Loszettel (Schatzungsregister 15 r) und wird von da an bei den Wollwebern steuerlich geschätzt. 1749, er ist 17 Jahre alt, verfügt er bereits über ein beachtliches Vermögen. Für sein Wohnhaus, das früher "Herrn Balthes Reiß (Reuß)" gehörte, wird er mit 120 fl. (Florin, Gulden) Steuer veranschlagt, für die "wirtschafft" (gemeint ist die Landwirtschaft) mit 20 f1., für den "kram" (die "Krämerei" aus dem Besitz des Vaters und Großvaters) mit 15 fl. und für das "Hantwerk" (die Wollweberei) mit dem beachtlichen Betrag von 50 fl. Sein Bruder "Pater Peta (Beda)" hatte vermutlich seinen Geschwistern seine ererbten Güter überlassen. Hierfür hat Peter 22 xr 2 d (22 Kreuzer und 2 Denar, Groschen, Pfennig) zu zahlen. Außerdem hat er "reichlich Äcker gekauft" und 1733 von seiner Mutter und von seinem Schwiegervater (vermutlich die Mitgift) welche übernommen.

In der zeitlichen Reihenfolge der Erwähnung seiner Tätigkeiten erscheint er zuerst als Kaufmann, dann als Wollweber und erst dann als Gastwirt und Brauer. 1761 (Tf 5.293) wird er erstmals als "Wirt zum Goldenen Löwen" erwähnt. Hierzu schreibt Dr. L. Seibert in seinem Buch "Die Seligenstädter Flurnamen", 1935, S. 38: " Das Fachwerkhaus Römergasse 10 ( Abb.2) überrascht auch heute noch  in seinem barocken Umbau durch seine Geschlossenheit und die stattlichen Ausmaße. Es ist zweigeschossig, hat zwei Dachgeschosse und einen großen Hofraum mit Nebengebäuden. In den Hofraum gelangt man durch eine breite, rundbogige Toreinfahrt aus Sandstein. Deren Schlußstein zeigt die Jahreszahl 1578 und zwei bunte Wappen: links einen von einem Degen gekreuzten Äskulapstab, rechts den Kopf eines Ochsen mit Nasenring (Abb.1,2).


Abb. 1 Römergasse 10                                    Abb2: Toreinfahrt hierzu
                                  Haus des Johann Peter Dalquen
                                 Wirtshaus "Zum Goldenen Löwen"

Abb.3 Gesamtansicht


Dehio (Hessen, 1966, S.760) hebt die "gute Haustüre“ hervor (Abb): den gekehlten Sandsteinrahmen füllt eine reichgeschnitzte Holztüre. In dieser heutigen Erscheinungsform dürfte das Haus bereits den Löwenwirt und seine Familie beherbert haben.
Einen "goldenen Löwen" hatten die Dalken nicht in ihrem Wappen. Johann Peter, der Löwenwirt, kannte sehr wohl das Grab seines Großvaters mit dem Familienwappen (s. IX.Bericht, S.105 ff). Mit großer Wahrscheinlichkeit kannten die Seligenstädter Dalcken nicht die Farben des Wappens; der dem Johann Peter zugeschriebene Wappenring (S.106 f) zeigt keine Farben.
Seibert (w.o., S.38 f) spielt noch einmal auf den "goldenen Löwen" der Familie Dalcken an: "Vor etwa 60 Jahren konnte man noch die Schlitten der Seligenstädter "Patrizier" bewundern. Unter diesen befand sich auch einer, der einen weißen Schwan, ein anderer, der einen Hirsch, und einer, der einen goldenen Löwen darstellte. Offenbar war dieser Schlitten im Besitz der Familie Dalcken."
 
Im Nachlaß des Dr. Seibert, Staatsarchiv Darmstadt, Konvolut 10, Fascikel 7, Blatt 76 r findet sich eine Notiz über den Löwenschlitten, dergemäß dieser und die anderen Schlitten an ein Frankfurter Museum abgegeben wurden. Seither weiß man von diesen Schlitten nichts mehr.

Am 24.12.1765 (St 5.227) starb der Löwenwirt, der "sehr ehrenwerte Mann und wahre Christ". Die sogenannte "Not-Gottes-Kapelle" in der Nordwest-Ecke des Seligenstädter Friedhofs birgt eine weitere Erinnerung an Johann Peter Dalquen. Die Kapelle hat ein verwickeltes Schicksal. Sie wurde 1874 gebaut, als man die barocken Portale von der romanischen Einhards- Basilika, der Pfarrkirche, entfernte; deren ehemaliges Nordportal von 1722 bildet nun die Vorderfront der Kapelle. Von der Inneneinrichtung erwähnt Dehio (Hessen, 1966, S.178) das "Erbärmde-Bild"  den gegeißelten Christus, daher der Name der Kapelle, eine Holzplastik vom Ende des 15. Jahrhunderts. Ein gütiges Geschick hat uns diese Plastik und die Inschrift, die sich darauf bezieht, erhalten. Diese Not-Gottes-Figur wird bereits 1585 erwähnt, "die damals aber nur in einer Bildsäule bestand und sich wohl an derselben Stelle befundet hat" (Neubauer, Seligenstädter Pfarrkirche, 1967, S.18). Die Stiftung des Löwenwirts und seiner Frau (gestorben 18o3) bezog sich demnach wohl auf die Wiedererrichtung oder Erneuerung dieses Andachtshäuschens unter Hinzufügung der Inschrift. Diese Inschrift unter der Figur des Schmerzensmannes (Abb weiter unten.) ist gut lesbar.

Sie lautet:
 
Ihr Menschen denckt
an meine Schmerzen
und führt dieselbe
tief zu Herzen,
die Ursach werdt ihr finden:
mein Lieb und eure Sünden.
Johannes Petrus Dalquen
et Maria Elisabeta nata
Stengerin erigere vole-
bant 1765 (s.Abb.).
 


Der Schmerzensmann


Text unter der Plastik

Die Plastik und der Text gehören zusammen; nicht zugehörig sind aber nachweislich die übrigen Teile des Altars. An der Vorderkante des Altartisches findet sich eine Inschrift, aus der hervorgeht, daß der Auswanderer "Johannes Schnugg aus New York" den Altar (1874?) gestiftet hat. Aus Teilen der verschiedensten, heute nicht mehr feststellbaren Herkunft wurde pietätvoll das alte Andachtsbild mit seiner Weihinschrift umbaut.
In seinem Brief an den verstorbenen Robert Dalquen, damals Frankfurt am Main, vom 16.12.1939 teilt Dr. Seibert mit, daß ein Grabstein des Johann Peter Dalquen noch existiere, dessen Inschrift gut lesbar sei:
 
"Ich, Petrus Dalquen, der jüngst von vier, verlis auch Frau und vier Kinder hier, da ich kaum 33 Jahr als Löwenwirt alt worden war. Ich zerte aus und starb getröst aus Lieb zu dem, der mich erlöst. 1765, den 24den Xber."
Dieser Grabstein ist verschwunden.

Johann Peters Witwe heiratete nicht wieder. Sie starb am 18.11.1803, 71jährig. Sie hatte vermutlich den Besitz bis 1789 zusammengehalten. 1776/77 zahlt sie bei weitem die höchste Steuer der in der reichen Wollweberzunft Aufgeführten. 1788 wird sie als "Peter Dalken Witwe" letztmals in den Bedregistern (Stadtrechnungen 1789, Urkunde SS, S.11) erwähnt.

Johann Peter hatte mit ihr sechs Kinder:

        Johann Peter                                                  Elisabeth    
Dalcken/Dalquen                                                 Stenger

.
   .
1.    Maria Elisabeth
2.    Joh.Peter Valentin
3.    Johann Matthäus
4.    Franz
5.    Hermann Josef Dalquen
6.    Franz Adam Dalquen/d'Alquen


Mit den beiden letzten Söhnen teilt sich die Familie in zunächst zwei Zweige:


Die Kinder des Löwenwirts Johann Peter Dalcken/Dalquen

1. Marie Elisabeth Dalcken, getauft am 24.5.1754 (Tf 5. 246),heiratete Balthasar Simon Wolz. Die beiden erbten die Wirtschaft "Zum Goldenen Löwen". Das Gasthaus blieb knapp 130 Jahre im Besitz der Familie Wolz. Den Bürgermeister Wolz hatte der junge Seibert noch mit dem "Löwenschlitten" in Seligenstadt fahren gesehen (s.o.e. Nachlaßnotiz).

2. Johann Peter Valentin Dalcken, getauft am 14.2.1756 (Tf 5.256). Pate war Johann Peter Stenger.
 

3. Johann Matthias Dalcken, getauft am 6.2.1758 (Tf 5. 271) Pate war sein Onkel Pater Beda Dalquen OSB. Das Kind starb am 29.4.1758 (St 5.186).

4. Franz Dalcken, getauft am 12.5.1759 (Tf 5.280), gestorben am 19.2.1760 (St 5.20).

5. Hermann Joseph Dalcken/Dalquen, getauft am 11.2.1761 (Tf 5.293). Pate war Hermann Joseph Kurz, der Wirt "Zum Goldenen Adler". Mit Hermann Joseph setzte sich die Schreibung des Familiennamens DALQUEN durch.

6.    Franz Adam Dalcken/Dalquen/d'Alquen, getauft am 20.11.1763 (Tf 5.308). Pate war der Küster Franz Adam Dalken (s.o. S.287). Mit ihm setzt sich die Schreibung d'ALQUEN und bei einigen seiner englischen Nachfahren D'ALQUEN durch.


www.dalquen.info