Die jüngere westfälische Linie
Helene d’Alquen
(1858 - 1921)



Helene d’Alquen Helene d’Alquen war das zweite. Kind von Carl A. d'Alquen und Maria E. Henke.

Im schriftlichen Nachlaß von Rolf d'Alquen finden sich mehrere Aktenkopien, Helene d'Alquen betreffend, wahrscheinlich aus dem Besitz von Alex d'Alquen in Hoinkhausen. Helene d'Alquen hat 1898 in Aachen eine Schule gegründet und bis 1916 geleitet. Der Charakter dieser Schule für „geistig schwach begabte und körperlich schwächliche Kinder", wahrscheinlich zurückhaltende Umschreibungen für Schlimmeres, kommt uns heute so fortschrittlich vor, daß es wert ist, näher darauf einzugehen.
Die Erlaubnis zum Betreiben der „Marienschule" hatte sie am 7. Dezember 1898 von der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulangelegenheiten, zu Aachen erhalten: „Der als Schulvorsteherin geprüften Helene d'Alquen wird hiermit nach Maßgabe der Instruktion des Königlichen Staatsministeriums vom 31. Dezember 1839 die jederzeit widerrufliche Erlaubnis erteilt, in Aachen eine Privatschule für schwach begabte und der Nachhilfe bedürftige Kinder in schulpflichtigem Alter unter dem Namen „Marienschule" einzurichten und zu leiten".
Wie sich die Schule, eine GmbH, entwickelte, wird von unbekannter Hand wie folgt beschrieben: „[...] Fräulein d'Alquen war die erste Vorsteherin der Schule, die für ein Jahr in der Ottostraße in einem gemieteten Hause untergebracht war.
Nach einem Jahr erwies sich das Haus als zu eng, und es wurde in der Harskampstr. 40 ein größeres Haus gekauft. Nach zehn Jahren bot sich die Gelegenheit, das gegenüberliegende Kloster der Franziskanerbrüder zu kaufen. Die Kapelle und die Schule wurden in das neuerrichtete Hinterhaus verlegt. Die Kinder wohnten nun zweimal in der Woche der Schulmesse bei. Hierselbst feierten sie auch ihre erste, hl. Kommunion. [...] Im Jahre 1916 mußte Fräulein d'Alquen wegen ihrer geschwächten Gesundheit die schwere Aufgabe aufgeben. Ihre Nachfolgerin in der Leitung der Schule war Fräulein Anna Müller bis zum Jahre 1939".

Helene d'Alquen berichtet an die Regierung von der Verlegung der Schule: „Unterzeichnete teilt der Königlichen Regierung mit, daß gegen Mitte oder Ende Januar, ganz bestimmt aber vor dem 1. Februar 1911 die Übersiedlung der Marienschule von Harskampstr. 40 nach Harskampstr. 45 stattfinden wird". Sie verfügte hier über drei Schulsäle, eine Turnhalle und eine Wandelhalle. Weiter beschreibt Helene d'Alquen ihre Unterrichts- und Erziehungsanstalt: „Sie ist eine katholische einklassige gemischte Schule mit Unter- und Mittelstufe und in günstigen Fällen auch mit Oberstufe, und werden Kinder jeder Konfession zugelassen. Der Unterricht findet im Sommer- und Wintersemester von 8 1/2 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 3 1/2 Uhr statt [...] Der Unterricht im Französischen für einzelne fähige Schüler findet auch an den Mittwoch- und Samstag Nachmittagen statt. - Die Vorsteherin wird unterstützt durch eine geprüfte Turn- und Handarbeitslehrerin und zur Beaufsichtigung der Kinder durch ein Kinderfräulein. Die Lehrkräfte sind augenblicklich alle katholischer Konfession. Die Zahl der Schüler beträgt seit Oktober [1910] 17, 11 Mädchen, 6 Knaben. Von den Kindern ist eine Schülerin protestantischer Konfession. [...] Die Kinder sind durchschnittlich alle sehr wenig begabt. Fast alle leiden an schlechtem Gedächtnis. Vier Mädchen und ein Knabe entwickeln sich sehr langsam. Am 1. Oktober d. J. wurden 3 Schülerinnen entlassen. Eine noch schulpflichtige Schülerin kam in ein belgisches Pensionat. Zwei nicht mehr schulpflichtige Mädchen sind bei ihren Eltern und erhalten von der Mutter weitere Anleitung in Handarbeiten und häuslichen Arbeiten. Von Ostern 1906 bis Ostern 1909 wurden 7 nicht mehr schulpflichtige Kinder entlassen. Mehrere noch schulpflichtige Schülerinnen kamen in Pension. Vier Mädchen wurden in dieser Zeit der städtischen Hilfsschule überwiesen, zwei Knaben der Knabenmittelschule, ein Knabe der Volksschule. [...] Eine Schülerin fand Aufnahme in einem Putzgeschäft, eine Schülerin in einem Schreibwarengeschäft".

Zum Lehrplan teilt Helene d'Alquen mit: „[...] ausgehend von der Geschichte und dem Stadtbild Aachens, werden auch Regierungsbezirk und Rheinprovinz eingehend behandelt. Großzügig werden Königreich Preußen, deutsches Reich und die Kolonien durchgenommen. In der Naturkunde werden die Schüler besonders mit den Haustieren und den Hauptvertretern der Hauptarten bekannt gemacht in Bezug auf Nutzen, Schaden, Aufenthalt und Gewohnheiten. Die bekannten Bäume und Blumen und bekannten Metalle und Mineralien, mit denen sie im täglichen Leben in Berührung kommen, werden ihnen ebenfalls vorgeführt. - Die Schüler erhalten wöchentlich vorläufig zwei Turnstunden, Handarbeits- und Zeichenunterricht auch zu je zwei Stunden, letzteren nach dem neuen Verfahren in Buntstift. Die besondere Begabung der einzelnen Schüler wird sorgfältig berücksichtigt. - Den Schülern wird auf Verlangen gegen geringe Entschädigung warme Milch verabreicht. Schüler aus der Umgebung sind schon vielfach als Halbpensionäre angenommen [worden]".
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