Die jüngere englische Linie
Nachträge und Korrekturen zum XX. Bericht über
Arnold Friedrich Engelbert d’Alquen

Frank D'Alquen, Beckenham/Kent/England, hat mit Schreiben vom 14. III. 00 verschiedene Dokumente zum Leben seines Urgroßvaters mitgeteilt, die aus technischen Gründen nicht mehr im XX. Bericht untergebracht werden konnten.
So hat sich Josephine d'Alquens Mitteilung bestätigt, dass Friedrich/Frederick an einer medizinischen Zeitschrift mitarbeitete. Nun stellt sich heraus, dass dies nicht für eine Wiener, sondern für eine Londoner Gesellschaft war. Und vermutlich ist es dieselbe, über die Friedrich wegen ihrer verzögerten und vielleicht auch knappen Honorarzahlungen schimpfte.
Frank D'Alquen sandte die Kopie eines Artikels „Über den Nutzen heißer Armbäder bei der Behandlung von Krupp (Schwellung der Kehlkopfschleimhaut bei Diphterie) mit Anmerkungen zur allgemeinen Behandlung von Dr. D'ALQUEN" vom November 1850. (Um den Artikel zu lesen, bitte hier klicken.)
 
Franks Brief enthielt auch zwei Fotos von Friedrich d'Alquen als Violinist Sie zeigen den heiteren, etwa 70-Jährigen. Das rechte Bild lässt durch die Unscharfe der linken Hand deutlich erkennen, wie er gerade die Saite wechselt. Also wurde er während des Spielens aufgenommen.   



Des Weiteren schickte Frank die Kopie der Geburtsurkunde des Frederick Arnold Engelbert D'Alquen. Der Beruf des Vaters ist nun (1868) mit „Professor of Music" angegeben4.
Zum Jahre 1881 verfügen wir Dank Franks Aufmerksamkeit über eine genaue Angabe zu Arnold Friedrich Engelberts Hausstand. „Fred(eri)ck D'Alquen ist 71 Jahre alt; er ist „naturalisierter Brite" deutscher Herkunft. Er ist Musikprofessor. Mit ihm leben seine Frau Fanny, 45, und deren 47-Jährige Schwester Ellen Cooper, beide aus Stratfield Saye, Hampshire, England. Die Schwester ist als Dienstmädchen / „Serv(ant)" eingetragen. Die 8-Jährige Tochter Caroline ist vermerkt, nicht aber der 13-Jährige Sohn Frederick Giulio, geboren am 24. II. 1868. Die Familie lebt in 45 Walham Grove im Stadtteil Fulham von London.
 
1881 British Census
Dweiiing: 45 Walham Grove Census Piace:  Fulham, London, Middlesex, England
Source:   FHL Film 1341016       PRORefRGH      Piece 0071      Folio 88     Page 38
Marr     Ace   Sex  Birtkpfece
Fredk. D'ALQUEN    M      71   M   (Natld Brit Subeject), Germany
Rei:    Head    "
Occ:    Professor Of Music
Fanny D'ALQUEN    M      45    F Stratsfield Saye, Hampshire, England
Rel:   Wife
Caroline D'ALQUEN    8    F  Fulham, Middlesex, England
Rei:    Daur
Occ:    Scholar
Ellen COOPER    U      47    F Stratsfield Saye, Hampshire, England
Rei:    Serv
Occ:    General Serv Domestic

Schließlich hat uns Frank D'Alquen die Kopie eines Gerichtsaktes überlassen, aus dem hervor geht, dass Arnold Friedrich Engelbert „d'Alquen" ein Testament hinterließ und dass sein Nachlass sich auf etwa 359 Britische Pfund belief . Als Sterbedatum ist der 18 Juni 1887 angegeben.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Arnold Friedrich Engelbert d'Alquen aufgeführt ist in Helge Dvorak, Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaften, Band 1, Heidelberg 1996:
 
D'Alquen (Dalquen), Arnold Friedrich Engelbert, geb. 31.10.1809 in Amsberg (Westfalen) als Sohn eines Regierungsrats, Vetter von —> Conrad (Konrad) Josef D., gest. 18.06.1887 in London (Amicitia/Germania- Würzburg 1828, Marcomannia-Bonn 1830). Nach dem Gymnasium in Arnsberg Studium der Rechtswissenschaften und Medizin (Fleischbein-Stipendiat) in Würzburg und Bonn, 1831 Auskultant in Arnsberg, 1831 1.juristische Staatsprüfung ebendort, 1833 Felddienst in Münster, bis zum 2.Examen am dortigen Oberlandesgericht, 1833 Referendar am Hofgericht Arnsberg und Oberlandesgericht Münster, dann 2.Richter am Justizamt Hovestadt, 1835 Verhaftung und Einlieferung in die Hausvogtei Berlin, Verhöre in Sachen „—> Reinhard und Consorten", dann wegen Teilnahme an der | Bonner Burschenschaft und in Sachen „—>  Brüggemann und Consorten" (Verdachtsgründe: „Mitglied der Würzburger, Teilnahme an der Bonner Burschenschaft, Kenntnis  hochverräterischer Tendenzen, Bestrafung wegen Hochverrats wahrscheinlich"), Überführung zum vorläufigen Strafantritt auf die Festung Magdeburg, 1836 nach diversen abgelehnten Gnadengesuchen aus Gesundheitsgründen nach Arnsberg entlassen „zur vielleichtigen Wiederherstellung von seinem Lungenleiden", 1836 nach dem Haupterkenntnis in Sachen der Würzburger Burschenschaft zu fünfzehn Jahren Festungshaft verurteilt, zunächst „fünf Jahre mit Unterbrechung zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, nach drei Jahren neue Erkenntnisse über die Abbüssung der restlichen zehn Jahre", außerdem „Verlust des Rechts, die preußische Nationalkokarde tragen zu dürfen, Amtsenthebung, fürdere Dienstunwürdigkeit", 1838 Ablehnung seines Gnadengesuches durch Friedrich Wilhelm III. mit der Begründung der „Teilnahme an einer geheimen Verbindung, Verbreitung und Verteidigung von Grundsätzen der Burschenschaftlichen Vereine, Vergehen gegen die Verfassung, die öffentliche Ordnung, die Ruhe und Sicherheit des Staates und gegen die dem Landesherren schuldige Treue und Ehrerbietigkeit". 1838 nach neuerlichem Gnadengesuch aus gesundheitlichen Gründen Erlaubnis zur Auswanderung nach England durch die Provinzialregierung in Arnsberg gegen die Verpflichtung, nicht wieder in die preußischen Staaten einzureisen. 1843 und 1848 Gesuche um Wiederaufnahme in den preußischen Staatsverband abgelehnt, 1868 Naturalisation in England, praktischer Arzt in London. - Lit.: 750 Jahre Arnsberg (1989); Mitteilungen Herr Franz Josef Dalquen (München) v. 27.03., 18.04., 15. u. 17.12.1994 (mit Kurzbiographie). H.D.

 
Dalquen, Conrad (Konrad) Josef, geb. 23.09.1812 in Seligenstadl/Hessen als Sohn eines Bürgers und Wollwebers (Tuchmachers), Vetter von —> Arnold Friedrich Engelbert D., Schwager von —> Heinrich Hat-temer, gest. 04.07.1867 bei Niederflörsheim (Alte Germania-Gießen 1831). Nach dem Besuch des Königlich-Bayerischen Gymnasiums in Aschaffenburg, des Katholischen Seminars in Mainz und des Gymnasiums in Bensheim Studium der Theologie, dann der Rechtswissenschaften, später der Medizin in Gießen und Würzburg, wegen seiner Zugehörigkeit zur Gießener Burschenschaft in Untersuchung gezogen und wegen „politischer Betätigung" von der Universität Würzburg relegiert, dadurch erzwungene Aufgabe des Rechtsstudiums, Verlust des „Fleisch-beinschen Stipendiums", 1836 von der Teilnahme an „revolutionären Umtrieben" freigesprochen, 1837 Dr.med. in Gießen, praktischer Arzt und Kreisarzt in Osthofen, verstorben auf einer Dienstfahrt durch Kutschenunfall.
Lit.: Ludwig Seibert, Sippenbuch der Stadt und Zent Seligenstadt 1 (1934), S. 467; Burschenschafterlisten 2 (1942), S. 73; Friederichs (1948), S. 34; FJ. Dalquen, Beiträge zur Geschichte der Familie Dalquen/d'Alquen 15 (1993), S. 562-64; Mitteilung des Katholischen Pfarramtes Marcellinus und Petrus (Basilika-Pfarrei) Seligenstadt v.
180
21.01.1994; Mitteilung der Deutschen Bibliothek Leipzig v. 25.01. u. 17.02.1994; Mitteilungen v. Franz Josef Dalquen (München) v. 27.03. u. 18.04.1994. H.D.
 

Mrs. Jessica R. D'Alquen, 14 Sturdy Court, Kirkbymoorside, York, England, teilte am 25. VI. 00 weitere Einzelheiten zum Leben der Familie mit. Sie schrieb u. a.:

„Frederick Giulio [der Sohn Arnold Friedrich Engelberts] war ein freundlicher, liebevoller Vater, ein richtiger Hausvater. Als sein Vater starb, geriet die Familie in große Not. Es war kaum Geld da, und auf Jahre hinaus lebte die Familie vom Verkauf des Schmucks von Fanny [der Frau von Arnold Friedrich Engelbert]. Frederick brachte sich das Elektrikerhandwerk praktisch selbst bei. Und als ich in die Familie kam, hatte er das Handwerksmonopol für die South Eastern Electricity Gesellschaft in Lewisham. Seine Werkstatt hatte er in der Sunderland Road, Forest Hill. Er hatte einen ziemlich großen Mitarbeiterstab. Er war in Forest Hill gut bekannt, wenn er mit seinem Ponywagen herumfuhr. Ich kannte alle seine Söhne und Töchter. Als er zu Geld gekommen war, steckte er es in Immobilien. Er brachte u. a. seine Schwester Caroline Matilda unter, die uns nur unter dem Namen Tante Lena bekannt war. Wer weiß, warum! Der Spitzname seiner ältesten Tochter Josephine Eleanor war Alga, wie sie sich als Baby selbst nannte. Lena Harriet [seine jümgste Tochter] wurde La genannt. Ich vermute, um die Verwechslung mit Tante Lena zu vermeiden. Kathleen [3. Kind von Frederick] wurde Kate genannt. Eine vereinte, sehr victorianische Familie.
Die Familie zog von 24 Sunderland Road nach 64 Rockborne Road, wo Frederick ein ziemlich großes Haus mitten unter vielen anderen Häusern gekauft hatte. In der Sunderland Road brachte er [seine Schwester] Caroline Matilda und die Schwester seiner Frau Harriet unter. Seine Mutter Fanny wohnte bei ihm und seiner Frau. Damals hatten sie ein Dienstmädchen namens Rosa, ein richtiges Mädchen vom Lande. Das Haus war mit sehr guten Möbeln ausgestattet. Es bestand aus sechs Schlafzimmern, einem WC, einem Badezimmer oben, einem Ess- und einem Wohnzimmer, einer Küche und Spülküche unten und darunter einem Keller. Der [älteste Sohn] Freddy und seine Frau wohnten nebenan im Haus Nummer 62 Rockborne Road.
Als wir 1931 heirateten, fanden wir eine Wohnung im Haus Nr. 60 Rockborne Road. Wir zahlten damals 15 Shilling Miete für zwei Zimmer, Kürche und Spülküche. Das WC war draußen im Garten.
Wenn ich Klavier spielte, spielte Freddy im Nebenhaus alles, was ich spielte, nach Gehör. Er war herausragend gut.
Alle meine Söhne wurden Ingenieure, zwei von ihnen gingen in die Armee, einer zur Luftwaffe und Chris zur Handelsmarine. Jeremy erfand irgendwas, was Ptarmigan, unser Abwehrsystem verbesserte. Dafür wurde er mit dem [Orden] B. E. M. [British Empire Medal] ausgezeichnet."
Soweit Jessica D'Alquens Hinweise zu ihrer Familie. Nebenbei: Frau D'Alquen ist 94 Jahre alt und sehr rege. Z. Z. arbeitet sie an ihren Memoiren. Wir bedanken uns außerdem für folgende Korrekturen und Ergänzungen:

X. Bericht/S.:
1170    John und Norman D'Alquen besuchten nicht das Dulwich College, sondern St. Dunstans College im Stadtteil Lewisham.
1235    Patricia Ann D'Alquens 1. Gatte verstarb 1982. Sie ist wiederverheiratet mit William Bailey (Dieser Hinweis stammt von Patricia Bailey).
1235    James Shrubsole-Scragg besuchte das Dulwich College. Erstarb an Asthma.
1235/36 Philip John Engelbert war verheiratet mit Ellen Alice Druit Hall.
1236/37 Machele (nicht Michelle) ist nicht mehr mit lan Jefferys verheiratet. Sie heiratete am 16. VI. 1998 Peter Antony Farrar, einen POMEM-Offizier der Royal Navy. Er stammt von den Kavanaghs ab, den alten Königen von Südirland. Macheies Sohn David lan Jeffrey hat zwei Söhne: Kyle Rian * 1997 und Jack * 1999. Ihre Tochter Yvonne heiratete 1999 John Watson; sie hat zwei Kinder: Amber Paige * 1995 und Ryan Campbell* 1999.
1238    Der Vorname Robert ist an die 2 heranzuziehen. Seine zweite Ehefrau (x II) ist Susan Mary Hill.
1238    Das dritte Kind heißt Samantha (nicht Semantha).
1239    3. Margaret heiratete John Philipps (nicht Phipps)
1239    Sie hat zwei Kinder: 1. Ciaire Louise * 1990 und 2. Martin John (wie angegeben).
1239    Caroline Mathilda wurde Tante Lena (Aunt Lena) genannt.
1241     In der Nachfahrentafel sind zu korrigieren (und entsprechend im Vorausgehenden): Zeile 8 v. o.: Philip (nicht Philipp) hier und in allen weiteren Fällen Zeile 10: x I Marion Cole; Patricia D'Alquen x II W. Bailey
Zeile 15: John William Englebert x II Diane Flint; die Ehe des Charles Englebert wurde geschieden; aus seiner zweiten Ehe hat er den Sohn Matthew Englebert; die Ehe des Nicolas George Englebert wurde geschieden; aus seiner zweiten Ehe hat er drei Töchter; die Ehe des Philip John Englebert wurde geschieden; der Sohn Philip stammt aus einer früheren Verbindung seiner geschiedenen Frau P. Pottle.
1251     unten: Enkelin Machele (nicht Michelle), Tochter eines Freundes (nicht Urenkel David)
1253    links: (with John and a sister), nicht (with grandchildren ?)
1254    oben: ...and his siters Lena Harriet and Alga, nicht Laura and Alga

Von den 39 uns bekannt gewordenen Komopsitionen haben  fünf keine Widmung, vier sind Doppelzählungen, verbleiben 30, von denen fünf Verwandten zugedacht sind, nämlich: Nr. 10 und 28 Friedrichs Bruder Franz Maria in Brighton, Nr. 16 dessen Sohn Frank Charles, Nr. 21 seiner „Schwester in Arnsberg“. Da es dort zwei gab, ist anzunehmen, daß diese Komposition nach dem Tode der Josephine 1869 entstand und somit die Schwester Caroline betraf. Bei zwei Widmungen handelt es sich vermutlich um deutsche Damen (29, 35). Die letzte Widmung, Nr. 39, ist der Frau seines politischen Freundes Ledru-Rolin, des ehemaligen französischen Innenministers (s. o.) zugedacht.  
Die Empfänger der restlichen Widmungen lassen sich nach dem British Biographical Archive, Series 2, näher identifizieren:
Der als „Freund“ bezeichnete [Prof.] Edouard Roeckel (Nr. 1) war ein bedeutender Klavierlehrer. Sein Sohn Joseph Leopold hatte eine Nichte von Johann Nepomuk Hummel, der auch in England als Kapellmeister tätig war, geheiratet.
Auch Ferdinand Praeger (Nr. 6) wird „Freund“ genannt. Er war Schriftsteller. Praegers Neffe Algernon Canynge Praeger (*1867) war Begründer und Dirigent der „West Middlesex Choral and Orchestral Society“. Er leitete auch den Chor der Georgskirche in Windsor.
Unter Nr. 15 und 30 erscheinen Mrs. Charles Armbruster und deren Ehemann, Friedrichs „Freund“  Charles Armbruster. Er machte in England eine bedeutende musikalische Karriere. 1881 wurde er Dirigent des Court Theatre. 1892/93 dirigierte er das Covent-Garden-Orchester. Zwischen 1886 und 1894 war er als Chorleiter und Dirigent bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth tätig.
Nr. 22 betrifft Arnold John Alers Hankey, der nicht näher zu identifizieren ist. Er stammt aus einer bedeutenden Familie von Geistlichen, Militärs und besonders Politikern.
Miss Katherine Austin (Nr. 25) und Miss Urania Duff-Gordon (Nr. 27) sind Verwandte, wahrscheinlich Cousinen. Die [vermutliche] Tante von Katherine Austin war Lucie Austin (1821 - 1869), die den Juristen Sir Alexander Duff-Gordon 1840 geheiratet hatte. Lady Duff-Gordon war Übersetzerin historischer Werke aus dem Deutschen, so Niebuhrs, Feuerbachs, Rankes und Moltkes. Sie hatte ab 1826 längere Zeit in Bonn (Friedrichs zweiter Studienort) gelebt, um Deutsch zu lernen, und gehörte zum Kreis der Literaten Dickens, Tennyson und Thackeray. 1854 besuchte sie Heinrich Heine in Paris.
Madame Arabella Goddard, verheiratete Davison, 1836 - 1922, war Pianistin, ihr Mann Musikkritker der Times. Sie hatte als Achtjährige bei Kalkbrenner in Paris Unterricht erhalten, danach bei Mrs. Anderson (Widmung Nr. 32) studiert und schließlich bei ihrem späteren Gatten. Sie hatte bereits als Siebenjährige Chopin vorgespielt. Als erste führte sie 1854/55 Beethovens nachgelassene Sonaten auf. 1855 musizierte sie am Gewandhaus in Leipzig. Ab 1856 gab sie philharmonische Konzerte in London. 1873 bis 1876 unternahm sie eine Weltreise. U. a. spielte sie der Queen Victoria und dem deutschen Kaiserpaar vor.
Es ist vielleicht etwas gewagt, von diesen neun Widmungen auf das Ganze zu schließen. Aber doch läßt sich vermuten, daß Frédéric d’Alquen als Komponist in England und sicher auch als Klavierlehrer keine Gefälligkeitswidmungen verteilte. Die Beziehungen zu den betroffenen Musikerpersönlichkeiten müssen über die zufällige Begegnung hinausgegangen sein. Und vor allem: Er scheint auf dem Weg über die Musik den - wenn auch lockeren - Anschluß an die englische, besonders Londoner Gesellschaft, seine Integration, gefunden zu haben.
Abschließend sei auf folgende Beobachtung hingewiesen: Bei den Londoner d’Alquen wurde der Beiname „Giulio“ üblich, angeblich nach einem „italienischen Freund“ Friedrichs. Dieser Freund scheint gefunden. Schauen wir uns die Stücke Nr. 10, 11 und 36 an. Nr. 10, seinem Bruder in Brighton gewidmet, heißt „Mélodie“ von Giulio Regondi, „von dessen Freund Frédéric d’Alquen fürs Piano umgeschrieben“. In Nr. 11, gewidmet Miss Emma Whigham, taucht Giulio Regondi zum zweiten Male auf. Wieder bezeichnet sich Friedrich als sein „Freund“. Und noch einmal wird Giulio Regondi erwähnt. Das Nocturne Nr. 36 ist Madame Arabella Goddard gewidmet. D’Alquen hat das von Giulio Regondi komponierte Stück, wie die beiden vorausgehenden, fürs Klavier transkribiert.
Giulio Regondi wurde 1822 in Genua geboren und starb 1872 in London. Als Waisenkind wuchs er bei seinem Adoptivvater in Lyon auf. Schon als Fünfjähriger trat er als Gitarrensolist auf, dann 1830 in Paris, 1831 in London. Seither lebte er in Großbritannien, meist in London. Er reiste mit dem Violoncellisten Josef Lidel nach Wien, Prag und Leipzig und 1846 nach Dresden. Er machte die 1829 in London von Ch. Wheatherstone erfundene Concertina, auch Melophon genannt, eine vervollkommnete Handharmonika, konzertfähig. Regondi spielte sie virtuos und komponierte Konzertstücke dafür. Auch die Gitarre beherrschte er mit äußerster Kunstfertigkeit. Bewundert wurde sein ausdrucksvolles, beseeltes Spiel auf beiden Instrumenten.


www.dalquen.info