Die
d'Alquen Seiten
(Dalquen,
Dalken, van Alken,usw.) |
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Die jüngere
westfälische Linie
Carl Anton d’Alquen
(1815
- 1886)
Das
achte (bzw. neunte) Kind des Franz Adam
und seiner Frau Helene Sybille
ist wieder ein Junge. Am 3. März 1815 kommt er in Arnsberg zur
Welt. Der Auszug aus dem Taufregister Jg. 1815, S. 347, Nr. 30, lautet:
Im Jahre Christi achtzehnhundertundfünfzehn den dritten
März
morgens halb drei Uhr ward dem Großherzoglichen Hessischen
Herrn
Regierungs-Rath Franz Adam D‘Alquen zu Arnsberg von seiner
Ehefrau
Helene Ubaghs das neunte Kind und zwar der siebente Knabe geboren,
und am sechzehnten desselben getauft, wo er die Namen Carl Anton
bekam. Gevatter war der Großherzoglich Hessische Herr
Rechnungs-
Rath Carl Anton Ziegler zu Arnsberg, welcher dieses Protokoll nebst
dem Vater des Kindes und mir dem Pfarrer, welcher die Taufe ver-
richtet hat, unterschrieben hat.
Todesanzeige und Totenschein geben den 4. März als Geburtstag
an.
Aus der Kindheit des Jungen hat sich nichts erhalten als drei
Albumblättchen von 1822, 1823 und 1828, die Josephine in ihrem
Nachlaß aufbewahrt hat.

Zu des
Lebens Freuden
Schuf
gott die natur
aber
gran und leiden
Schaffen
wir uns nur
(Carl Dalquen 1822)

derselbe Text
Dein
Bruder Carl D'alquen
Arnsberg,
den 22ten May 1823
(statt "gran" nun "Gram")

Wer
auf Weisheit wenig achtet
Nur
nach langem Leben trachtet
ist zu
seinem Schaden blind,
Stirbt
im Alter noch als Kind.
Arnsberg,
d. 9ten April 1828
Carl
D'alquen 1828
.
Am 3. April 1828 bezieht Carl das Arnsberger Gymnasium. Gerade hat hier
sein Bruder Fritz das Abitur abgelegt. Seine Eltern sind inzwischen 64
bzw. 54 Jahre alt. Der Vater ist seit zwei Jahren pensioniert. Sein
ältester Bruder Jean ist bereits im fünften Jahre
selbständiger Arzt in Mülheim. Die übrigen
Geschwister sind alle noch von den Eltern abhängig.
Die finanziellen Verhältnisse der Familie sind bei drei
Studenten (Franz, Hermann, Friedrich), wovon nur einer das
Fleischbeinsche Stipendium bekommen kann, recht angespannt. Carl hat
diese Chance nicht. Jedenfalls erfahren wir darüber nichts aus
Josephines Nachlaß bzw. aus den Unterlagen der
Stiftungsadministration.
Der Vater stirbt 1838. Carl ist inzwischen 23 Jahre alt. Wenn er in die
erste Klasse des Gymnasiums eingetreten ist und nicht bereits in eine
höhere, müßte er spätestens 1837
die Schule verlassen haben, mit 21/22 Jahre also, in einem für
damalige Verhältnisse recht vorgerückten Alter.
Mit vollem Bewußtsein erlebt er seit 1835 die politische
Verfolgung seines Bruders Fritz, dessen Verurteilung zu
fünfzehn Jahren Festungshaft, die
vorläufige Entlassung wegen Krankheit 1836 und seine
Auswanderung nach England 1839.
Vom Jahre 1842 an fließen einige bescheidene Quellen in
Josephines Nachlaß. Wir erfahren unter dem Juni 1842 (3. 20),
daß Carl in Paderborn lebt. Er bestellt Bücher
für seine Schwester, darunter den verbotenen Börne.
Im Juli und August dieses Jahres teilt Josephine ihrem Freund Pfeil mit
(3. 29), daß Carl in Kürze nach Paris gehe,
„unruhige Tröpfe, diese
d’Alquens“. Hier kann nur die Cousine
Gräfin Ida de Bocarmé in Frage kommen. Dies
muß sich, wenn es nicht nur eine kürzere Reise war,
zerschlagen haben.
Wir erfahren vom Januar 1843, daß Carl mit Protektion des
Regierungsrats Freundsberg im bischöflichen Büro in
Paderborn für 300 Reichstaler Jahresgehalt angestellt ist.
Hauptgrund seiner Berufung ist aber, daß er als Solobassist
für den Domchor gewonnen wurde. Josephine schreibt:
„ Seine Stimme hat ihn dahin gebracht“. Er sei ganz
glücklich, habe viel Arbeit und einen frischen, freien
Lebensmut. „Ein paar herzliche Freunde und Musiktreiben ist
wirklich alles, was diese harmlose Seele zu ihrer Zufriedenheit
bedarf“. In Arnsberg war er zuletzt ein besonderer Liebling
des Musikdirektors Sterkering, Vorstand der Liedertafel, „der
eine ziemliche Meinung von seinen [Carls] Compositionen hegte, die
immer gesungen werden mußten: ich gestehe, daß ich
mich selbst über manchen originellen Gedanken darin
wunderte“. Die Kinder hatten nie Musikunterricht
außer einem sehr mittelmäßigen
Klavierlehrer, der die drei ältesten Geschwister ein
„paar Jahre dumm machte“. Die Musik „war
wie eine Sprache, die im Hause gesprochen wurde, und wie ein Kleines
den Mund auftun konnte, plapperte es [musikalisch) mit“
(Blaue Mappe, 4. 2 v. 19. - 23. 4. 1843).
Anscheinend ist es die erste berufliche Tätigkeit
Carls überhaupt gewesen, die der Regierungsrat Freundsberg
vermittelt hat. Diese Arnsberger Familie ist uns nicht unbekannt. Ein
Mitglied, der junge Dr. med. Freundsberg, taucht 1837 in den gleichen
Protokollen gegen die Würzburg-Bonner Burschenschaft wie
Friedrich auf, blieb aber anscheinend ungeschoren.
Im Mai 1843 hat Carl in Berlin zu tun, wo sich Pfeil inzwischen
aufhält. Josephine teilt ihm mit (4. 2, Beilagen, Geheft 1),
daß Carl Post mitbringen werde.
Eine hochinteressante Notiz finden wir unter dem 21. August 1845. Franz
ist mit seiner Familie aus Brighton in Arnsberg zu Besuch. Carl
hält sich zur gleichen Zeit dort auf. „Beinahe 8
Tage lang hat unser gemüthlicher Carl, während er des
Morgens auf meinem Sofa lümmelte“, schreibt
Josephine (6. 71), und „sein Frühstück
nahm, sich an Venedey und seinem eifrigen Glaubensvertreter
O’Connell erfreut - ehe ich selbst zum Lesen kam“.
Jacob Venedey, ein Schriftsteller aus Köln, gehörte
dem verbotenen „Bund der Geächteten, Gerechten und
der Deutschen“ an. Hier waren ganz überwiegend
revolutionär gesinnte Handwerker organisiert. Venedey war
wegen „revolutionärer Umtriebe und
Preßvergehen“, also Verstöße
gegen die Pressezensur, angeklagt und in Frankenthal in der bayerischen
Kurpfalz inhaftiert worden. 1832 gelang ihm die Flucht aus dem
Gefängnis nach Paris. Hier agitierte er unter dem Pseudonym
„Hutten“.
Der irische Politiker O’Connell ist uns bereits aus
Friedrichs Lebensbeschreibung (s. o.) bekannt; er kämpfte
gegen die Unterdrückung der Katholiken durch die
Engländer und dafür, daß Irland ein eigenes
Parlament erhielt.
Erstaunlich, daß ausgerechnet der konservative Pfeil
Bücher dieser beiden empfahl (6.68). Erstaunlich auch,
daß Josephines jüngster und letzter Bruder nun mit
revolutionärem Geist geimpft wird. Allerdings hatte die
politische Indoktrination bei ihm keine nachhaltige Wirkung.
Am 29. März 1846 (7.6) beschwert sich Josephine über
Carls Schreibfaulheit seit einem halben Jahr. Aber es dauert noch bis
zum 22. August 1849, ehe wir Konkretes über Carls Schicksal
erfahren (8. 29 S. 19). Er hatte seine Schwester gebeten, ihre
Beziehungen über Pfeil spielen zu lassen. Anscheinend strebte
er die Aufgabe seiner eher bescheidenen Stellung in
bischöflichen Diensten in Paderborn an. Die in diesen Dingen
sehr empfindliche Josephine ist entsetzt, daß sie ihrem
Bruder Vorteile verschaffen soll, schreibt aber trotzdem an Pfeil (8.
99), der sich bei seinem Freund Hegel, der ja auch ein guter Bekannter
Josephines aus seiner Referendarzeit in Arnsberg ist, verwenden soll.
Hegel, Sohn des Philisophen, arbeitet im preußischen
Innenministerium. Die Vermittlung läuft überraschend
schnell und erfolgreich ab. Bereits am 25. August 1849 teilt Pfeil
Josephine mit (8. 97), daß es keine ernstlichen Hindernisse
gibt. „Bauer“, er teilt nicht mit, wer das ist,
werde das übrige besorgen können. Hegel hat eine
Einstellung bei der Eisenbahnkommission vermitteln können.
Aber aus „Vorsichtsgründen“ soll Carl
vorerst nur provisorisch angestelt werden.
Zum 3. Juni 1850 scheint das Provisorium beendet zu werden. Josephine
teilt Pfeil mit (9. 47), daß Carl sich einem
Vorstellungsgespräch stellen soll, und - wie wir wissen -
führte dies zu seiner Verbeamtung als Güter-Expedient
der preußischen Staatsbahnen beim Bahnhof Warburg. Carl
heiratete am 17. Juli 1855 Elisabeth Henke aus Paderborn. Das Ehepaar
wohnte im heutigen Stadtteil Bonenburg von Warburg, etwa 10 km
nordwestlich an der Bahnlinie nach Paderborn gelegen. Hier kamen
fünf Kinder des Ehepaars zur Welt, das sechste in Geseke.
Nachdem Josephines Freund Hermann Pfeil, der Hauptverursacher ihrer
sehr umfangreichen schriftlichen Hinterlassenschaft, 1850 gestorben
war, finden wir für ihre verbleibenden 19 Lebensjahre fast
keine Nachrichten mehr über ihre Familie. So auch nichts
über ihren jüngsten Bruder Carl.
Carl Anton d’Alquen starb am 8. Dezember 1886
71jährig an Herzversagen bei seinem Sohn Heinrich in
Hoinkhausen. Seine Witwe überlebte ihn um 20 Jahre. Sie starb
am 18. April 1906.
Zwei seiner Geschwister überlebten ihn: Friedrich in London
starb 1887, die Schwester Caroline in Arnsberg 1888. Hoinkhausen wurde
der Hort der meisten und schönsten Stücke aus ihrem
Nachlaß. Ihrem Bruder Carl und seiner Familie hatte Caroline
anscheinend besonders nahe gestanden.
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