Die jüngere hessische Linie
Jakob Martin Dalquen und seine Nachkommen


Schlossermeister Jacob Martin Dalquen

J
akob Martin wurde am 21.IV.1859 als das vierte Kind des Michael Dalquen und seiner Frau Auguste geboren und am 1.V. (ATf 12) getauft. Er durchlief eine Schlosserlehre in Seligenstadt, ging danach auf Wanderschaft, die ihn bis Wien führte, wo er sich sehr erfolgreich ins Kunstschmiedehandwerk einarbeitete. Er wagte den Sprung nach Frankfurt am Main, wo er den Meistertitel erwarb. Am 13.XI.1885 heiratete er die Schreinermeisterstochter Katharina Hauff aus Kirsdorf bei Alsfeld in Oberhessen, geboren am 16.V.1854. Vier Jahre später gründete er eine Schlosserwerkstatt.

" Kunst- und Bauschlosserei“ nannte J.M.Dalquen sein Unternehmen, das er in Jahre 1903 aus der Enge der Altstadt an den damaligen Hand der Stadt in die Mainzer Landstraße 150 verlegte. Hier hatte er neben drei Wohnhäusern eine große moderne Werkstatt erbaut, die in ihrer Anlage und Planung seiner Zeit weit voraus war.
In erster Linie waren es seine künstlerischen Schmiedearbeiten, die die Frankfurter Gesellschaft auf ihn aufmerksam machten.
Als der Baron Heinrich von Liebieg, ein Großindustrieller aus dem österreichischen Schlesien, Ausgang der neunziger Jahre am Schaumannkai sein Schloß erbaute, das er dann 1904 der Stadt Frankfurt für ein neues Museum überließ, wurde es mit erlesenen Kunstwerken ausgestattet. J.M.Dalquen lieferte dafür die Heizungsgitter, Treibarbeiten im gerade aufgekommenen Jugendstil, die vielleicht auf Entwürfe von Fritz Klimsch zurückgehen. Prächtige schmiedeeiserne Tore für die vornehmen Villen des Westends, Fensterkörbe, Treppengeländer und viele andere kunstvolle Arbeiten gingen schon damals aus seiner Werkstatt hervor.

Ein Meisterstück (Abb.rechts) schenkte er seiner Vaterstadt Seligenstadt, das heute noch die ehrwürdige Basilika ziert. Dort hatte man 1873 die um 1720 angefertigten Chorgitter herausgerissen und besann sich erst auf deren Wert, als sie die Witwe Kaiser Friedrichs für das Schloß Kronberg erwerben wollte. Jetzt sollten sie an den alten Platz zurückkehren.
Meister Dalquen übernahm nicht nur die kunstvolle Instandsetzung, sondern fertigte auch noch die für den Einbau notwenigen feststehenden Seitenteile, die in Art und Ausführung den vorhandenen Chorgitter-Drehflügeln gleichen."
Großer Erfolg bringt zwar viel Ehre ein, aber fordert auch große Verpflichtungen. So war Jakob Dalquen von 1916 bis 1925 Aufsichtsratsmitglied der Frankfurter Genossenschaftsbank und Präsident der Handwerkskammer in Wiesbaden.
Der erste Weltkrieg, mehr noch die äußerst schwierigen Jahre nach 1918 bedingten große, betriebliche Umstellungen. So fertigte die Firma u.a. die Eisenkonstruktionen für Fabrik- und Lagerbauten.
Jakob Dalquen starb am 10.IX.1931 in Frankfurt am Main. Er hinterließ seine Frau und zwei Söhne.


J.M.Dalquen mit seiner Frau Katharina und den beiden Söhnen Robert und Paul
 J.M.Dalquen mit seiner Frau Katharina und den beiden Söhnen Robert und Paul (v.l.)


a) Robert Hugo Dalquen wurde geboren am 25.III. 1889 in Frankfurt am Main; er starb am 19.IV. 1968 zu Bad Homburg. Robert hatte Jura studiert. Nach dem 2.Staatsexamen trat er in die Staatsverwaltung ein und war zuletzt Leiter eines Finanzamtes in Frankfurt am Main. Er hatte 1924 Anneliese Bodenstein aus Überlingen geheiratet, Tochter des Dr.Franz Bodenstein und seiner Frau Louise, geb. André, aus Freiburg im Breisgau.
Robert hatte eine umfangreiche Sammlung an Gegenständen und Schriftstücken zur Familiengeschichte angelegt. Auf nicht mehr zu klärende Umstände besaß er auch Sachen, die die rheinisch-westfälische Linie betrafen. Nichts davon hat den Krieg überdauert. Erfreulicherweise hat Hans Dalquen Abschriften davon angefertigt, auf die noch zurückzukommen ist. Das Ehepaar Robert und Anneliese Dalquen hatten nur ein Kind, die Tochter

a1) Renate Ursula Dalquen, geboren am 20.IX. 1925 in Frankfurt am Main. Sie heiratete 1948 in den USA den Chemiker Wentworth Huntley Weaver. Renate starb am 6.XI.1986. Ihre Kinder und Enkel leben in Towaco NJ/ USA.
 
b) Paul Dalquen, der zweite Sohn des Jakob Dalquen, wurde am 5.II.1893 in Frankfurt am Main geboren. Seine große Liebe zur Gärtnerei mußte er hintanstellen. Er trat zunächst als Schlosserlehrling in den väterlichen Betrieb ein. Nach dem Tode des Vaters 1931 übernahm er den Betrieb und baute ihn mit neuen Fertigungen beträchtlich aus, so z.B. mit der Entwicklung und Fertigung von Klimakammern für medizinische Zwecke und für Flieger-Eignungesprüfungen. Schwere Rückschläge brachte die gänzliche Vernichtung der Fertigungsanlagen am Kriegsende. Mit dem Eintritt seines Sohnes Walter in den Betrieb gelang der Wiederaufbau und der Übergang der Firma von der reinen Bauschlosserei zu Spezialanfertigungen, z.B. Leuchtsäulen für Uhren und Haltestellen der Nahverkehrsmittel, Schalttafeln, Schaltschränke, Transformatorenhäuschen, Fließ-, Blind- und Leuchtschaltbilder. Paul Dalquen starb am 20.VII.1975.
 
b1) Diese Entwicklung des von Jakob Martin Dalquen gegründeten Betriebs war wesentlich beeinflußt worden von Pauls Sohn Walter Dalquen, geboren am 15.XI.1917. Unter seiner Leitung siedelte der Betrieb aus der Mainzer Landstraße an die Berner Straße in Frankfurt am Main 50 über, wo große Flächen für die notwendige Betriebserweiterung zur Verfügung standen. Walter Dalquen lebt heute in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen. Seit 21.VII.1980 verheiratet mit Anita Brünner geb. Goldbeck, geb. am 14.VII.1932.
 

Das einzige noch erhaltene Heizungsgitter, das J.M. Dalquen 1898 für Baron von Liebig als Treibarbeit ausführte, heute Städtische Galerie, Schaumainkai 71






Treppengeländer im Rathaus- Südbau (Eingang Bethmannstraße), Kunstschmiedearbeiten von J.M. Dalquen, 1904.

www.dalquen.info