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„Franciscus
Adamus Maria Dalquen“ wurde am 27. April 1804 (1) in
Seligenstadt getauft. Geboren wurde er vermutlich am gleichen Tage. Er
ist das dritte Kind des Franz Adam
und der Helene Sybille. Dem Brauch der Zeit folgend, erhielt er den
gleichen Rufnamen wie das erste, gleich verstorbene, noch ledig
geborene Kind außerhalb unserer Zählung. Nach dem
Vater wurde er Franz genannt mit den Beinamen Adam Maria. Die Geburt
trug der Vater ins Gebetbuch der Mutter ein, aber nicht wie bei den
meisten der anderen Kinder mit Angabe der Paten, sondern eher
beiläufig am unteren Rand des Geburts-eintrags der Tochter
Josephine (2):
„Zwey Jahre
später den 27ten April (1804) Franz geboren".
Der ältere Bruder
Johann Peter Cornelius war 1800 auf Schloß Wasserlos bei
Alzenau geboren worden, und Josephine 1802 bereits wie nun Franz
in
Seligenstadt. Die drei Geschwister
wuchsen im Hause der väterlichen Großmutter
Elisabeth auf, der Witwe des Löwenwirts Johann Peter Dalquen.
Das Haus Römergasse 10 hatte nach dem Tode der
Großmutter 1803 deren ältester Sohn Hermann geerbt,
der Seligenstädter Ratsschultheiß. |
Ein Jahr vor seiner Geburt war
der Vater Franz Adam als Aufhebungskommissär seines neues
Dienstherrn, des Landgrafen Ludwig von Hessen, ins Herzogtum Westfalen
geschickt worden. Erst 1808 oder 1809 kann er die Familie nach Arnsberg
nachholen. Franz wuchs also die ersten vier oder fünf Jahre in
Seligenstadt auf.
In Arnsberg wurden die Kinder
von einer Erzieherin im Hause unterrichtet. 1814 wird Franz ins dortige
Gymnasium eingetreten sein, das er wohl bis 1822 besucht hat.
Josephine,
seine zwei Jahre ältere Schwester, berichtet (3) aus dieser
Zeit lediglich, daß er sich 1818 unsterblich in Dina
Hüsden verliebt habe. Sie geht deswegen so heftig auf diese
Jugendliebe ein, weil das Mädchen ihr später noch
viel Ärger bereitet, weswegen sie sie als ihr
„böses Prinzip“ bezeichnet.
Bereits 1819, als
15jähriger also, sind Franz’ musikalische Interessen
sehr ausgeprägt. Sein Freund Anton Brisken, Sohn eines ehemals
mainzischen Kollegen seines Vaters, besorgt ihm aus Düsseldorf
die Partitur von Mozarts „Don Giovanni“ (4).
Zugleich gratuliert Brisken zu den „vielen
Prämien“, wobei es sich wohl um musikalische Preise
handelt.
An seinem 17. Geburtstag, dem
27. April 1821, schreibt Franz für seine Schwester Josephine
ein Albumblatt, ein Distichon:
Unaufhaltsam enteilt die Zeit. Sie sucht
das Beständige.
Sey getreu, und du legst ewige Fesseln
ihr an.
Von deinem dich ewig
liebenden Bruder
Franz D’Alquen
geschrieben
als du und Kätchen ein
Puppenkleidchen
nähtet
Zum Namenstag jenes Kätchens Franzmadhes, der
frühverstorbenen, wohl engsten Freundin Josephines, hat sich
von Franz zum 25. November 1821 folgendes Albumblatt erhalten:
Wie der Schatte[n] früh
am Morgen
Ist die Freundschaft mit dem Bösen
Stund’ auf Stunde nimmt sie ab.
Aber Freundschaft mit dem Guten
Wächset wie der Abendschatte[n]
Bis des Lebens Sonne sinkt.
Zur freundlichen Erinnerung
von deinem wahren Freunde
Franz D’Alquen
Ich gratuliere zum Namenstage
Und schließlich hat Josephine noch ein Albumblatt verwahrt:
Durch die starrende Wildniß
Begränzt von der
Wieg’ und dem Sarge
Ebene mit göttlicher Huld
Liebe und Freundschaft den Pfad.
Zum steten Andenken an deinen
Bruder Franz D’Alquen
Arnsberg, den 13ten November 1821
Symbol
Strebe nach Wahrheit, Schönheit
und Güte.
Am 8. Oktober 1821 weist der
Großherzoglich Hessische Landrat Hardy in Seligenstadt den
dortigen Ratsschultheiß (Bürgermeister)
D’Alquen“ (Hermann Dalquen) an, daß dem
Franz D’Alquen, Sohn des preußischen Regierungsrats
D’Alquen zu Arnsberg, die Stipendien von je 38 Gulden
für die Jahre 1818 mit 1821 zu zahlen sind. Es handelt sich um
vier Jahreszuschüsse aus dem Fleischbeinischen Stipendium
für vier Gymnasialjahre des Franz.
Wann und wo Franz das
Jurastudium aufgenommen hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls
erfüllte er mit der Wahl dieses Faches eine der
Hauptbedingungen der Fleischbeinschen Studienstiftung. Es spricht
einiges dafür, daß Bonn wegen der
räumlichen Nähe zu Arnsberg 1822 die
gewählte Universitätsstadt war. Zuwendungen aus der
Fleischbeinischen Studienstiftung haben er und sein älterer
Bruder für die Universitätsstudien nicht erhalten.
Erst der jüngere Friedrich sollte wieder in deren
Genuß kommen.
In ihrem jugendlichen
Überschwang hatten die Geschwister und ihre Freunde 1820 in
Arnsberg den „Katzenpfötchenstaat“
gegründet (5). Jedes Mitglied erhielt einen besoderen Namen.
So war Josephine die „Cynthia“ und Franz wurde
„Hermann der Schafenberger“ . Josephine notiert
unter dem 15. August 1823 (1825?), Franz habe zwei Lieder komponiert
das „Alpenröschen“ und „Kriegers
Abschied“, die sehr gut aufgenommen worden seien; aber Franz
mache sich „im Leben alles zu commode“.
Franz hatte sich
während des Studiums mit dem bedeutenden Musiker Ferdinand
Ries (1784 - 1838) angefreundet. Ries war Violoncellist in der Bonner
Hofkapelle gewesen, sein Vater Lehrer und Freund des jungen Beethoven.
Als die Franzosen 1795 das linke Rheinufer besetzten, wurde die
Hofkapelle aufgelöst, und Ries übersiedelte zu einen
befreundeten Organisten kurzzeitig nach Arnsberg. 1800/01 finden wir
ihn in München, wo er sich kärglich durch
Notenabschreiben durchbringt. 1801 ist er in Wien, wo sich Beethoven
rührend um ihn kümmert. Er bildet ihn zum
Klaviervirtuosen aus, wobei Beethoven die technische Vollendung weniger
wichtig war als der ausdrucksvolle, charakteristische Vortrag. Ries war
übrigens neben Erzherzog Rudolf Beethovens einziger
Schüler. Die folgenden Jahre bringen Ries in Paris,
Norddeutschland, Schweden und Rußland den Ruhm eines
hochdotierten Klaviervirtuosen.
1813 erlebt er als
„Stern erster Größe“ ungeheure
Erfolge in London: über 200 Kompsitionen entstehen hier,
darunter drei Opern. Er vermittelt Beethoven an die Londoner Verleger
und besorgt die dortige Uraufführung der 9. Sinfonie zusammen
mit Moscheles.
Ries’ großes
Vermögen vermehrt sich noch durch eine Erbschaft 1824, wegen
der er sich nach Godesberg als Altersruhesitz zurückzieht,
nachdem er zwölf Jahre in London gewirkt hatte. Seine Oper
„Die Räuberbraut“ wird ein Riesenerfolg,
auch in Weimar, wo Goethe sie ironisch, aber positiv beurteilt.
Hier in Godesberg
dürfte Franz seinen Lehrer und Förderer getroffen
haben. Die Ausbildung als Klaviervirtuose fällt in diese Zeit,
als Ries seine Reisetätigkeit wieder aufnimmt und Franz Adam
Maria d’Alquen ihn begleitet. Ries hätte wohl kaum
Franz als Schüler und Begleiter auf Gastspielreisen an- und
mitgenommen, wenn er nicht bereits ein herausragender Musiker gewesen
wäre. In dieser Richtung vermerkt Josephine (7), Franz sei
„der musikalische Prometheus, jener Quell labender Melodien
[...] mit seinem unermüdlichen Humor“ gewesen.
1827 finden wir Franz in
Brüssel als Pianist, Komponist und Musiklehrer. Auf die Wahl
dieser und der weiteren Stationen im Leben des Franz Adam Maria
d’Alquen, London und Brighton, hat vermutlich Ferdinand Ries
Einfluß genommen, von dem Renommee abgesehen,
Schüler eines Vertrauten von Beethoven und dessen
Schüler gewesen zu
sein.
1831, als Franz bereits in
London wirkt, verliert Ries durch den Bankerott einer englischen Bank,
bei der er sein Geld angelegt hatte, fast sein ganzes
Vermögen, was ihn zur Wiederaufnahme seines Gastspiellebens
zwingt. Er dirigiert rheinische Musikfeste, feiert in Italien bis
Neapel neue Triumphe, ist kurzzeitig Musikdirektor in
Düsseldorf, weilt 1836 in Paris, wird 1837 Direktor des
Cäcilienvereins in Frankfurt, wo Mendelssohn sein
Vorgänger war. Hier stirbt er am 13. Januar 1838.
Vor diesem Hintergrund werden
das Ansehen und die Fähigkeiten des Franz Adam Maria
d’Alquen verständlicher. Das Jurastudium hat er
selbstverständlich aufgegeben. Es dürften
höchstens vier Semester gewesen sein.
Mit 23 Jahren hat er seine
Existenz begründet. Er kann in Brüssel von der Musik
leben. Drei Jahre waren ihm hier vergönnt. Als die Pariser
Juli-Revolution von 1830 nach den Niederlanden überschwappt,
kommt es in Brüssel am 24. August zu einem Volksauruhr. Die
holländischen Truppen ziehen nach mehrtägigen
Kämpfen ab, und Belgien wird ein unabhängiger Staat.
Bereits 1829 hatte Franz in
Arnsberg ein Konzert gegeben (9). 1830 gibt er seinen
Brüsseler Wohnsitz auf und übersiedelt kurzfristig
nach Arnsberg. Er konzertiert am 14. August im Gesellschaftshaus (10).
Im gleichen Jahre übersiedelt er nach London, wo er 1839
seinen aus der preußischen politischen Haft entlassenen
Bruder Fritz aufnimmt. Um 1840 dürfte er nach Brighton
übergesiedelt sein.
Brighton hatte sich von einem
unbedeutenden Fischerdorf zu einem der mondänsten Badeorte
Englands, ja Europas entwickelt, wo der britische Königshof
und die vermögende Gesellschaft die Sommermonate verbrachten.
Es ist zu
vermuten, daß auch bei diesem entscheidenden
Entschluß des Franz d’Alquen Ries seine
vermittelnde Hand im Spiel hatte. Jedenfalls wurde Brighton die neue
Heimat für Franz und seine Familie, wo er auch
großzügig Gäste bewirten konnte, so
insbesondere jahrelang seine jüngste Schwester Caroline und
mehrmals Josephine.
Der
genaue Zeitpunkt der Übersiedlung ist nicht bekannt.
Anläßlich eines Konzerts, das er am 16. August 1833
in Arnsberg gab, wurde er „aus London“
angekündigt. Das umfangreiche Programm wurde in der Presse
abgedruckt (11):
„Die
gefällige Theilnahme des Herrn F. M. D’Alquen aus
London setzt mich in den Stand, dem geehrten Publikum eine angenehme
Abendunterhaltung versprechen zu können, worin namentlich die
Ouvertüren zu C. M. von Webers Oberon, Euryanthe und Preziosa,
dann Conzert von Hummel für Pianoforte, Conzert für
Violine von Fränzl, Trio für Pianoforte, Violine und
Violoncell von Beethoven nebst einigen anderen aus gezeichneten
Musikstücken aufgeführt werden.
A. Eckardt, Musikdirektor“
Franz ist Arnsberg und seinen dort lebenden Verwandten, der Mutter und
den Schwetern Josephine und Caroline, auf lange Jahre treu geblieben.
Eine ganze Reihe mehrwöchiger Sommeraufenthalte, meist mit der
Familie, bezeugen es. Hier stieß fast immer der Bruder
Friedrich d’Alquen aus London, oft auch mit Familie, hinzu.
Im Mai 1837 gibt er ein
Instrumental- und Vokalkonzert in Arnsberg, bei dem u. a. ein
vierstimmiger Männerchor, das
„Gesellschaftslied“ von Fr[anz] d’Alquen,
darbietet (12). Anschließend findet ein Bürgerball
statt.
Im Juli 1841 weilt Franz wieder
in Arnsberg. Zugunsten des Frauenvereins veranstaltet er ein
Benefizkonzert. Er habe „ausgezeichnet“ gespielt,
vermeldet Josephine (13); aber sie ärgert sich über
seine Arroganz: „Wie ihm jemand Hegel als Sohn des
berühmten Philosophen wichtig machen wollte, fertigte er ihn
kurz ab: ‘Zeigen Sie mir den Vater, daß ich ihm
meine
Achtung bezeuge’“.
Dies erinnert Josephine an ein
Vorkommnis, als Franz zwei Jahre alt war. Er wurde von einem Hund
gebissen, den er augenblicklich in die Nase
zurückbiß, daß es blutete, „
[...] und so ist er sich immer gleich geblieben“ (14).
Dies scheint ein
längerer Aufenthalt geworden zu sein. Franz war
nämlich mit seiner Frau Mathilde, einer geborenen Mues aus
Arnsberg, und den Kindern gekommen. Zur gleichen Zeit, im August 1841,
reiste Josephine zur Cousine, der Gräfin von
Bocarmé, nach Bury bei Mons in Belgien (15).
Auf der Rückreise
über Brighton besucht Josephine im Januar 1842 ihren Bruder
Franz in Brighton. Als Adresse gibt sie an: 45, Temple Street, Norfolk
Square.
Zwei Jahre später
brachen Franz mit seinem Söhnchen Franky und Bruder Fritz aus
London im Juni zu einem gemeinsamen Aufenthalt in Arnsberg auf. Franz
trifft am 21. nachts mit der Postkutsche ein. Fritz ist für
den folgenden Tag angekündigt. Der drejährige Franky
ist Josephines erklärter Liebling, und umgekehrt
hängt Franky sehr an seinen Tanten Josephine und Caroline.
1845 weilen die Brightoner von
Juni bis August in Arnsberg (16). Diesmal sind außer
Mathilde, den beiden Söhnen Frank und Henry und der Tochter
Ida noch das Kindermädchen Elizabeth dabei. Josephine
berichtet
von schweren Auseinandersetzungen mit Franz (17). Es
sind die Monate, in denen Josephine
mit sich ringt, ob sie eine
Ausbildung als Kindergärtnerin bei Fröbel beginnen
soll. Ascheinend hat Franz ihre Unentschlossenheit gerügt,
ohne zu bedenken, daß die sehr gewissenhafte Josephine als
einziges der Geschwister ohne Klagen der Mutter den Haushalt
führte und sie ständig pflegte und daß an
ein Ausbrechen von zu Hause somit gar nicht zu denken war. Seit diesem
Streit, fand Josephine, sei es mit ihrer Gesundheit bergab gegangen,
aber wenn es auch Tränen gegeben habe, so habe sie sich doch
behauptet und die dauernde Anerkennung ihres Bruders Franz
erkämpft.
Am 29. März 1846
schreibt Franz aus Brighton einen erbosten Brief an seine Mutter.
Josephine hat ihn abgeschrieben (18): „Denke Dir mein
Erstaunen [...]: Carl Mues (meines Bruders Schwager, den er im Herbst
mitgenommen) war vor einigen Tagen in London und fand Fritz [Bruder von
Franz] verheiratet. Sollte er Dir nicht geschrieben haben, so wird Dich
diese kurze Nachricht nicht weniger erstaunen; aber ich weiß
Dir selbst nicht mehr zu sagen - ein solches Verhalten ist mir
unerklärlich und höchst lieblos und unverzeihlich.
Wer seine Frau und was sie ist, habe ich noch nicht erfahren. Selbst
Carl konnte davon nichts in London hören“. Hierzu
erklärt Josephine: „Das Letzte ist
erklärlich, da er kein Englisch versteht und außer
Franz schwerlich jemand dort kennt“. Und weiter
heißt es im Briefe von Franz: „Von ihm selbst habe
ich bis dahin noch keine Silbe gehört; aber er war schon immer
ein Duckmäuser. (...) So mag er mir samt seiner Frau gestohlen
sein und tut mir nur leid, daß dies Ende meines Briefes Dir
keine Freude machen wird!“
Im gleichen Jahre, im Mai, kehrt
Franz wieder in Arnsberg ein. Franky ist dabei. Caroline wird ein Jahr
mit nach Brighton genommen, für die Franz eine
„vorteilhafte Placierung“ ausgewählt hat
(19), anscheinend als Erzieherin oder Hausdame. Im Juli reist die
Gesellschaft ab (20).
Für 1847 sieht Franz
einen zehnwöchigen Aufenthalt mit seiner Frau in Arnsberg vor
(21). Josephine findet (22), daß „Franz
außer Beruf ein großer Kindskopf“ ist,
ein Schießnarr. Tatsächlich schießt er
beim Schützenfest in Arnsberg so gut, daß er
Schützenkönig wird. Als Reverenz gegenüber
der englischen Königin Victoria, so meint Franz, die einen
deutschen Prinzen gewählt habe, wählt er als
Engländer eine Arnsbergerin als
Schützenkönigin an seine Seite, Bertha Reiter (23).
Traditionsgemäß darf die
Schützenkönigin sich eine Hofdame wählen.
Ihre Wahl fällt auf Franzens Schwester Caroline. Und hier hat
die Familienlegende ihren Ursprung, Caroline sei die Hofdame der
Königin von England gewesen! Es existiert das Foto einer
Plakette des Schützekönigs von 1847, die auf der
Vorderseite Franz Maria d’Alquen und Bertha Reiter nennt und
auf der Rückseite das d’Alquensche Familienwappen
zeigt.
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Da 1848 ein Stadtbrand in
Arnsberg wütete, wurde kein Schützenfest abgehalten.
Franz stiftete in diesem Jahr 100 Taler für ein silbernes
Diadem, das die Schützenkönigin erstmals 1849 trug
(24).
Anscheinend war für den
Juni 1848 eine Arnsberg-Reise geplant. Josephine erwähnt (25),
daß Franz nach London zu Fritz reisen wolle, und Fritz
beabsichtige, Franz dazu zu bewegen, die Reise gemeinsam zu machen.
Aber anscheinend war die Entzweiung der Brüder noch nicht
bereinigt. Josephine zitiert ihren Bruder Fritz (26), Franz sei aufs
Land gegangen, der „eitle und selbstsüchtige,
unumgängliche Typ“.
Im März 1850 hatte
Josephine ihren englischen Brüdern mitteilen müssen,
daß die Regierung in Arnsberg infolge einer schlimmen
politischen Intrige die Witwenpension der Mutter gestrichen habe (27).
Und als Reaktion notiert sie, daß Franz und Fritz
„aufs Liebevollste“ für die Mutter sorgen
(28). Zwar habe Franz einen despotischen Charater, erklärlich
und verzeihlich durch nachteilige Erziehungseinwirkungen, aber sonst
sei er eine „herzlich gutmütige Natur“
(29). Auch in politischer Hinsicht gibt es für die liberal und
republikanisch eingestellte Josephine an Franz manches auszusetzen. Sie
hält ihn für „furchtbar
reaktionär, vom Standpunkt des altbiblischen
Engländers“ (30). So anläßlich
des Besuchs im August 1850 von Franz mit zwei Söhnen und von
Fritz, der endlich seine englische Frau vorstellt.
Diese Reise traten die beiden
Familien von London aus gemeinsam an. Hier, bei Fritz, hatte Franz den
Asylanten und Revolutionär Dr. Arnold Ruge kennengelernt, das
große politische Vorbild der Josephine. Bei aller
konservativen Zurückhaltung muß Franz seiner
Schwester bestätigen, daß Ruge ein „edles
Antlitz“ habe und „voller Menschenliebe“
wirke (31).
Durch Josephines Vermittlung
konnten Ruge und seine Frau Agnes in England Fuß fassen.
Vorher hatten sie sich in Bremen des Namens d’Alquen bedient,
um unerkannt und unbelästigt durch die
Polizeibehörden untertauchen zu können. Nun, gegen
Ende des Jahres 1850, berichtet Agnes Ruge ihrer Freundin Josephine
(32) vom Beginn ihres Exils und der Begegnung mit der Familie
d’Alquen in Brighton. Sie lernen die Kinder Franky, Mathilde
und Louise kennen und bedauern, daß sie kaum mehr Deutsch
können. Sowohl Fritz in London als auch Franz in Brighton, wo
sich Ruges niederlassen wollen, hätten sie freundlich
unterstützt (33).

Aus dem Jahre 1854 stammt eine
Fotografie von Franz Adam Maria d’Alquen. Sie zeigt einen
fülliger gewordenen Herrn mit weißem Haar und
üppigem Backenbart. |

In einem etwa 20 Jahre
späteren Bild erkennen wir den Großvater mit
vermutlich der Tochter Florence Frances, geboren 1870, seines Sohnes
Frank. Das Kind dürfte etwa drei Jahre alt sein, somit das
Foto von etwa 1873 stammen, somit etwa vier Jahre vor seinem Tod. |
Der Kontakt zwischen dem Ehepaar Ruge und den Familien der
d’Alquen-Brüder reißt nicht ab. Allerdings
ist sich Agnes Ruge (33) gegen Ende des Jahres 1857 nicht sicher,
welche Meinung Fritz von ihnen hat und wie er über ihre
gelegentlichen Besuche in London denkt. Fritzens Frau jedenfalls findet
ihr besonderes Lob.
Die letzte Nachricht von Ruges aus Brighton stammt vom Januar 1861
(34). Agnes berichtet von einem Wiedersehen nach längerer
Zeit. Franz sehe wohl aus und könne recht
liebenswürdig sein. Seine Frau habe sich prächtig
verjüngt: sie trage nun Locken und ein Gebiß. Zwei
Töchter fielen auf durch ihr weißblondes Haar. Die
„Herren Söhne“ wirkten frisch und
männlich, Franky wie der „vollkommenste
Künstler“. Seine „prächtige
Stimme“ und das „ausgezeichnete
[Cello-]Spiel“ falle auf. Allerdings kleide er sich in ein
abenteuerliches Kostüm. Ferdinand habe ein
d’Alquensches Gesicht, „mehr hübsch als
häßlich“, was immer dies bedeuten mag.
Damit sind die uns bekannt
gewordenen Quellen, insbesondere der schriftliche Nachlaß der
Josephine d’Alquen, erschöpft. Aus dem Kreis der
Familie wissen wir, daß sich briefliche Verbindungen zur
Familie des Franz Maria d’Alquen bis zum Beginn des Ersten
Weltkriegs, also bis etwa 1914, erhielten. Nachdem Josephines Briefe
und Notizen mit dem Jahre 1850, dem Tode ihres Freundes Pfeil,
versiegen, bleiben 27 Jahre des Lebens von Franz Maria
d’Alquen unterrepräsentiert.
Etwa aus dem Jahre 1854 stammt
eine Lithographie von Franz Maria d’Alquen (Abb. siehe oben
), ein
eleganter, schlanker, etwa 50jähriger Herr mit gepflegtem
Backenbart. Einiges deutet darauf hin, daß es sich bei diesem
Bild - wie damals nicht unüblich - um eine Montage handelt.
Der Kopf wirkt ausgeschnitten und wie auf einen vorgefertigten Rumpf
aufgesetzt.
Etwa 20 Jahre später
sind das Haar und der Backenbart weiß und üppiger
geworden. Ach die Gestalt wirkt fülliger. Franz
Maria d’Alquen ist am 28. Aug. 1877 in Brighton gestorben
(35). Seine Frau Mathilde, geboren 1812, starb wohl in
Brighton oder Steyning 1893.

Mathilde
d'Alquen, geb. Mues, Brighton
Franz Maria d’Alquen
war sicher die bedeutendste musikalische Begabung der Nackommen des
Franz Adam D’Alquen. Er war der erste, der von der Musik
leben konnte. Über seine Stellung in Brighton wissen wir
nichts Genaues. Einige Quellen nennen ihn Musikdirektor. Es wundert,
daß er so oft während der Brightoner Badesaison in
Deutschland weilte. Man könnte daraus schließen,
daß er nicht etwa Konzerte organsierte, um das
verwöhnte Badepublikum zu unterhalten, sondern daß
er eher als Interpret klassischer und eigener Werke in den
Sommermonaten pausierte, einer Jahrezeit, in der auch seine
Schüler nicht am Ort weilten.
Von seinen Kompositionen und
Liedvertonungen sind uns neunzehn Stücke bekannt geworden.
Franz hat seinen Schwestern Josephine und Caroline häufig
Belegstücke seiner Veröffentlichungen geschickt. Dies
beweisen entsprechende handschriftliche Vermerke auf den auf uns
überkommenen Notendrucken. Es würde nicht wundern,
wenn erheblich mehr verstreut im Besitz der verschiedenen
Familienmitglieder in England und Kanada schlummern.
Das Ehepaar Franz Adam Maria
d’Alquen und Mathilde, geb. Mues, hatte
fünf Kinder:
1. Francis (Charles) Stanley
(auch Frank C. Stanislaus) d’Alquen, geb. am 29. VIII. 1838
in
London, gestorben 21. V.
1910 (siehe Anhang III)
2. Henry
Jesse W.
d’Alquen, geb. am 24. X. 1840 in
Steyning. Er
heiratete 1869 in Australien
Mary N, geb.1851. Die Ehe wurde geschieden.
Henry starb in Steyning 1917, seine Frau
in Hammersmith 1927. Über die weiteren
Nachkommen siehe Anhang II.
3. Mathilde
Ida
d’Alquen, geboren in Brighton 1843, gestorben in
Steyning 1925
4. Louise
Emily
d’Alquen, geboren in Brighton 1847, gestorben in
Steyning 1917
5. Ferdinand
d’Alquen, geboren in
Brighton 1850. Er heiratete in Tonbridge 1879
Louisa N (1844 - 1924) und starb in
Lewes 1893. Das Ehepaar hatte keine
Kinder.
Eine
Liste mit allen verlegten Kompositionen des Franz Adam Maria d'Alquen
kann alls PDF- Datei heruntergeladen werden. ( Zum Download klicken Sie HIER mit der rechten Maustaste und
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Eine Auswahl aus seinen Kompositionen kann HIER
heruntergeladen werden.